Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 153 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 133 #3jPfctfe4fcllHAfll nach Gemälden berühmtet %JwDVIIII5 «'•!•* HERZL-Gobelins •nougiAuiur Zahradnik Wien, V., Anzengrubergasse Nr, 30 Telephon U-40-9-17 Jetzt, im Jahre 1930, hat sogar die Zionistische Exekutive bemerkt, daß Palästina ein Gartenbau- und Gemüseland ist. Nach dem Zusammenbruch des offiziellen Systems sind wir tatsächlich derjenige zionistische Verband, der die zionistische Zukunft vorbereitet, der die Ideologie des Zionismus erneuert, die zionistische Jugendbewegung neu entfesselt, dem bankrotten System der Leitung auf allen Gebieten ihr eigenes System entgegenstellt. Daraus ergeben sich praktische Konsequenzen: Zunächst die Konstituierung als Sönderverband: Die Gründe dafür überwiegen. Die Gegengründe sind unerheblich. Was die Beteiligung an den Fonds anbelangt, so wirken wir nach wie vor mit, aber wir können nicht kritiklos alles mitmachen. Wenn die zionistischen Fonds immer wieder und immer einseitiger benützt werden, um uns zu bekämpfen und diejenigen zu stärken, die gegen uns und mit der Leitung verknüpft sind, so kann sich die zionistische Leitung nicht darüber beklagen, wenn unser Enthusiasmus gegenüber diesen Fonds immer schwächer wird. Will die Exekutive von uns nichts lernen, so muß sie eben daraus die Konsequenzen ziehen. Die Fonds sind nur Hilfsfonds, und mit ihnen allein kann Palästina nicht aufgebaut werden. In bezug auf das Tozeret-Haarez- Problem bin ich etwas skeptisch. Für diese Arbeit sind wir, meiner Meinung nach, noch nicht genügend vorbereitet. Man kann uns hieraus keinen Vorwurf machen. Auf dem politischen Gebiet haben wir schon manches Lebenswichtige geleistet. Aber an das praktische Gebiet der Palästina-Arbeit heranzutreten, ist jetzt eine sehr schwere Sache.-Palästina kann nur durch eine organisierte wirtschaftliche5 Anstrengung des jüdischen Volkes geschaffen werden. Was wir wirtschaftlich tun werden, ist eine Frage unserer Kraft. Den Weg sehen wir zum Beispiel in einer großen Kolonisationsgesellschaft — Herzls. ldee der Bank — die nicht zu verwechseln ist mit. dem derzeitigen Jewish Colonial Trust. Wir müssen schon jetzt versuchen, die bestehenden Institutionen in unserem Sinne umzuformen. Hierin erblicke ich eine große Aufgabe; aber bei neuen Unternehmungen muß man vorsichtig sein. Auf dem Gebiet der politischen Aktivität können und konnten wir nicht stumm bleiben. Was die bekannten Prärogativen der Zionistischen Exekutive anbelangt, so haben, sich diese durch, zwei Faktoren von selbst geändert: Durch den Zusammenbruch der offiziellen Politik und den. Üebergang der politischen Agenden auf die Jewish Agency, die wir für inkompetent halten. Trotzdem legen wir uns noch Beschränkungen auf, da. wir die Zionistische Organisation erhalten wollen.,Wir stören daher die offizielle Politik nicht, protestieren nicht vor, der Oeffentlichkeit gegen die andauernden .Fehler der Leitung und üben Kritik nur innerhalb der Zionistischen Organisation aus. Aber für die Zukunf t b ehalten wir uns die Freiheit für po 1 itische Akti.onen vor, wie wir sie auf Grund unserer eigenen Entscheidung als notwendig empfinden. Wir mußten dies in einem gewissen Umfange schon in der Vergangenheit tun. Unsere Antwort auf den Shaw- Bericht, die rechtzeitig herauskam und einen starken Eindruck machte, unsere Pressekonferenzen, unsere regelmäßig^;$iijletins an die Mitglieder des englischen^P.ar.lamentes sind Beispiele dafür, und jeder wird^unser moralisches Recht auf diese Arbeit verstehen. Es kann kein Zufall sein, daß zum ersten Male eine Entscheidung der Mandatskommission in Genf im Gegensatze zu früher für uns ziemlich günstig ausgefallen ist, und es muß in diesem Zusammenhange auf die äußerst.wertvolle Tätigkeit hingewiesen werden, die Herr Dr. Soskin durch Anknüpfung persönlicher Beziehungen mjt Mitgliedern der Mandatskommission geleistet hat. Derartige Aktionen werden wir weiter durchführen, da wir die bankrotte Exekutive mit dem Anhängsel der Jewish Agency nicht mehr als Richter anerkennen können. In dieser Situation hat die Revisionsbewegung ein vollkommenes Recht, ihr politisches Wort mitzureden, ,,, » - Was unsere Stellung zur Jewish Agency betrifft, so wissen Sie? daß ich noch vor einem Jahre mich mit «IJer Energie für den'Eintritt der Revisionisten in diese Körperschaft eingesetzt habe, obwohl wir alle ohne jeden Unterschied^ prinzipiell die stärkste Gegnerschaft, gegen diese Form der Erweiterung hegten. Nunmehr hat sich die Situation verschoben; alle unsere Argumente waren richtig .und unsere schlimmsten Befürchtungen wurden übertroffen. Di e Jewish Agency ist wertlos und in dieser tage besteht für uns kein Grund, unseren Standpunkt zu revidieren. Für uns alle ist diese Frage eine Frage siebenten Ranges geworden. Die Konstruktion der Jewish. Agency ist falsch, es gibt keine nichtzionistische Hfllfte der Jewish Agency. Es gibt nur wenige Notable, hinter denen niemand steht. Man kann die australischen Zionisten verstehen, die nach Gründung der Jewish Agency in London angefragt haben, worin der Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten überhaupt bestünde. Die Frage ist in ihrer primitiven Einfachheit berechtigt. Die Zionistische Organisation ist gelähmt, sie hat ihre Anziehungskraft verloren und in der gemischten Agency herrscht vollständiges organisatorisches Durcheinander; es gibt lauter Parallelinstanzen und das Endresultat ist, daß die zionistische Instanz ausgeschaltet wird. Ein Beispiel dafür ist die dauernde Weigerung, den Kongreß einzuberufen. Die Agency kann keinerlei praktische Resultate aufweisen, und wenn dies von gewisser Seite bestritten wird, so antworten wir darauf, daß der Aufwand in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis steht. Es handelt sich bei diesen Nichtzionisten um Menschen, die niemand vertreten und die nicht gewählt sind. Ist es ein Wunder, wenn daraus eine Zufallspolitik entsteht und der Weg des geringsten Widerstandes beschritten wird? Man weiß es vielleicht nicht genügend, daß Warburg es für notwendig hielt, Magnes zu unterstützen, und daß er nach den Palästina-Unruhen keine andere Antwort zu geben wußte als die einer sofortigen Verständigung mit den Arabern. Es hat starken Druckes auf Warburg bedurft, um, dies zu ändern, aber es beweist die politische Weitsicht dieser Kreise. Die Exekutive versteckt sich mit ihjfer Verantwortung, wenn sie es will, hinter diese Agency; Sie tritt nicht zurück, sie verhindert, die Einberufung des Kongresses und beginnt eine Kulissenpolitik, die demoralisierend wirkt. Wir machen den Nicht-Zionisten der Jewish Agency keinen Vorwurf, dehn es sind Menschen, die zu der Sache gezwungen worden sind und von denen wir nicht mehr erwarten dürfen. Wir lehnen nicht die Mitarbeit dieser Menschen ab,-glauben aber, wenn wir die Geschäfte der Zionistischen Organisation übernehmen, neue Formen der Zusammenarbeit zu finden, sei es in Form eines Economic Board, sei es in einer gewissen Eingliederung dieser Menschen in den Zionistenkongreß, auf jeden Fall aber ist das anorganische Fifty-fifty- Prinzip zu beseitigen. So werden wir unseren Weg gehen. Wir werden bemüht sein, die. große Schöpfung der Zionistischen Organisation zu erhalten, da wir immer noch glauben, in absehbarer Zeit die Mehrheit aller Zionisten mit unseren Ideen zu durchdringen. So hoffen wir, bestimmend auf die Geschicke der Zionistischen Organisation Einfluß nehmen zu können. Wir Werden unseren Kampf führen als eigener Verband, nach eigenem Ermessen handelnd, aber im Bewußtsein der. stärksten Verantwortlichkeit für^diejganze zipnistiscibe .Bewegung und; in dem Bewußtsein, eine neue zionistKcjje Zukunft vorzubereiten und heue Menschen zu'schajffpjj. Wir sind die' zionistische Bewegung und wir werden ^der Kern der njeuen Zionistischen Organisation sein. Es gibt heute keine Stelle im Zionismus, die so ernst sieji mit allen zionistischen Dingen beschäftigt wie unsere Körperschaft, und so werden wir den Revisionismus und seine Institutionen zu einer Dauereinriclttung machen , und in unserer Arbeit fortfahren,; in der Hoffnung, bald vor einem revisionistischen Z^oÄisteiikongre^ zu stehen, der eine revisionistische Exekutive wählen wird. (Lang andauernder, immer, sich ■ *f ■ wiederholender Beifall.) Gediegenen englischen und hebräischen Unterricht erteilt Akademiker Zuschriften unter „Akademiker" an die Redaktion dieses Blattes DiV Etnist Schwarz — Altgermanist der Prager deutschen Universität. £rag, ,;44iM August;'v?Präsident Masaryk hat den Dozenten Dr. Ernst S c h.w a r z zum außerordentlichen Professor für ^altdeutsche Sprache und Heimatkunde' an der deutschen Universität in Prag ernannt. Professor Schwar|: ist |Tüde und 35; Jahre alt. Trauer- und Gedächtnisfeiern für die Opfer von f |.'7*'! Hebron^ und Safed. Jerusalem, 15. August^ Am Dienstag, den 12. August; beging die palästinensische Judenheit die erste Ja h r.aei t f;e'i e r für die'Opfer der Massakers in He* bron. Am Abend strömten große Massen der Jerusalemer Judenhjpit in; die Hurva*Synagoge, wo der Trauer« und G'edächtnisgottesdienst abgehalten wurde. Unter den Rednern war Oberrabbiner Kook. Die Menge lauschte in tiefster Ergriffenheit. /Es wurde beschlossen, diese ganze Woche als Traucrw oc h e zu begehen und in den nächsten Tagen überall im Ljande Gedächtnisfeiern abzuhalten. Die Trauerwoche wjrd am ersten Jahrzeittage für die Opfer der" $ af e d e r Trag ö'4 i<e' (»n Safed begannen die Massakers bekanntlich sechs Tage nach den Jcrusalemer Unruhen) beendet sein. . Jp Tel*Awiw waren am Dienstag, 6 Uhr abends, zum Reichen' der Trauer für die Hebron*Öpfer alle für Volks-und Mittelschüler ZwqI Iii; 0rei Volke- oder Mittelschüler werden von distinguierter Dam«, " " J *---- -------"uJ-------- find, jn " Unterricht Ist Vorsorge getroffeil« KaroUn« QolcffCliml«clt, IX, Sechttchimmqlcj. 24/1 TeJ Ä*19*f*4f // Unter „Streng rituell und prima JMerenjeuH - > , . '• ' ■' ' * . ■ ' ..'-:';.'..:/ HMiyyiifflMm«iiffliiTO^ Kinotheater und die anderen Lustbarkeitsstätten geschlossen worden. Aus Anlaß der Jahrzeitfeier der Massakers ver< öffentlicht die palästinensische hebräische Tageszeitung Gedenkartikel. Die Arbeiter*Tageszeitung „Dawar" schreibt: Man kann sich keine Kompensation und keine Vergeltung denken für das vor einem Jahre vergossene Blut. Die einzige Wiedergutmachung wäre Loyalität gegenüber den Leiden und Nöten eines Volkes, das un* schuldig angegriffen wird. Wir aber müssen in unserer Entschlossenheit, ahnlich den Verteidigern von Massada, nicht weichen. — „Haarez" führt aus, die einzige Lehre, die wir aus dem kritischen Jahre zu ziehen haben, ist die, unseren entschlossenen nationalen Willen, der sich in den Stunden der Gefahr manifestiert hat, zu stärken. Laßt uns die Kräfte des Volkes mobilisieren, das wird der Schlüssel sein zu unserer Zukunft. — Die revisionistische Tageszeitung „Doar Hayom" schreibt zum Verbot öffentlicher Trauerfeiern: Nun wissen wir, daß das Jüdische Nationalheim derjenige Ort ist, an welchem den Juden verboten ist, ihre Märtyrer zu be* weinen. Die arabische Presse, wie „El Jamea el Arabia", „El Hayat", „Falastin" und „Meraat el Shark", ergeht sich einmütig in Protesten gegen die Begnadi« gung Urphalis, des jüdischen Polizisten. Arabischer Generalstreik am Jahrestage des Aus« bruches der Unruhen. Jerusalem, 16. August. Die arabische Exekutive hat beschlossen, für den 23. August, dem Jahrestag des Ausbruches der Unruhen in Palästina, einen allgemeinen arabischen Streik zu proklamieren. Der Protest« streik wird sich gemäß Beschluß der Exekutive auch gegen die Begnadigung des Juden Josef Urphali richten. Es verlautet, daß die Exekutive sich zu dieser Demonstration entschloß, weil an ihrem angeblich schwächlichen Verhalten in der Frage der Begnadigung Urphalis seitens der extremen arabischen Nationalisten und der arabischen Presse scharfe Kritik geübt wurde. (Die Judenheit Palästinas hat den Jahrestag des Aus« bruches der Unruhen ^als Trauer«, und -Gedächtnistag .nach dem jüdischen Kalender bereits begangen.) Einschreiten der Palästina-Regierung gegen Mordhetze. Jerusalem, 16. August. Die Palästina-Regierung hat die arabisdie Zeitung „AI Hayat" für unbestimmte Zeit verboten, weil sie eine Rede des in Palästina weilenden Aegypters Zaki Pascha veröffentlicht hat, in der die Mörder von Hebron und Safed als H e 1 d e n ve rherrlicht werden, vor denen sieh jeder Araber beugen sollte. Wie die J. T. A. erfährt, hat der stellvertretende High Commissioner Sir Stuart Davis den Jerusalemer Mufti ersucht, seinen Gast Zaki Pascha zu ermahnen, sich einer gemäßigteren Sprache zu bedienen, da er sonst Palästina wird verlassen müssen. * Zaki Pasdia gegenüber begnügt sich die Palästina- Regierung sanfter Mahnung. Sie kann audi anders, wenn es nicht um Aegypter, sondern um Juden geht. Jabotinsky darf das Land nicht betreten! Weil er Mord predigt und Mörder verherrlicht? Nein! Weil er sein Volk verteidigt wissen will. Der erste Jude nach Hebron zurückgekehrt. — Araber übernehmen die Garantie für; seine Sicherheit. Jerusalem, 15. August. Bekanntlich haben nach den grauenvollen Judenmassakers in Hebron alle am Leben gebliebenen Mitglieder der jüdischen Gemeinde Hebrons diese Stadt verlassen. Am Sonntag, den 10. August, ist nun der erste Jude, Dr. Daniel Elkana nach Hebron zurückgekehrt, Dr. Elkana entschloß sich zur Rückkehr auf Bitten sexner arabischen Freunde und Nachbarn, die auch die Garantie für seine Sicherheit übernommen haben. Unter denen, die die Petition an Dr. Elkana mit der Bitte um dessen Rückkehr nach Hebron unterschrieben haben, befindet sich auch der arabische Hausbesitzer, bei dem Doktor Elkana wohnte und der während der Massakers Doktor Elkana und seine Familie in seiner Wohnung verbarg und auf diese Weise vor dem Tode rettete. Orangenpflanzungen Leipziger Zionisten in Palästina. Jerusalem, 14. August. Unweit von P e t a c h Tjkwah -t auf dem Wege nach Bnei Brak befindet sich eine Orangenpflanzung von 200 Dunam, die einer Gruppe von Leipziger Zionisten unter der Leitung von Georg Freudenheim gehört. Die Pflanzung ist nach den neuesten Methoden angelegt: kalifornische Irrigation, ein elektrischer Brunneumotor und Bearbeitung mit Maschinen. Die Pflanzungen entwickeln sfch. gut. Es werden nur jüdische, organisierte Arbeiter beschäftigt.