Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1930-09-12 · Heft 156 (12.9.1930) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 156 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2711613-2711736-2711774--2047-2715308
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Preis 35 * /" V.b.fc». DIE NEUE WELT bEZUGSbßDINGUNGEN Oesterdeich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Pölert monatlich Zloty .2.-. : vierteljährig Zloty 6.V . Tschecnoslöwakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig K<v 15-*, Jugoslawlen monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— : Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDiNGUNQBN Üeutschlana monatlich Mark t.— vi«tetiährig. Mark 3.—, Bulgarien monatlieh Lewa 40.*-, vierteljährig Lewa 1:20 Italien monatlich Lire 5.-, vlefteljährig Life 14.- Schwel« und die übrigen L« nder monatlich Schweiler Francs 1.50. viert eliährlg Schweizer Francs 4.5p HERAUSGEBER: fcOBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, iX.t Universitätsstraße 6—8 Telephon: B* 48-504 — Erscheint reden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 1% September 1930 Nr. 156 Das Echo* Antworten auf die Rede Weizmanns gegen den Judenstaat. Die Verleugnung des Jüdeiistaates durch Präsidenten Weizmann, welche mit Verleugnung des Zionismus gleichbedeutend ist, hat schon Früchte getragen. Allerdings andere, als Weizmann und seine Freunde vom Brith Schalom erwartet haben. Die Rede war darauf angelegt, das Wohlwollen der Feinde des Zionismus, der englischen; jüdischen und arabischen, .zu erbitten. Die Araber haben bereits geantwortet. Der Großmufti läßt durch seine Organe mitteilen, daß Präsident Weizmann sich vergeblich bemüht habe., Seine Absage an den Jucjenstaät Palästina sei unzureichend und könne keinen Araber befriedigen. Die Araber wollen keinen arabisch-jüdischen und keinen jüdischarabischen Staat,t sondern einen, arabischen Staat in;P'al äs t i n a. Alles andere Gerede sei unnütz. , . . Sein Organ, das arabische Blatt „AI Karmel", steUt fplgeö^e »iFriederisbedingungen" auf: ■l \ Verpachtung, a u c h n ich feinen F e 1- 1 a c h ein ~zju entlassen; V e r zi c h^t auf Konkurrenz mit ■%"$'£'bi.'B p b e n; Beamten und Arbeitern; Beschäftigung von 8 0 .ProztiS|;i|aTer.n"(in ||ü<d^frigfekö ik Un t crnelimun g e n; Verzicht' ätif;^iif|^ttii^n^ der j ü d i s eh e n Iii d u s t r i e dtd-cllidfe Regierung; keine Könkur r e n z mit arabischen Kaufleuten; Anerkennung des Ära bischen als der einzigen offiziellen Sprache, Palästinas; Verzicht auf denum vom Nation a 1 h e i m und Aufgabe des Widerstandes gegen die Einreihung Palästinasi. in einen arabischen Staatenbun d." Das Organ der Arabj^cheh Exekutive in Palästina „F e»l est i n" schreibt als Antwort auf Weizmanns Rede in Berlin: .^jpÄlästina ist ein arabisches Land, wir fordern einen -a r ab i s c h e n. nicht aber einen jüdisch-arabischen Staat. Die Zionisten müßten sich damit abfinden, wenn sie nicht eine Niederlage erleben wollen." ',*•;- ' •' •': '. Das die Wirkung der .»versöhnenden und staatsmännischen" Erklärung. Sie hat den Zionismus an den Rand des Abgrund« gebracht und den Uobermut seiner Gegner ins Ungemessene gesteigert. Aber auf einer Seite hat sie doch hohes Lob gefunden! Die jüdischen Blätter der Nicht- und Antizionisten haben Weizmanns Rede mit höchstem Lob überschüttet. Jetzt ist er für sie der größte, Jude und Staatsmann. Sie prophezeien, daß Weizmanns Wort: „Bald wird, es, keinen Unterschied zwischen^ Zionisten und f^^^b^te^; geb^n-'; der; Erfüllung eÄtgegenge^ es' in.jter Richtung Weizmanns weitergeht, wird es. , bal<|.., keine Nichtzionisten geben. Aber auclji; *eine Zionisten. Dann ist der Unterschied beseitigt, un;d ganz gründlch. Warum idi zum Zentrum gingt Von Georg, Kareski« Der Präsident der Berliner Judenfemeinde, Direktor Georg K a r e s k i, dessen andidatur auf der Liste der katholisch orientierten Zentrumspartei in- und außerhalb Deutschlands grdfies. Aufsehen erregt und lebhafte Debatten entfesselt hat, überläittejte der „Neuen Welt" nachstehenden .Artikel. , , Nach Jtinfunddreißigjähriget Zugehörigkeit zur F reis i n n i/g e n, . später zur D e m o k r a <t i fs c h e n Partei bin ich durch die offiziell zwar nech nicht erfolgte, de facto aber bereits vollzogene Auflösung der Demo- WIEN I, Rotenturmstraße 20 XIII Linzerstraße 60 RH * Murcjasse 6 Meine Partei soll sich durch starkes soziales Verantwortungsgefühl auszeichnen . . . das tut das Zentrum. Meine Partei soll für einen gesunden Ausgleich der wirtschaftlichen Gegensätze sorgen, einen starken Bauernstand und einen lebensfähigen Mittelstand schaffen wollen, dein zu schrankenloser Herrschaft iTeppichhausl NUR 2 TAGE Schuh Schwemme ..' 'ä^.<«- 2S0,mar: farbige Schuhe mit kleinen Fabrikationsfehlern von s12'~" bis S direkt in der Schuhfabrik LISSIANSKY VII., KalserstraDe 46 (Im Stock) l!!^ strebenden Großkapitalismüs in erträglichen Schranken halten!^. . das tut das Zehtrüin. < ' ■ ■-■ %i^A^ -Partei-soll 10^ gleiches Recht a* 1 e^:BIü|*\ ger eintreten und1 jeH#'^V^r^uBg von Minderheiten ajbwehre'n' .'das tut; <ial''2e^if^." '■ ,'' ''"'"" . Meine Partei spir'in^ruMger,,'s(teter. Arbeit aüs derwirtschaftlichen Misere dieser; Tage herausführen, keiner Angstpsychose erliefen, aber auch nicht für' morgen schon den Himmel auf Erden versprechen . . . dasVtut das Zentrum. i Meine Partei soll sich für eine' starke? zielbewußte Regierung einsetzen, die nicht• bloß-'Reden "hält, sondern"; wirklich führt und auch u n p op u 1 ä r e n Entschlüssen, die im Interesse des Gemeinwohls liegen, nicht1 aus Angst , vor dem Verlust von Wählerstimmen ausweichen' . * . das tut das Zentrum. So sehe ich die Dinge als Staatsbürger. Und als" Jude? Das Zentrum war.allezeit ein Hort der Rechte der jüdischen R e I i g i o n s g e m e i n s c h a f t- Seine Stellung, zur Judenfrage ist eindeutig; es kennt keine Judenfrage. Niemals ist das Zentrum für S ch ä'c h tv e r b p t e zu haben gewesen^ immer aber für P a r i't a* t, auch in Schul- und E r z i e h-u n g s f r a g.e n. Wenn ich die Zentrumsli§te wälde, laufe ich auch nicht Ge-. so 22 •50 ORENDI - S. SCHEIN A.C. WIEN I, Bauernmarkt Nrn. 10, 12, 14 VII, Martahilferstr. 90 (Ecke Zieglergasse) kratischeV Partei p o 1 i t i s c h liei ma 11 o s geworden. Welcher •Wegjstand mir offen? Zur Sozialdemokratie' könnte ich nicht gehen. Ich hin grundsätzlich Anhänger des ' Privateigentums und das s o z i a 1 e Ideal unrseres'g-f ö'ßen Führers Moses genügt mir. Zu den' tätf a o h ä'n g i g e n D e m^o k r a t e n mich zu Schiftgeh, kam nicht in Betracht, deqn das Gebot der Stunde heißt» nicht neue politische Sptitterchen schaffen, die zur Ohnmacht verdanunt-sind. Die Deutsche Staatspartei erscheint mir in ihrer Zusammensetzung und Willensrichtung so yerschwomme,n, ^äfi:,ein klares Urteil über sie nicht möglich ist. Ich bin 'weif entfernt davon, heute den Stab über sie '4u brechen und sie als antikemitiscU anzusprechen, trotz zahlreicher, mehr oder woniger bewußt, antisemitischer Elemente, die sie in '-ihren Reihen hat. Vielleicht niiftmt sie'trotzdem eine meinen'Anschauungen entsprechende Entwicklung, obwohl mir das Abspringen deg linken Flügels — Erkelenz,' Zief ler —, dagegen dais Verbleib^nJvQn Fi'e i k e r und s k-a r M e y e r bedenkliph' erschei|iit.1 Aber waruin soll ioh' ein Experiment inqc|ien, dessen Ausgang durchaus zweifelhaft erscheint? Das käme doch nur in Frage, wenn es keinen anderen Weg gäbe. (Üribt es keinen anderen?Ieh glaube doch. Meine Partei soll zuverlässig, republikanisch und demokratisch sein ...dus ist da^ Zentrum. immer an der Spitze durch Leistungsfähigkeit QQdiegenheit der Ware Riesenauswahl und Billigkeit Oestarreichische ßänyai-Knüpfteppiche Größtes Lager Wiens Alle Dessins, alle Größen P«rs«rl«ppich« *u ElnhelUprsiten t Eohter Perser-Vorleaer........ per S ttck S 50.— Eohte Pera&r-Bri)oken. bis 2 m* . . . per stück S lof,— tobte Perser.LBufer, bis VI, m» . . . per Stück S 260.- Eohte Perser-LIufer, öis 5'A m» . . . per Stück S4a0.- Eihte Pursertepploh«, iheiiz, Mahai, Täbilz, loraghan, Mesh d) ois zur Oiö(ie 3Q0X4<0cm p. Stück S895.- Eohte Smyrnatepplohe in allen Größen, pro m» i>' 0,- Seltene, antike Peiserteppl he für Liebhaber und Sfemmler Eohte Chinatepplohe (Handarbeit) . . . .pro m* S 85.- T«tx«t*Tepplche zu tief reduzierten Preisen Linolwum i Alle Qualitäten in modernster Musterung, zu WIHgiton Prtlsssi In d«r $chw«mm«t Lauftepplohresto, zutücKgeseuie Tepplohe, Auslagen- und Einzelutücke xu Sohleuderprelten B«fichtl9«n Si« uns«!« Schau!«ntt«r! fahr, daß meine Stimme solchen Juden zu- Igutekommt, die unserer Gemeinschaft den Rücke n g e k e h r t h a b e n. Alles das scheint; mir aber an Bedeutung hinter der politischen Tatsache zurückzustehen, daß. das Zentrum in dieser Zeit der Roch« flut .djss Antisemitismus sich entschlossen hat, einen Juden auf seine Kandidatenliste zu setzen und damit eine Uber jeden Zweifel erhabeqe Ant' wort auf die Frage' nach seiher Stellung^^M;''!A^is;enji'! tifimue zu gehen. ' \ Die Situation der deutschen Wirtschaft ist ernst» Sie myß heraus aus de» ewigen l/nklarheiten und Krisen; Was not tut, ist ein starker politischer Wille, wie er nur durch groj^e, in sich gefestigte Parteien sich durchsetzen'kann/: Wo ist . sie denn noch, die große Partei derstaatshU^erllcheu: Mitte — außer d^m\Ze.ntrun>? Iip^-: :sejp ,^i:-n^n| 'iunj.-därum bin ich^ö Wft^ z^um; Zentrum g^gangen« als?Staatsbijjrger und als J u d e, und ich denke» daß nicht wenige deutsche Jü^en,,1 die vor der gleiche« Frage stehen wie ich, die gleiche Antwort finden werden. Vielleicht wird diese Eutschefcdang noch einmal geschichtliche Bedeutung haben, Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.