Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 155 (5.9.1930)
- Date
- 1930-09-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 m NEUE mir Nr. 15-5 lln schönet Halm durch Tawlg-Tapetenfabrlks A.*ß., Wien, 1^ Schottenbastei 10 Filiale i Brünn, Je«MlUM|««i« 3 Sodann betrat def Vertretende Mi s räch i, der glanbenstreuen Zionisten, <tiö Tribüne und er-* klärte, daß seine Vereinigung : «üiii Zeicheft des Protestes ihre Vertreter aus der Exekutive zurückziehe. Sie bekennt sich zürn' Judehstaats^edaflken, ohne welchen es keitien; .2ioniimus gibt Ihm folgten die Vertreter der Linken, de^ allgemeinen Zionisten, der Radikalen, der- Revisionisten, die alle die ,81 a a 11 i c he Selbständig* k e i t u n d U n a b h ä n g i g k e i t, also den Judeni Staat, als Ziel der zionistischen. Bestrebungen anerkannten. Nur einige Vertreter Deutschlands, hatten in der Fraktion der allgemeinen Zionisten gegen <len Judenstaat geredet. Sie blieben in der Minorität. Auf diese Erklärungen gab Präsident Weizraann die einzig mögliche Antwort Er stellte fest, daB zwischen ihm und der überwältigenden Majorität der Zionisten ein unüberbrückbarer Abgrund klaffe. Er betrachte sich daher nicht mehr als politischer Führer. Und ging. * ' — Der Abklang. Der Tragödie folgte die Komödie. Nach dem Weggang des Präsidenten erschraken die Menschen vor dem eigenen Mute. Wer wird Geld bringen? Wer wird mit der englischen Regierung verkehren, wenn Weizmann nicht da ist? Mutlosigkeit macht vergeßlich. Man hatte, daran vergessen, daß die alte Legende von dem großen ^Einflüsse Weizmanns auf die englische Regierung sich eben leider als Legende erwiesen hat und die materielle Situation, unter seiner Leitung katastrophal geworden jst Die Gewohnheit, in ihm den Retter aus aller Not. zu sehen, siegte bei Menschen, die keines starken Entschlusses mehr fähig sind, die sich allzu gerne treiben lassen! Allzu gerne anderen•.,die Verantwortung, überlassen. Ein Antrag wurde eingebracht, welcher Weizmann ersucht, zu bleiben. Mit Aus-1 nähme der Radikalen, der Revisionisten und einiger Misfachisten stimmten alle für den Antrag und Weizmann bleibt. Es bleibt der Führer, den ein Abgrund von den Geführten trennt. Haupt der1 Zionistischen . Weltorganisation ist . „ein Mann, der' den zionistischen Glauben; verloren hat! J Der Himmel behüte diese, Organisation! .... j . Die goldene Füllfeder hat versagt Ein überaus trauriges Kapitel stellt der Bericht über die Finanzlage dar. Vor Jahresfrist wurde in Zürich der Vertrag mit den Nichtzionisten abgeschlossen, der Vertrag dör erweitert e n J e w i s h A g e n c y. Die Führer hatten ihn mit einer goldenen Füllfeder unterzeichnet. Behütet vor jedem profanen Gebrauch, sollte dieses goldene Requisit förtan im Museum ruhen. Als Symbol des. Goldstromes,; der sich nun über Palästina ergießen wird. Der Telegraph jauchzte es in alle Welt, daß nunmehr das jüdische Welt- und" Großkapital hinter dem jüdischen Palästina steht. Die Juden glaubten und freuten sich der Kunde. Die antizionistischen Araber und die englischen Beamtenfeinde glaubten auch und rüsteten zum Gegenstoß, die Mordheize flammte in Palästina auf. Der Glaube der Juden ist geschwunden, der Zorn der Feinde ist geblieben. Was leichtflüssiges Gold , schien,, erwies sich als träges, zähes .Blei. Die Weizinannsche Konstruk-y tion der erweiterten Jewish Agency, das hochstrebende, kühn geformte" Gerüst ist zusammengebrochen. Schon unter der Last des ersten Jahres. Die Vertreter der amerikanischen Zionisten, M a c k und Lir>sky, berichteten; daß sich die erweiterte' Agency in Amerika als unheilvoller Versager auswirkte. Die amerikanisch-zionistische Organisation ist völlig zusammengebrochen.' Für sie war rieben der Jewish Agency kein Raum. Stark gelichtete zionistische Reihen stehen einer großen Schuldenlast gegenüber. Aber auch die geplante Vereini-) gung von Zionisten und Nichtzionisten, so berich-o teten beide, hat sich als. leere Illusion erwiesen« Dem sonst allmächtigen nichtzionistischen Führen War bürg ist es trotz ehrlicher und großer Anstrengung nicht gelungen, auch nur einen einzigen: neuen Freund heranzuziehen. Mit 500.000 Pfund; wurde der Ertrag der palästinensischen Sammlung, in Amerika in den Voranschlag eingestellt Nicht einmal der dritte Teil ist. bis jetzt eingeflossen^ Optimisten meinen, daß bei einer Sammlung bis. ins Frühjahr hinein vielleicht 200.000 Pfund zu erzielen sein werden. Bei einer Sammlung also, die, tief ins nächste, Budgetjahr hineinreicht. Die Schätzungen für das nächste Jahr sind noch weit niedriger. Das nichtzionistische und das zionistische Amerika. zusammen dürften im nächsten Jahre, 150.000 Pfund aufbringen, Wenig mehr als die Hälfte dessen, was das zionistische Amerika in früheren Jahren allein aufgebracht hat In den Ländern außerhalb Amerikas sind 220.000 Pfund auf; gebracht worden, gegen 300*000 Pfund des Vor" anschlageSj also weniger, als ohne Nichtzionisten früher gesammelt wurde. Für das kommende Jahr lautet die Schätzung auf 200.000. Von dem in Zürich aufgestellten Palästina- Budget in der Höhe Ton 750.000 Pfund — und das galt ja nur als Anfang, man träumte von künftigen Pfundmillionenbudgets wurden knapp 400.000 gedeckt Die Folge war, daß in diesem Jahre kein Pfund für neue Kolonisation, kein Pfund für Konsolidierung noch notleidender alter Kolonien; kein Pfund für Schuldenzahlung ausgegeben werden konnte. Nichts Neues geschaffen, nichts Altes gestützt Nur das Schul- und Gesundheitswesen und Beamtengehälter wurden bezahlt Dafür wuchs die Schuldenlast dieser Exekutive und des Keren Hajessod zur Höhe von 520.000 Pfund. Der Vertreter der Nichtzionisten in der Exekutive der Agency, Herr Dr. Senator, hat unter Berücksichtigung dieser Umstände für das nächste Jahr ein Budget von 400.000 Pfund vorgelegt. Er hat freimütig erklärt, daß dieses Budget nur den allernotwendigsten .Verwaltungskosten genüge. Für neue Einwanderung, neue Kolonisation, Abzahlung von Schulden und Ausbildung von Chaluzim bietet es nichts. Demgegenüber hat die Zionistische Exekutive ein Budget von 890.000 Pfund vorgelegt und das Aktipnsomitee hat für 820.000 Pfund entschieden. Die Frage der Bedeckung dieses Budgets wurde allerdings offen gelassen. Man sprach von neuen Anleihen durch Vermittlung Warburgs und Wassermanns, bei denen man jetzt schon mit 200.000 Pfund in Schuld steht. Weitere Anleihen? Bis in die Unendlichkeit? , \ Bilanz, ' . i,. :'x. / .. * Das Regime Weizmann, das heute noch als unentbehrlich gilt, dem man das Wesentlichste und Man friert ob dem Unsinn der Politik, Ob den Tiefen des Hasses, den Menschen sich senden, Und sucht halt beim edleren Tropfen sein Glück. Weshalb nun zum rluber.Brand alle sich wenden. E Heiligste des Zionismus zu opfern bereit ist, hat von eine politischen Niederlage zur anderen, von einem ökonomischen Fehlschlag zum anderen geführt. Das Vertrauen schwindet. Der Zionismus ist schwer erschüttert, bis in den Unterbau. Geblieben sind das prächtige jüdische Palästina und Tausende, die noch glauben, trotz Weizmann, trotz seiner Majorität von heute. Auf diesen beiden ruht nun die Zukunft der Freiheitsbewegung des jüdischen. .Volkes. Sie werden . , sich durchsetzen! Unter schweren Kämpfe.n, großen/. - Verlusten und-gxpjjen Schmerzen. .Aber sie .werden,sich durchsetzen!,, ... f Beschlüsse des zionistischen Aktionskomitees« Frage der Einberufung eines Kongresses. Das A. C nrimmt die E r k J ä r u.n g. der/Exekutive zur Kenntnis, .daß vor e i n e r d e f i oi i t i v e n Stellungnahme zu einem Palästina-Progra'm m 3er,; en'gliö/then Regierung, welches vit(ale Interessen unserer Arbeit berührt, eine* Tag-ungdes Councils.der Jewish Agency erforderlich ist und der .zionistische Kongreß einberufen werben, muß. :. .; t Die Exekutive, wird ermächtigt, alle von ihr für erforderlich .gehalteinen Maßnahmen o r ga u isa tions r ec hvt 1 i c h e r A r t zu treffen, um den Zusanwnentritt des Kongresses nach Durchführung von Wahlen in kürzester Zeit zu ermöglichen. Zeit und Ort des Kongresses soll gegebenenfalls die Exekutive im Einvernehmen m i t de m Präs i diu nr de 's A. G. bestimmen. ' .* In Wirklichkeit bedeutet dieser Beschluß die Ablehnung der Forderung nach einem Kongreß im Jahre 1930, welche von der Opposition und Teilen des Zentrums erhoben Wurde. Politische Sonderaktionen. Das A. C. bringt in Erinnerung, daß außenpolitische Sonderverhandlungen mit Regierungen und dem Völkerbund von Zionisten und zionistischen Gruppen niir mit Genehmigung der Exekutive geführt werden dürfen. In besonderen Fällen kann die Exekutive Verlangen, daß auch politische Sonderaktionen anderer Art, die das Arbeitsgebiet der Exekutive berühren, nur nach Verständigung mit ihr vorgenommen werden. Budget für das Jahr 1930/31. Das Budget beträgt 814.000 Pfund. Hievon entfallen U. a. auf: ' Kolonisation und Konsolidierung bestehender Wirtschaften......... 267.000 Einwanderung.......... 39.000 Vorbildung der Einwanderer (Hacbscharah) , , 8.000 Arbeit............ 9.000 Gesundheitswesen- .... ... . . 31.000 Erziehungswesen . ... . . . , . . 72.500 Förderung der Industrie . . , . , k » 6,000 Politische Arbeit ....... 10.000 Landwirtschaftliche Versuchsstation .... 12.5W* Statistik ............ 750 Krankenkasse (Kupet Gholim) . . . . . 15.000 la Verband deitiokratischerZionisten Feiertags- Gottesdienst Im Henri- und Chajes-Saale des Verbandsheimes findet anläßlich der hohen Feiertage ein GOTTESDIENST statt. Auskünfte über Betsitze Im Verbandsheim, II , Untere Augartenstraße 38, jeden Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 9 bis 3 Uhr und abends von 8 bis 9 Uhr Tel. A-45-6-34 Verwaltung in Palästina ....... 21.000 Beitrag zur Verwaltung in London .... 20.000 Schuldentilgung......, , ■, 216.000 Hebräische Erziehung. Das A. C. begrüßt die Erklärung der Exekutive über die beabsichtigte Errichtung eines Departements für h e b r ä i s c h;e Kr Ziehungsarbeit in der Galuih und nimmt den Bericht der Exekutive über die Ausführung der betreffenden Beschlüsse des XVI. Kongresses zur Kenntnis. . Das A. C. spracht gleichzeitig die Erwartung aus. daß das Departement als eine Zentralstelle für eine planmäßige, konstruktive hebräische Kultur* arbeit in der Galuth ausgebaut wird, und beauftragt die Exekutive, die Budgetierungsmöglichkeiten für ein solches Depa rtement zu prüfen und, falls möglich, ausfindig zu machen. Die zionistischen Landes- und S o n d e r v e rbände werden aufgefordert, ihre erste Sorge der hebräischen Erziehungsarbeit zu widmen, die Bestrebungen der auf diesem Gebiet arbeitenden Institutionen zu fördern und sich um den Ausbau, bezw. um di© Schaffung von Institutionen zu. bemühen, die sich die Pflege und die Verbreitung der .hebräischen Sprache -und Kultur zur Aufgabe stellen. ■ - > Jakob Krau§z gestorben. Zum Tode eines jüdischen Journalisten. Üinser Mitarbeiter Jakob Krausz ist Sonntag, den 31. August, nach langjährigem Leiden in seiner Wiener Wohnung1 verschieden. Jakob Krausz war einer der bewährtesten jüdischen Journalisten Oesterreichs. Bewußter Jude, Nationaljude, begeisterter Zionist. Zu einer Zeit nochj da es für persönliches Fortkommen eine schwere Gefahr bedeutete, sich zum jüdischen Volk zu bekennen,' war Jakob Krausz nicht nur in den vordersten Reihen der Kämpfer für eine bessere Zukunft des jüdischen Volkes, nicht nur überall, wo es zu lernen und zu lehren galt, zu finden, er war auch publizistischer Verkünder der eigenpolitischen jüdischen Arbeit. Zu einer Zeit, da die jüdische Landespolitik fest auf assimilatorischem Boden ruhte, war es Jakob Krausz, der zü 'd«fn '•er,steii',^cSh6rte, die eigene;jüdische Politik im Rahmen des österreichischen N a t i o n alitätenproblems forderten; Als Mitarbeiter an Dr. Blochs „Wochenschrift" bemühte sich der verstorbene Publizist um die Durchsetzung zionistischer Prinzipien, die er auch später als Sekretär der Wiener Kultusgemeinde nicht verleugnete. Unvergeßlich wird er jenen jüdischen Soldaten bleiben, für die er während des Weltkrieges im der Funktion des Dolmetschers hilfreich eintrat. Ais die jüViischinatioinale Tageszeitung „Waener Morgenzeitung" ihr Erscheinen begann, war es Jakob Krausz, der sein bewährtes journalistisches Talent, seine reichen Sprachkenntnisse, seine* politische Erfahrung, seine- Beberrisohung des altjüdisohen Schrifttums dem Kampforgan des Ziaranms zur Verfügung stellte. Krausz war ai<(-U ein Freund seinen Freunden. Unzähligemal hatte er Gelegenheit, seinen jüdischen Kollegen wertvolle Dienste zu leisten. Seit dem Bestand unseres Blattes konnten wir mit Genugtuung seine Mitarbeiterschaft verzeichnen. Eine Reihe interessanter Arbeiten aus dem Gebiet der jüdischen Folklore und des jüdischen Wissens stammt aus seiner Feder. Noch in den letzten Wochen seines schon den Todeskeim in sich tragenden Lebens war Krausz unermüdlich bei der. Arbeit, pfliohfcgetreu bis in »eine 'letzten Minuten. Zusammen mit der hinterbliebenen Witwe und den Töchtern des Verstorbenen trauern alle Freunde seines Wesens und seiner Feder an seiner Bahre, „Die Neue Welt", ihr Herausgeber und ihre Mitarbeiter