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Die neue Welt · 1930-09-12 · Heft 156 (12.9.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 156 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT « Nr. 156 •in scfcdnet Htlftt durch T«rif»TipttMf«brlkt A.*0M Wien,!„ ScfrottenbaateMÖ Pltlalts Mim» Jesulte-tf*«** s Es ist der Geist, der sich den Körper baut! Der Körper zeigt, welch' Geist ihn hat geschaffen. Drum rat* ich Euch, so wohlmeinend elf laut: Trinkt „Huber-Geist4*, wo Ihr ihn könnt erraffen! Mit Mißbrauch mit zionistischem dem tarnen and tiefd dfet JHftftfAen Naffotialfond« (Keren Kafemefh) gegen Herst und die Idee vom JudenstaaC* Eine der größten Schöpfungen, des Herzischen Zionismus ist der Jüdische Nationalfonds. Unter Theodor HerzI wurde er errichtet. An die dreißig Jahre tragen die zionistischen Massen Groschen um Groschen zusammen, um den Boden Palästinas zu erlösen, ihn in den Besitz des jüdischen Volkes zu bringen. Für jeden Zionisten ein heiliger Fonds, eine heilige Herzenssache. Der Nationalfonds kann sich nicht darauf beschränken, nur Geld zu sammeln und Boden au kaufen. Er muß auch Werbearbeit für die Idee leisten, der er seine Entstehung und Entwicklung verdankt, Werbearbeit für die zionistische Idee. Er versendet von Zeit zu Zeit aufklärende Schriften über den Inhalt und das Wesen der zionistischen Bewegung. Eine solche Schrift ist soeben erschienen. Umfangreich, in teuerer Ausführung. Sie heißt: „Jüdischer Alma nach auf das Jahr 5691" und trägt auf dem Titelfolatte den Vermerk: „Herausgegeben im Auftrage des Keren Kajemeth Redigiert von Dr. Friedrich Thieberger und Dr. Felix Weltsch." Der Hauptartikel, der einzige, dem Wesen des Zionismus gewidmete Artikel in diesem „Werbe- Buche", trägt den Tdtel „Versuch einer Neubegründung des Zionismus" und ist von Dr. Ernst Simon (Jerusalem) geschrieben. Dr. Simon ist einer der exponiertesten Vertreter der Vereinigung ,$ r i t h Schalom*\ jener Vereinigung, die unter dem Schlagworte „Frieden mit den Arabern" alle jüdischen Rechte auf Palästina preisgibt, deren Tendenzen von allen Gruppierungen im Zionismus abgelehnt werden, weil sie auf Vernichtung des Zionismus hinauslaufen. Diesem Manne wurde es überlassen, im Werbe-Buche des Jüdischen Nationalfonds über die zionistische Bewegung zu schreiben, ihm, allein. Sein Artikel ist auch, wie es ja nicht anders .zu erwarten, ganz darauf angelegt, den Her zischen Zionismus als eine' minderwertige Sache darzustellen und die Id ee vom Judenstaate zu verunglimpfen. Mehr als zwanzig Seiten dm Naidonalfonds-Buohe sind dieser Aufgabe gewidmet. Das Bestreben Herzls, das jüdische Volk frei zu machen, gleichgestellt den anderen Nationen, charakterisiert Dr. Simon als „ein höchst verdächtiges und sogar gefährliches Element, das dem nationalen Minderwertigkeitskomplex eine vorschnelle Befriedigung an einem schlechten europäischen Vorbilde anbietet ..." Er findet es für selbstverständlich, daß sich aus diesem Grunde „so tiefe jüdische Geister wie der deutsche Liberale Hermann Cohen und der hebräische Kulturphilosoph Achad;<Haam . vom politischen Zionismus entfernt hielten". Ueber die blutigen arabischen Unruhen, über den meuchlerischen Ueberfall auf die Juden im August 1929 weiß Dr. Simon nichts Besseres zu schreiben als: „Daß aber der nationale Aufstand . der Araber, der, unter furchtbar, grausamen Begleiterscheinungen, doch mit einer prinzipiell, verständlichen Tendenz keine wirkliche innere Umstellung der zionistischen Organisation herbeiführte, sondern zum Teil gerade die judenstaatlich gerichteten .machtpolitischen Gruppen und ihre mechanische ^Forderung nach einer jüdischen Mehrheit stärkte, muß sehr ernst stimmen 1" m f=\ Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfern Ii« Murin iui »II VW II III ffl Rundfahrt«*! Im Hlttvlmcvr Genua — Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: ,Sitmar\!. Kärntnerring 18 {Eckt SehwtttenbergpUtz) Telephon U-45009 Dies das Urteil übef die himmelschreienden Greueltaten. Bedauert wird nur die Hartnäckigkeit der Zionisten, welche weiterhin Judentstaatler sind und eine jüdische Majorität in Palästina anstreben. Was die Araber getan haben, ist „prinzipiell verständlich". Und das findet sich nicht etwa in einer jüdischen Zeitung als Diskussionsartikel, für dessen Inhalt die Redaktion die Verantwortung ablehnt, den sie zur Debatte stellt. Nein. Das steht in einer offiziellen Werbeschrift des Jüdischen Nationalfonds, unwidersprochen, so daß jeder Leser berechtigt /annimmt, ja, annehmen muß, daß; diese Auffassung vom Zionismus die Auffassung der Kreise hinter dem Jüdischen Nationalfonds, also die Auffassung der Zionistischen Organisation ist. Der Leser muß znr Ueberzeugung kommen, daß die Zionistische Organisation den Herzl-Zloriismns für minderwertig und gefährlich und das gegen den Zionismus gerichtete Treiben arabischen Hetzer für „verständlich* Mit * Es ist nicht leicht, Über diese Sache ruhig zu sprechen, nicht' leicht, ruhig Blut zu bewahren, wenn man sieht, wie tief das Uebel eingefressen ist, wie unzionifitisohe Faktoren eich hinterrücks in die wichtigsten zionistischen Positionen eingedrängt und die wichtigsten zionistischen Machtmittel an sich gerissen haben. . Es erübrigt sich, viel Worte zu verlieren. Nur eines muß gefördert werden: Die Leitung der Zionistischen Oorganisation und die Leitung des Jüdischen Nationalfonds;. müssen sofort und in aller O e f f e n t Ii c h ke i t Rede und Antwort dafür stehen, wie es kommen konnte, daß im Namen und mit dem Gelde des Jüdischen Nationalfonds der Herzl-Zionismus verunglimpft und den um Palästitia kämpfenden zionistischen Massen'in den Rücken gefallen wird. Die Antwort muß sofort erfolgen, weil sonst der Jüdische Nationalfonds selbst in höchste Gefahr gerät. Das reine, starke Instrument, das Herzl schuf, , muß in reinen, starken Händen bleib-n. RUNDSCHAU Es war so schön gewesen ... Die Heimwehr, Oesterreichs bürgerliche Garde, hat einen neuen Führer bekommen. Die bekannten Figuren Steidle und Pfrimer sind — für den Augenblick wenig* stens — abgetreten und haben dem jungen Fürsten Starhemberg Platz gemacht. Der Herausgeber des „Neuen Wiener Journal" hat bekanntlich in; der Frühlingsblüte des Heimwehr«Aufstiegs dem Herrn Steidle, der neben seiner Heimwehrführer« schaft auch die Funktion eines christlichsozialen Bundes« rates ausübt, das Versprechen abgenommen, zumindest die „staatstreuen" Juden zü tolerieren und das Schlag* Nur diese Seit wedeiikl inge macht Rasieren zuni ■ Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke wort eines unbedingten Antisemitismus nicht auf seine Fahne zü schreiben. In der Tat, dieses Versprechen ist, alles in allem genommen, eingehalten worden. Die Heim« wehr hat propagiert, Geld gesammelt, und jüdische In« dustrielle waren nicht karg'. Denn Herr Steidle hatte ein Herz für die staatstreueh, bodenständigen Juden. Aber... wir haben es oft gesagt: Die Judenfrage ist in ihrem ganzen Komplex keine Frage aktueller Konstellation, keine Frage von heute und morgen, sondern sie ist ein soziologisches Phänomen, das eine umfassendere Behand« lung erfordert. Anormal;- wie die Situation des jüdischen Volkes in jedem Lande nun einmal ist, kann die Juden« frage, wie sie nun einmal ist, von dieser oder jener Partei oder Weltanschauung restlose Lösung nicht erwarten. Zugegeben, daß etwa die österreichische Sozialdemokratie die arbeitenden Massen der jüdischen Minderheit in Oesterreich oder daß etwa die bürgerlichen Gruppen das jüdische Bürgertum Oesterreichs (nebenbei gesagt Weit« aus schmäler als man annimmt) in ihren Interessenkreis cinzubeziehen ehrlich gewillt wären, so müßte diese Be* mühung unserer tiefsten Ueberzeugung nach objektiv daran ^scheitern. Die Judenheit in den Diaspora«Ländern ist derart gestaltet, daß sie aus welchen Gründen immer, sei es die Judäophobie psychologisch genommen, sei es der soziale Keil, den wir überall bilden, ein Eigenleben zu führen bestimmt ist. Da hilft keine Sozialdemokratie, da hilft kein organisiertes Bürgertum. Das will anscheinend der Herausgeber des „Neuen Wiener Journal" nicht verstehen. Er hätte sonst davon Abstand genommen, den Fürsten Starhemberg vor die Gretchenfrage zu stellen: „Bist du ein Judenfeind oder nicht?" Was kann der arme Fürst Starhemberg auf diese heikle Frage antworten?, Er dreht sich nebbich. Ein Hitlerianer ist er. Er es nicht sagen, er will es nicht leugnen. Herr Jakob Lippowitz muß das zur Kenntnis nehmen. Es war' so schön gewesen, es hat nicht sollen sein. Offenherzigkeiten. Juden sind gewohnt, mit öligen Phrasen abgespeist zu werden. Wenn es den Juden eines Landes politisch und wirtschaftlich schlecht geht, wenn sie verfolgt werden und sich an die Regierung um Schutz wenden, elphalten sie Versicherungen und Verströstungen. Man er*' kennt sie als Gleichberechtigte an, wird sie schützen, wfrd sie hüten und gibt noch viele so schöne Worte. Nur keine klare Antwort. In letzter Zeit sind aber zwei löb* Hohe Ausnahmen zu verzeichnen. Die rumänischen und die slowakischen Juden haben von ihren Regierungen klare Antworten bekommen. Und zwar ganz klare. i; Auf die Klagen der rumänischen Juden über die entsetzlichen Verfolgungen der letzten Zeit gibt die rumänische Regierung, welche es bis jetzt vorzog, anti« semitische Ausschreitungen abzuleugnen, endlich eine Antwort, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Ihr offizielles Organ in französischer Spräche „La Nation Romaine" veröffentlicht einen Artikel, in welchem zu den letzten antisemitischen Ausschreitungen Stellung genommen wird. Nachdem festgestellt wird, daß sich die Juden in Rumänien aller Rechte" erfreuen, wird zugegeben, daß in der letzten Zeit Ausschreitun« gen antisemitischen Charakters vorgekommen seien. Als Ursache dieser Ausschreitungen wird die. Tatsache ange« geben, d a ß d i e Bauern nicht genügend G e 1 d besitzen, um den Boden zu b e a r b e i tein, \ den. sie bei der Expropriierung erhalten haben. Wenn größere Kapitalien ins Land kommen sollten und sich., dadurch die Lage der, Landbevölkerung bessert, werden antisemiti* sehe Ausschreituligen unmöglich sein.' Wenn die J u d e n d er ganz e'n W e 11 'Rumänien K r c d i t e gewähren, werden sich Aus sc H'xVi t u n'g e n gegen Juden in Rumänien nicht mehr ereignen. . Das ist klar. Wenn die ausländischen Juden Geld nach Rumänien schicken werden, dann wird Rumänien handeln wie ein Kulturstaat und seine Juden werden vor Raub, Mord und Brand geschützt sein, Ohne ausländi« sches Judengeld ist Rumänien außerstande, den Kultur* staat zu spielen. Das nennt man offenherzig. Auch den slowakischen Juden ist das Heil wider« fahren, eine offenherzige Regierung' erhalten zu haben. Eine, die sich, nicht dreht und windet. Die Juden der Ostslowakei (Karpathorußlands), Bürger der sonst gut fundierten Tschechoslowakei, leben in entsetzlichstem Elend. Hungertyphus ist eine alltägliche Erscheinung. Sie wandten sich wiederholt " an die Regierung um Hilfe. Lange hat die Regierung" geschwiegen,-Jetzt hat sie ge« sprochen. " •' Das halbamtliche ungarische Tagblatt „K e l e t i U j s ä g" veröffentlicht eine Unterredung seines Redak« teurs mit dem Gouverneur von Karpathprußland Doktor Beskid, in welchem u. a. Stellung genommen wird zur jüdischen Frage .in Karpathofußland. Der Gouverneur hält die Lage der jüdischen Bevölkerung Karpathoruß» lands für von Grund auf unglücklich. Die Mehrheit, erklärte er wörtlich, leidet in einem solchen Maße Not, daß man sie l>e m i 11 e i d e n m ü s s e. Doktor Beskid hat, wie er erklärt, über die Möglichkeiten einer Hilfe an die jüdischen Massen nachgedacht, die auf dem Lande leben und ohne Berufe sind, und ist zu der Erkenntnis gekommen, daß schließlich für den größten Teil des jüdischen Proletariates kein,andere,r Aus« weg als der der Emigration bleiben werde. Geliebte jüdische Landeskinder!, Schnürt euer Ranzel und wandert ausl Dann ist uns und euch geholfen. Auch dies ist deutlich, sehr deutlichl Fromme Geschichten. Preßburger Zeitungen wissen von einem „frommen" Zwischenfall zu berichten. Bekanntlich ist für die Agudah, Orth, -itto sowie diverse Käsesorten in feinster Qualität, streng verläßlich, liefert Staufffer & Söhne, Käsefabrlken, Sopron, Ungarn Vertretungen: t u d w 19 S c h i c h af Wien II» Prnterstratl« 90 Telephon R-43-7-27 Generiert eter fQ< die Tsdietiiotlowakii: f. Orünwald, Outa (C. S.U.

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