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Die neue Welt · 1930-08-22 · Heft 153 (22.8.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 153 (22.8.1930)
Date
1930-08-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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tfr. 1*5 : NEUE WELT Seite f tuf die erweiterte Jewish Agency Ubergegangen sind. Demgemäß ist der Beschluß der dritten Konferenz der Union bezüglich der politischen Prärogativen so lange suspendiert, bis eine auf demokratischer Grundlage gewühlte Jewish Agency geschaffen ist. 6. Angesichts dieser Sachlage und im Hinblick auf die eingetretenen Katastrophen und den Zustand höchster Gefahr für den Zionismus bevollmächtigt die Konferenz die Exekutive der Union, alle ihr geeignet erscheinenden Schritte zu ergreifen, um die bereits begonnene politische Aufklärungsarbeit fortzusetzen und in jeder geeignet erscheinenden Weise zu erweitern. 7. Die Konferenz beauftragt ihre Vertreter im A. C., die 8 of ortige Einberufung des Kongresses nqch für dieses Jahr zu fordern. Wird dieser Forderung nicht stattgegeben oder sollte der Kongreß wiederum das Schicksal des jüdischen Volkes in die Hönde der für die jetzige katastrophale Lage verantwortlichen Männer legen, so übertrögt die IV. Weltkonferenz dem Parteirat der Union, beziehungsweise der revisionistischen Kongrefidelegation, gemeinsam mit dem Parteirat, alle ihre Rechte.als Weltkonferenz der Union. Zur außenpolitischen Lage nahm die Konferenz ausführliche Erklärungen au, welche im Wesen folgenden Inhalt haben: Schärfste Ablehnung der Politik und der Methoden der Palästina-Administration; feierlicher Protest gegen den Bericht der Shaw-Kommission; Bedauern über das Weißbuch vom Mai 193 0; Protest gegen die Immigrationssperre und die Entsendung Simpsons; Protest gegen das Verhalten der Mandatarmacht, die sich den ihr aus dem Mandat erwachsenen Verpflichtungen entziehen will; Erklärung vor aller Welt, daßVerwirklichung des Nationalheims die Errichtung eines jüdischen Gemeinwesens auf beiden Seitea des Jordan bei Schaffung einer jüdischen Mehrheit bedeutet. Nach Annahme der Resolutionen wurden die Wahlen vorgenommen. Per Akklamation wurden Wladimir Jabotinsky zum Präsidenten, Meer Großmann und Richard Lichtheim zu Vizepräsidenten der Exekutive der Union gewählt. Mitglieder der Exekutive sind ferner Angel, Schechtmann, Tiomkin, Trivus, Machover, Rosoff. Die Exekutive hat Kooptionsrecht. In den Parteirat wurden gewählt: Dr. Soskin, Dr. Brutzkus, Justizrat Bodenheimer, Dr. Schwartzmann, J. Klinoff, Dr. J. Hoff mann, *Adv. Weinschall, Belilovsky; Weinstein, in das Parteigericht: Koulicher, Dr. Lach-, mann, Gold. Wir behalten uns vor, auf den Inhalt der politischen Resolutionen, der Debatte und. einzelnen Referate noch zurückzukommen. Heute bringen wir das wesentliche aus dem Referate Lichtheims. Lichtheim führte aus: Die Aufgabe meines Referates besteht darin, das Verhältnis der Union zur Zionistischen Organisation und ihren Institutionen und zu der Agency zu klären. Scheinbar ist dies ein Organisationsproblem, jedoch nur scheinbar. Betrachten wir die Frage zunächst geschichtlich. Der Revisionismus ist entstanden als Kritik am Zustand der Bewegung und den Methoden, der' Leitung. Wir haben diese Kritik auch jetzt wieder in zwei vorangehenden politischen Referaten formuliert und es ist deshalb hier nicht notwendig, auf die Einzelheiten nochmals einzugehen. Zugleich haben wir immer erklärt, daß es uns nicht einfällt, aus der-Organisation auszutreten, sondern wir wollen im Rahmen der Organisation unsere Ansichten durchsetzen. Am Anfang stand Jabotinsky allein. Auf dem nächsten Kongreß waren es schon zehn Menschen, auf dem folgenden zwanzig. Auf dem kommenden Kongreß werden wir vielleicht — und dies hängt allein von unserer Arbeit ab — fünfzig sein. (Beifall.) Um durchzudringen, um auf dem Kongreß zu sein, mußten wir uns organisieren, also als Partei auftreten. Wir wurden eine Parteiorganisation innerhalb des Gesamtzionismus.. Man hat deshalb von Seiten unserer Gegner Kritik an uns geübt und tut es auch heute. Man sagt, daß wir genügend Parteien hätten. Man sagt uns: Ihr erklärt doch selbst, daß eure Ideen Allgemeingut sein sollten, wozu separiert ihr euch denn parteimäßig. Wir mußten dies aus organisatorischen Gründen tun, wir müssen an dieser Linie in immer stärkerem Maße festhalten. Das AusmaßunddieDauerunsererSond'erexi Stenz wird jedoch nicht durch organisatorische Erwägunge» bestimmt. Die Tatsache, daß wir genötigt sind, unsere eigenen Wege zu gehen, hat ihre inneren Gründe, die nicht organisatorischer Natur sind. Die innere Entwicklung der Zionistischen Organisation zwang uns, eine eigene Partei mit wachsendem eigenen Apparat und wachsenden eigenen Aufgaben zu werden. Bestimmend waren die Degeneration der Bewegung, die Abschwüchung der Ideologie, etwa wie im deutschen Zionismus. Die Leitung selbst ist in einem falschen Achad-Haamismus befangen, Es ist klar, daß sich daraus eine Rückwirkung auf ihre politische Haltung — Verzichtstimmuhg, Kleinzionismus, Linie des geringsten Widerstandes, Kulturzionismus als Ausrede — ergeben mußte. Wie die heutige Bewegung von einem wohlwollenden Außenseiter beurteilt wird, zeigt der Artikel von Grabowsky in der „Zeitschrift für Politi k". Er spricht von der Unfähigkeit der Juden, die Gesetze der Geschichte 2u verstehen, und sagt: „Wie aber soll der Zionismus diesen Mangel beseitigen? Das Christentum hatte das Glück, eine harte, im Feuer jahrhundertelangen Herrscherwillens gestählte Staatanschauung zur Basis seiner Existenz gestalten zu können, woher aber soll da» Judentum solche Staatsrnschauungen nehmen?" Und weiter: „Es ist nicht zu leugnen, daß ein kleiner Teil der Zionisten diese Problematik erkannt hat: die sogenannten Revisionisten unter Jabotinsky, dem Schöpfer der jüdischen Legion im Weltkrieg, einem höchst interessanten Menschen von glänzender Energie und Begabung. Von den Übrigen Zionisten werden die Jabotinsky-Anhänger gern als jüdische Faschisten behandelt, noch lieber als romatische Renommisten, sie sind aber in Wirklichkeit nichts als Leute, die eingedrungen sind in die Dynamik des geschichtlichen Werdens, die begriffen haben, daß ein zu 80 Prozent arabisches Land, wie das heutige Palästina, niemals durch Verhandlungen mit den Arabern gewonnen werden kann, durch „Ausgleich", wie man gerne oberflächlich sagt, mit dem arabischen Volke, niemals auch durch Schildknappendienste, die man den Engländern leistet, sondern allein durch Eroberung, die gerade dann nicht gewaltsam zu sein braucht, wenn der Jude von vornherein mit dem Anspruch, das Herrenvolk zu sein, auftritt, die aber auch vor Blut und Opfern nicht zurUckscheuön darf . . ." „Das Häuflein aber der Revisionisten spielt eine bedauernswerte Rolle, sie wollen Geschichte machen mit Schadehen der In bessere iüdlsch-polnlscha Kreise Zutritt hat, wolle sich melden unter ffR. S. Nr. 4460." geschichtslosen Menschen, aktiven Heroismus mit einem Volk, das eingeschworen ist auf sein gnadenloses Humanitätsideal und das in Verteidigung seiner Eigenart bisher höchstens nur-passiven'Heroismus kannte . . ." „Hier im Kampf oder, sagen wir, wenn es besser klingt, in der Auseinandersetzung zwischen dem Zionismus und dem Arabertum um die jüdische Einwanderung, also um die Judaisierung Palästinas, liegt die Realität der jüdisch-arabischen Beziehungen. Keine noch so schöne Ethik des Zionismus wird die Araber dazu veranlassen, einverstanden zu seifi" mit'einer Immigration, die das Nationalitäteriverhältnis im Lande wahrhaft umgestaltet, indessen der Zionismus, will er eine Sache der Scholle sein und nicht nur eine* der 'Idfee und der literarischen Diskussionen, auf eine' entscheidende Erhöhung des zionistischen Prozentsatzes in Palästina nicht verzichten darf. Kein Gerede vermag über diesen Konflikt hinwegzutäuschen. Es ist ein harter geschichtlicher Konflikt, der dem tragisch-heroischen Sinn der Geschichte entspricht. Hier entscheidet die Macht, nichts anderes, die nationale Energie in düsterer Entschlossenheit." Grabowsky wirft: dem Zionismus also vor, daß er. infolge des jüdischen Menschenmaterials gar nicht imstande sei, sein Ziel zu erreichen. Das jüdische Volk hätte zu lange im Ghetto gelebt, um Geschichte machen zu können. Die Hcrzl-Ideolpgie jedoch — und wir dürfen uns mit Recht als ,die.5a 1,1 einigen Erben dieser Ideologie betrachten — will gerade die Juden dazu erziehen, nicht Geschichte zu erleiden, sondern Geschichte zu machen; die anderen wagen es nicht. Diesen Unterschied zwischen uns und den anderen bezeichnet Jabotinsky mit dem Ausdruck „eine andere Rass e". Dieser der unseren entgegengesetzten Auffassung.ist alles entsprungen, was wir m|t Keren- H a j essd d- und Agency"rP o 1 i.t i k bezeichnen können, als Ausdrück des Unglaubens, daß die Bewegung imstande wäre,, die Hindernisse zu überwinden. Dieser Unglaube lag der ganzen Jewish-Agency-Politik zugrunde. So wurde der. .Zionismus zur Geldsam m e 1 e i, zum Chowewei-Zionismus, zur Philanthropie erniedrigt. Dieser Zionismus hat keine Jugend mehr, er hat nur Funktionäre und Fonds. Durch diese Degeneration des offiziellen Zionismus wurden wir — von aller Kritik der Tagesereignisse, der Politik und Wirtschaft abgesehen — vor die historische Aufgabe gestellt, die Bewegung zu erneuern. Hier liegt das Geheimnis unseres Erfolges: Die Masse und die Jugend fühlen, daß der Revisionismus der wahre Zionismus ist; so kamen auch alte Kämpfer zu uns. So wurden wir nach innen und außen die kämpfende Bewegung, die der. offizielle und offiziöse Zionismus nicht mehr ist. Der zweite Grund, der uns zwang, eine besondere Partei zu werden — und ich werde vorschlagen, daß wir uns auch formell als Sonderverband gemäß dem Kongreßstatut erklären — war die Notwendigkeit, die Politik, die Wirtschaft und die Organisation des Zionismus, radikal zu, erneuern. Wir mußten versuchen, unsere, spezifischen Ansichten nicht nur darzulegen, sonder$|.aucht d u r c h z u s^tgze.n und den Beginn der Verwirklichung zu schaffen. In dieser Hinsicht stehen wir erst, am Anfang. Wir brauchen hier nicht zu sagen, daß die Leitung versagt hat. Wir stehen vor dem vollständigen Zusammenbruch des V/cizmannschen Systems, den heute nicht eiumal mehr seine persönlichen Anhänger *m Ihr ftflenftelflt bauen Sie am besten durch die osus IMSMBK2I Österreichische Bauu. SiedlunaBo^nleinfeoHaf i-^iSlÜk.0?"- M1! a.»»tonl*fiMII Seid«. Aueh Kauf u AblÖle von Zw»tiypo theKeti. ÖröBte Uirtetilosö B.liif>p"i;i»no.sen- •Chaft Oesterreichs. Hauptgtiehlfttsttlii: Wien. i. uorsrniassu a i. Sattutifcen, ZeltisArlft und Prospekt*gegen S 1.50 in Bricimiri^n HMIÜI —#«»«*—iiiMim^>tf«»5»»ft4Mfr»*«?j vefschleicrn können. Jede Kritik wurde immer ah sdiäd- 1 iöh und störend verworfen. Was wir sagten, wollte mau nhsht hören: Well man rJJe Augen vor der Wirklichkeit verschloß, sind wir vollständig in den Sumpf geraten Die Leitung redet sich gern darauf aus, daß sie doch ihre Erfahrungen machen mußte. Aber in bc2iig auf die Schutzfrage in Palästina, in bezug auf die Politik und das Ökonomische System haben wir alles vorausgesagt. Die Zionistische Organisation «duckte Experten, die Jewish Agency sandte Fachleute aus; doch mich deren Kritik wurde nicht beachtet, denn man wollte es sich nicht mit den Arbeitern verderben, deren Stimmen mau suchte. Das einzige Ziel war: das System W e i zntann zu erhalten. Je mehr die Degerntion des allgemeinen Zionismus fortschreitet und die Methoden der Leitung versagen, um so selbständiger werden wir. Ich sprach schon von der Rückwirkung der falschen Ideologie auf unsere Politik, die zum Zusammenbruche führte. Ebenso war es in bezug auf die Wirtschaft: Falsche Wege — Geldsammlung statt Wirtschaft — alles füT die Arbeiterorganisation — Mißachtung, aller sachverständigen Ratschlüge. Heute werden alte Weisheiten als Neuheit entdeckt. Gestatten Sie, daß ich Ihnen einige Stellen aus einem Referat aus dem Jahre 1919 vorlese: „Es ist eine häufig diskutierte Frage, ob die Kolonisation Palästinas vorwiegend durch landwirtschaftliche Produktivgenossenschaften oder durch Einzelbetriebe erfolgen soll.. Manche Gruppen unserer Organisation bekunden eine besondere Vorliebe für das genossenschaftliche System. Die Gründe dieser Vorliebe sind verschiedener Art. Häufig treffen wir, besonders unter den jüngeren Elementen der Bewegung, die Vorstellung an, daß die Genossenschaft zugleich eine Art idealer Lebensgemeinschaft sei. Vor einer so schiefen Auffassung, die ziemlich weit verbreitet' zu sein scheint, muß doch gewarnt werden. Es soll nicht bestritten werden, daß die Verbindung einer Gruppe junger Menschen, die von den gleichen Gefühlen beseelt sind und sich sämtlich als gleichberechtigt gegenüberstehen, idealistische Gemeinschaftsgefühle auslösen kann. Es ist auch anzunehmen, daß gerade im Beginn der Kolonisation die Bildung Solcher Genossenschaften, in denen Kameradschaftlichkeit und Pioniergeist lebt, sich als nützlich erweist, weil die Gruppe dem landfremden Einwanderer einen moralischen Rückhalt bietet." ♦ Und weiter: „Der heute wiederum propagierte kommunistische Sozialismus, der dahin zielt, alle Betriebe in Stadt und Land durch Arbeitergenossenschaften verwalten zu lassen, führt in gerader Linie auf das alte russische Zunftwesen und den russischen Agr Urkommunismus zurück. Aus dem primitven Verhältnis des russischen Bauerntums, in dem echter Kommunismus noch lebendig ist, entstammen diese Gedankengänge, die in unvereinbarem Gegensatz zu den Tendenzen der geistigen und ökonomischen Entwicklung der heutigen Menschheit stehen. Der Weg der Zukunft kann nicht zum Kommunismus führen, der eine durchaus primitive Stufe der Menschheitsentwicklung darstellt ...,** Da Palästina verhältnismäßig klein und unsere Volkszahl groß ist, so müssen wir größte Intensität der Betriebe anstreben, damit auf möglichst kleinem Areal eine möglichst große Bevölkerungsmenge siedeln kann. Dieser Forderung kommen die Landesverhältnisse Palästinas durchaus entgegen. Seine wirtschaftliche Zukunft beruht in erster Linie auf intensiver Gartenbaukultur. Es ist bekannt, daß schon heute durch den Anbau von Wein, Orangen, Mandeln und Oliven eine Reihe blühender Siedlungen geschaffen werden. Andere Kulturen werden sicherlich noch eingeführt werden und insbesondere sollte der Gemüsebau, der bisher sehr vernachlässigt wurde, gefördert werden." All dies sagte nicht ein Fachmann, sondern, wie gesagt, im Jahre 1919 meine Wenigkeit. (Heiterkeit.) ■lenMeHMnealn^^ Wochen-Kalender August 1930 Z)M mn Ab 5690 22 Freitag 28-ro Sabbateingang 6.40 25 Samstag 29-t» Sabbatausgang 7.36 v »rnao ,mjrD *jy *»n ,n*n 24 Sonntag 80-* vm van 'j* 25 Montag 1-H vir, wkyi 26 Dienstag .2-3 27 Mittwoch 8-a 28 Donnerstag 4M

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