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Die neue Welt · 1930-09-05 · Heft 155 (5.9.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 155 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 1 ' M. T y> DIE MEW WELT Seite f und statthaft wäf«, daß eine solche Siedlung «twr praktisch nicht in Frage komme, weil die Juden es vorziehen, sich in geschlossenen Siedlungen zu konzentrieren. Ein englisches Blatt gegen die englische Regierung und für den Zionismus. London, 31. August. Die letzte Ausgabe der „Sunday Times" (Das Blatt hat eine Millionenauflage), in welcher der Inhalt des Berichtes der Mandatskommission des Völkerbundes über die Unruhen in Palästina und die Antwort der britischen Regierung veröffentlicht war, nimmt zu diesen Dokumenten in einem Leitartikel Stel» hing, worin es heißt: „Es wäre vergeblich, zu leugnen, daß der Kommentar der Kommission zu den palästinensischen Unruhen zu einem guten Teil berechtigt ist. In Wahrheit läßt die Stilisierung der Regierungsantwort erkennen, daß sie über ihre Administration in Palästina nicht glück* lieh ist. Die Beanstandung der Kommission, daß die Polizei ihrer Aufgabe nicht gewachsen und unzu« v e r 1 ä s s i g war, ist w o h 1 f u n d i e r t Und es ist keine Antwort, wenn man sagt, daß der Kommission die Stärke der Polizeimacht und ihre Zusammensetzung hauptsäch* lieh aus Arabern bekannt war, und daß sie trotzdem vor den Ausschreitungen nie angedeutet habe, daß sie diese als ihrer Aufgabe nicht gewachsen erachtet. In der Tat ist die Mandatskommission als unparteiische Körperschaft der Wahrheit wahrscheinlich näher* gekommen, als die unzulängliche Kommission, die von unserer Regierung zur Untersuchung der Unruhen eingesetzt worden ist. Wichtiger aber als Rekriminationen ist für die Zukunft der Umstand, daß die Mandatskommission die energische Durchführung eines konstruk» tiven Programms fordert. Dieses soll und muß dem britischen Steuerzahler keine neuen Lasten auferlegen. Erforderlich ist die Wiederherstellung des Ver* trauens in Palästina selbst. Die Zionisten haben be« kanntlich sehr wenig Sympathie und Unterstützung seitens der Jerusalemer Behörden genossen und sind so entmutigt worden, ihre Anstrengungen und In» vestitionen im Lande zu verstärken. Andererseits sind die Araber in ihrer nutzlosen Feindschaft nicht nur gegen die Juden, sondern auch gegen das Mandat selbst, das — wie die Völkerbundskommission erinnert —* als internationale Verpflichtung bestehen bleiben muß, bestärkt worden. Hoffentlich wird das Kolonialamt jetzt den Mut fassen, Palästina zu regieren, wie es regiert werden sollte. Wenn einmal klargestellt worden ist, daß wir nicht beabsichtigen, das Mandat niederzulegen oder uns den Verpflichtungen zu entziehen, die es uns auferlegt, dann wird Palästina seinen Aufstieg fortsetzen und den Weg seiner natürlichen Entwicklung gehen." Statistik des Palästina-Hilfsfonds. New York, 31. August. (J. T. A.) Aus'einem von David A. Brown veröffentlichten Bericht des Mitgliedes der Palästina^Exekutive der Jewish Agency Dr. Maurice B. Hexter, der zugleich der dreigliedrigen Leitung des Palästina*Hilfsfonds angehört, geht hervor, daß für den zur Hilfeleistung an die durch die palästinensischen Un* ruhen Geschädigten begründeten Palästina-Hilfsfonds (Palestine Emergency Fund) in Amerika und England 2,945.000 Dollar aufgebracht worden sind, davon 2,038.493 Dollar in England. Ueber 2,780.000 Dollar aus den Mitteln dieses Fonds ist bereits verfügt worden. 207.790 Dollar wurden für allgemeine Hilfe unmittelbar nach den Un* ruhen verwendet. 140.000 Dollar sind für Witwen«, Waisen» und Invalidenfürsorge im Laufe der nächsten 12 bis 15 Jahre bestimmt, 225.000 Dollar für Darlehen an Familien, die durch die Unruhen betroffen sind, 325.000 Dollar für die Wiedererrichtung zerstörter Siedlungen und die Wiederinstallicrung der Siedler, 250.000 Dollar für Wohnzwecke, 75.000 Dollar für Darlehen an Kaufleute, die durch den antijüdischen Boykott geschädigt worden sind, 25.000 Dollar für Hilfe an Kleinkrämer, 80.000 Dollar für Sicherheitszwecke und 182.500 Dollar für Straßenbau, Telephonanlagen und Zentralgebäude zur Sicherung besserer Selbstverteidigung im Falle künftiger Unruhen. Ein Zentralkomitee der Föderation ungarischer Juden gegründet. Budapest, 31. August. (J. T. A.) In einer von promi. nenten Vertretern der ungarischen Juden abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, die Beziehungen der ungarischen Juden mit der Judenheit in den anderen Ländern, die in der Zeit seit dem Kriege nicht aufrecht« erhalten wurden, wieder zu pflegen und zu diesem Zweck ein Zentralkomitee der Föderation ungarischer Juden zu bilden, in. dem alle Organisationen der ungarischen Juden* heit vertreten sein sollen. Baron Kohner, der Präsident des Landeskomitees ungarischer jüdischer Gemeinden, führte in seiner An» spräche in der Gründungsversammlung aus, es sei der Zweck der neuen Organisation, die Beziehungen zu der lektrolehrllng psychologisch geprüft, auch nav "UDW M solut aUpw! OrlmmQr, II., Obere Donauetraft« 1 JvdtthtH in Anderen Lindern cum Nutzen des Judentums irrt allgemeinen und zum Besten der kulturellen und sozialen jüdischen Institutionen Ungarns auszuwerten. In der Versammlung wurde beschlossen, daß Baron Kohner, Dr. Joseph Veszi (Mitglied des ungarischen Herrenhauses und Chefredakteur des „Pester Lloyd"), die jüdischen Deputierten Paul Sandor und Geza Deszi und der Präsident der Budapester jüdischen Gemeinde, Hofrat Stern, mit den Vertretern der jüdischen Organisationen Englands, Frankreichs und Amerikas in Verbindung treten sollen, um sie über Leistungen und Interessen der ungari* sehen Judenheit aufzuklären. Professor Eduard Meyer, der christliche Erforscher altjüdischer Geschichte, gestorben. Professor Eduard Meyer, der in der ganzen wissenschaftlichen Welt bekannte Geschichtsforscher, ist im Alter von 75 Jahren in Berlin verstorben. Im Rahmen seiner Forschungen auf dem Gebiete der Geschidite des Altertums hat sich Eduard Meyer, der christliche Historiker, auch mit der Erforschung der Gesdiichte des nltcn Israel, der Entstehung des Judentums und der Beziehung zwischen Judentum und Christentum bei Entstehung des Christentums beschäftigt. Er veröffentlidite 1896 „Die Entsteh ung'des Judentums", 1906 in Verbindung mit B. Luther „Die Israeliten und ihre NachbarstSmme"; in seinem großen Werk „Ursprung und Anfänge desChristentums" gab er eine Darstellung der Gesdiichte des alten Israel und beleuchtete namentlich die politischen und kulturellen Einflüsse aller Völker des vorderen Orients auf die Entwicklung Israels. In dem Judentum «ah Meyer, wie die gesamte christliche Theologie, eine Vorstufe des Christentums, ohne dessen eigenem Wert immer gerecht zu werden. Er besuchte wiederholt Palästina und hielt 192? eine Gastvorlesung an der Universität Jerusalem. Nach seiner Rückkehr nach Berlin hielt er auf Einladung der Berliner Zionistischen Vereinigung vor einem jüdischen Publikum einen Vortrag über das neue Leben im alten Lande. Im allgemeinen stand er dem Wesen der Juden und des Judentums ablehnend gegenüber. »■WIIMimmWUllllWMIIHIIBWIMM^ Primat Prima I bosnische P F LAU M E N etuierte Kisten k 10 kfllB S, franko. Pafkung und Postporto, jedem Besteller bei Voreinsendung des Betrages, versendet Export 8. Oreohslar« Tuzla, Jugoslawien. lUWWiiiuiiMiwimiiMiiwniiHt^ Der Chef-Agronom des Agrojoint, Lubarski, in Rußland verhaftet. BerHn,31. August. (J. T. A.) Wie die J.T.A. er« fährt, ist vor, kurzem. in. Moskau der ,Che>Agronpn> des Agrojoint, Herr Samuel Lubarski, durch die G. P. U. verhaftet worden. Herr Lubarski ist einer der populärsten Männer unter den Juden Rußlands und genießt als Agronom einen weit über Rußland hinaus, und besonders in Amerika hochgeachteten Namen. Neben dem Direk* tor des Agrojoint, Herrn Dr. Joseph Rosen, der gegen* wärtig in Berlin weilt, hat er sich um die neue jüdische Kolonisation in Rußland große Verdienste erworben. Seine Verhaftung hat in Rußland sowie in den dem jüdi* sehen Kolonisationswerk nahestehenden Kreisen in Amerika und in Deutschland ungeheures Aufsehen erregt. Verhaftungen jüdischer Beamter in Sowjetrufiland. Berlin, 31. August. (J. T. A.) Der bedeutende russi* sehe Wirtschaftsfachmann und Mitschöpfer des Fünfjahr* planes, Aron Sokolowsky, ist in Moskau verhaftet worden. Aus zuverlässigen Nachrichten geht hervor, daß die Zahl der in dieser Woche in Rußland verhafteten jüdischen Beamten in die Dutzende geht. Unter den Verhafteten befindet sich der bekannte OzebFührer Loevetsky und Abram Ginzburg. Das gemiedene LemmMonument in Berditschew Der jüdische Friedhof von Berditschew gehörte zu den ältesten jüdischen Friedhöfen, um den sich eine lange Reihe schöner Legenden und Volkssagen gebildet hat. Der Berditschewer Judenfriedhof diente vielen jüdischen Ge* lehrten, Märtyrern und vom Volke heilig gehaltenen Rabbis als letzte Ruhestätte und wurde selbst von der russischen Bewohnerschaft als heilig und wundertätig ver» ehrt. Fast täglich erschienen nicht nur Juden, sondern auch viele Christen an den heiligen Gräbern der dorr be* grabenen Wunderrabbis, um ihr Herz auszuschütten und die Fürsprache im Jenseits zu erbitten. Der jüdische Friedhof von Berditschew hatte auch vom kulturhistori« sehen Gesichtspunkt Bedeutung und würde in jedem anderen Staate den staatlichen Denkmalschutz genossen haben. Langj Zeit blieb dieser jüdische Friedhof auch vom bolchewistischen Vandalismus verschont, bis eines Tages die Juden von Berditschew zu ihrer großen Trauer bemerkten, daß ihr Friedhof nivelliert, die Grabsteine aus dem Boden gerissen und weggeführt werden, ohne daß die Juden vorher irgendwie von diesom Entschluß der Sowjets verständigt worden wären. Aus dem Friedhof wurde ein V o 1 k s p u r k, ui welchem die russische Ju ^-nd zu Bolschewiken dressiert wird. YM>'*>txKvli erfuhr man, d.iß rkvditsche .v ein Lenin» Monument erhält, zu welchem die alten Grabsteine j LERNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School,Wien I, Graben 13 ProapaM 7 auf Wunsch aus dem jüdischen Friedhof verwendet werden. Nicht einmal die hebräischen Grabinschriften wur< den entfernt. Hauptsächlich die Stufen, die zu dem Monument führen, tragen hebräische Inschriften. Das Lenin«Monument war wohl als bolschewistisches Erzie« hungsmittel gedacht, aber da ergab sich die interessante Beobachtung, daß Juden und Christen in gleichem Maße mit Scheu und verhaltener Wut dem ihnen aufgezwun* genen Lenin«Standbild mit den hebräischen Grabsteinen in weitem Bogen ausweichen und so gegen die ganz über* flüssige Verletzung der Pietät einer ganzen Stadt pro* testieren. Die Struktur der jüdischen Einwanderungsmassen in Amerika und Palästina. Berlin. (J. T. A.) Dem soeben im „Jüdischen Verlage", Berlin, nnter dem Titel „Jüdische Wanderbewegungen vor und nach dem Weltkriege" erschienenen neuen grudlegenden Werke von Dr. Michael T r a u b, das in zusammenfassender Darstellung die moderne jüdische Wanderbewegnng schildert und eine vergleichende Uebersicht der Vor- und Nachkriegswanderung gibt, entnehmen wir folgende interessante Feststellungen: Die Juden stehen in der nordamerikanischen Gesamteinwanderung im Durchschnitt der letzten dreißig Jahre nach den Italienern an zweiter, seit der Einführung der Einwanderungsbeschränkungen nach den meisten westeuropäischen Völkern an neunter Stelle. Insgesamt haben die Vereinigten Staaten von 1899 bis 1928 1,881.556 Juden aufgenommen, t Bei keinem Volke finden wir während dieser Zeit eine solch gewaltige Frauen- und Kindereinwanderung wie bei den Juden: 863.000 jüdische Frauen und 475.000 jüdische Kinder sind 1899 bis 1928 nach den Vereinigten Staaten eingewandert. Jede siebente Frau und jedes fünfte Kind, die im Durchschnitt von drei Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten landeten, waren jüdisch. Unter 24 Völkern stehen die Juden dem Prozentsatz relativ Bemittelten nach während der letzten Jahre an vorletzter, dem der gänzlich Mittellosen nach an erster Stelle. Die berufliche Gliederung der jüdischen Einwanderungsmassen hat seit dem Kriege eine erhebliche Aenderung erfahren. So weist die Handwerkergruppe, die 1915 bis 1924 in der jüdischen Einwanderung gegenüber der der Vorkriegszeit um ein Drittel zurückgegangen' war, führend der letzten Jahre eine merkliche prozentuelle. Steigerung auf — ein charakteristisches Symptom der fortschreitenden Produktivierung des jüdischen Wirtschaftslebens in Osteuropa. Einen interessanten Einblick in die Struktur der jüdischen Einwanderungvsmassen gewährt auch das P a 1 ü 61 i n a-K a p i t e 1. Viel stärker als in anderen Einwanderungsländern ist hier die Landwirtschaft unter den jüdischen Einwanderern vertreten. Prozen-, tuell bedeutend war auch im Durchschnitt deß letzten Jahrzehnts der Zuzug von Handwerkern und sonstigen gelernten Arbeitern nach Palästina. — Außer den Vereinigten Staaten und Palästina werden im Buche von Dr. Traub auch Kanada und Argentinien eingehend behandelt. Daneben sind in einem umfassenden Tabellenanhang zum ersten Male in dieser Vollständigkeit fast alle die jüdische und allgemeine Wanderbewegung der letzten drei Jahrzehnte illustrierenden Zahlen publiziert. AUS PALÄSTINA. Eine neue Provokation: Der Hebroner Polizeilciter Caferaia zum Polizeiinspektor in Tel-Awiw ernannt. — Jüdische Proteste. Jerusalem, 30. August. (J. T. A.) Die hebräische Presse teilt mit, daß die Palästina>Regierung den bisheri* gen Leiter der Polizei von Hebron, Herrn Caferata, zum Inspektor der Polizei der Stadt Tel*Awiw er* nannt hat. Die revisionistische Tageszeitung „Doar Hayom" fordert die Stadtverwaltung in TeUAwiw auf, Wochen-Kalender August 1930 , snn Elul 5690 8 Freitag 12-m Sabbateingang 6.15 8 Samstag 18-» Sabbatausgang 7.06 m:y \n 'Ben ,mn * 7 Sonntag 14-t 8 Montag 9 üie::rtag 18-no 10 Mittwoch U~r u Donnerstag 18rp

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