Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 154 (29.8.1930)
- Date
- 1930-08-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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186 Tltl. Vnh emt8t Sil; V» b« bi R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— : — ~ .»• •+ Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljahrig Lei 120.-. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monä> lieh Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 1.20. lullen monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.- Schwedt und die übrigen Länder monatlich Schweiler Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4JÖ Jahrgang 4 Freitag, den 29. August 1930 Nr. 1S4i MI TT WO C H den 3. September Beginn: V29 Uhr GROSSES MEETING Nadi der Sitzung des A. C. Heim des Verbandes der demokratischen Zionlsten, II, Untere Augartenstraße Nr, 38 HERZL- UND CHAJES-SML REFERENT: ROBERT STRI CK E R Der Reflex aus Genf* Völkerbund und England haben sich nun doch dazu verstanden, ihre Auffassungen über die letzten Unruhen in Palästina und über das Wesen der palästinensischen Frage überhaupt der gespannt wartenden Oeffentlichkeit zu präsentieren. Bericht und Antwort sind bedeutsamer als eil*, Mandatsbericht und eine englische Stellungnahme je vorher. Zehn Jahre lang. standen England und Völkerbund in wechselwirkender Uebereinstimmung, wenn , es um Palästina ging. England dekretierte, berichtete, zeichnete Richtlinien vor. Oer Völkerbund sagte Ja und Amen. England lieferte Interpretationen der vom < Völkerbund akzeptierten Bälfoux-Delaration, retuschierte den vom Völkerbund, niedergelegten,,.Jdandatseutwurf, feilte, an ihm so lange herum, bis ein handliches Stabchen zuVückblipb. Der Völkerbund kam entweder nicht auf den Trick oder, wollte warten. Die Araberrevolte brach los. An der Spitze des britischen Imperiums steht eine grobschläch-. tigfe,. dilettierende Regierung. Durch die gesittete Welt geht ein Sturm des Erstaunens, des Nichtbegreifens, des Gefühls, daß hier auf politischem Boiden Felonie und Irreführung versucht werden, tyun geschieht etwas, das die Welt noch mehr 6t&iünen macht. Ein offener. Konflikt ist ausgebrochen. Der Völkerbund will England nicht mehr parieren. Leise, noch unentschlossen, eingerahmt in Liebenswürdigkeiten und irisierendes Wohlwollen,. ist die Feststellung des Völkerbundes: England hat seinen Mandatspflichten nicht genügt, ist für die Unruhen verantwortlich, hat nichts beigetragen zur wirtschaftlichen Erschließung; des Landes, was seine Pflicht gewesen wäre, hat —: und das ist vielleicht der: schwerste Vorwurf, den» die Völkerbundkommission der Labour-Regierung macht — die frondierenden, die arabischen Massen ausbeutenden, das Mandat offen; 'unterminierenden, heuchlerisch Demokratie fordernden Elemente Palästinas, die Klasse der Efehdis an Autorität gestärkt, indem es mit ihnen,/wozu es keine Legitimation hatte, in direkte Verhandrungen trat. So machte England den Unruheherd zu einem dauernden Zustand. Diese schwerwiegenden Anschuldigungen sind leise, unentschlossen, eingerahmt in Liebenswürdigkeiten. Denn auch noch aus diesem Bericht lugt die verhängnisvolle Einstellung vom Dualismus des Mandats hervor, von der Gleichwertigkeit zweier Aüfgabenkömplexe, der Errichtung' eines jüdischen Nationalheims' und der arabischen Selbstverwaltung. Diese vorweggenommene Gleichwertigkeit ist ein politischer Nonsens. Es war bei der Könzipierung'der Idee vom jüdischen Nationalheim "und seiner Realisierung von vornherein klar (was; z, Bi; Vladimir Jabotinsky auf der letzten Revieionistenkpnferenz dokumentarisch nachgewiesen: hat), daß der zweite Teil der Balfour- Deklaration, der auf die nicht jüdische Bevölkerung ' Palästinas bezügliche, jene international festgelegte Garantie beinhaltet, die für jede eventuelle Minorität recht und - billig ist. Die zu leistende 1 Arbeit hatte jene 'Voraussetzungen zu schaffen, \die die Errichtung des jüdischen Nationalheims ermöglichen und nicht die Errichtung eines arabischen. Die Araber sollten in ihren zivilen und politischen Rechten als Gemeinschaft geschlitzt bleiben. Die verhängnisvolle Dekla- (Fortsetzung auf Seite 2.) VöSkerbundberidit und {Von unserem Londoner Sonderkorrespondenten.) > Bericht in Genf veiöffenflicht» — Vernachlässiguno des jüdischen Nationalheims» - Alt die Gegner des Mandats» — iondon ist nervös« Montag, den 25... August wurde in Genf der so lange zurückgehaltene, Bericht der Mandatskommission des Völkerbundes der Oeffentlichkeit übergeben. Der Bericht ist nicht umfangreich,., Et enthält 11 Maschinen»! schriftseiten und besteht aus-3" Kapiteln. Die ersten . {'.'•..• ' jf * 6 Punkte hatten die unmittelbaren" '"Motive der August«, Unruhen zum Inhalt. Der ändere Teil des Berichts bc» schäftigt sich mit den indirekten, also weiteren und tieferen Spannungsmotiven der palästinensischen Lage. Kapitel 7 beginnt mit der Formulierung, der Be< hauptungen der beiden Parteien in'Palästina, der Juden und Araber, Behauptungen, die die Mandatskommission, wie sie sagt, zu prüfen weder Lust noch Möglich« keit hat. Sie sei auf die Einzelheiten der einarider wider« sprechenden Behauptungen einzugehen:. außerstande. Hingegen müsse sie ihre allgemeine Ansicht zum Aus* drucke bringen. Die , Mandatskommission bestätig^ in Ueberein« Stimmung mit dem Weißbuch, daß eine Einwanderung nach Palästina nur in dem Maße vor sich gehen kann, als das Land zu absorbieren imstande sei. Aber sie stellte sich die Frage, ob die englische Regierung nicht ver* pflichtet gewesen wäre, eine solche Politik zu führen, die die Aufnahmst fähigkeit des Landes vergrößere, und ob die Regie* rung in dieser Hinsicht etwas getan habe, ohne die Interessen der Araber zu tangieren, ob für eine solche Entwicklung Palästinas gesorgt wurde, die seine Immigrationsfähigkeit erweitert. Es ist wahr, daß die Regierung einigermaßen an Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* liehen Notizen sind1 durch ein beigefügtes E bezeichnet Mtt Wichtige Neuerscheinung l mrn.ö In unserem Verlage erscheint soeben: MACHSOR (Featgebete für die hohan Feiertage) mit vollständigem, ungekürztem Text, mit einer neuen Uebersetzung von Prof. Dr. Jakob Bronn er, Wien Diese neue Uebersetzung zeichnet sich vor allen anderen, bisher vorhandenen durch ihren modeinen Stil und ihre Klarheit aus. Der Name des Uebersetzers bürgt für deren Zuverlässigkeit und Gründlichkeit Sowohl der hebräische als auch der deutsche Text (Lateinschrift) ist in klarer, schöner Type auf vorzüglichem holzfreien Papier gedruckt und sorgfältigst korrigiert Der Machsor eignet sich auch vorzüglich futQeachenkzwecke und soll in keinem jüdischen.Hause fehlenl Pr«ls in 2 Leinenbänden, . . % 7.— » 4 „ % * »S 10»— „ 4 Luxusbänden . . . S 14.— Zu beziehen durch die Ueriflssbucniiflndiuns Hendl Salzmann Wien H, OroBa Schlffgaiaa 4 Tel. ft>37«t>71 Oe«terr. PoctUparkaaaenkanto B 01,071 i........».....».......niMiiiM.....mmwtwwww der Entwicklung einiger Industriezweige des Landes niit« gewirkt habe, aber die Installierung des jüdische;iv National h e i m s, insof ern sie ins Werk. gesetzt wurde, war die ausschließliche Arbeit der jüd^ab,e» Organisation; Die Arbeit; hat besondere HindWnissedurch die im Lande geschaffene U n s i c ii e. r h e^i tt 'er* fahren. Die Regierung hat das. Gleichgewicht zwischen, den Forderungen beider Parteien herzustellen versucht .und selbst keine aktive Politik geführt, sicherlich mit'den besten Absichten und häufig mit Nutzen. Aber eine neutrale Rolle und nur eine solche ist zu wenig. Schwäche führt zu Unruhen. Die Regierung hätte aktiver sein müssen. , . Die ' Regierung hätte, die . Aufgabe, den. Effekt , der jüdischen Bodenkäufe durch Kultivierung neuer Bqden» flächen abzuschwächen und für Kredit an die FellaCbjp]» zu sorgen, das arabische Kapitalen alle Unternehmungen! einzubeziehen. Juden und Araber müßten durch wirt* schaftliche Kooperation und durch gemeinsame professionelle Ausbildung im Rahmen, der Möglichkeit;; ve^« bunden sein. Der Bericht stellt Englands Bemühungen um die Schaffung einer. S e 1 b.s t verwa 1 t ung- ^fest, ebenso wie die sonderbare Erscheinung, daß der>Ruf .nach einem Parlament von Vertretern einer sozialen Schicht stamme, die. seit Jahrhunderten die arabischen Massen versklave und daß diese Vertreter Geg ne'r des Mandats seien, daher auf keinerlei U.nterstü|zupg seitens des Völkerbundes, dem Protektor des Mandats, rechnen dürfen. - '"'> ' Sich mit Gegnern des Mandats in Verhahd*. lüngen einzulassen, bedeute ihre Autorität stärken, und den Unruheherd vergrößern. Beide Teile des Mandats, jüdisches Nationalheim und Selbstverwaltung der Araber, können gleichermaßen 'verwirklicht werden. Die Schutzmaßnahmen der britischen Regierung werden zur Kenntnis gehomm,ej>*. ebenso wie die Versicherung, daß die Sistierung der Einwanderung provisorisch sei.. D,ie •Mandatskommission ist von:der Erklärung Mac Donalds und Shiels, daß am Mandat nicht gerüttelt werde, befriedigt _ ■ "' Die ■ britische Entgegnung, die zu-. Anfang dieses' Monats nach Genf abgegangen ist, ist sehr umfangreich* Sie wendet sich auf das schärfste gegen die im Kommis*; sionsbericht erhobenen Vorwürfe, ja gibt diese Vorwürfe der Mandatskommission teilweise zurück. Sie äußert ihr Erstaunen darüber, daß die Kritik der Kommissionsich so plötzlich erhebt, während in früheren Berichten nie eine Unzufriedenheit mit der britischen Mandats* Verwaltung ausgesprochen worden sei. So antwortet die englische Regierung zum Beispiel auf die Feststellung der Kommission über die Unzulänglichkeit der Polizei« und Militärkräfte in Palästina, daß die Mandatskommission über die Stärke dieser Kräfte völlig unterrichtet war, sie jedoch noch in ihrem letzten Berichte, einen Monat vor dem Ausbruch der Unruhen, keineswegs unzulänglich befunden habe. Die englische Regierung beatreitet zwar nicht, daß sich die Garnison in Palästina tatsächlich für plötzliche und .weitgreifende Unruhen wie die des letzten