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Die neue Welt · 1930-08-29 · Heft 154 (29.8.1930) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 154 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 154 Die NEUE WELT Seite % ist jetzt für wirtschaftlichen Aufbau v.ie 1 günstiger als je. Dr. S o s k i n hält Ruppins Vorschläge für u n« cf ürchf ü hrb ar. Wir hätten England deutlich erklären räüssen, wir brauchen Palästina diesseits und jen< seits des Jordans. Man sehe endlich ein, daß Ge* tfeidebau kein Fundament der Kolonisation sein kann, aber auch Milchwirtschaft könne das nicht sein, denn in «Mtem Land, wo die Ernährung des Viehs notwendig so höhe Kosten verursacht, kann man keine Milchprodukte für den Export erzeugen. Beim Orangenbau warten die Kolonisten fünf Jahre auf einen Ertrag. Man muß daher die Kolonisation auf intensive Kulturen (Gemüse usw.) gründen, von denen die Leute sofort existieren können. Durch Sammeltätigkeit allein kann man auch die Kolonisation nicht finanzieren, man müsse staatliche Wege gehen. H e r z f e 1 d legt dar, daß dieses Budget keine Arbuitsmöglichkeit bietet und richtet einen Appell an die Versammlung, für eine Vergrößerung der Einnahmen Sorge zu tragen. Alle Fragen müssen zurückgestellt werden hinter die Forderung der Wiederaufrichtung einer lebendigen und aktiven zionistischen Bewegung. Die Debatte dauert fort. Die Wellkonferenz der Zioimten.Revisiomsten. Abschluß der Prager Tagung» Die IV. Weltkonfereriz der Union der Zionisten* Revisionisten ging Freitag, den 16. August, um halb 8 Uhr morgens zu Ende. Bis Donnerstag mitternacht ging eine geschlossene, nur den Delegierten zugängliche Sitzung voran, in der strittige Fragen, wie Austritt aus der Zionistischen Organisation, Schaffung einer n a t i o* nalen Ar b ei t.er g e vy c r k s chaf t, bereinigt wurden, wobei das erste Problem im Sinne Meir Großmanns, das heißt Verbleiben der Revisionisten in der Organisa« tion und Abhängigmachung der endgültigen Entscheidung in dieser Frage vom Ausgang des nächsten Zionisten« kongresses, das zweite Problem im Sinne des palästinen* sischen Delegierten Weinstein, das heißt Bemühung um Neutralisierung der vorhandenen Arbeitergewerks schaft oder nach Fehlschlagen der Bemühungen die Grün* dang einer unpolitischen, rein nationalen Gewerkschaft, gelöst wurde. Der Vorschlag Großmanns, die Kolo* nisationstätigkeit in Palästina zum Zeichen des Protestes und als politisches Pressionsmittel gegen die Mandatar» macht zu sistieren, kam nicht zur Abstimmung, eben* sowenig wie der Antrag Lichtheims, die revisio* nistische Organisation als Sondc.rverband zu er* klären. .... Ueberaus würdig und feierlich verlief die Schluß* Sitzung. Es sprachen Meir Großmann und Wladimir J a b o t i n s k y, denen begeisterte Ovationen dargebracht. wurden. Großmann stellte das Anwachsen der Bewegung in den letzten eineinhalb Jahren und den Widerhall der Konferenz in der Oeffentlichkeit und Presse fest und schloß mit den Worten: „Auf Wiedersehen beim nächsten Kongreß oder bei einem eigenen Kongreß." Vladimir Jabotin sky führte ungefähr aus: „Herzl hat einen Tempel hinterlassen, in welchem immer weniger von seinen Priestern und Propheten bleiben. Wir wollen diesen Tempel wieder als die Festung des Zionismus aufbauen." Jabotinsky bat um die Erlaubnis, Justizrat Boden* he im er, dem es gesundheitlich schon besser geht, den Gruß der Konferenz zu schicken. „Wir haben", sagte Jabotinsky, „die Seele einer großen und alten nationalen Bewegung bereichert. Ich fordere Sie zu Stolz und zu Bescheidenheit auf. Zur Be* scheidenheit rufe ich alle, die Aelteren und die Jüngeren, den Brith Trumpeldor, auf. Wir haben noch einen langen Weg, bis wir sagen können, daß Idee und Menschen* material der Partei einander ebenbürtig sind, aber wir sind eine Auslese, weil nicht das Handeln, sondern die Sehnsucht des Menschen ausschlaggebend ist für seinen Wert. Historisch betrachtet ist der Revisionismus auf dem Wege von den alten großen Gestalten des Juden* tums über die kleinen Gestalten der Gegenwart zu einer weiten, großen Zukunft." In der Prager „S e 1 b s t w c h r" nennt F. W. die Tagung eine. Konferenz der Ultimaten. Sie habe gegen eine ganze Anzahl von Fronten gekämpft (gegen Eng* land, die Zionistische Organisation, die Exekutive, die Arbeiterorganisation) und einen friedlichen Weg mit kriegerischen Drohungen gewählt. Er schließt seine Be* trachtung: „Sicherlich sind alle Zionisten mit Vergnügen bereit, anzuerkennen, daß diese gemäßigte Form der Beschlüsse nicht etwa auf taktischen Erwägungen oder gar auf dem Gefühle der Schwäche beruhe, sondern auf richtiger zionistischer Intention, und sei es darum mit Freude kon* statiert, daß auf dem Wege von Agitation zur Tat sich das zionistische Verantwortungsgefühl' in so ausschlag* gebender Weise eingestellt hat." Die National*Zeitung (Basel), ein inter* national angesehenes Organ, nimmt in einem großen poli* tischen Aufsatz unter dem Titel „Die Krise im Z i o* nismus" zur Tagung Stellung. Besonders bemerkens* wert ist die Feststellung des Blattes, daß die Einstellung der jüdischen Einwanderung durch den englischen Kolo* nialminister Lord Passfield eine Maßnahme sei, die, in Widerspruch stehend'zu den völkerrechtlichen Verpflich* tungen der britischen Mandatarmacht, die Unzufrieden* heit der Zionisten gesteigert habe, und daß das rapide Anschwellen der oppositionellen Bewegung, der Revisio* nisten, die Verschlimmerung der politischen Lage des Zionismus illustriere. Die National*Zeitung gibt ein anschauliches Bild von den Verhandlungen und den Beschlüssen der Konferenz und charakterisiert den Revi* sionismus folgendermaßen; Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Eine geringe Unterexposition läßt sich bekanntlich wesentlich schlechter ausgleichen als eine prozentual gleich höhereUeberbelichtung. Deshalb belichtet der erfahrene Lichtbildner nach Möglichkeit reichlich. Nicht alle Platten vertragen dies. Der -Brauns J\idrt~Platte können kraftige Uebcrlichtungen nichtsanhaben. Die braune Zwischenschicht der „Satrap-Braunschicht" (daher der Name) verhindert, daß uberexponierte Lichter durch Lichthöfe zu detaillosen Flächen zusammenfließen. — Warum also das Risiko einer Fehlbellchtung auf sich nehmen? Verlangen Sie kostenlos den neuen Satrap-Katalog Nr. 32 Schering-Kahlbaum A. G., Repr. WIEN, Vl.( Webgasse 2 a „Wie ersichtlich, ist der Revisionismus keine revo* lutionäre, sondern eine patriotische Opposition, die nichts anderes „revidieren" will als unglückliche Methoden der gegenwärtigen zionistischen Leitung. Der Revisionismus ist staatsfreundlich und lehnt die von Martin Buber weit* anschaulich fundierte, von einem einflußreichen Teil der offiziellen zionistischen Politiker offen oder versteckt be* fürwortetc Theorie ab, wonach das Ziel des Zionismus nur die Schaffung eines „geistigen Zentrums" für die zer« streuten Juden sei, nicht auch tatsächliche Massenkoloni« sation in der alten Heimat. Diese Theorie muß man als Folie stets im Auge behalten, um den eigentlichen Sinn und das politische Pathos des Revisionismus zu ver« stehen, der sich nicht mit einer hebräischen Universi« tat usw. begnügt, sondern ein dichtbevölkertes jüdisches Land anstrebt, mit einer gesunden Schichtung der Be« völkerung. Durch die Repatriierung von etwa einer Million Ostjuden würde zugleich der wirtschaftlichen Not der polnischen, rumänischen, ukrainischen Juden ihre größte Schärfe genommen. Auf moralischem Gebiet be« deutet der integrale Zionismus geradezu eine Verjüngung des vielgeprüften jüdischen Volkes: er gibt seiner Jugend ein heroisches nationales Ideal, erzieht-sie zu Opferwillig« keit und produktiver Arbeit, bewahrt sie vor materiali« stischer Verflachung. Wie der 1897 in Basel verkündete politische Zionismus das damalige Judentum aus seiner Lethargie wachrüttelte, so ist heute der Revisionismus bemüht, der erstarrten und verbureaukratisierten zioni« stischen Bewegung ihre einstige Schwungkraft und ihren alten Judenstaatidealismus wiederzugeben," Das Echo, das die Revisionistenkonferz zu ver* zeichnen hatte, ist ein Zeichen für den sich bahnbrechen« den Willen, die politische Krise, in die der Zionismus durch die offizielle Leitung geführt wurde, ernstlich zu behandeln. Zweifellos haben die Verhandlungen in Prag Wege gewiesen, die aus der Krise hinausführen können. Die politisch e ri Resolutionen, die Mandatarmacht und britische Administration Palästinas zum Gegenstand haben, zeigten einen entschiedenen und richtunggeben« Philo von Alexandria als nationaler Jude« Der um den Beginn der üblichen Zeitrechnung in Älexandria (Aegypten) lebende Philosoph, Philo, war der erste hervorragende Jude, der eine, fremde, nichtjüdische Erziehung genoß, ganz im hellenischen Gedankenkreise aufwuchs, der wahrscheinlich sogar des Hebräischen un« kundig war und dabei seine ganze literarische wie auch politische Tätigkeit ausschließlich der Verteidigung und Verherrlichung des Judentums geweiht hat. Durch ihre besonders günstige geographische Lage vermittelte Alexandria Kultur und Handel zwischen Ost und West. Hier wickelte sich der ganze Transithandel mit dem Orient ab, sämtliche Industrien gelangten hier zur höchsten Blüte. Hierher, auf den Boden der alten ägyptischen Traditionen verpflanzten Alexander der Große und seine Nachfolger, die Ptolemäer, griechische Bildung und Gelehrsamkeit. Die Errichtung der größten Bibliothek des Altertums und die Gründung einer Akademie (Museion) bewirkte es, daß Alexandria das Erbe Athens übernahm und sich zur Metropole der damaligen Kulturwelt emporschwang. Unter den unzähli* gen Einwanderern, die dorthin von allen Orten zu* strömten, befanden sich auch viele Juden. Bereits unter der Herrschaft der Perserkönige bestand in Aegypten, auf der Nilinsel Elephantine, die durch den Fund der be« rühmten aramäischen Papyri (herausgegeben von Sachau) bekanntgewordene jüdische Soldatenkolonie, wo es sogar einen Tempel mit Opferaltar gab, ein ägyptisches Jerusalem 1 In der Zeit der ersten Ptolemäer, der Gründer der erwähnten, bedeutsamen Bildungsinstitutionen, nahm die Anzahl der Juden in Alexandrien fortwährend zu, so daß später cm ganzer Bezirk dieser Großstadt zur Judenstadt wurde. Die Juden bildeten neben der einheimischen und griechischen Bevölkerung ein drittes, wichtiges Völker« dement. Wie aus den in der ägyptischen Provinz Faijüm gefundenen Papyri hervorgeht, bekleideten Juden öffent« liehe Beamtenstellen und unterschieden sich äußerlich von ihren Mitbürgern nur durch die überdies sehr seltenen jüdischen Namen, wie Simon und Jakob. Die griechische Uebersetzung der Bibel, die söge« nannte Septuaginta, ist für die griechisch redenden und denkenden Juden an Stelle der Thora getreten, da der hebräische Urtext den meisten unverständlich war. Wie uns Philo berichtet, wurde am Jahrestage des Abschlusses der Uebersetzung „alljährlich eine Festversammlung auf der Insel Pharus abgehalten, zu der nicht bloß Juden, sondern auch andere in sehr großer Menge hinüberfuhren, um den Ort zu verherrlichen, an dem zum ersten Male das Licht dieser Uebersetzung erstrahlte" (Leben Mosis II; nach der deutschen Ausgabe von L. Cohn), in bemerkens* wertem Gegensatze zu den Rabbinen, die gerade diese Tage als Tage, in denen „das Sonnenlicht erlosch" be* zeichnen. So weit ging die damalige Assimilation, die wir als erste in der Geschichte der jüdischen Diaspora ver* zeichnen können. Und doch keimt hier schon der Antisemitismus, der stets größere Dimensionen annimmt, bis er in wüste Pogroms ausartet. Schon im Altertum finden wir also die auffallende Bestätigung der Tatsache, daß die Assimilation nicht Abwehr gegen den Antisemitismus, sondern vielmehr oft seine Enstehung verursacht. Dieser alexandrinische Antisemitismus mutet uns ganz modern an. Es fand sich damals schon sogar ein antiker Chamberlain, ein „Hakenkreuzprofessor" und Pseudogelehrter namens Apio, „klassischer Philologe" seines Zeichens, der die Welt mit Glossen zu Homer beglückte und seine Judenfeindlichkeit in ein Wissenschaft* lichsein wollendes System brachte. Fast alle unsinnigen Anschuldigungen der neuzeitlichen Antisemiten finden wir schon bei diesem eitlen „Trommelschläger des Ruhmes" wie ihn Plinius nannte. Als der alexandrinische Pöbel, durch Hetzer vom Schlage Apions aufgewiegelt, einen Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung ver« anstaltete, entsandten die Juden eine Delegation an Kaiser Kaligula; zum Führer dieser Gesandtschaft wurde Philo gewählt. Obwohl Philo, wie wir aus seinem teilweise erhaltenen Gesandtschaftsberichte erfahren, damals be« reits im vorgerücktem Alter stand und stets ein ruhiges, echt stoisch*beschauliches Leben führte, unternahm er die weite, gefahrvolle Reise zum unberechenbaren, wahnsinni* gen Kaiser, um für sein bedrängtes Volk einzutreten. Aus folgender Stelle ersieht man, wieviel Opfer und Ueber« Windung es diesem Philosophen gekostet hat, seine philo« sophischen Arbeiten zu unterbrechen und sich der Politik zuzuwenden: „Es gab einmal eine Zeit", so erzählt er, „da ich mich ganz der Philosophie und der Betrachtung der Welt und ihrer Teile hingab <,. und pries mich glücklich, den Verhängnissen des Menschenlebens durch Anspannung meiner Kräfte entronnen zu sein. Da aber lauerte das schlimmste der Uebel, der Neid... mir auf: Plötzlich fiel er über mich her und ließ nicht eher ab,... als bis er mjch in die weite Flut der politischen Sorgen gestürzt hatte, in der ich nun umhergetrieben werde, ohne auch nur ein wenig daraus emportauchen zu können. ... Und wenn mir etwa gar wider Erwarten für kurze Zeit Stille und Ruhe von politischem Getöse gegönnt ist, dann erhebe ich mich beschwingt über die Wogen..., um bei ihr (bei der Wissenschaft) meine Tage zu verleben." („Ueber die Einzelgesetze" III.) Er schrak davor nicht zurück, gegen den judenfeindlichen Statthalter Aegyptens, Flaccus, in einer polemischen Schrift Stellung zu nehmen und ihm mutig seine Parteilichkeit vorzuwerfen. Der sonst durchaus humane und stoisch orientierte Denker, dessen Werke ganz vom Geiste der Menschenliebe durchdrungen sind, unterläßt es nicht, die Strafe dieses Judenverfolgert

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