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Die neue Welt · 1930-08-29 · Heft 154 (29.8.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 154 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nf. m DIE NEUE WEL* Seite 5 Sensation für HjQien! UFA-TON-KINO II., Taborstraße 8, Tel.: R-41-2-4I eröffnet am 29. August mit einer ganz neuen» modernst ausgestatteten TONFILM-APPARATUR die UFA-Saison 1930/31: DER SCHUSS i IM TONFILMJtTEä.lER Ein 100»/oiger deutscher Ufaton-Kriminal-Sprechfilm Rundschau Wann kommt Magnes dran? Drüben in der arabischen Wüste, auch an den Abhängen Nordgaliläas, schlafen in ihren Zelten biedere Beduinen, mit dem Dolch im Gewände mv\ der Flinte über der Schulter. Sie träumen von wehrlosen Karawanen und von Allah. Und um die Zelte herum schleichen europäische, gediegene, filmromantische Herren mit Kulturidealen im zivilisierten Herzen. Manchmal mischt sieh unter diese, den europäischen Literatencafes entsprungene Gesellen (siehe Continental-Prag, *Herrenhof-Wien, Romanisches-Berlin) ein schauer, politischer, weniger romantischer Agent. Freundschaft empfinden ist gut. Wenn man sie aber allzu enthusiastisch nimmt, schlägt sie nicht immer zum Guten aus. Unserem Freund vom Skopus, Herrn M a g n e s, seines Zeichens Kanzler der Universität in Jerusalem, ist sein enthusiastisches Kameradschaftsbekenntnis belohnt worden. Philby, der Freund, schleicht nicht mehr mit um die Zelte herum. Er ist eingetreten. Sir John Philby betet von nun ab zu Mohammed, dem Pj^phete^.^ Als sich der Brith Schalom nach der arabischen Augustrevolte zu Wort meldete, marschierte Herr Magnes Arm in Arm mit dem berüchtigten antizionistischen, im trüben Gewässer des arabischen Orients fischenden britischen Agenten in einer großen New Yorker Tageszeitung auf. Man las von der provokatorischen zionistischen Politik, von der Notwendigkeit der Abschaffung der Balfour-Deklaration, vom gelobten Land der Binationalität. Die Juden schüttelten die Köpfe. Was? Der jüdische Kanzler mit dem britischen Agenten unter einem Dach? Und sie zweifelten wohl nicht an der Dummheit des Magnes, aber an der Ehrlichkeit des Philby. Magnes war ob dieses Zweifels an der politischen Gesinnungsreinbeit des Philby in jüdischen Dingen entrüstet. Philby ist ein ehrenwerter Mann. Right or wrong, die Sache verlangt es, der Lehrmeister der judäo-arabischen Verständigung hat sich auf dem Weg des Glaubens mit den Arabern verständigt. Ünd Magnes? Er sitzt noch immer am Skopus, sinnt über die Verständigung nach, schickt seine Broschüren, Früchte dieses Sinnens, an die englischen Parlamentarier und beneidet gewiß seinen alten Freund Philby, der im Beduinenzelt schon zu Hause ist. Herr Danneberg in New York. Dr. Danneberg, einer der Führer der österreichischen Sozialdemokraten, schaut sich Amerika an. Ein Land, wo jeder zweite halbwegs distinguierte Europäer, wenn er die Freiheitsstatue hinter sich hat, ausgefragt wird. Frager und Befragte halten es bekanntlich dort nicht immer sehr genau mit der Wahrheit. { In Amerika gibt es auch Juden. Herr Danneberg ist ein Jude — wenn wir auch nicht wissen, ob ihn die Wiener Israelitische Kultusgemeinde noch führt. Was natürlicher, als daß ein jüdischer Journalist ihn befragt und Herr Danneberg ihm bereitwillig Rede steht, über den Zionismus, den er für sehr wertvoll halte, über die Wieher Paole- Zionisten, die er glühend liebe, über das jüdische Proletariat, das in Not und Tod zusammen mit dem österreichischen einen großen Kampf kämpfe. Sonderbar, wie sich unter der New Yorker Luft die Perspektive verschiebt! Großes &and, große Perspektiven! Das kleine Oesterreich ist nicht so gut dran, hier muß der Gesichtskreis etwas enger sein. Bisher wußten wir nichts davon, daß die österreichische Sozialdemokratie, einschließlich Herrn Danneberg, den Zionismus für gar so wertvoll hält. Im Gegenteil: Zionistische Arbeit — Ausfluß kleinbürgerlich reaktionären Wesens, Zionistenkongresse — klerikale Veranstaltungen nach der klassischen Formulierung des Wiener sozialdemokratischen Bürgermeisters Seitz. Palästinaaufbau — Provokation und Ausbeutung der Araber, eigene jüdische Regungen in Oesterreich — Handlangerdienste für die Heimwehr. Das Geschick der Juden Oesterreichs, sagt Herr Danneberg, ist mit der Sozialdemokratie auf Gedeih und Verderb verbunden. Allerdings. Aber mehr Verderb als Gedeih! Wenn hakenkreuzlerischcr Mob gegen die Juden auf den Straßen pöbelt, so hat das Proletariat auftragsgemäß sich . nicht einzumischen. Wenn jüdische Studenten auf der Aula blutiggeprügelt werden, so dürfen die Sozialisten den Kampf zwischen Hakenkreuzlern und Hakennäslern nicht beeinflussen. Der jüdische Hausierer, Händler wird geschröpft und schikaniert, dem jüdischen Arbeiter bleiben städtische Betriebe verschlossen. Jüdische Verwaltungsbeamte, mit Ausnahme der Herren Stadträte, wird man lange suchen müssen. Jüdische Wohltätigkcitsanstalten, Schulen, Sportvereine bekommen von der großen, aus jüdischem Steuergeld gefüllten Kasse nichts zu sehen. Aber jeder Austritt findet „werktätige" Unterstützung. Herr Danneberg hat gewaltige Sympathien für die Juden, in New York. Die beiden Herren, Frager und Gefragter, werden gelacht haben, auch wenn Herr Danneberg dort keinen jener antisemitelnden Bonmots von sich gegeben hat, die man in der „Arbeiter-Zeitung" lesen, von der Parlamentstribüne herab hören kann. Keine anderen Sorgen ... Tel-Awiw ist eine Stadt der Arbeit, jüdische Hände und Hirne haben in wenigen Jahren aus dem Sand ein Wunderwerk geschlagen. In diesem weithin sichtbaren Werk des werdenden Judenstaates schlummern noch große Aufgaben. Tel-Awiw ist auch die Stätte wertvoller Kulturbestrebungen im Sinne des geistigen Aufbaues des Judenstaates, Zentrum hebräischer Verlegertätigkeit. Tel-Awiw ist eine moderne Stadt. Mit modernem Betrieb: Theater, Musik, Fußball, Strand- | Jüdische Eltern! [ Kauft Schulbücher f für Eure Kinder nur in der jüdischen Buchhandlung Hermann TlICllltQtf Or!*Sladtgutg. 7 (Ecke Taborstraße 52) Tel. R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlost mwspm LERNET FREMDE SPRACHEN In der Berlitz School,Wien I, Graben 13 Prospekt 7 auf Wunsch bad, Tanz. Mit literarischen Ambitionen. Mit solchen, die aus einem eigenen Erdreich ihre Kräfte ziehen, und mit solchen, die nach den westlichen Literatencafes tendieren. Hat Karl Kraus einen Geburtstag, flugs dichtet ein überpflanzter Anhänger einen Hymnus auf den Autor von „Eine Krone für Zion", des bekannten Pamphlets auf Theodor Herzl. Treibt ein individualpsychologischer Dilettant seinen wissenschaftlichen Hokuspokus, so gibt es in Tel-Awiw Leute, die zu ihm nach Wien gepilgert kommen. Beehrt ein Herr Werfel das „Heilige Land", so führt man tiefsinnige Gespräche mit ihm. Nicht genug daran, fährt man nach Europa, um Entdeckungen zu machen, um Kunst- und Kulturbetrieb „im Hinblick auf Transportierung nach Palästina" zu studieren. Nun, Jakob Horowitz, ein Literat aus Tel-Awiw, ist diesem Drang gefolgt. Er hat in Wien gesucht, studiert, gefunden. In einer der letzten Nummern der „Ketuwim", einer an sich gewiß sympathischen, jungen, hebräischen Talenten offenen Zeitschrift, erzählt er uns von der österreichischen Tanzkunst. Er ist von ihr , schwer enttäuscht, wird von ihr schwer begeistert. Eine Frau, die in Wien tanzt, gilt ihm als die Inkarnation moderner Kunst in tänzerischer Offenbarung. In ziemlich erheiternder Weise lehrt er die Tel-Awiwer Gesellschaft ein wichtiges europäisches Kulturproblem. Ihm widmet er einige Spalten. Seine Tel-Awiwer Freunde sollen sich endlich den Kopf darüber zerbrechen, was moderner Tanz ist, Rhythmus, Impuls, Spannung, Dämonie. Das sind für das sich bauende Palästina wichtige Fragen. Palästina ist für Chaluzim gesperrt, tferr Jakob Horowitz schlägt eine Bresche in die Mauer. Nicht \xm arbeitende Juden, sondern um den „Geist des modernen Tanzes" einströmen zu lassen. Bald werden sogar unter solcher Protektion die Vertreter dieses Geistes aus Wien in das gesperrte Palästina einziehen. Copyright by „Die Neüe Welt", Wien. Nachdruck und Uebersetzung nur mit Erlaubnis des Herausgebers. Theodor Herzl§ tragi§dier Kampf um den politischen Zionismus* (Stelle Nr. 148 bis 155.) ■ ': m Ächad Haam will keine Bresche schlagen. Die Wirkung des Offenen Brief e s entsprach dem Ansehen, das Dr. A. Kaminka in den damaligen chowewezionistisehen Kreisen und der jüdischen Weit genoß; Sie war: aufrüttelnd. Insbesondere bezog sich die Wirkung auf jene Elemente des Briefes, die in sich die Gefahr einer Wiederauf lösung des schwer errungenen Zusammengehens in bezug auf die Arbeit für Palästina barg. Zeugen doch einzelne Stellen des Offenen Briefes von der Stimmung, die in einem großen Teil der organisierten Chowewezionisten herrschte! Man konnte konstatieren, daß die Tendenz auf eine Sprengung des in. Vorbereitung befindlichen II. Kongresses hinzielte, indem sich ciii chowewezionistischer Gegenkongreß konstituieren sollte. In dem Offenen Brief werden sogar statutarische Richtlinien vorgezeichnet. Da Dr. Kaminka verstanden hatte, dieser Stimmung im hebräischen Hamagid plastischen Ausdruck zu geben, ist die seitens fanatischer Chowewezionisten geäußerte Genugtuung begreiflich, eben-r so wie die Proteste zahlreicher politischer Zioliisten. Mehrere dieser Protestzuschriften sind im I. Jahrgang der „W e 11" zu finden. Jüdisches Mädcheninternat in Paris Am 15. September eröffnet!!! * Für junge Mädchen von 14—20 Jahre, herrlich gelegenes Institut, 20 Zimmer, wunderschöner Park, mutterliche Fürsorge Das jüdische Mädcheninternat „Robinson" in Paris wird von Frau Dr. Jacob Szarvas. geleitet, sämtliche europäischen Sprachen werden durch geprüfte Professoren unterrichtet. Verlanget Auskunft und Prospekte. Einziges jüdisches Mädcheninternat in Frankreich! 11 Adresse: Mme Szarvas, Villa Genedieve, 14 Avenue de Robinson, Robinson baulieu de Pari« (Seine) Um diese spezifische Kampfart, die auf den heutigen Betrachter mehr als befremdend wirkt, in ihren letzten Wurzeln zu verstehen, muß man sich die damalige psychologische Situation des Ost Judentums vergegenwärtigen. Mitten in einem Gärungsprozeß, der alte Formen revolutionär zu beseitigen im Begriffe war, konnte die Besorgnis um die Erhaltung überkommener Werte leicht über die Stränge hauen. Dem fremdartigen, bisher präzedenslosen Phänomen gegenübergestellt, mußten die im alten Judentum wurzelnden Cihowewezionkreise, zu denen auch Dr. Kaminka gehörte, mit Skepsis, ja mit einem aus seelischer Verwirrnis fließenden Abwehreifer reagieren. Männern der Chowewe-Zion mußte es unbegreiflich erscheinen, daß Persönlichkeiten, die nicht aus jüdisch-geistigen Bereichen kamen, sondern aus einer völlig antagonistischen Welt — und sie zu kamen zu plötzlich —, die Erlösung des jüdischen Volkes in die Wege leiten mochten oder konnten. Aus dieser psychologischen Einstellung ist das sich häufige Flüchten in den Begriff „Messias" und die aus ihm resultierende Ironisierung des Führers der politischen Zionisten zu erklären und zu verstehen. Aber der Wille zur Erneuerung des jüdischen Lebens auf heimatlicher Erde rannte alle im Religiösen und Zivilisatorischen verankerten Gegensätze über den Haufen. Die stärksten Potenzen der Chowewezionisten, geistige Führer des jüdischen Volkes von bleibender Bedeutung bedienten sich nicht dieser Taktik. Ihnen war die Einheit der national eingestellten Judenheit wichtig genug, um die Vorschläge des Dr. Kaminka abzudämpfen. So ergibt sich das natürliche Bild starker Meinungsverschiedenheiten im chowewezionistisehen Lager selbst, denen schließlich die1 später erfolgte zionistische Synthese zu danken ist. Zunächst traf die schwerwiegende Absage auf die konkreten Vorschläge des Offenen Breifes von seiten Achad Haams ein. Achad Haam (Uscher Ginsberg) hat bekanntlich a/uf die Ideologie des Zionismus entscheidenden Einfluß^ geübt. Seine schriftstellerische Physiognomie ist gekennzeichnet durch Begründung eines essaistischen Stils des Neuhebräischen, dem er in blendender Manier

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