Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 153 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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SeUe S _!^!lll!illillllllllllllllllllllttlllllll!IIIIIHIIIIIIIIIII!IIIIIIIIIIIIIIIIIH Di« größte Auswahl I l iisflii,Mi»$Älii I 1 Die modernsten Schlager und Opern, von den § | prominentesten Künstlern gespielt und gesungen | I die besten Spreohirtadchtoeft der Welt | | Radio- und Rundfunkgeräte | I f. den Ortsu. Fernempfang mit direktem Netzanschluß n I zu den angenehmsten Zahlungsbedingungen nur im §f 1 Niuttns Elim, Wien. I., ftipu 51 | Inhabers R. Hering Til. H-aa-4-90 | I Unverbindliche Vorführung / Kataloge gratis, drei- | | jährige Garantie, keine Recherchen | I Permanente Schaustellung ohne Kaufzwang // Ein | | Besuch genügt, Sie zu unseiem ständigen Kunden § zu machen | liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim gesetzt und nach den einleitenden Kämpfen beginnt am 18. August der Großkampf gegen die Stützen der Young- Auabeutimg. Die nationalsozialistische Aufklärungslawine dieses unseres größten Wahlkampfe9 stellt sich dar als ein Sturm von 34.000 Versammlungen... 1500 nationalsozialistische Redner werden die Versuche einer aufsteigenden Angst zu durchkreuzen wissen. Alle, die für Erfüllungspolitik, Dawes und Young eingetreten sind, gehören vor das Volksgericht der Betrogenen: der drei Millionen Arbeitslosen, der deutschen Arbeiterschaft, des gewerbetreibenden Mittelstandes, den Warenhauspolypen erwürgen, des Bauern, den jüdische Großbanken um Haus und Hof bringen. Der „Völkische Beobachter" teilt weiter mit, daß Adolf Hitler in der Krupp-Stadt' Essen am ' Freitag abends vor mehr als 20.000 Menschen gesprochen hat und' daß ihm enthusiastisch zugejubelt wurde. Hitler erklärte, die Nationalsozialisten wollen den Weg zur politischen Herrschaft im Reiche erobern. Sie würden überall im Reich die I n'n e n m i n i s t c r i e n verlangen und das R e i c h s w e h r m i n i.s t c r i u m, das die Kluft nach außen betonen könne Antisemitischer Terror im „Befreiten Deutschland". Eine jüdische Familie värjagt. Darmstadt, 16. August. Ein Opfer des national» sozialistischen Terrors ist in dem rheihhessischen Oert* chen Dolgesheim der Führer des Reichsbanners, der Weinkommissionär 'Frank, geworden'. Frank, der Jude ist und seit 36 Jahren in Dolge sheim wohnt, wurde in der letzten Zeit wiederholt am Leben bedroht. Am letzten Sonntag, 3 Uhr morgens, wurde Franks Haus umzingelt. Nach Abgabe eines Gewehrschusses gegen das Haus wurden Fenster und Tor zerstört und das Haus gestürmt. Frank und seine Angehörigen, gegen die Todes* drohungen ausgesprochen waren, mußten sich auf dem Dachboden verbarrikadieren. Die Gendär* merie war der Menge der Angreifer gegenüber ohn» mächtig und mußte das Ueberfallkommando aus Mainz herbeirufen, um Ordnung zu schaffen. Zu gleicher Zeit trafen Beamte des Landeskriminalamtes ein und auf Grund ihrer Untersuchung würden zwölf National* Sozialisten verhaftet und in das Amtsgefängnis Oppen* heim eingeliefert. Da die Bedrohungder Familie Frank nicht aufhörte, ließ Frank unter dem Schutze der Polizei sein Hab und Gut in einen Möbelwagen verladen und z-og nach Worms. Die bayrische Regierung gegen polnisch«jüdische Kaufleute. Warschau, 16. August. Der Jüdischen Telegraphen» Agentur wird. mitgeteilt: Seit einer langen Reihe von Jahren beteiligen sich jüdische Kaufleute aus Polen an der Jahresmesse in Bayreuth in Bayern. In disem Jahre' aber lehnte es wegen angeblichen Platzmangels die Stadt« behörde von Bayreuth ab, an pol i tischsjüdische K a u f 1 e u t e Plätze im Messegebäude zu vermieten. Allen anderen Inländern und Ausländern wurden im Messegelände Plätze zugewiesen. 23 jüdische Kaufleute wendeten sich in einem Schreiben ' an den polnischen Konsul in Leipzig mit der Bitte, ihre Rechte zu wahren. In dem Schreiben heißt es u. a.: „Für uns ist die Beteiligung an det Messe in Beyreütf wo wir uns durch langjährige schwere Arbeit einen - festen Kunden* kreis erworben haben, eine Frage der Existenz. Ein analoger Fall kam in Kobürg vor, dort aber wurde nach energischer Intervention das Verbot gegen uns zurück* gezogen." Der polnische Konsul wendete sich an die bayri* sehe Regierung, die in ihrem Antwortschreiben, be* LAU RAN A abbaziä Orthod. kosch. Pension WEISS neu eröffnet erstklassige Küche Mäßige Preise Auf Wunsch Prospekte ___DIE NEUE WEIT_ , streitet, daß polnischen Kaufleuten, weil sie Juden sind, di« Beteiligung an der Messe In Bayreuth, wo wir uns aber bemerkt: „Der polnische, der galf zische Jude beruft sich auf Marktfreiheit, aber hat denn der deutsche Bürger im deutschen Staate kein Recht auf einen Platz auf dem Messegelände? Soll der Deutsche dem Aus« Iänder gegenüber zurückgesetzt werden? Wir bestreiten den Anspruch, daß vieljährige Aussteller irgend welche Vorrechte haben und behalten uns vor, zu befinden, wer innerhalb der Grenzen der disponierbaren Plätze zuge* lassen werden soll und wer nicht." Weitere energische Interventionen der polnischen Instanzen bei der bayrischen Regierung zugunsten der jüdischen Kaufleute in Polen blieben erfolglos. Das Sozialistische Komitee für das arbeitende Palästina entsendet eine Vertretung zum Kongreß des arbeitenden Palästina. Brüssel, 14. August. Unter dem Vorsitz von Emile Vandervelde, des Präsidenten der sozialistischen Arbeiter*Internationale, wurde in Brüssel eine Sitzung des Büros des Internationalen Sozialistischen Komitees für das arbeitende Palästina abgehalten. M. J a r* b 1 u m (Paris) referierte über die gegenwärtige Lage des Zionismus und über den am 27. September in Berlin beginnenden Kongreß für das a r b e i t e n d e P a 1 ä s t i n a, der von der Histadruth (Arbeiterorganisation in Palästina) einberufen ist. Es folgte ein Meinungsaustausch, an dem sich Emile Vandervelde, L. de B r u k h e r, die Deputierten Wooters, Trakle und Shckdous u. a. m. beteiligten, woraufhin einstimmig beschlossen wurde, die Einladung zur Teilnahme am Weltkongreß des arbeitenden Palästina anzunehmen und als Vertreter zum Kongreß Herrn F i e d a r, den belgischen sozialistischen Depu* tierten, sowie, wenn möglich, einen zweiten Delegierten zu entsenden, . Außer den Delegierten aus Amerika werden auch der Präsident des nationalen Arbeiterverbandes Meir Brown und Chaim G r i n b e r g sowie als Vertreterin der von den Poale Zion gegründeten Organisation der Frauen*Pioniere Lea Brown an dem Kongreß für das arbeitende Palästina teilnehmen. Martin Buber zum Professor ernannt» .... Frankfurt a. M., 16. August. (J. T. A.) Der Lehr-, beauftragte für Jüdische Rcligionslehrc und Jüdische Ethik, Seh riftsteller Dr. Martin.Buhe r, ist zum Honorarp r o.f e.s s o r an der Philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt ernannt worden.! Antisemitischer Aufruf in Genf. Genf, 15. August. (J. T. A.) Die schweizerische antisemitische Gesellschaft „Res Helvetica" ver* breitet -a n.ti s e-nvi tische- Aufrufe, in denen die Be* völkerung aufgefordert wird, gegen die „Erste jüdische Internationale", die Freimaurer, die „Zweite jüdische Internationale", den Sozialismus, und die „Dritte jüdische Internationale", den Kommunismus, au kämpfen.. In den ____' Nf. 151 An die Freunde und Leser des Blattes! Wenn Sie der Ansicht sind, daß die »Nene Welt" ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie uns freundlichst die Adressen von Freunden Und Bekannten an. Wir werden denselben die „Neue Welt" durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir ans bei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zu bemerken. Ans der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern irgend welche Ver* pBiditungen. Die Verwaltung der „Neuen Welt'*. Aufrufen wird mitgeteilt, daß keine Genfer Druckerei dazu zu bewegen war, die Aufrufe zu drucken, so daß die Gesellschaft gezwungen war, eine auswärtige Druckerei in Anspruch zu nehmen. Die Klagemauer-Frnge nicht auf der Tagesordnung der Septembersession des Völkerbundrates. Genf, 14. August. (J. T. A.) Soeben ist die provi* sorische Tagesordnung für die 60. Session des Völker* bundsrates, die am 5. September in Genf beginnt, erschienen. Die Tagesordnung enthält die Beratung über den Palästinabericht der Mandatskommis* s i o n, nicht aber über den Bericht der Klagemauer* Kommission. Der JTA.*Vertreter erfährt, daß es dennoch nicht ausgeschlossen ist, daß die Behandlung dieser Frage nachträglich noch auf die Tagesordnung gesetzt wird. Möglich sei aber auch, daß die Frage während der 61. Session, die am 10. September beginnt, und während der Völkerbund«Vollversammlung mit Unterbrechung bis Ende September stattfinden wird, zur Behandlung kommt. Zionistenverfolgung in Rußland. Berlin, 16. August. (J. T. A.) Von informierter Seite wird der J. T. A. mitgeteilt: Seit acht Jahren dauern in Rußland die Verfolgungen der Zionisten, insbesondere der Jugendorganisation „Haschomer Hazair", an. Gegenwärtig befinden sich 244 Mitglieder dieser Organi* sation in der Verbannung, davon 14 in den sogenannten „PolitJsolators" und 3 in Saloniki. Die Gesamtstrafe für diese 244 Jüngzionisten summiert sich auf 783 Jahre. Die meisten von ihnen befinden sich seit Jahren in der Verbannung, 50 haben ihre Strafe, bereits abgebüßt, sie dürfen sich aber in den größeren Städten nicht aufhalten. 120 von den einst Verbannten befinden sich heute in Palästina. Jüdische Bauern feiern den Sabbat. Moskau, 14. August. Der Korrespondent des jüdischen Dorfes Tschemerisk klagt im „Em es" darüber, daß die jüdischen Bauern auch in der Erntezeit die Sabbatruhe beobachten und keine Feldarbeit an Sabbattagen leisten, obwohl dadurch die Einbringung der Ernte verzögert wird.' ...... der ■ ZionisienffRevisioiHsten* Der Austritt aus der zionistischen Weltorganisation abgelehnt*— Gründung einer eigenen Arbcitergcwerltsthaft in Palästina bedingungsweise angenommen» — MAlheims Rede» — Resolutionen und Wahlen. . sionellen und neutralen Charakter der Arbeitergewerkschäft zu erreichen oder die Initiative zwecks Gründung einer rein professionellen Arbeitergewerkschaft zu ergreifen." Mit Bezug auf die innerzionistische Lage nahm die Konferenz folgende Entschließung an: ' . 1. Die Ereignisse des letzten Jahres bedeuten den vollst änd igenZusamiuenbruch der Politik, der zionistischen Leitung. 2. Die Leitung hat jahrelang die Warnungen überhört, die wir im Hinblick auf ihre kurzsichtige, und leichtsinnige Politik formuliert und auf, den zionistischen Kongressen vorgetragen haben. 3. Trotz der vollständigen Mißerfolge ihres politischen Systems hat die Leitung nach den blutigen Vorfällen in Palästina und nach den darauffolgenden politischen Niederlagen nicht die selbstverständlichen Konseqenzen gezogen, nämlich den Kongreß einzuberufen und ihr Amt niederzulegen. 4, Unsere Vorschläge zu gemeinsamer politischer Aktion hat sie zurückgewiesen, ohne ihrerseits Vorschläge zur Verständigung mit der von uns vertretenen politischen Richtung zu machen. 5. Die Konferenz nimmt von der Erklärung der Zionistischen Exekutive Kenntnis, daß die politischen Prärogativen der zionistischen Leitung pilllMIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIW I VORNEHME FAM1UENPENSION | | vormals Dr. GRÜNBERG I I AM SEMMERING j I HOCH9TRA9S1 Nr, 41 (MI HOTlt »ANNANS) § I3 Maßige Preise / Kaffeehaus und Tanzgelegenheit im § Hause / Besitzer: ICKSTIIN / Tel Semmering Nr. 11 | Mietend«» Warm« v> KeltwoMer 1 In Jedem Simmer | iiHWIlUHIHMM Im. weiteren Verlaufe der Konferenz tauchte die, Frage des Austrittes'aus,de r'Zionisti.sehen Weltorganisation auf. Sie wurde leidenschaftlich debattiert. Schließlich sprach sich die Konferenz mit großer Mehrheit für das Verbleiben in der Weltorganisation aus. Wenn dadurch auch die Spaltung der Weltorganisation verhütet erscheint, so gibt der Um-1 stand, daß diese Frage überhaupt auftauchen konnte und; von einer imposanten Versammlung überzeugungstreuer: Zionisten aus aller Welt ernst erwogen wurde, zu größter. Besorgnis Anlaß. An solchen Erscheinungen mit den konventionellen Worten: Disziplinlosigkeit, verrannter Oppositionsgeist iusw. vorbeigehen zu wollen/ wäre schlecht angebracht. Ebenso bewegt war die Debatte über den Antrag auf Gründung einer eigenen Arbeiter ge werkschaft in Palästina. Daß ein solcher Schritt tief einschneidende Wirkungen in Palästina und in der Zionistischen Organisation selbst bewirken mußte, ist klär. Die Majorität der Konferenz entschied dafür, die Gründung grundsätzlich gutzuheißen, doch einen Ausweg, welche die Gründung vermeidet, offen zu lassen. Die mit 81 gegen 40 Stimmen angenommene Resolution lautet; „Die Weltkonferenz der Union der ZioniSten- Hevisionisten beauftragt das Exekutivkomitee, in seiner politischen Tätigkeit und in der Vorbereitung der Gesetzprojekte, die das Kolonisationsregime betreffen, die soziale Gesetzgebung, betreffend den Arbeiterschutz, besonders zu berücksichtigen. Die Konferenz nimmt mit Genugtuung die Gründung einer politischen Organisation der revisionistischen und der Arbeiter aus dem Brith Trumpeldor in Palästina zur Kenntnis. Sie ist der Meinung, daß der gegenwärtige Zustand in der Arbeitergewerkschaft unhaltbar und schädlich für den Aufbau Palästinas ist. Die Konferenz beauftragt die Exekutive, Schritte zu unternehmen, um den rein profes-