Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 154 (29.8.1930)
- Date
- 1930-08-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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<• *' Sc 1*3 f, die mim wei/i Mf. 154 prnmi^ I fM* größte Autwahl 1 an nur erstklassigen Ii n. _ Die "modernsten Schlager und Opeffi, von den | prominentesten Künstlern gespielt und gesungen | die besten Sprechmaschinen dar Welt | Radio- und Rundfunkgeräte | f. den Ortsu. Femempfang mit direktem Netzanschluß i zu den angenehmsten Zahlungsbedingungen nur Im liEMlJaLiewi | Inhaber: R. Hersog T«f. ft»33*4-M | Unverbindliche Vorführung / Kataloge gratis, drei- | jährige Garantie, keine Recherchen | Permanente Schaustellung ohne Kaufzwang // Ein | Besuch genügt, Sie zu unse em ständigen Kunden zu machen . eine knappe, klare., phrasenlose Diktion schuf und den Weg für die Renaissance fies Hebräischen bahnte. Politischer Publizist großen Formats mußte er die schiefe Ebene, auf die sich die Taktik Her Chowewe-Ziort begeben wollte, instinktiv er kennen. Als Begründer und Heransgeber der hebräischen Zeitschrift „Haschiloach", die später für die neuhebrh'ische Bewegung so große Be deutung gewann, nahm er zum Offenen Brief Ka minkas Stellung Am 5. Mai 1898 ging Kaminkas Offener Brief in die Welt. Eine Woche später, am 12. Mai, richtet Achaad Haam an Dr. Kaminka nach Esseg ein Schreiben. Wir geben dieses Schreiben, das in den gesammelten Briefen Achad Haams nicht enthalten ist, im hebräischen Original und in erstmaliger deutscher Uebenseteung hiemit wieder. \ \ Das hebräische Faksimile: ■Trän, y. GiNzgERQ ria-ipo OOE38A, Kusnetictinaja, 94. ' " . . ..... ' <§d<,u>sftn 7 f/ 1 £>* J'AZ~&^. \ rtt\, V-**3 j^U-^-^.4.»V^.^ i„9, &•(UJ \M *ty v/ 9*i. mt* ff» w a^j> jt rff J ii .ff j»*ft v>* y-»»!>)■,.fff w tt# f. „jr - | - \ f . | r:- "t f* '! ^" *** 'J*' \,€""1 lÄ* >** ■^■:f,$£0»4- ''t" '* +»v«£w/.w "/*'*ir,j/>v' vKiV* AK«# ,..$>.f '^<U> S^' ™ * sr> r< o.JnV». ,y* />• JL *h * y •Mr" " f/ä*'* X jtiid<9*»*d^?-"* *Ä» w> -'A*'" (,?Täf •,<ei"<?f*) .*> •»;'it. f C ijrtßfoMttjwtf ^^.jm rf.fi., «Tfo^^r-ö» nr.vfltffiw ,^Z*t N<e> r* •*»jyA "ü* t/-*7»1^ «a/v •** *\ßKßtf *'Kh* b'f -V"* <«r, <uc/* ~ dJ^nr'^*' ■ ■*!*"*. Die deutsche Uebersetzung lautet: Redaktion .„Haschiloach'V U. Gfnzberg, Odessa, Knznetschnaja 54. Odessa, 12./24. V. 1898, Herrn Dr. A. Kaminka, Esseg. Geehrter Freund f — Ihren Briet habe ich Rechtzeitig erhalten. Ich erwartete auch einen Brief von Ehrenpreis, aus dem zu ersehen gewesen wäre, daß Sie mit ihm persönlich über die Lage gesprochen haben. Nun erhielt ich aber von Ihnen soeben einen Brief, in welchem von all dem keine Rede ist. Ich bin auch im allgemeinen über die Art der Polemik onzpfrieden, die Sie sich zurückgelegt haben, und ich muß Ihiien leider sagen, daß auch ich der Ansicht bin, Ihre Artikel schadeten mehr als daß sie nützten. Schade, daß Sie sich nicht beherrschen konnten. Statt gegen ein verkehrtes System selbst anzukämpfen, .haben Sie gegen eine Privatperson «ehr strenge Worte gesprochen nnd stempelten diese so zn einem Märtyrer und riefen den Zorn «Her seiner Ver. ehrer hervor und tragen unwillkürlich dazu bei, daß letztere ihre Augen vor seinen tatsächlichen Fehlern und Handlungen schließen. Ich hoffte anfangs, es werde die Möglichkeit da sein,, auf diesem Kongreß ein kteres Wort zu sprechen, nm dieses ganze System schonungslos zu kritisieren. Aber Ich fürchte jetzt, daß wir durch die Erbitterung, die Ihre Artikel hervorgerufen haben, in die Lage vom Vorjahr kommen werden,, d. h. jeder, der nicht Ins Harn des Messias blasen wird, als „Feind" betrachten werden wird, der den Kongreß sprengen will, Ich zweifle daher, ob Ich nach Basel gehen werde, Denn was für Zweck hat es, alles zu sehen und schweigen zu müssen. Was Ihren Vorschlag betrifft, so kann ich dem nicht zustimmen. Gott sei davor, daß wir mit unseren eigenen Händen die schon geschlagene Bresche noch vergrößern. Meiner Meinung nach ist es besser, bis nach dem Kongreß zu warten. Bringt dieser keine Aendewag zum Bessern, so wird es für alle klarblickenden Pflicht sein» sich zu versammeln und Rat zu suchen. Mit Verehrung und Hochschätzung Uscher Ginsberg. Hitler spricht« Von Ewer Hajardeni. Er spricht im größten Saal Frankfurts und vor einer imposanten Menge von über 17.000 Zuhörern. Aus allen Gauen Südwestdeutschlands sind nationalsozialistische Formationen angerückt, um den großen Führer mit einer wuchtigen Ovation zu begrüßen. Eindrucksvoll diese Opferbereitschaft, imponierend der Umstand, daß schon fünf Stunden vor Beginn der Versammlung der Saal von Anhängern gefüllt ist. Zweifellos gab es außerordentlich viel Neugierige. Man sollte sich auf unserer Seite, auch wenn wir die Leidtragenden dieser Bewegung sind, ab* gewöhnen, ihr mit Ironie und Spott als einzigem Maßstab zu begegnen. Ich ging hin. Wollte wissen, ob hier in der Tat für das deutsche Volk eine neue nationale Bewegung ge* kommen. Das Ergebnis war tief enttäuschend. Hitler, eine körperlich uninteressante Erscheinung, theatralisch ge* stikulierend, beginnt unter tosendem Beifall mit dem Faschistengruß. Rhetorisch hält Hitler in keiner Weise das, was man sich von ihm verspricht. Sein Auditorium besteht aus Kleinbürgern und Mittelständlern, allerdings volldisziplinicrten Menschen. Manuelle Arbeiter und äußer lieh als proletarisch erkennbare Gestalten sind nicht zu sehen. Offenbar ist die Partei als Arbeiterpartei gescheitert. Was hilft es, wenn er dauernd die Verwischung der Klassengegensätze proklamiert: „Wir sind keine Arbeiter und Angestellte, wir sind keine Kapitalisten und Prole* tarier, wir sind keine Städter und Bauern?" Die proletari» sehe Masse fehlt. Hitlers Argumentation ist äußerst primitiv. Wie ist sein bisheriger Erfolg zu erklären? Aus ganz bestimmten Gründen: Er appelliert an den idealistischen Glauben der Nation, er zeigt seinen Zu« hörern den Stoff, aus dein der Staat sich baut. Bei keiner anderen Partei versucht man in der Propaganda eine neue nationale Bewegung zu schaffen. Ueberall Interessenten» Politik und Formalitäten. Das fehlt hier. „Stell' deinen nationalen Willen heraus, vereinige ihn zueiner Macht, Und du wirst dir deine Zukunft erkämpfen. Der Glaube an die Zukunft ist eine Kraft, glaube an dich, und du hast gesiegt." Kann man sich wundern, daß derart ein« fache Worte faszinierend auf den für Sentiments empfäng* liehen Deutschen wirken müssen? Wenn er predigt: „Wir sind ein Volk ohne Raum und brauchen Raum für unsere Zukunftl", so sind das zwar nur Forderungen, aber For« derungen, die das Volk im Innersten aufrühren. Wenn er ausruft: „Nieder mit der Demokratie, die Führerpersönlichkeiten ist alles, nieder mit dem Pazifis* mus, das nationale Prinzip entscheidet", so findet er damit den frenetischen Beifall einer zukunftsgläubigen Masse. „Es ist nicht gleich, alles, was Menschenantlitz trägt, Nationen unterscheiden sich von einander und haben ihre eigenen Werte." Daran ist vieles richtig. Oder kann man es nicht verstehen, wenn er seinen 17.000 Zuhörern zu« ruft: „Ginge es nach der „Frankfurter Zeitung", so würde es in 40 Jahren kein deutsches Volkstum mehr geben, so aber werden wir siegen, und das deutsche Volk wird leben 1" Das ist aber auch d$s einzig Positive. Wer zweifelt denn daran, daß nicht auch alle anderen Parteien eine nationale Bewegung wollen? Was hilft das Ziel, wenn nirgends ein Weg zu ihm angegeben wird? Volk ohne Rimml Wie diesen Raum schaffen? Friede, aber nur der deutsche Friede! „Pas Erbe im Blut" erhält eine viel zu starke Bedeutung; übertrieben zu sagen, daß 2000 Jahre deutsche Geschichte Weltgeschichte ist. Gibt es keine griechische, gibt es keine römische, gibt es keine jüdische Geschichte? Eines steht fest: Dieses nationalsozialistische Niveau bietet keinerlei Anhaltspunkt für eine Spitzen» Bewertung deutscher Kulturwerte. Dafür gibt es gewisse andere deutsche Leistungen. Nach der Rede des großen nationalsozialistischen Führers habe ich den Glauben an eine wirkliche Zukunft dieser Bewegung verloren. Es bleibt nur noch die Frage, wie eine derartige Bewegung in Deutschland so stark werden konnte. Es spricht für den Fortschritt der nationalsozialistl« sehen Bewegung, daß die Judenfrage nicht mehr als Laden» hütet an die Spitze gestellt wird. An keinem der Trans» pajrente konnte man etwas Antijüdisohes entdecken. AUch in der Rede Hitlers fiel kein Wort Über Judentum, Beginnen die Nationalsozialisten einzusehen, wie primitiv ihre Beweisführung ist oder ist dies nur Taktik? Ich glaube nicht. Die Nationalsozialisten müssen befürchten, bald mit der Erfüllung eines Teils ihrer Versprechungen den Anfang zu machen. Eine nationale Bewegung des deutschen Volkes muß nicht unbedingt antisemitisch sein. Wir national« Juden können uns sehr gut eine ehrliche deutsche Nationalbeweguhg vorstellen, bei der die gegen» sfltigen nationalen Grenzen im geistigen Bezirk nicht überschritten werden, Die Wiener Misradif »Tagung* Wichtige Referate. Die Sitzungen des Waad Haraschi der Weltorganisation des Misrachi waren einer Aussprache über die innere Lage der Misrachi-Bewegung, das Misrachi- Werk in Palästina und in den Galuth-Ländern gewidmet. Es wurde das Budget der Organisation für das nächste Jahr festgelegt und die Arbeitsmethoden für den „Keron Erez Jisroel schel Hamisrachi" umrissen. Ein großer Teil der Aussprache war der Festlegung der Richtlinien des Misrachi innerhalb der Zionistischen Organisation gewidmet. Die Schlußsitzung war dem Referat des Präsidenten des Weltmisraehi Rabbi Meir Berlin über die Lage im Zionismus und in Palästina gewidmet. Es wurden Beschlüsse betreffend die Lage im Zionismus und die Fragen, die auf der Tagesordnung der Berliner Sitzungen des Zionistisdien Aktionskomitees und des Administrativ Committee der Jewish Agency stehen, gefaßt. Audi wurde beschlossen, in den Monaten Tischri und Cheschwon eine Sammelaktion für den Keren Erez Jisrael schel Hamisradii durchzuführen. Die Wiener Bethnuser für das religiöse Palästina des Misrachi. Sonntag, den 17. August hat eine zahlreich besuchte Versammlung der Vertreter Wiener konservativer Tempel- und Bethausvereine stattgefunden. Die Misrachiführer Rabbi Berlin, Rabbi Fischmann, Rabbi B e r m a n n, Rabbi Ostrowski, S. Schragai und Lazarus Barth hielten instruktive Reden über das religiöse Leben in Erez Israel und über das religiöse Aufbauwerk des Misrachi. Mehrere Vertreter der Bethaus- und Tempelvereine ergriffen das Wort und machten verschiedene praktische Vorschläge, wie die konservativen Bethäuser das religiöse Aufbauwerk des Misrachi unterstützen sollen. Folgende Resolutionen wurden einstimmig angenommen: 1. Die versammelten " Vertreter der Tempel und Bethäuser in Wien besdiließen — nach Anhörung der Referate der Mitglieder der Misrachi-Weltzentrale — das religiöse Aufbauwerk des Misrachi in Erez Israel und dessen Finanzinstrument, den Keren Erez Jisrael schel Hamisrachi in jeder Weise wärmstens zu unterstützen und alles aufzubieten, was zur Erhaltung nnd zur Erweiterung dieses heiligen Werkes beitragen kann. 2. Aus dem Kreise der versammelten Vertreter der Tempel- und Bethausvereine wird ein Komitee zum Zwecke der Förderung des Keren Erez Jisrael schel Hamisradii gebildet mit dem Auftrage, dieses Komitee , aus weiteren Vertretern der Tempel- und Bethausvereine zu ergänzen; Hierauf wurde ein provisorisches Komitee, bestehend aus folgenden Herren, gewählt: Wolf ChriS, Gerson Eisner, Feldstein, M. Grünwald, Israel Goldstein, Osias Horowitz, L. Hübner, Samson Leenmann, Adolf Meiseis, Neumann, Moses Singer, Tumira und Rabb. Dr. Wundermann. Brandeis-Gruppe und Revisionisten. Aeußerungen von Jacob de Haas. New York. „The American Jewish World" ver« öffentlicht ein Interview mit der führenden Persönlichkeit der früheren „Brandeiss.Gruppe" in der neuen zionistischen Leitung Amerikas, Jacob de Haas.De Haas geht auf die Tätigkeit der „Palestine Economic Corporation" ein, die sich zur Aufgabe gesetzt habe, einen Wirtschaft» lieh unabhängigen Jischuw in Palästina zu schaffen. Aus einem Bericht der Zentralbank für genos« senschaftliche Institutionen in Palästina über das Jahr 1929 gehe hervor, daß das jüdische Palästina bereits eine Stufe erreicht habe, auf der seine Probleme nach alt« bewährten Geschäftsprinzipien behandelt werden könnten, Auf die Frage des Interviewers, ob dies bedeute, daß die ganze zionistische Tätigkeit in Zukunft auf Investie* r u n g e n basiert werden solle, antwortet de Haas be* jahend und fügt hinzu, daß Palästina baldmöglichst auf* hören müsse, auf die Unterstützung durch „Schnorren" in der Diaspora angewiesen zu sein. Für den Luxus gewisser künstlerischer und Wissenschaft« Ii eher Institutionen (Theater, Univers i* tät etc.) müßten Philanthropen aufkommen; für sein sanitäres Werk müsse der Jischuw selbst sorgen. Auf eine weitere Frage, wie er zu der politischen Auffassung des Revisionis« mus stehe, erwidert de Haas, unser politisches Ziel müsse sein, von England die Unterstützung zu erhalten, die wir auf Grund der Balfour«Deklaration von ihm zu erwarten berechtigt sind. Er, de Haas, sei ein Maximalzionist. Einer Beantwortung der Frage, ob dies nicht bedeute, daß die Leitung des Gesamtzionis» mus ihren bisherigen politischen Kurs ändern müsse, weicht de Haas aus, erklärt jedoch energisch, daß die neue Einheitsfront des amerikanischen Zionismus eine Stärkung der zionistischen Reihen bedeute und die Ent» schlossenheit, keinen weiteren Boden, auf poli* tisehem Gebiet abzutreten, sondern vorwärts zu schreiten nach einem Plane, der das Siedlungstempo der Juden beschleunigen und ihren zahlenmäßigen Anteil an der palästinensischen Bevölkerung in den nächsten zehn Jahren so vergrößern werde, daß viele von den Problemen der Gegenwart sich von selber lösen würden. Statt des ewigen Inneren Streites über die soziale und wirtschaftliche Struktur des künftigen jüdischen Staates müsse gebaut und nochmals gebaut werden. * Während der Konferenz der Zionisten»R.evisioni3ten teilte der amerikanische Delegierte Mordechsi D a n z i s mit, daß Jacob de Haas, der neue Vorsitzende des Organi« sationskomitees der Zionistischen Organisation Amerikas, versprach, die revisionistische Arbeit in den Vereinigten Staaten sowie die revisionistische Forderung nach einem zionistischen Sonderkongreß zu unterstützen.