Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 155 (5.9.1930)
- Date
- 1930-09-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite I DIE NEUE WELT Nr. * «.......MMM.........♦........<...........4t.....f M|; Für die hohen Feiertage kstttttMt »• rMMMMf Bfct* Ne«rf Ift IMMl ittlWSVMfl TALAREN und BARETTEN welche in aen mannigfaltigsten Formen sowohl vorrätiR als auch nach Maß in der altbekannten Unifor• mieiung u. Maßschneiderei Ii RUDOLF GOLDSTEIN IBA Wien n„ TaborstrsBe ^rTT :: ••» zu billigsten Preisen u. schönster Ausführung erhältlton. Lieferant vieler In- und ausländ. Kultusgemeinden Zahlreiche spontan erfolgte Aneikennungsschreiben bedeutender Persönlichkeiten. Beer. 1800. Neues Telephon f! 40*0-48 Achtung e«f Ole Hausnummer! stehenden Zeitung erklärt dieser treffliche, mit dem Schutze der Bevölkerung betraute Minister: „Ich gebe zu, duß ich Komplice der Antisemiten war, aber dies tat ich nur zum Wohle der jüdischen Bevölkerung dieses Landes, deren aufrichtiger freund ich bin. Die jüdische Bevölkerung, diesem Iiandes weiß gar riecht, welch warmen Verteidiger sie in mir hat. Wenn man mich als Antisemiten; versdireit., tut mau. mir g,ro;fic s.Un r echt.'- Diese rumänischen Minister sind doch ganz köstliche Originale. Vor kurzem erklärte ein Kollege des Vaida, daß die Regierung nichts gegen die Antisemiten tun könne. Ein Minister sei bereite angeschossen worden, und das sei genug.' Man könne sich , nicht der; Juden wegen erschlugen lassen. Erfrischende Offenherzigkeit. Und jetzt sagt Herr Vaida, daß er Pogrome nur den vqn ihm heißgeliebten^ - Juden zuliebe Taus Stcuergeldern finanziert. Eine innige, aber gefährliche Liebe. Da* deutsche Judentum int Wahlkampf. »W«t ist das; ein „Jjftdt.f";,—, _Elmg FestMellnngStoI-_ per«. ~*faipai-*wjl«jSSwEwN^t^. "'SÄ; "-■* '- Ii!i ■>*«».''• *?M ..' ' neuer Weg, Zum ersten Male in der Geschichte des republikanischen Deutschland stellen die Wahlen zum Deutschen Reichstag die Judenheit Deutschlands gebieterisch vor eine entschiedene politische Orientierung. Die Entwicklung der deutschen Politik in den'Nachkriegs jähren ist von der Jndenhcit Deutschlands gründlich verkannt worden. Gemäß ihrer zumindest in Fragen der deutschen Landespolitik assimilatorischen -Einstellung hat die deutsche Judenheit die „Judenfrage", mit dem angeblichen Versehwinden des reaktionär-monarchistischen Prinzips für gelöst erachtet. Sie hat die just in diesem Zeitraum aufs leidenschaftlichste betriebene antisemitische Agitation weiter deutscher Kreise verkannt, für geringfügig und vorübergehend gehalten. Erst das gewaltige Anschwellen des Hitlerschen Hakenkreuzler« lums, das sich nicht mehr in der illegalen Form des Putsches, sondern in der ordinär-legalen Form der demokratischen Wahl äußert, hat die Juden Deutschlands ahnen lassen, daß so etwas wie politische Besinnung nottut. Die Umgruppiernng des deutschen Parteiwesens^ hervorgerufen durch den Zusammenbruch des mittleren Flügels der Demokraten-und durch die immer deutlicher in Erscheinung 'tretende Herauskristallisierung eines anbedingten Rechts und eines unbedingten Links zeigt nun in bitterer Kraßheit den begangenen Fehler einer Laissez-fnite-Pulitik anf. Die deutsche Jadenschaft steht den neuen politischen Phänomenen ratlos gegenüber. Die sogenannte Staatspa rtei (Rumpfdemo-; k raten und Rümpfvolkspartciler, halbantisemitischer' Jungdeutschcr Orden) steht vor der Frage: „Was ist das:' ein Jud?" Sic beantwortet sie mehr schlecht als recht. Nimmt in sich einen ausgesprochen mosaisch-konfessionellen »Herrn, Dr. Bruno Weil, seines Zeichens Führer des itentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens,, eifrigen ZioniStenfresser — sogar die sanfte I Jewish Agency ist ihm ein Greuel —- mit großem Unbehagen auf, mit noch größerem den Herrn Dr. Gustav St olper, Herausgeber des „Deutschen Volkswirt", gebürtig aus Czernowitz (der deutsche Name Aöge nicht täuschen, er ist geändert!), ausgetreten — sagen die einen, getauft — sagen die anderen, beide von der Staatspartei präsentiert von wegen des israelitischen Wählers. Besonders pikant ist in diesem Zusammenhang die Bemühung des Dr. Stolper, der Staatspartei und seinem Mandatshunger so weit entgegenzukommen, daß er dem Vorwurf, er sei jüdischer Abstammung, durch eine Feststellungsklage begegnen will. In diesem Zeitpunkt läßt sich mit derlei Manövern leicht ein Wirbel machen. Geriditsakten werden nicht so bald erledigt und der Wahltag ist nahe'. Wir sind sicher, daß Herr Stolper nach dem Wahltag auf seine „Feststellung".;nicht sehr drängen wird. ■ Charakteristisch für die Einstellung der' bürgerlichen Parteien Deutschlands, für den latent wuchernden Antisemitismus im gesamten Bürgertum ist die Haltung des sonst in jüdischen' Dingen bisher loyal gewesenen katholischen 7. e n t r u me. Die Blätter, die dem Zentrum ■ na bestehenden; Christlichen , und Freien GeWerk-, [schalten,, befleißigen ■ sich in /diesem •'M&hlkampf eines mitunter recht rüden antisemitischen Tones. Auch vom 'aktuellen- Wahlkampf;'^n1^ti5^g);/''-^d^ versteckt1 -tnwU offen Boykottpropaganda gegen jüdische Unternehmer, Industrielle und Kaüfleute betrieben. Daß die übrigen kleinen' Parteien» hauptsächlich jene* die Agrarinteressen zu vertreten haben, aus ihrer Aversion gegen den Jüdischen* stärhisdiert« Wirtsdiaftsmensthen keinen HeM ^machen, ist mehr al^begreiflicji..i; y '(' , v 'yu / So s^ekt eigentlich wiede^ einmal nur die ^^t*rcr;h ». ja aayL^M e m ajs je$«|;§arM da, 'üetl tfiel Judufi ^hjre Zufllch* zu, nehmen :mehr als gezwungen erscheinen!. Das ist ein mißlicher Umstand. Er bedeutet unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine Belastung für die Sozialdemokratie und ein gefährliches Moment für die Juden. Es ist nicht zu leugnen, S 3€>e"~"" VII, Kaiserstraße 123 Jüdisches Mädcheninfernat in Paris Am 1S. September eröffnet!!! Für junge Mädchen von 14—20 Jahre, herrlich gelegenes Institut, 20 Zimmer, wunderschöner Park, mütterliche Fürsorge Das jüdische Madcheninternat „Robinson" In Pari» wird von Frau Dr. Jacob Szarvaa geleitet, sämtliche europäischen Sprachen werden durch geprüfte Professoren unterrichtet. Verlanget Auskunft und Prospekte. Einziges jüdisches Müdchenlnternat in Frankreich! 11 Adresse: Mm« Ssarvas, Villa Genedieve, 14 Avenue de Robinson, Robinson bau Hau de Paris (/eine) IX, Alserstraße © daß die deutsdie Sozialdemokratie, die weitaus weniger „verjudet" ist, als es die deutsdien bürgerlichen Parteien wahr haben wollen (die meisten der als Juden verschrienen sozialdemokratischen Führer sind tätsächlich keine Juden), in früheren Jahren dem Antisemitismus, wo sie konnte, begegnet ist. Aber man macht bekanntlich Politik nicht aus Sentiments heraus. Das , umsichgreifende. antisemitische Fieber hat, wenn nicht jauf den Geist, so doch auf die Handlungen der Sozialdemokratie übergegriffen. Im letzten Jahre sind einige peinliche Zwischenfälle zu verzciduien, die beweisen, idaß die Sozialdemokratie, aus einer Zwangslage heraus,!wenn man will, .das. jüdisdie Element zu opfern bereit-! steht. Das Schicksal der deutschen Judenheit wird immer mehr zum Symbol der Galuthjudenheit überhaupt. Wenn diese auf bedeutender geistiger Höhe stehende, wirtschaftlich bisher wohlfnndierte Gemeinschaft ins Wanken gerät. Probleme zu bewältigen haben wird wie •die Judenheit Polens oder Rumäniens, so wird das dem iGang der zukünftigen Geschichte des jüdischen Volkes eine Wendung geben. Wir haben das Schauspiel erlebt, :dafl eine jüdisdie Gemeinschaft, die mit ihrem Heimatflande. aufs innigste verknüpft und verbunden schien, isein Schicksal mit dem dieses Landes in Not und Tod verband, die Judenheit Ungarns, eines schönen' iMorgens vor dem Grauen der Pogrome und. der wirtschaftlichen Entwurzelung stand. Wir wünschen unseren in Deütsdiland lebenden 'Brüdern kein, solches Erwachen. Der Beginn einer politischen Besinnung ist nach den gegebenen Umständen nicht mehr aufzuhalten. Will die deutsche Judenheit entsprechend ihrer Zahl und ihrer Kapazität, Einfluß auf die ihr Schicksal mitbestimmende Politik gewinnen, dann kann dies nicht, in, der Weise geschehen, daß sie dem Judentum entfremdete oder ihm den Rücken kehlende Persönlichkeiten in die-einzahlendeutschen'Parteien ''eihschmng^ciH. •-Nur-•''■" ein-' ZüsamnienscMüß maller1 ii ivolksbewüßten Elemente kann hier Abhilfe schaffen. . Allerdings müßte ihm eine radikale Umwertung der politisch-jüdischen Begriffe vorangehen, wenn die deutsche Judenheit ihre durch die antisemitischen Gruppen gefährdeten Positionen erhalten will. Ein Spitzenkandidat der Hakenkreuzler. Berlin, 2. September. An der Spitze der nationalsozialistischen .Kandidatenliste in Hessen-Darm- Stadt steht Herr Münchmeyer; er läßt sich auch im „Völkischen Beobachter" wieder zu Unrecht als Pfarrer bezeichnen, obwohl das evangelischlurtherisehe Landeskircflenaimt, wie erinnerlich, im Fehruar 1929 festeteilte, daß er kein Recht zur Führung diese« Titels - mehr habe. Das Schöffengericht Emden stellte über Münchineyer fest: 1. Er habe sich wiederholt an Frauen herangemacht und „müsse es sich gefallen lassen, „Krebitzer", „Dalkasberger", herausgekiügelt, ist der beste Beweis für ihre Uneohtheit.) Diese Witze können nicht als jüdischer Geist, als jüdischer Inhalt anerkannt werden. Jakob Wassermann läßt, in seinem „Der Fall Maurizius Waremme" ein Urteil über die Juden abgeben: „Ich haßte sie, sämtlich. Ich.haßte ihr Idiom, ihren Witz, ihre Denkuugsart, ihren Geschäftsgang, ihre spezifische Melancholie, ihre Anmaßung, ihre Selbstpersiflage." Diese wütende Ablehnung Waremmes ist nicht gut angebracht. Dehn Wassermann kennt weder die wirkliehen Juden noch ihre Fehler." Wir lassen nun einige charakteristische Anekdoten folgen: Theodor Herzl und David Wolfsohn. Auf der Reise nach Palästina, die der Zionisteniuhrer Dr. Theodor Herzl in Begleitung David Wolfsohns im Iahre 1898 unternahm, machte er einen Abstecher nach Griechenland, wo er die alten kulturhistorischen Stätten aufsuchte. An irgend einer alten Stätte, wurde Herzl tiefiunerlich bewegt und begann ganze Abschnitte Homer. in der Ursprache herzusagen. ' Wolfsohn sah -verwundert auf ihn; er verstand, kein Wort. . ■ .! „Es ist Fremdesl" sagte er zu Herzl, „und. ich fasse es nicht, wie man davon so begeistert werden' kann!" Herzl wart ihm einen Blick voll Mitteid zu. „Doch: auf eis litauischer Ghettojude!" mag er sich dabei gedeeltt haben. ..<* In Jerusalem war ihr erster Gang zur Kotelhammarabi, der denkwürdigen Klagemauer. An jener heiligen Stätte wurde Wolfsohn tief innerlich bewegt und begann den Psalm „Als Gott die Gefangenen Zions zurückführte, waren wir wie Träumende" in der hebräischen Ursprache auswendig herzusagen. Herzl stand, verwundert; er verstand kein Wort. Schließlich ging er auf Wolfsohn zu, ergriff leidenschaftlich seine Hand und sagte klagend: „Qu hast mich besiegt." Habsburger, Könige von jerusaleta. Die Stadt Brody ist eine der judenreichsten Städte Galiziens. Als einmal Kaiser Franz Josef die Stadt Brody besuchte, machte ein judenfeindlicher General aus des Kaisers Gefolge die Bemerkung: JBin zweites' Jerusalem!" J Lochend antwortete der Kaiser: „Nun verstehe ich, warum stall meine Urahnen .Könige «as Jerusalem' genannt habest" Ein GlBciu Der Synagogenvorbeter einer kleinen polnischen judengemeinde hatte eine Tochter ss verheiraten. Die Vorsteher beschlossen, ihm dreihundert Golden als Vor« schuß zu. geben, welches Geld tob seinem Gehalte, auf zehn Jahre verteilt, monatlieh abzuziehen war. . „Ich kann aber", sagte der Kantor, alt ihm die Gemeindevorsteher den Beschluß, mitteilten, das Geld nur unter folgender Bedingung .annehmen: Lehe iah die . zehn Jahre aus, ist es euer Glüok; ihr werdet den Vorschuß zurückerhalten. Sterbe ich früher, dann ist es mein Glück; die Gemeinde müßte auf die Restzahlung verzichten.'" Die Jüdische Kolonialbank. Auf dem zehnten Zionistenkongreß wurde die Jüdische Kolonialbank starker Kritik unterzogen. David Wolf söhn mußte Rede stehen und auf die Yielen Vorwürfe und Einwände antworten. Er leitete seine Antwort mit folgender Anekdote ein: In Berlin wurde in einem Tempel ein Schofar gestohlen. Der Verdacht richtete sich gegen einen polnisch jüdischen Schnorrer namens Lichtenstein, unter dessen Habseligkeiten der Sohofer auch aufgefunden wurde.' Lichtensteih kam vor den Richter. »Was hatten Sie gestohlen?" fragte der Richter. „Einen Schofar" erwiderte der Schnorrer. „Einen Schofar? Was ist das, ein Sohofar?" fragte der Richter, der wohl zum erstenmal das Wort hörte. Der Schnorrer dachte verlegen nach. Keine Antwort. Der Richter wurde aufgebracht und wollte den Dieb ins Gefängnis zurückschicken. Lichtenstein wurde es finster vor den Augen. ,,&b fällt mir ein", sagte er, «ein Schofar ist eine Trompete!" „Warum sagten Sie es nicht gleich?" „Wie hätte , ich es sagen können? . Glauben Sie, Herr Richter, daß ein Schofar. wirklich eine Trompete ist?" .„,•-. , s....... :, , Und Wolf söhn; führte aus: ,Jhr übt Kritik an der Bank. Ist den unsere Bank eine Bank und sind ihre Aktien wirklich jtfctieaT'