Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 155 (5.9.1930)
- Date
- 1930-09-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 155 DIE NEUE WELT Seile 5 daß er als falscher Priester bezeichnet werde". 2. Er habe sich wider besseres Wissen als Arzt und Jurist ausgegeben, obwohl er nie Jura oder Medizin studiert habe. „Das sei eines Geistlichen durchaus unwürdig." 3. Er habe verwerflichen Terror gegen seine eigenen Pfarrkinder ausgeübt« 4. Er habe unter der lächerlichen Ausrede, eine Narbe am Körper eines Mädchens kontrollieren zu wollen, unsittliche Berührungen vorgenommen. 5. Er sei „nach Art alter Klatschweiber" herumgegangen, um eine einwandfreie deutsche Familie zu verleumden. Münchmeyer ist infolge seiner hetzerischen und verleumderischen Agitation wiederholt vorbestraft. Amtliche Ritualmordlegende. Berlin, 2. September. Kriminalkommissar Tenholt, der in dem Magdeburger Mordprozeß gegen den un schuldigen jüdischen Fabrikanten Haas eine eigentümliche Rolle spielte und die antisemitische Atmosphäre zur Erleichterung der Verfolgung von Rudolf Haas durch seine Untersuchungsmethoden geschaffen hut, wurde damals nach Gelsenkirdien straf versetzt. Dort sind jetzt neue und sehr erhebliche Bc schwerden wegen seiner merkwürdigen kriminalistischen Methoden gegen ihn erhoben worden. In einem Bcleidigungsprozeß, der sich an einen Presseurtikel un schloß, wurden — nach der Berliner Zeitung „Montag Morgen" — außerordentlich schwerwiegende Beschuldi gungen gegen ihn erhoben und der Wahrheitsbeweis gegen Tenholt als im wesentlichen gelungen, angenommen. Unter anderem schrieb Tenholt in einem Akten vermerk in bezug auf ein Mordverfahren, daß ein Be seitigungsmord vorliegen müsse, da „weder Raubmord, noch L ustmord, noch — Ritualmord" in Frage kommen. Die Breslauer „Jüdische Zeitung" bemerkt zu diesem Fall: „Die Tatsache, daß preußische Kri minalbeamte in einem offiziellen Aktenstück die M ö glich keit eines Ritualmordes erörtern, gehört mit zu dem Unglaublichsten, was wir in der letzten Zeit erleben. Wir sind der Meinung, daß das Innenministerium, dem die Kriminalpolizei untersteht, hier schleunigst nach dem Rechten sehen und sich mit Herrn Tenholt beschftigen sollte. Unseres Erachtens kann Herr Tenholt — wenn die Meldung zutrifft — nach, den Vorgängen in Magdeburg und Gelsenkirchen unmöglich weiter als Kriminal- und Polizeibeamter beschäftigt werden." Eine neue Friedhofssehündung. Berlin, 30. August (-T. T. A.) In der Nacht vom 19; zum 20. August wurde, wie dem „Isr. Faroilienblatt" gemeldet wird, der alte jüdische Friedhof in Kieferstädtel bei Gleiwitz geschändet. Die Üebeltäter stammen aus dem benachbarten Smolnitz und sind flüchtig. Der Anführer der auf vier Mann geschätzten Bande ist der vorbestrafte 22jährige Emil Powalla. Acht Grabsteine wurden um» geworfen, Bäume und Sträucher ausgerissen. In Kiefer« städtel wohnen keine Juden mehr, der Friedhof ist der Obhut der Gleiwitzer Synagogengemeinde unterstellt. Die Landeskriminalpolizei leitet im Verein mit der Landjägerei die Ermittlungen. Aus Rumänien* Innenminister Vaida Voevod über die Frage der Entschädigung von Borsdia. Bukarest, 31. August. (J. T. A.) Im Hinblick darauf, daß die Regierung bisher nichts getan hat, um die jüdischen Opfer der Niederbrennung von Borscha zu entschädigen, entsandte der Jüdische Parlamentsklub den Deputierten Dr. Josef Fischer nach Bukarest, damit er bei der Regierung zugunsten der geschädigten Juden interveniere. Dr. Fischer hatte eine längere Unterredung mit dem Innenminister Vaida Voevod, in deren Verlauf der Minister erklärte, die Regierung betrachte die. Katastrophe von Borscha von der rein menschlichen Seite und sei von diesem Gesichtspunkt aus geneigt, zu einer Wiederaufbauaktion des Städtchens beizutragen. Gleichzeitig müsse die. Regierung aber auch an die Tausend e: anderer Bürger denken, ,die gleichfalls durch Feuer oder andere Unglücksfälle ihr Vermögen verloren haben. Es gehe nicht, an, daß man nur die Opfer von Borscha entschädigt; .,denn dies würde eine stille Anerkennung dessen bedeuten, daß der Brand in Borscha gelegt worden ist, was in der offiziellen Untersuchung nicht festgestellt worden ist. Innenminister Vaida teilte mit, er habe die Regierung um die Eröffnung eines außerordentlichen Kredits für die Unterstützung von Brancjopfern im allgemeinen ersucht, wovon der größte Teil für Borscha verwendet werden soll. |IIIJIIIIlllll!llll!IHIIIIIIIlilllllllllli|IIIIIIIIH | VORNEHME FAMILIENPENSION | | vormals Dr. GRÜNBERG I i AM SEMMERINGi I HOCHSTRASU Nr. 43 4911 HOTIt PANHANS) | | Pension von S 12.— aufw. Kaffeehaus und Tanzi § gelegenhelt im Hause / Besitzer: tCKSTIIN Tel §- i hemmering Nr. 11 / fli«ft«itd«t Warm* u. 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Uebrigens werde die Regierung alle Maßnahmen für die Aufrcchtcrhaltung der Ordnung treffen. Deputierter Dr. Fischer begab sich auch nach Sovata, wo er vom Ministerpräsidenten M anin empfangen wurde, dem er die gleichen Beschwerden vorbrachte. Ministerpräsident Man in sagte, er teile die Auffassung des Innenministers Vaida Voevod. Er versprach, in kürzester Zeit mit dem Fitum/.miinster Fühlung zu nehmen und die Möglichkeit der Gewährung einer größeren Unterstützung an die Opfer von Borscha und von anderen Ortschaften durch ein königliches Dekret ins Auge zu fassen. Deputierter Dr. Fischer teilte dem Minislerpräsidenten den Standpunkt des Jüdischen Parlamcntsklubs mit und behielt sich freie Hand vor. * Daniln Und Totti frei, kinipolung, 31. August. Die Pogromanstifter Danila und To tu wurden vom Staatsanwalt auf freien Fuß gesetzt, nachdem die Untersuchung gegen sie abgeschlossen und der Untersuchungsrichter festgestellt hat, daß keinerlei Beweise vorhanden sind, daß sie mit der Bombcnwurfaffürc. in Dorna Candrent irgendwie in Verbindung gebracht werden können. Bei ihrer Abreise am Bahnhof in Kimpolung versuchten sie, die jüdischen Reisenden zu stänkern. Auch während der Fahrt haben sie jüdische Pas sä» giere belästigt und b e d r o b t. * Tolu ist der Mann, der vor zwei Jahren den jüdischen Studenten Fallik in Gzcrnowitz bei hellichtem Tage ermordet hat und von den Geschworenen freigesprochen wurde. Während der Mörder frei im Lande waltet, schwebt noch jetzt gegen mehrere jüdische Studenten eine Strafuntersuchung, weil sie gegen den Mord demonstriert halten. Indanthrenliaiis*$toffe für Kleidung und Heim / Unübertroffen wasch*/ licht*/ weiter« echt und das Schönste/ das geboten werden kann Indanthren INDANTHR Wien, VI., Mariahilfer Straße Nr. 71 Copyright by „Die Neue Welt", Wien. Nachdruck und Ucbersetzung nur mit Erlaubnis des, Herausgebers. Theodor Herzls frafgisdiier Kampf um den politischen 2ionE§meis* VIII. (Siehe Nummer 148 bis 154.) Achad Haams Schreiben vom 12. Mai 1898 an Dr. Kaminka bedeutet eine deutliche Absage an, jene Kreise, die durch den Mund Dr. Kaminkas ein intraiisigehtes Verhalten gegenüber dem> p o 1 irtüs c h;e ri Z i o n i s m ü s und seinen .fp ü Ii r c r'li öffentlich bekünden wollten.'"Es; beinhaltet eine AW sage nicht nur von Seiten der Persönlichkeit Äehad Haanis selbst, sondern1 allem Anschein ,näch auch der Männer, die sich um 'den von' Achad Haam' gegründeten chowewesionistischen Orden „Bne MoscheV gruppiert haben. Dr. Kaminka scheint seine Agitation publizistisch fortgesetzt zu haben. Auf einen seiner. Artikel in der hebräischen Wochenschrift „Haschewua" und auf den Offenen Brief im „HamagicV antwortet auch Mosche Leib Lilien bluin. M. L. Lilienbluin ist eine der . interessantesten Persönlichkeiten der aus der H a s k a la hervorgegangenen Schriftsteller. Man kann in ihm einen der ersten hebräisch sehreibenden Sozialisten marxistischer Färbung sehen, der sich dem nachweisbar ersten hebräisch-sozialistischen Publizisten Liebermann zugesellte. Er abeitete an einer Zeitschrift Liebermanns mit, des Mannes, dessen tragischer Selbstmord ein Blitzlicht auf die Gärung innerhalb der um eine Weltanschauung ringenden, an der Häskala verzweifelnden hebräischen Literaturgenieinde wirft. Es ist die in Wien erschienene Zeitschrift „Haemeth". M. L. Lilienblum wurde später ein ebenso begeisterter C h o w e w e - Z i o n i s t, wie er früher ein begeisteter Sozialist war. Seinen Brief au Dr. Kaminka lassen wir nun, zum erstenmal in deutscher Uebersetzung, folgen. Der deutsche Text lautet: Odessa, 25. Ijar 5658 (189Ö)., An meinen Freund, den aufgeklärten Rabbiner Aron Dr. Kaminka. Ihren Artikel in de? Zeitschrift „Haschawua" habe ich erhalten. Herr Grünberg und seine Kollegen wollen au dem Kongrpß, den Sie im Ausland einberufen wollen, nicht teilnehmen aus einfachen Gründen: wegen der Offizialität eurer Gesellschaft und des engen Rahmens eures Statuts. Aus meinem vorigen Brief kennen Sie meine Liebe zu Ziön und meine Ueberzeugung von der Notwendigkeit der praktischen Arbeit. Trotzdem kann ich Ihren Rat nicht befolgen, eine besondere Konferenz einzuberufen, wegen des „Ma jomru hagojim" eines Grundsatzes also, den ich sonst nicht mag. Bis zum vor jährigen Baseler Kongreß war die Chibath Zion eine interne, private, jüdische Angelegenheit, die ' kein Volk beachtet hat. Erst in Basel ist der Gedanke populär geworden und von allen Völkern aufgegriffen, die in der Tat glauben, wir unternehmen wirklich etwas ... Jetzt soll ein Kongreß einberufen werden mit dem Zweck, sich Herzl und seiner Gruppe entgegenzustellen. Was werden da die Gojim sagen? Werden wir nicht in ihren Augen zum Spott werden, wenn sie sehen, daß wir uns schon jetzt in feindliche Parteien getrennt haben, bevor wir noch unsere Fähigkeit gezeigt haben, etwas Reales in die Welt zu setzen? Bewahre Gott, daß wir unseren Feinden Gelegenheit zu Schadenfreude geben . . . Meiner Meinung nach ist es besser, daß statt eines besonderen Kongresses möglichst viele ernste und geschulte Delegierte zum Baseler Kongreß gehen und dort kraft ihrer Zahl die praktische Arbeit durchsetzen und in der Hauptsache die Hindernisse wegräumen. Betreffs des letzteren erscheint es mir notwendig, nicht öffentlich darüber zu sprechen, sondern nur in einer Gesellschaft von Freunden, nicht offiziell, und dort zu" beraten,' wen man mit dieser großen und wichtigen Sendling betrauen soll. Wer eigentlich in die Residenz der Türkei gehen soll? Nicht jeder Gelehrte oder Doktor hat Ansehen in den Regierungskreisen der Türkei. Dorthin müssen Leute mit Namen gehen. Ob sich solche finden werden und ob sie eine solche Arbeit, die auch große Spesen erfordert, auf sich werden nehmen wollen, weiß ich nicht. Jedenfalls werden wir ohne das alles nichts ausrichten* Wenn zum Beispiel, Dr. Max N o r d a u oder ähnliche zum türkischen Innenminister kommen werden — er wird euch gewiß mjit zur Schau getragener Sym« pathie und verhehlter Feindschaft nach Art der türkischen Diplomatie empfangen, euch das Blaue WD Streng koscher Erstklassige Hausmannsküche. Kompl. bürgerliches Mittagessen S 2.—. Auch a la carte R. Wermuth, II, Czerning. 9 (hinter der PraterstraBe)