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Die neue Welt · 1930-08-29 · Heft 154 (29.8.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 154 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seile 4 Oft NEUE WELT Nr. 154 Für die hohen Feiertage btittlltn sie rwkfnnrj Ih.tn Biratf In welBen und~, ftchwarien Und BARETTEN welche in den mannigfaltigsten Formen sowohl vor* rätig als auch nach Maß in der altbekannten Unlformierung u. Maßschneiderei | RUDOLF GOLDSTEIN KA Ü | Wien l\, TaborstraBe w"?r :; zu billigsten Preisen u. schönster Ausführung erhältlich o Liefet ant vieler in- und ausländ. Kultusgemeinden' Zahlreiche spontan erfolgte Aneikennungsschreiben bedeutender Persönlichkeiten. Gegr. 1866. Neues Telephon R-4IMM8 Aohturtfl auf dl» Hautnummtpl den Charakter. Die wirtschaftlichen Beschlüsse knüpften selbstverständlich an die Kritik der bisher ge« übten schädlichen Wir^schaftsmethodcn an und betonten folgerichtig die politischen Voraussetzungen, die jede normale Wirtschaft bedingen. Die Resolutionen in bezug auf die zionistische Organisation und ihre Flügel vermitteln die Stimmung, die sich aus den bitteren Erfahrungen des verflossenen Jahres heraus* kristallisiert hat. Man darf nicht vergessen, daß der un* mittelbar nach den Augustereignissen .von den Revisio* nisten, angebotene innerzionistische Waffenstillstand von den leitenden Stellen der zionistischen Organisation, brüsk abgelehnt , und die politischen . .y.orschläge der Revisio* nisten nicht einmal in Erwägung, gezogen wurden. Von den mmänisdien Pogromen* Wer hat Börscha angezündet? . Cluj (Klausenburg), 22. August. (J. T. A.) Die Klauseriburger Zeitungen veröffentlichen, die sensationelle Nachricht, daß der Bauer Dimisch Vaselbabuk aus dern'Kd*sdih^r>"Vö"rörte^emein3e:-- Fofähk an den Ihnen-* minister' Vaidä Vöevod einen1 Brief geschrieben habe, in Reichem er die Nethen von 16 Personen angibt, die ander Bratoolstif ttmg' in B o r s c h a. Het fast' alle jüdischen Häuser der Stadt zum Opfer gefallen sind, mitgewirkt haben. Der Generälstaatsanwalt des Distriktes hat sich nach Marmaros Sziget begeben, um mit der dortigen Staatsanwaltschaft die nötigen Schritte zur Eruierung' der Täter zu unternehmen. In Borscha selbst wurde unter Trommelschlag verautbart, daß sich alle diejenigen zu melden haben, die sich über die Entstehung des Brandes äußern können. Bisher haben sich 25 Personen gemeldet und ihre Wahrnehmungen mitgeteilt. Man erwartet in dem ganzen Distrikt mit größter Spannung'das Ergebnis der Untersuchung. Milde Richter. Bukarest, 23. Autfust (J. T. A.) Die sieben mazedo-rumanischen Studenten, die dem Attentat gegen den Unterstaatssekretär Anghelescu Vorschub geleistet haben, wurden zu je 15 Tagen Gefängnis verurteilt. Exzesse auch in Bessarabien. Bukarest, 23. August. (J. T. A.) Die oppositionelle Zeitung „Adeyerul" meldet aus Bessarabien, dal) im b a 11 i - K r e i s, wo die Juden schon früher unter dem Terror der Antisemiten standen und wo mehrmals schwere antisemitische Ausschreitungens tattgefunden haben, aufs neue antisemitische Exzesse ausgebrochen sind. Eine Gruppe von zwölf Personen drang in der Nacht in die Wohnung des Kaufmannes Rothstein ein. Dabei wurde aus der Mitte der Gruppe ftitf Rothstein geschossen, der durch drei Revolversüsse schwer verletzt wurde und ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Unter den Angreifern befinden sich auch zwei bekannte antisemitische Agitatoren. Die übrigen Mitglieder der Familie Rothstein wurden schwer mißhandelt und verletzt. Die an dem Ueberfall beteiligt gewesenen Antisemitenführer sind Kiruscha und Kitrona. In dem Kurort Tekirniol veranstalteten Mitglieder der „Eisernen Garde" antisemitische Skandale und tiberfielen jüdische Einwohner und Kurgäste. Die Polizei hat in Verbindung mit diesen Exzessen die antisemitischen Agitatoren Poschmoschanu, Christian und Diaconescu verhaftet und dem Gericht übergeben. Die gerichtliche Untersuchung hat ergeben, daß die verhafteten Antisemitenführer Totu, Jeremie und Dan IIa an dem Attentat gegen den jüdischen Bürger von Dorna-Candreni, Rubinger, direkt beteiligt gewesen sind. Bekanntlich wurde in die Wohnung von Rubinger eine Dynamitbombe geschleudert, die nur darum nicht explodierte, weil die Zündstelle durch die zerbrochene Scheibe lädiert worden war. Der verhaftete Antisemitenführer D a n i 1 a, der nach Klausenburg gebracht wurde, rühmte sich gegenüber der ihn vernehmenden Polizei, daß er sich die ganze Zeit über gar nicht verborgen behalte habe, sogar während der Verhandlung des Prozesses gegen Codreanu im Gerichtssaal anwesend gewesen war. Im Dorfe Sturdzowka wurden die jüdischen Bürger Abraham Schönfeld, David Sdiönfeld, Schlomo Weißmann und Kersch Sadigurski schwer verletzt und beifau b t. Atif" den Feldern Von Abraham Schönfeld haben die Cuzisten das Getreide nieder gegebrannt. Drei Cuzistenen drangen in das Haus des jüdischen Bürgers SauL Gertowski ein, und verletzten das, Familienobeyh R,e y,o 1 y e r s c h u ß am Köpfe. Seine Gattin wurde mißhandelt und gefesselt, sodann wurden die Wohnung und der Laden zerstört und ausgeraubt^Die Cuzisten schrien dabei: Wir werden alle Juden ausrotten, wenn sie nicht rechtzeitig das Dorf verlassen. Die jüdische Bevölkerung des Dorfes ersuchte'den jüdischen Parlämentsklub, die Regierung aufzufordern;' ihnen den notwendigen Schutz S)as idealste undeinzig'Verläßlidte für ■ ühre gesamte 'Wäsche ist ■ö C 2 5 \l ll* 1*1 >i ijl Iii DOKTOR BALTHASAR S PURIN lascht I allein [äsche I blendend I ei ss RO"65/CHEN OratUprobftfl •Hing«« für Jedermann bei Kaufmann odar direkt sti basflahan durch dla 9m. A. WALLUM, Wien N, OroBe Sperlgaaea 37 a ffj angedeihen zu lassen. *-» Der bekannte bessarahische antisemitische Agitator Nicolai Negru, der vor einigen Tagen verhaftet wurde, ist wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Entschädigung der Geplünderten. Czernowitz, 21. August (J. T. A.) Die Jüdische Gemeinde von Suczawa hat dem Generalstaatsanwalt beim CzernowitzerOberlandesgericht and dem Generalrat der jüdischen Organisationen Rumäniens die Höhe der während der antisemitischen Unruhen in Suczawa und Balaceana angerichteten Schäden mitgeteilt. Dieselben betragen für Balaceana 2,724.800 Lei und für Suczawa 208.089 Lei. Es wurde darauf hin- JSaI^j^ISmü nach Gemälden berühmter ViODCIIllS JUdlscher Maler HERZL-Gobelins erzeugt Atelier Zahrad&lik Wien, V., Anzengrubergasse Nr. 30 Telephon U-40*9«?17 ■wjiuiiiiiiiiiiiiiiiHmniiiiiittiiiiiiiMHWfiiniiiiriiififfimiiimiiiiiiiiiiiwwiwiwiiiiiwiiiiiiiiiiifiiiiiwiiwi......iiiiimiimm Prima I Prima I Gedörrte bosnische PFLAUMEN etuierte Kisten HO ka 16 S, franko Packung und Postporto, jedem Besteller bei Voreinsendung des Betrages, versendet Export 8. Drechsler, Tuzta, Jugoslawien. jlHIItllilllllllMlIIIIIWIIllMllllllltlllMlii^ »wiimml gewiesen, daß die Geschädigten ohne Erwerb sind und sidi in einem Zustande ständiger Panik befinden, sowie, daß die Reparaturen an beschädigten Häusern so rasch als möglich ausgeführt werden müsen, weil der Herbst vor der Türe steht. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Untersuchung gegen die Schuldigen unterbrochen wurde, so daß Gefahr besteht, daß die Spuren verwischt werden. Eine genaue Darstellung des Sachverhaltes mit Beweisanbietungen wurde angeschlossen. Der Generalrat wurde ersucht, beim Finanzministerium dahin zu intervenieren, daß den Geschädigten die laufenden Steuern abgeschrieben werden; sie sind nämlich jetzt, obwohl ohne Vermögen und ohne Erwerb, rücksichtslos gepfändet worden. genau in allen Einzelheiten und mit besonderer Freude zu schildern („Gegen Flaccus" 13)1 Ebenso findet er, daß Moses, der den gewalttätigen Aegypter, welcher seine Stammesgenossen mißhandelte, erschlug, damit eine „makellose Tat" vollbrachte. („Leben Mosis" I.). Immer wenn Philo auf die Unterdrückungen, die über sein Volk ergingen, zu sprechen kommt, bemerkt man an seinem Stile, daß das Schicksal des Judentums ihm am Herzen liegt. Für sein tiefes nationales. Empfinden spricht auch seine Pilgerfahrt nach Palästina, die er wohl, wie es aus seine. Schrift („Ueber die Vorsehung", Fragm. II, 646 Mang.) hervorgeht, hauptsächlich aus religiösen Gründen unternahm, um im Tempel zu Jerusalem zu beten und zu opfern, es läßt sich aber mit großer Wahr« scheinlichkeit behaupten, daß diese Reise auf seine innige Zugehörigkeit zur jüdischen Nation zurückzuführen ist. Führt ja doch Philo in der Abhandlung über das Heilig« tum („Ueber1 die Einzelgesetze" 1) auch aus Grund für die vorgeschriebenen Wallfahrten an, „daß die Teilnehmer bei Schlacht» und Trankopfern die Herzen durch un« zertrennliche Bande der Treue und Eintracht aneinander fesseln.'1 Er -bezeichnet ja auch alle Feiertage mit Aus« nähme des Bikkuriumfestes (bei Philo „Korbfest" ge« nanht), geradezu als Volksfeste. („Ueber die Einzel« gesetze"' II). Auch in seiner Begründung der Einzelgebote der Bibel durchblickt man oft sein warmes' Nationalgefühl, so z. B. bei der Besprechung der Sklavenbehandlung: „Wiederum bezeichnet er (Moses) den Volksgenossen als „Bruder", um durch diesen Ausdruck im Herzen des Besitzers das Gefühl der Verwandschaft mit dem Unter» gebenen wachzurufen, damit er ihn nicht gering achte wie einen Fremden, mit dem er durch kein Freundsehafts« band verknüpft ist." (a. a. O.). Ebenso beim Verbote, keinen Fremden zum Könige zu wählen: „Denn begreif* Hcherweise setzte er (Moses) voraus, daß der Stammes« und Geschlechtsgenosse, der durch den höchsten Grad von Verwandtschaft dem Volke angehört,... statt die Ansässigen zur Auswanderung zu bestimmen, den in der Ferne Zerstreuten zu sicherer Rückkehr verhelfen wird." (a. a. O. IV.) Seine besondere Liebe zum Volke und zu ErezJsrael bekundet er auch bei der Begründung des Garbenfestes, für welches er folgende Gründe angibt: „Erstens, weil die Juden nicht für alle Zeit, zersprengt Uber Inseln und Festländer, ein Wanderleben zu führen und heimatlose Fremde sich schelten zu lassen-brauchen, die auf fremdem Boden hausen, das 'Gut anderer mit* genießen und aus Mangel an Mitteln auf der weiten Erde kein Fleckchen für sich erworben haben, weil sie vielmehr Land und Städte besitzen und seit langer Zeit ihr Erb« teil bebauen, dessen Erstlinge zu entrichten fromme Pflicht ihnen ist. Zweitens, weil ihnen nicht ein beliebiges, minderwertiges Land zuteil wurde, sondern ein gutes und ergiebiges, zur Viehzucht wie zum Pflanzen zahlloser Gewächse geeignetes; denn nirgends ist sein Boden kümmerlich, und selbst wo er steinig und hart zu sein scheint, ist er doch von lockeren, sehr tiefgehenden Adern durchzogen, deren Fettigkeit Pflanzenwuchs ermöglicht.1' (a. a, O. II.) Mit Stolz spricht Philo von der Vergangen« heit seines Volkes, vom Adel der Patriarchen, denen er besondere Monographien widmete (von welchen bloß die Lebensgeschichte Abrahams auf uns gekommen ist); Das wirkliche historische Leben der Ahnen, abgesehen von der allegorischen Deutung, war ihm Gegenstand der Bewunde* rung, wobei man bemerkt, daß er sich als Nachkomme dieser hervorragenden Vorfahren glücklich schätzt und daß dieser Umstand sein nationales Bewußtsein festigt. („Ueber den Adel"). Obwohl er sonst überall wie ein echter Grieche *n die Zweiteilung der gesamten Menschheit: Hellenen und Barbaren festhält, nimmt bei ihm die jüdische Nation eine besondere Stellung ein, indem er ihr den Priesterrang verleiht: „Was für den Staat die' Priester; das ist das Volk der Juden für die ganze bewohnte Erde. Denn es nimmt, wenn ich die Wahrheit sagen soll, Priesterrang ein, da es körperlich und geistig in jeder Weise gereinigt und ge* weiht ist." („Ueber die Einzelgesetze", II.) Für die Gleich« berechtigung der Juden in fremden Ländern trat Philo entschieden ein. Als er von der Unterdrückung und Vor« sklavung der Juden in Aegypten zur Zeit Mosis berichtet, spielt er auf seine Zeitverhältnisse an und versucht, so in dem für das griechische Publikum bestimmten Buch „Leben Moses", die Rechte seines Volkes zu verteidigen. „Fremde sollten nach meiner Meinung", sagt Philo, „von dem Wirtsvolke als Schutzsuchende behandelt werden, haben sie sich aber dauernd niedergelassen, nicht bloß als Schutzsuchende, sondern auch als Freunde, wenn sie sich um Gleichberechtigung mit den Bürgern bemühen." („Leben Mosis", II.). Mit den Propheten Israels teilt Philo die Hoffnung, daß dem Judentume eine glückliche Zukunft bevorstehe und daß es die alte Machtstellung wieder erlangen werde. („Ueber Belohnungen und Strafen", 16). Wenn wir nun die angeführten Stellen, die sich um das Vielfache vermehren' lassen, im Zusammenhange mit seiner uns sonst bekannten allgemeinen Weltanschauung betrachten, stehen wir vor einem bewunderungswürdigen Versuche, den jüdischen Nationalismus mit dem Kosmp* politismus in Einklang zu bringen. Wer die Werke Philos mit Verständnis liest, muß zugeben, daß diese Synthese ihm zum großen Teile gelungen ist. Philo kann zum vor« bildlichen Beispiele dienen, als ein Jude, der im fremden Milieu seine Zugehörigkeit zum Judentume offen und stolz bekundete und'dabei Weltbürger im edelsten Sinne des Wortes blieb. Mit Recht nannte ihn daher die Nachwelt „Philo Jr.daeus", der Jude Philo. J. Schächter und S. Schönblum.

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