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Die neue Welt · 1930-09-05 · Heft 155 (5.9.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 155 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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%Kt f, m NEU* WELT Kr. 155 ÜHiülillüÜI! Die größte Auswahl a 11 nur erstklassigen Die modernsten Schlager und Opern, von den prominentesten Künstlern gespielt und gesungen die besten Sprechmaschinen der Welt Radio- und Rundfunkgeräte f. den Ortsu. Fernempfang mit direktem Netzanschluß zu den angenehmsten Zahlungsbedingungen nur im MusikDaus EXCELSIQR, Wien, I. Aitleniasse 5 Inhaber: R. Herzog Tal. R-23-4-90 Unverbindliche Vorführung / Kataloge gratis, dreijährige Garantie, keine Recherchen Permanente Schaustellung ohne Kaufzwang // Ein Besuch genügt. Sie zu unse em ständigen Kunden zu machen vom Himmel herunter versprechen, um zu guterletzt nichts zu tun. Denn was soll ihm ein Max Norclnu bedeuten? Lüften etwa die türkischen Herrschaften den Vertretern der europäischen Regierung wenig vor? Werden wir denn unsere Pflicht damit erfült haben, daß wir von diesen Herrschaften Empfänge erhalten, Bittschriften abgegeben haben? Dazu braucht man andere Leute und andere Mittel. Gelingt es nicht, diese Frage an den geheimen Tisch in Basel vor einen Freundeskreis zu bringen, so werden nach dem Baseler Kongreß Auserkorene in Basel oder sonst irgendwo zu beraten und alle Schwierigkeiten dieser Sache zu erwägen haben. Jedenfalls sei Gott davor, daß wir neue Parteien gründen, einen offenen Bruch in die Chowewe Ziön schlagen, so den Namen Israels in den Augen der Welt entweihend. Das ist meine Ansicht über diese Angelegenheit. Mit gebührender Verehrung und Hochschätzung Mosche Leib Lilienblum." Der Brief Lilienblums ist von doppeltem fnteresse. Zunächst enthält er die entschiedene Ablehnung der Taktik Kaminka s, ferner charakterisiert er die persönlichen und politischen Ansichten des Verfassers selbst. Uns muß es sonderbar anmuten, wenn er Persönlichkeiten vom Format Nordaus und Herzls als für Unterhandlungen mit den türkischen Politikern ungeeignet hält. Andererseits finden wir eine Methode angegeben, die einen durchaus politischen Weg direkter Verhandlungen gegangen wissen will. Auch für Lilienbhim also ist eine gewisse politische Garantie Voraussetzung für günstige praktische Arbeit. Ein wesentlich anderes Charakterbild offenbart eine andere Meinungsäußerung. Es ist die des Warschauer Sekretärs der- Chowewe Zion, Rabbinowicz. Aus dessen Brief an Dr. Kaminka lassen wir die bezeichnendsten Stellen, zum erstenmal in deutscher Sprache, folgen: Warschau, Siwan 5658 (1898). Teurer Freund! Ich habe soeben Deinen Brief erhalten und vorher Deinen Artikel im „Haschewua" gelesen. Ich beeile mich, Dir als Freund und Kollege zu sagen, was ich denke. Dein offener Brief hat mir in Stil und Ton nicht gefallen . . . Sie schreien mit lauter Stimme ob der Beleidigung ihres Rabbis auf und sagen, Du tust es aus persönlicher Kränkung. Es wäre besser, Du würdest alle Fehler aufzählen — die ganze Sache ist ja ein Fehler. Keine einzige Spur von Wertvollem in diesem neuen Zionismus, nur Dinge, die einen schlechten Geruch verbreiten. Hättest Du das getan, wärst Du bei den Zionisten als Verschwörer gegen den König betrachtet worden. Mir wäre es angenehm, alle ihre Fehler und Mutwilligkeiten der Reihe nach aufzuzählen, derart, als wäre man über Herzl erstaunt, der doch sonst ein kluger Mensch sei (was ich sehr bezweifle); wie komme er also zu diesen Dummheiten! . . . Er sagt, er wolle das Judentum mittels Diplomatie erlösen. In einer Broschüre „Der Baseler Kongreß"' sagt er: „Wenn die Türken Palästina nicht staatlich verkaufen werden, so macht das nichts. Denn mit der Uhr in der Hand kÖnneii wir die Zeit abwarten, da die Türkei aufgelöst sein und verschwinden wird. Oder wir werden uns ein anderes Land suchen ..." Daraus ist zu entnehmen, daß Zion den Zionismus nicht verpflichtet, daß ein anderes Land gefunden werden kann. Du bist verpflichtet, zu bemerken, daß Herzl alles verachtet, was hebräisch geschrieben wird . . . | Union der Zlonlsten-Revislonisten Oesterreichs I 1 Samstag, den 6. September 1930,8 Uhr abends, | | im Cafe Arkaden, I., Universitätsstraße 3 (Souterrain) | I VERSAMMLUNG I I „Unsere weitkonferenx und die | | Selsten Ereignisse Im Zionismus1 | | Redner Dr. H. OltlCker, Dr. O. Oiikspan | 1 Eintritt frei! Gäste willkommen! I Der zehnte Jahrestag eines Justizmordes« Die Hinrichtung des Rabbiners Sehapiro. Am 18. September dieses Jahres werden es genau zehn Jahre, daß in dem befreiten Polen an einem ange* sehenen, auch bei der christlichen Bevölkerung sehr be* liebten Rabbiner ein Justizmord begangen wurde, der bis heute noch keine Sühne gefunden hat. Am 18. Sep* tember 1920 fand in der polnischen Stadt P i o 11 k an der Weichsel jene große blutige Schlacht zwischen Polen und Bolschewiken statt, in welcher das Schicksal des um seine Freiheit und Unabhängigkeit ringenden Polen entschie* den wurde. Die Schlacht endete mit dem Siege Polens und die militärische Oberleitung des befreiten Polen hatte nichts Dringenderes zu tun, als den greisen Rabbiner von Plötzk, Chaim Sehapiro, ge# fangen zu nehmen, und vier Stunden später vom Standgericht zum Tode verurteilen und erschießen zu lassen. Das Urteil und die Hinrichtung wurden damit be» gründet, daß der greise Rabbiner, während draußen die entscheidende Schlacht tobte, bei offenem Fenster in Tallis und Tefilin sein Gebet verrichtete und ver« räterischerweise den Bolschewiken mit seinem Tallis vorher vereinbarte Signale gegeben haben soll. Vergeblich beteuerte Rabbi Chaim Scha* p i r o seine Unschuld, umsonst wies er auf die Hirnrissig* keit der Beschuldigung hin: Die antisemitischen Offiziere im Kriegsgericht erklärten ihn für einen Spion und Scha* piro wurde unmittelbar nach erflossenem Urteil er« schössen. Es gibt heute in Polen wohl kaum einen Menschen, der nicht von der Unchuld des hingerichteten Rabbiners überzeugt wäre, und selbst durchaus nicht judenfreund* liehe polnische Blätter haben wiederholt hervorgehoben, ■»^J^J ■ ■•j>««.i>*it<iaH* ti ri*j«»a Mru»*< f «Ht« ■ ■r<.>j...jiaijiir<iiiaiirr>tl^ia><<l>. .....n......|h|«»i,m.,.h.i......,.....i«.i|<lu.,»mm«T SIEGM. KORNMEHL GROSSPLEISCHHAUIIIEI Zentrale IX., Bergga«se 19. Telephon 17-3*99 u. 16-9-34 L i e f e ran r ü r -./i Hei i an st alten AbtaHunan fOr ^^»rielsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinat* der isr. Kultusgemeinde Wien Autoxustftllung kostonlo» I IX. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währlngerstr. 97 fniummiiiiitii ii>i(iHiiitnMtmtHiitmituniiiiitriiiniiiiiMiiin................. ItilMltiniMIIIIUtllumitllllUllUIHMIHHHUUllltlMHhilllllltli imiiiiMi.imiimiMtmnmmi, ""it"Hmftwmm. .w* daß an Rabbiner Sehapiro ein Justizmord verübt worden und daß es eine Ehrenpflicht des polnischen Staates sei, das Opfer 'jlieses Mordes zu" rehabilitieren und seiner Familie Und der gesamten polnischen Jüdenschaft Genugtuung zu verschaffen. Alle Versuche, dies herbeizuführen, blieben bisher erfolglos. Die antisemitische Boulevardpresse benützt auch heute noch den Fall Sehapiro, um gegen das gesamte Judentum zu hetzen. Vor kurzem bildete sich in Warschau eine aus den angesehensten Vertretern des polnischen Judentums bestehende Kommission zur R e h a b i 1 i* tierung des Andenkens an Rabbiner Sehapiro, welche das gesamte, auf den Justizmord bezügliche und die Unschuld des Rabbiners bezeugende Material gesam* melt hat. Auf Grund dieses Materials richtete die Korn« mission einen Appell an die polnische Regierung, jetzt an der zehnten Jahreswende des Justizmordes die öffentliche Rehabilitierung des Andenkens Schapiros durchzuführen. Einer Abordnung gegenüber hat Marschall Pilsudski erklärt, daß er seinerseits alles tun wolle, daß diese Re* habilitierung durchgeführt werde. Vorläufig ist die jüdische öffentliche Meinung von Polen gespannt, ob die polnische Regierung auch diesen traurigen Gedenktag werde vor« übergehen lassen, ohne sich von der Beschuldigung rein» zuwaschen, daß sie den Justizmord von vor zehn Jahren auch ihrerseits gutheiße. Interessantes aus der Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes« L»ie jetzt veröffentliditen Sitzungeprotokolle gewähren aufschlußreiche Einblicke in die Verhandlungen während der außerordentlichen Tagung der Permanenten Mandatskommission zur Behandlung der Palästina-Fragen, deren Ergebnis in dem Bericht der Mandatskommission niedergelegt ist. Ee zeigt sich, daft die Ablehnung der Palästina-Politik der Mandatarmacht durch die Mitglieder der Mandatskommission e i n- 'heilig war, was um so stärker auffällt, als in früheren Sitzungen der Mandatskommission einige ihrer Mitglieder deutlich antizioiiistdäche Tendenzen zu erkennen gaben, andere bestrebt waren, die britische Verwaltung zu rechtfertigen. Die Sitzungsprotokolle lassen weiter erkennen, daß die Mitglieder der Mandatskommission diesmal das palästinensische Problem mit äußerster Sorgfalt studiert und alle offiziell oder inoffiziell zu ihrer Kenntnis gebrachten Dokumente, einschließlich sogar Presseartikel, zu Rate gezogen hoben. So werden z, B. die Aufsätze W illiam Martin s, diu dieser nach den palästinensischen Unruhen im „Journal de Geneve" veröffentlichte, von den Mitgliedern der MaiidaUkojMnM« sffi.am sW .am I fem m nach Gemälden berühmter \lODeillTSjUdiacr.«r Maler «I gjBmgjfc SSM Sl m mm HERZL-Gobelins erzeugt Atelier Zahradflik Wien. V., Anzengrubergasse Nr. 30 Telephon U-40-9-17 sion in der Diskussion zitiert. Ale Dokument von größter Wichtigkeit erwies sich die Antwort der Jewish Agency auf den Shaw-Bericht, die gleichwertig neben dem Shaw-Bericht figurierte, sehr zur Unzufriedenheit von Dr. Shiele, der akkreditierter Vertreter der Mandatarmacht bei der Tagung war, in Begleitung von Luke, der alle mit den Unruhen zusammenhängenden Fragen beantwortete und von D. J. K. Lloyd, dem Sekretär der Shaw- Kommission, der alle Fragen im Zusammenhang mit den Untersuchungen der Kommission beantwortete. Eine für Luke peinliche Situation entstand, als die Frage der Verhetzung durdi die Presse in der Zeit vor den Unruhen aufgeworfen worden war und eine Darstellung Lukes erwartet wurde. Dr. Shiels erklärte, daß Luke persönlich Gegenstand schärfster Kritik in der Presse sei und daß er es daher vorziehen würde, wenn Lloyd die Antwort gäbe. Im wesentlidien stellt die Mandatskommission Widersprüche im Shaw- Bericht und häufig gegensätzliche Schlußfolgerungen fest. Wären der Mandatskommission die Protokolle der Zeugenaussagen vor der Shaw-Kommission zugänglich gewesen, die zur Zeit ihrer Tagung unveröffentlicht waren, dann wäre höchstwahrscheinlich die Kritik der Mandatskommission noch schärfer ausgefallen. Selbst das britisdie Mitglied der Mandatskommission Lord Luga rd bemängelte in gewissen Punkten die Maßnahmender Mandatarmacht, während Shiels, der einige frühere Mitglieder der Mandatskommission der judenfreundlichen Voreingenommenheit beschuldigte, für sich volle Unpartcilidikeit in Anspruch nahm, da er weder die jüdische, noch die arabische Partei, noch die Partei der Shaw- Kommission einnehmen wollte. Von den Sdilußfotlgerungen der Shaw-Kommission sagte er an einer Stelle, „er wolle nicht behaupten, daß alle Schlußfolgerungen im Shaw-Bericht korrekt seien". Im Zusammenhang mit dem von der britischen Regierung in ihrer Antwort auf den Beridit der Mandats-koinmission erhobenen Vorwurf, letztere habe früher die Möglichkeit von Unruhen nidit vorausgesehen, ist die Erklärung R a p p a r ds aufschlußreich, der feststellte, daß iü der Sitzung der Mandatskommission vom Juli 1929 der High Commissioner bei den Mitgliedern der Kommission den Eindruck erzeugte, daß die Gesamtsituation in Palästina ständig ruhiger werde, und daß die Mandatskommission bisher über die Situation unrichtig informiert war, was Rappard darauf zurückführte, daß der High Commissioner selbst wahrsdieinlich nicht ganz richtig informiert war. Auch van Rees verwies Dr. Shiels auf dessen Frage, warum die britische Politik hinsiditlich des Jüdischen Nationalheims nidit sdion in früherer Zeit kritisiert worden sei, auf das Sitzungsprotokoll der vorangegangenen Sitzung der Mandatskommission, in der die britische Politik kritisiert wurde, allerdings in vorsichtigen Ausdrücken, um nicht unnötigerweise öffentliches Aufsehen zu erregen. Eine interessante Frage wurde vom Vorsitzenden der Mandatskommission gestellt. Er fragte, ob die Mandatarmacht sich eine klare Meinung darüber gebildet habe, wann da6 Jüdische Nationalheim als errichtet anzusehen sei und ob es möglich sei, zu sagen, wann nach Ansicht der Juden selbst die Errichtung des National hei ms vollendet sein würde. Shiels ließ diese Frage unbeantwortet. Die Diskussion über die suspendierte Einwanderung schnitt Shiels durch den Hinweis auf die Mission Sir John Hope Simpsons ab. Die Klagem a u e r f r a g e bezeichnete er als eine Angelegenheit sub judice. Der englische Vertreter in der Mandatskommission Lord Lugard sagte zur Suspensierung der Einwanderung, daß sie, falls die Zertifikate aus r ei n p o 1 itischen Erwägungen heraus suspendiert worden seien, ausdrücklich der verkündeten Politik der Regierung widersprechen würde, da die Einwanderung ausschließlidi nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten reguliert werden soll. Zu einem Redekampf kam es zwisdien dem Vorsitzenden der Mandatskommission und Luke, als die Geringfügigkeit der von der Palästina-Regierung gewährten Entschädigungen zur Sprache kam. Luke stellte sidi auf den Standpunkt, daß die Gewährung van Entschädigungen einen freiwilligen Akt der Regierung bedeutet, während der Vorsitzende betonte, daß es ein Akt der Gereditigkeit sei. Lord Lugard stellte die Frage nach der Möglichkeit jüdischer Siedlung in Transjordanien, Dr. Shiels wies diese Frage jedoch sofort zurück, eis unvereinbar mit dem Mandat und dann »la undurchführbar," \*ail die in Transjordanieu bestehende Gesetzgebende Versammlung die Ausführung solcher Absichten unmöglidi machen würde. Er gab jedoch zu, daß die Ansiedhing einzelner Juden in Transjordanien möglich

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