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Die neue Welt · 1930-08-29 · Heft 154 (29.8.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 154 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 154 Uli schön«! Heini durch Tawig-Tapetenfabriks A.-fl.» Wieti^ W^hottehbaStei 10 Filiale i Brünn, Jet^trtfiiWs (Fortsetzung von Seite i, Spälfe 1.) rierung eines Dualismus, der nicht bestehen darf, von eeiten Englands ist ja das unglückselige Moment, aus dem heraus alle Komplikationen kommen, die die jüdische Arbeit hindern, dros sein und politisch in eine Sackgasse führen.: Wie dem nun vorläufig-sei, England h«t-einen Hieb abbekommen. .Es ist vor aUer Welt ertappt, entlarvt. Das spiegelt auch seine Antwort wieder. In der jüngsten politischen Geschichte gibt es kein Dokument, das sö viel Gewundenheit, Ner vosität, Heuchelei aufweist. Denn was ist es anderes, wenn die englische Regierung alle Schuld gleichsam auf den Völkerbund schiebt, der ihm selbst, England, nicht in den Ann gefallen sei. Wer, fragen wir, hat jenen jungen Mann, der die Maipogrome 1921 inszeniert hat, rehabilitiert,;zum Großmufti gemacht? Wer hat eine Administration von ausgesprochen antisemitischen Elementen ein gesetzt? Wer hat im Lande selbst systematisch, böswillig jede Initiative sabotiert? Wer ein wirtschaftliches Regime etabliert, das auf "die Juden alle Steuerlast wälzt und für das jüdische Nationalheim weniger auswirft als in irgend einem Land ausgeworfen wird, wo die Juden kein Nationalheim haben? Wer hat das Land von Schutzkräften äo entblößt, alle diesbezüg liehen Warnungen in den Wind geschlagen Und hunderte Morde möglich gemacht? Wer hat eine Rechtsprechung geübt, die Mörder aufmuntert? Will England dem Völkerbund Sand in die Augen streuen, indem es ihm das Ammenmärchen von der Anleihe für Palästina erzählt, aus der esj sich doch bekanntlich für seine eigenen sogenannten Orientkriegsausgaben bezahlt mächt, unrechtmäßig für Palästina an die Türkei übernommene Verpflichtungen abstößt? Warum erzählt England nicht, daß es für Trans Jordanien, ein aus"'dem Komplex des jüdischen Nationalheims, illegal eliminiertes Gebiet, palästinensische Steüergelder verwendet? Kurz, die Argumente der/Rechtfertigung sind mehr als problematisch. "Da .hilft kein Ironisieren, kein nervöses Aushauen, keine' Schaumschlägerei mit Ziffern, kein Gekränktsein deswegen, weil der Völkerbund angeblich den einseitigen Bericht der Jewish Agency berücksichtigt hati, " Die Jewish Agency? Englands Antwort entbehrt wenigstens keiner Pikanterie. Der Bericht der Jewish Agency ist zu spät eingetroffen. Vielleicht das einzige wahre Wort in der englischen Antwort. Die Mühlen unserer Jewish Agency mahlen eben langsam. Der Konflikt ist da. Wir wissen nicht, sollen wir uns freuen oder ist es angebrachter, allen "Erfahrungen gemäß den-Ausgang dieses Konflikts skeptisch abzuwarten.'' Lange hat es gedauert, bis Bericht und Antwort kamen. ' Mit bedenkliöhörv Einstidööi^igkeit -behauptet5 die Weltpresse, daß es. England gelingen wird, die Diskussion im Völkerbund selbst für lange hinauszuschieben. Hat es ja die, Diskussion in seinem eigenen Unterhaus für lange abgeschnürt! Kommt Zeit, kqmmt Rat. Wir haben schon die Genfer Setzer gebeten, keine Druckfehler zu machen. Optimistisch dürfen wir auf keinen Fall sein, da, wie die'Dihge jetzt stehen, die zionistische Politik von einem Geist beseelt ist, dem man die in diesem schweren Zeitpunkt notwendige Aktivität nicht zutrauen kann. Vielleicht wird da der nächste Zionistenkongreß Wandlung bringen. Jahres als unzulänglich erweise, verteidigt sich aber gegen den Vorwurf der Unvorsichtigkeit mit dem Hinweis darauf, daß die Verringerung der Garnison auf. den Rat ihres Oberkommissärs erfolgt sei,. dessen Kenntnis des Landes und militärische-Erfahrungen unbestreitbar seien. Die Herabsetzung der Streitkräfte habe im .Rahmen der englischen Politik auf .Herbeiführung einer normaleren Zivilverwaltung in Palästina gelegen und.habe den Vor« teil gehabt, Mittel für die Entwicklung des Landes, frei» zumachen, die sonst für die Verteidigung ausgegeben worden wären.. Die englische Erwiderung leugnet die. Be* hauptung der Kommission, man. hätte/ in einem Lahde von Religions« und Rassenkämpfen mit dem Abfall des Eingebornenkontingents der Garnison rechnen .müssen. In ziemlich ironischem .Tone drückt die englische Ent* gegnung ihr Bedauern aus,, daß die Mandatskommission England nicht auf einen solchen .Abfall vorbereitet habe, wo sie doch genau, die Zusammensetzung der Garnison kannte. Interessant ist die. englische Bemerkung, die englische Regierung könne, sich. auf Grund langer, und vielfältiger Erfahrungen, nicht mit einer Politik. be# freunden, welche die Ordnung in einem Territorium durch e.ine Polizei aufrechterhalte, .aus der die Ejngebornen dieses Territoriums ausgeschlossen seien; eine solche Politik sei in politischer, administrativer und finanzieller Hinsicht Bedenklich. Die englische Erwiderung erhebt ihrerseits den Vorwurf gegen den Bericht der Mandats« kommission, die Feststellungen der englischen Shaw* Kommission über die Unruhen der letzten Jahre in Palästina entweder gär nicht berücksichtigt oder in Frage gestellt zü haben, aüf der anderen Seite aber Kritiken aus verschiedenen Quellen übernommen zu haben, zu denen die MändatsmacHt nicht habe Stellung nehmen können, wie zürn Beispiel zu dem jüdischen Memorandum, das zu spät eingetroffen sei, als daß England Sich hafte dazu äußern können. Darüber hinaus zeige der Genfer Bericht die Auffassung, als wenn nur Englands Verhalten Kritik verdiene und stelle nicht mit einem Wort die Verantwortung der Araber und Juden an den Unruhen in Rechnung. V;;Als den' Kfcrri #fr iSenfer Kritik betrachtet; ' die englische Entgegnung die Behauptung, die teil« weise Vernachlässigung der Verpflichtungen der Mandatsmacht gegenüber der palästinensischen Be« völkerung, sowohl der arabischen wie der jüdischen und insbesondere was die Entwicklung der arabischen Landwirtschaft angehe, bilde den Hauptgrund für den Ausbruch der jüdisefuarabischen Zwistigkeiten. Darauf entgegnet die englische Regierung, daß die früheren Berichte der Mandatskommission nie eine Ufl« Zweideutigkeit mit den in Palästina erzielten Fortschritten ausgedrückt hätten, und daß der gegenwärtige Bericht überhaupt nicht erwähnt, was England zur Besserung der Lage in Palästina getan habe. Die englische Antwort stellt demgegenüber fest, daß die seit 1921 von der Regierung aufgebrachten Summen 9 Millionen Pfund Sterling über« steigen. Außerdem habe die palästinensische Regierung 1927 eine von der englischen Regierung garantierte An* leihe in Höhe von 47a. Millionen Pfund Sterling aus* gegeben für Eisenbahnen, Hä'fen und andere gemein* nützige,. Zwecke.,. ' . Was dieAZukuttft angeht^ so begrüßt die englische Antwort jede Anregung von seiten der Mandats» kommission , besonders in bezug auf die jüdische Siedlung. Die englische Politik in Palästina charakterisiert sich in der Bemerkung, daß, so lange die Mandatsmacht ständig Schiedsrichter zwischen den beiden Parteien sein müsse, wenig Hoffnung für aufbauende Arbeit bestehe, und daß eine solche nur erreicht werden könne, wenn beide Parteien großen Willen zur Zusammenarbeit zeigten. Berliner Tagung des A* €♦ Die Eröffnungssitzung am 24« August* Die Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees wurde Sonntag, den 24. „August 1930, um 12 Uhr mittags, eröffnet. In der Eröffnungssitzung waren anwesend: Von der Zionistischen Exekutive: Nahuin Sokolow, Lazarus Bar.th, Rabbi Meir Be r 1 i n, Prof. Dr. Selig Brodetsky, Ing. S. Kaplansky, Louis Lipsky, Felix Rosenblüth, Dr. Arthur Ruppin, Josef Sprinzak. Mitglieder des A. C.:. Leo Motzkin, M. M. Ussischkin, Dr. Moritz Bileski, Kurt Blumenfeld, Jakob Fishman, Rev. J. K. G o 1 d b 1 o o m, Dr. Alexander Goldstein, Dr. Anselm Halpern, Leon Levite, Dr. Behzion Mossinsky, Dr. Josef Rüfeisen, J. Suprasky, Rabbiner S. B r o d, Gedalja B u b 1 i c k, Abg. H. Färbstein, Dr. S. F e derb us ch, Rabbi J. L. Fischniann, E. K. Nejfeld, Abg. M. Nurot, Elieser K aplah, Dr. Arje Tartakowe'r, Nahum Twörsky, Abrahäm H a r z f e 1 d, Vom Beive^te^e, bis hin zum;. Louvre ■ Trinkt man < Likör, zumeist, von, Huber. , Jedoch, vom Louvre bis zum Belvedere Liebt man den Essig von Huber auch sehr. I. Mo rem ins ky, Ing. Anselm Reiß, Salman Rubaschow, Meir Großmann, Richard Li cht heim, Dr; S. S o s kin, Abg; Jischak G r ünb au m, Ingenieur Robert Stricker, Dr. A. K o r a 1 n i k, Äbr. G o 1 db e. r g. V e j t r e t e,. r . d ejs. yj[ a a d L. e u m i: Dr. Ben Gurion. Vertreter der Direktorien, usw.: Joseph C o wen (jewish Colonial. Trust), Dr. Ä. H.a n t k e (Keren Hajessod). Kongre,ß;.-Jurist^enj"'.S. Grone- IQ a n n, "Dr.. A. Barth, sowie .verschiedene' Gäste, u. a.: Prof. "Wärburgi Dr. Senator, Judge Mack, Hoofie.n, Mo hl., ( ., , . ■ 0. Die Exekutiyniitglieder.,} Colonel Kish . und Henriette S z o l d sind zur Tagung nicht erschienen, sondern in Palästina geblieben. Das Kolqnisationsreferat. Vorsitzender Motzkin gedenkt in seiner Eröffnungsrede der Verluste, die die Organisation durch das. Ableben führender Zionisten erlitten hat. Sodann teilt er mit, daß Prof. W e i zm a n n verhindert ist, rechtzeitig zu Beginn der Sitzung einzutreffen. Man nimmt allgemein an, daß er bereits in Berlin eingetroffen sei, aber mit Warburg konferiere, der soeben eine Unterredung mit P a s s f i e 1 d in London hatte. Die' A.-C.-Sitzungen sind nicht öffentlich. ' Als erster Punkt der Tagesordnung wird das Referat Dr. Ruppin s über die kolonisatorische Arbeit in Palästina angesetzt. . Dr. Ruppin gibt ein Bild der wirtschaftspolitischen Arbeit der Exekutive in den fünf Monaten seit der letzten Sitzung des A. C. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand die Tätigkeit von Sir John Hope Simpson. Dieser habe mit großer Begeisterung die jüdischen 1 Leistungen im Lande zur Kenntnis genommen. Simpson sei ein vornehmer Charakter, gediegener Praktiker und glänzend informiert. Simpson werde nach Meinung des Referenten einen den Tatsachen entsprechenden Bericht abfassen. Direkte Vorschläge werde er nicht madien, sondern dem Kolonialministeriunv die Entscheidung überlassen. Simpson habe drei Aufgaben zu bewältigen gehabt: 1. das Studium der Bodenfrage, 2. die wirtschaftliche Entwicklung der Zukunft, 3. die Einwand eriingsfrage. Die,Exekutive habe Simpson eine Reihe von Material und- Memoranden und ein ausführliches konstruktives Programm zur Kolonisierung von 55.000 jüdischen Familien vorgelegt. Außer mit Simpson hat diß Exekutive auch mit Herrn S t r i c k 1 a n d, dem Experten für .Kooperativen, zusammengearbeitet. Strickbipd hat seiner Bewunderung für die jüdische kooperative Arbeit in Palästina Ausdruck gegeben. Zuletzt referierte Ruppin über die Frage des Budgets. Er stellte für das nächste Jahr ein Budget von 850.000 Pfund auf, davon 300.000 für Kolonisationsarbeit. Die Leistungen des Keren Hajessod. Namens des Keren Hajessod erstattet Dr. Arthur Hantke Bericht. Drei Momente haben die Sammlungen und Eingänge des K. H. im vergangenen Jahre beeinflußt: der Emergency-Fund, die zionistischpolitische Lage und die über die ganze Welt sich ausdehnende Wirtschaftskrise. Trotzdem sind die Ergebnisse der Sandlingen für den K. H., soweit alle Länder, mit Ausnahme der Vereinigten'S-taateh,- in Betracht kommen, keineswegs stark hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Insgesamt sind' aus den außeramerikanischen Ländern etwa 240.000 Pfund ifür den K. H. aufgebracht worden, ungeachtet' der großen Summen, welche aus einzelnen Ländern an den Emergency Fund geflossen sind. In Amerika hat sich die Allied Campaign nicht bewährt. Es.ist zu . erwägen, ob in der Zukunft die Sammeltätigkeit für den K. H. nicht auf andere Grundlagen ge^telj^. forden sol|. Dem , nächsten. Jahre blickt das .Direktorium des K. H. ohne Pessimismus entgegen. Ussischkin über den Keren Kajemeth. M. M. Ussischkin gibt einen kurzen Bericht über den K. K. L. Die Eingänge für den K. K. L. haben in den neun Monaten seit dem Züricher Kongreß" bis Jänner 1930 eine Steigerung um 25 P r o z e n t erfahren, wobei zu bemerken ist, daß in den ersten sieben Monaten diese Steigerung 35 Prozent betrüg und in den folgenden zwei Monaten nur 5 Prozent ausmachte. Ob in diesem Sinken der Steigerung sich eine dauernde Tendenz ausdrückt, kann vorläufig nicht beurteilt werden. Sowohl hinsichtlich der Bodenkäufe, wie auch der Amelioration, der Wasserbohrungen und der Pflanzungsanlagen, sind die Leistungen durchaus zufriedenstellend. Ussischkin teilt am Schluß seiner Ausführungen mit, daß er sich am 3.-'Oktober nach-Amerika begibt, um dort eine große Aktion für den K. K. L. mit dem Ziel der Aufbringung von 5 Millionen Dollar einzuleiten. Bei den -Sammlungen des letzten Jahres stand Erez Israel hinsichtlich der Steigerung an erster Stelle. Erfreulich sind auch die Ergebnisse in Südafrika, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Bessarabien und Kongreßpolen. Auch Deutschland weist eine gewisse Steigerung auf.; Rudgeffragen« In der Nachmittagssitzung vom 24. August referiert Dr. Senator über-das Budget. Er schildert zunächst .die Zustände im vergangenen Jahr. Von den budgetierten 750.000 Pf. St. sollten in Amerika 450.000, in Europa 3O0.0Q0; aufgebracht werden. Tatsächlich sind in Europa zirka 225.000 Pf* St. aufgebracht worden, in Amerika waren durch Spenden von Herrn Warburg, durch die Hadassah, sowie durch gewisse Anleihe^Operationen und aus dem Drive insgesamt 210.0QO Pf, St. auf die Quote von 450.000 Pf. St.. eingegangen. Wenn hierzu noch 22.000 Pfund Sterling des. Emergency*Fund gerechnet, werden, ergeben sich.232.000 Pf. St.,zugunsten der amerikanischen Quote, wovon jedoch M.5.000 Pf. St. geliehene Gelder sind. Auf diese \Ve;se entstand ein Defizit von rund 300.000 Pf. St. Dies konnte nur dadurch gedeckt werden, daß die Exekutive das Budget um 120.000 PL St. gekürzt hat, hauptsächlich auf Kosten des landwirtschaftlichen Budgets, ferner wurde die Bezahlung alter Schulden verschoben. Ein Betrag von 60.000 Pf. St. ist jedoch bis Ende des Finanzjahres noch unbedingt erforderlich. Bei Erörte» rung der Aussichten, für das näohste Jahr auf. Grund der gegenwärtigen Erfahrungen kommt Redner zu der Ansicht, daß man mit ungefähr 400.000 Pf. St. rechnen könne. Supraski (Palästina) spricht über die großen Möglichkeiten der Industrie und wendet sich gegen die Beschneidung des Budgetpostens für Handel und Industrie. Es ist kein Anlaß m Pessimismus in bezug auf das Privatkapital, die Zeit

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