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Die neue Welt · 1930-08-29 · Heft 154 (29.8.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 154 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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N* mliiiifli DIE NEW WBLt Seite 1 Zionislisdt'revHioniili'Mhe Jugend in Wien« Empfang im demokratisch-zionistischen Verbandsheim. Unter Führung eines Brlth-Trumpe1dot»Komman» dantea, des Dr. Jakob HoHmano (Riga), weilte eine Gruppe des Rigaer Brith Truanpeldor anl dem Weg von Prag in Wien und nahm Gelegenheilt, der Redak tion unseres Blatte« einen Besuch abzustatten. Der Verband der demokratischen Zionisten hatte den glücklichen Gedanken, die jungen zionistischen Freunde aus Lettland zu einem kameradschaftlichen Beisammensein in ihr Verbandsheim einzuladen. Es gereichte allen zur Genugtuung, die kräftigen und dis« ziplmierten Jünglings- und Mädchengestalten in ihrem Temperament zu sehen, in ihrer zionistischen Begeisterung und in ihrer kompromißlosen Hingabe an die Idee, nicht weniger in ihrer jugendlichen Freude an Gesang und Tanz, der die Wiener Zuschauer mitrifl. Nach einer Begrüßungsansprache durch Herrn Leon "Wechsler dankte Dr. Hoffmann im Namen der Gäste für den freundlichen Empfang, um am Schluß seiner Rede die zukünftigen Aufgaben der zionistisch-revisionistischen Jugend darzulegen. Der revisionistische Delegierte aus Amerika, Herr Danzis, besprach den gegenwärtigen Stand der zionisti* sehen Bewegung in den Vereinigten Staaten und stellte das Anwachsen des revisionistischen Einflusses in Amerika fest. Für die demokratisch-zionistische Jtogend Wiens ergriff Dr. Nahum Samoneky das Wort. Nach einem warmen Appell des österreichischen Revisionisten Dr. David Buckspan zu inniger Zusammenarbeit der demokratischen und revisionistischem Kräfte Oesterreichs hielt der Obmann des demokratischen Verbandes, Robert S tr i c k e r, eine Ansprache an alle Gäste. Er konnte mit Stolz darauf hinweisen, dafl das Verbandsheim eine Stätte ist, worin Herzischer Geist herrsche, den die Jugend nun wieder einatmen könne, und gab seiner Freude Ausdruck, die jungen revisionistischen Enthusiasten, wenn auch nur für einen kurzen Abend, beherbergen zu dürfen. Seine Ansprache klang in die Hoffnung aus, daß alle Anhänger eines integralen Zionismus sich noch enger zusammenschließen und die Tradition des großen Führers hüten werden. Nachdem Dr. J. Hoffmann für die herzliche Aufnahme gedankt hatte, stimmte die Jugend die B'ritih- Trumpeldor-Hymne und die Tikwaih an. Der schöne Abend bewies, daß das unter großen Opfern errichtete Jugendheim des demokratischen Verbandes seinen erzieherischen Aufgaben wieder einmal gerecht weiden konnte; - , Das hebräische Pädagogium in Wien. . Das vor mehr als elf Jahren von dem verstorbenen Oberrabbiner Prof. Chajes gegründete und neun Jahre hindurch geleitete und erhaltene hebräische Pädagogium geriet nach dessen Aßleben in finanzielle Schwierigkeiten und konnte nur mit schwerer Mühe der Auflösung ent« gehen. In der Oeffentlichkeit wurde in letzterer Zeit schon allgemein von der bevorstehenden Liquidation der An« stalt gesprochen. Nun ist es dank den Bemühungen einiger Freunde dieses Instituts in Amerika gelungen, den Fort* bestand desselben für weitere Jahre zu sichern. Es ist ein Komitee ins Leben gerufen worden, an dessen Spitze der bekannte Führer des amerikanischen Judentums Judge Julian W. Mack steht, und das sich die Erhaltung der jüdischen Hochschulen in Wien zum Ziele gesetzt hat. Die Vorlesungen im Wintersemester beginnen am 21. Oktober. Bilanz der Volksbank Iwria. Berlin. (J; T. A.) Die Volksbank Iwria e. G. m. b. H., die es sich zur Aufgabe gemacht hat, jüdischen Handwerkern. Kaufleuten, Akademikern — kurzum, den Mittelstandekreisen und Kleingewerbetreibenden, welche bei den Großbanken nur sehr beschränkte Aussicht auf Wdirtsohafteunterstütizunig haben, durch Kredithergnbe zu fördern, hat eine günstige Entwicklung genommen. Die ihr zur Verfügung gestellten fremde« Gelder weisen gegenüber dem Stand vom 51. Dezember 1928 eine Erhöhung von zirka 80 Prozent auf. Ea gelit auch aus der Gliederung der Kreditoren hervor, daß die Spareinlagen und festen Geldler wesentlich überwiegen. Die ausgewiesenen Bankguthaben zusammen mit dem Kasaenbestand decken bereits zirka. 70 Prozent der täglich fälligen Kreditoren, so daß die Liquidität als auisgezeächnet aru bezeichnen ist. , Der Reingewinn, der mit M. 10.818.32 ((gegenüber M. 4942.22 im Vor jähre) ausgewiesen wird, findet Verwendung durch Zuteilung von M. 5Q0Q an die Reservekonteu, M. 4000 au ein DeUtrederekonto und M. 1500 an das Personal sowie Vortrag des Restep M. 318.22 auf Der A. H. V. und die ACTIVITA8 des Z. A. V. „BAR. KQQHBA", Wien, gratulieren herzlichst Ihrem A H Dr. MARCUS B0KSER un4 Fr. SAU B0K8ER anläßt ihrer am 31- August stattfindenden Vermahlung F. d. A. H. V. Büsiati Wiltoano Activitas Dr. Juli»» tyinjl« . neue Rechnung. Die Reserven werden hiedurch auf einen Stand von zirka M. 12.000 gebracht. Hervorgehoben wird det4 pn^ewtesenr Umsatz von zirka 56,5 Millionen Mark. Aufsiichtsrat und Vorstand der Volkshank Iwria e. G. m. b. H. schicken deir ersten Nummer ihres Mitteilungsblattes eine Kundgebung „An die jüdische Oeffentlichkeit" voran, in der es tt. a. heißt: „Die nach dem Krieg infolge der allgemeinen Entwicklung der deutschen Wirtschaft eingetretene Rationalisierung und Komzentrierung hat für die jüdische Bevölkerung Deutschlands in immer größerem Ausmaß bedrohliche Formen angenommen, und es ist unverkonmhar, daß heute in Deutschland eine spezifische Wirtschaftsnot der Juden vorhanden ist, die zum Teil aus der all* gemeinen Entwicklung des Mittelstandes zu erklären, Zum erheblichen Teil aber auf das Umsichgreifen des wirtschaftlichen Antisemitismus zurückzuführen ist. Durch die großartige Entwicklung des deutschen Genossenschaftswesens und insbesondere des jüdischen Krcditger "nschaftswesens Osteuropas angeregt, kam man auf den Gedanken der Notwendigkeit selbständiger wirtschaftlicher Institutionen, die dem jüdischen Mittelstand iu allen seinen Schattierungen Kredithilfe zur Weiterfüihrumg und zum Ausbau seiner Existenz gewähren sollen. Die zweijährige Entwicklung der Volksbank Iwria, hat die Erwartungen, die wir an die Bank geknüpft haben, durchaus bestätigt. Sie ist zu einem ernsten Instrument der Bekämpfung dier Wiirtschaftsnot unter den Juden Berlins geworden und bemüht sich in steigendem Maße, dem Mifctelstandssdwohten produktive Kredithälfe zuzuführen. Neben der erfolgreichen Airbeit in Berlin gibt es in der Provinz ähnliche Versuche. Diese Vensuche geschehen vorläufig umorganisiert und ohne genügende Erfahrung. * Durch den Beitritt zut Volksbank Iwria und durch Unterstützung der Kreditgenossenschaftsbewegung kann jeder einzelne zur Stärkung der jüdischen Wirtschaftsposition in Deutschland beitragen." Für den Anfsichtsrat unterzeichnen Direktor Geong K a r e s k i und Dr. J. Attschul, für dien Vorstand S. Drimmer, Berthold Steiniborg die Kundgebung. De* Gipfel des Verrats* Haarsträubende Dinge, vom Brith Schalom. Der TehAwiwer Pädagoge Dr. D. Lewin hält sich zurzeit studienhalber in Wien auf. Kürzlich sprach er in der Vereinigung der Wiener Hebräisten „Histadruth Iwrith" über das Wesen des Brith Schalom. Wir heben im nachstehenden aus seinem instruktiven Vortrag die Stellen hervor, die für das Gesicht des Brith Schalom kennzeichnend sind: Der Brith Schalom stellt nicht hür eine Gefahr für die zionistischen Grundprinzipien dar, sondern auch für den Aufbau Palästinas überhaupt. Mag auch die Idee unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas keinerlei Anhang haben, so ist doch eine schädliche Wirkung auf die Galuth nicht ausgeschlossen, da die Träger dieser Idee die höchsten und verantwortungsvollsten Aemter in zionistischen Institutionen bekleiden und als Männer der Feder in der Galuth bekannt sind. Diese Herren sind einer Ghettopsychose verfallen. Sie betrachten den Auf« bau Palästinas nicht als Selbstzweck, sondern nur dann von Wert, wenn er sich für die Araber als nutzbringend erweist. Einige Beispiele sollen dartun, wes Geistes Kind 'diese Herren sind, welchen Gedankengängen sie frönen. Herr Ernst Simon, Leiter einer zionistischen Institution, erklärte unmittelbar nach den Augustereig« nissen in einer ausländischen Zeitung, der britische Oberkommissär Sir Chancellor habe den Arabern unrecht getan, indem er die arabischen Mörder als eine Räuberbande bezeichnete, Herr Hans Kohn, Leiter des Keren Hajessod, yer* weigerte seine Unterschrift im Goldenen Buch auf den Namen Balfour mit der Bemerkung, daß Balfour es nicht verdient habe. Herr Hugo Bergmann wollte als Leiter der National* bibliothek 4 seine Beamten zur Dienstleistung an dem vom Jischuv zum Zeichen des Protestes proklamierten Streiktag zwingen. Er gab erst nach, als eine Gruppe von Studenten mit dem Einschlagen der Bibliotheksfenster drohte, zog aber den Beamten den aliquoten Teil für nicht geleistete Arbeit vom Gehalte ab. Derselbe Herr Hugo Bergmann forderte in einem Artikel yon den jüdischen Lehrern, den Kindern die Augustereignisse nur von einer schönen Seite darzustellen und die Hilfsbereitschaft der Araber anzupreisen, alles andere zu bemänteln und zu ver» tuschen, weil man den Arabern nicht unrecht tun dürfe. Eine Frau Barth, die an der Spitze eines zionisti* sehen Schulwerks steht, verwarnte eine Schülerin, weil sie in einem Aufsatze das Wort „Arzenu" (Unser Land) zu gebrauchen gewagt hatte. Das Traurige daran ist die Tatsache, daß solche ausgesprochene Gegner noch immer der Weltorganisation angehören. Die ehemaligen Terriförialisten, unter ihnen, I $t a e l'i' nur äe» eisten Teil ,-iKoz"* bejahten. Währen j; diese Herren beides, „Erez" und „Israel", verneinen, sind' sie immer noch bei uns sogenannte Führer. Den Gipfel ihjes, Vorrates ' stellt wohl die These dar, wonach die Judenhcit?aläs|ina^/ mit den Arabern ein Volk; zu. bildet) habe,, das in feinem Zusammenhang .-.injt dem re|tlfchen Teil der Judenheit in der Galuth stehen solle. Diese Herren müssen uns der Zionistischen Organisation ausgeschlossen und ihrer Aemter enthoben Wilden. , ■ IT HR Naöh ÄGYPTEN und PALÄSTINA ■■ mit den Luxusdampfern iü ranrninü ffll VW VII III ffl Rundfahrten Im Mitt«im««r Genua - Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien —>. Zypern Konstantinopel — Athen — Neapel — Marseille - Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: ,Sümar\ I. Kflrntnerring 18 (Ecke Schwarzenbergplatz) Tetephon U-45009 iffl Jüdisches Leben in Lettland* Von Dr. Jakob Hoff mann (Riga). (Aua. einem Gespräch.) Dr. Jakob Hoffimann, Führer de* Zionisten-Revaaionieten Lettlands, weilte, von der , Prager Revisionietenkoaferenz kommend, auf der Durchreise zur A.«C.* Sitzung in Wien. Als jüdischer Vertreter der Budgetkomimission der Stadt Riga ist Doktor Hoffmann in der Lage, ein anschauliches Bild von der Entwicklung des jüdischen Kulturlebens in Lettland zw geben. Unter den zwei Millionen Einwohnern Lettlands giibt es 5 Prozent Juden, weniger als 4 Prozent Deutsche, 12 Prozent Russen, 2 Prozent polnischer Nationalität. Das Verhältnis des Mehrheitsvolkes, der Leiten, zu den Minoritäten des Landes ist das denkbar günstigste. Es ist dies der Ausdruck des im Lande herrschenden demokratischen Empfindens, das sich in allen sozialen und politischen Fragen und im diesbezüglichen Meinungsaustausch bewährt hat. Die Interessengegensätze der einzelnen Klassen- und Bevölkerungsteile werden in der demokratischen Form des parlamentarisch geführten Kampfes reguliert. Die allgemeine Wirtschaftslage ist nicht schlechter als bei den Nachbarvölkern, eher besser, da die großen Häfen Riga und Windau den Export landwirtschaftlicher und industrieller Produkte forcieren und den Standard der lettlündisehen Oekonomie günstig beeinflussen können. Die Valuta ist seit zehn Jahren stabil, die Note durch 200 Prozent in Gold und Edelvaluten gesichert. 1 Was das jüdische Leiben anlangt, steht es im Zeichen einer zehn jähr igen Autonomie, die .nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch im realen Leben durchgeführt ist. Ersichtlich ist.sie schon durch den Umstand, daß beim Bildungisministerium die autonome Institution „Jüdische Abteilung beim B i 1 d u n g s m i n i s t e r i u mu besteht. An der Spitze dieser Institution steht natürlicherweise ein Jude, der dem Staat gegenüber die jüdischen Kultiirangelegenheiien zu vertreten hat und bei der Regierung selbst diie Wünsche der jüdischen Bevölkerung vorbringen kann, da ihm die Teilnahme an jenen Kabinetts» Sitzungen zusteht, die sich mit jüdischen Rulturfragen befassen. \ Die genannte „Jüdische Abteilung" ist am Budget prozentuell beteiligt und ziemlich selbständig in der Verwendung der zugewiesenen Budgetmittel. Besonders bemerkenswert ist der Umstand, daß auch jene Schulen, in dienen der Prozentsatz der jüdischen Schüler mehr als 50 beträgt, der Jüdischen Abteilung beim Bildungsministerium unterstehen. Das jüdische Schulwerk wird von den Budgets der Städte erhalten und hat in den zehn Jahren der Autonomie große Fortschritte zu verzeichnen, wenn auch einzelne jüdische Vertreter in dieser Hinsicht nicht viel Verstündmis ah den Tag liegten. Welchen Ümifang die jüdische Autonomie in Lettland bereits einnimmt, eröieht man aus den Summen, die dorn .kulturellen und sozialen ■PMnpWMMBMH^MMMH^ Wochen-Kalender August 1930 shh Elul 5690 29 Freitag 5~n Sabbateingang 6.30 80 Samstag 6-y Sabbatausgana 7.20 djk ■>:>.'* von »cwsßw II Sonntag 7-r 1 Montag 8-n i ii 3 Dienstag 9~ö 3 Mittwoch 10~y < 4 Donnerstag U-w

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