Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 153 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seife 4 DIE NEUE WELT Nr. 153 fjiiiniiiiifffiainiiiitifiilftiiiiiitiiiifiiflHimMtiiiiiHtiiHiittig |Die Wtoner weltlrekaiintaft | für Rabbiner und Kantoren: Chor« tmtf Dtinerbekteldung i Lieferant vieler in- und aus- ] ländischW Kultusgemeinden : Versand nach allen \ Ländern! i Illustr. Preiskataloge gratis! j Alle i Unlformlerunaen; und Sportausrüstung; für Verein* und Verbände j Mafttchnelderei für j _ elegante Herrengarderobe : Billigst« Preise Zahlung* erleich terung i I Rudolf Goldstein Wien, II«, Taborstraße Nr. | Telephon R-49-0-48 Gegründet 1866 Achtung auf die Hausnummer! illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHI? Sprecher der Konservativen unter Hinweis auf Jakobs und; die Juden im allgemeinen wörtlich aus: „Die französischen Kanadier müssen auf der Hut seinl Es droht ihnen die Gefahr, Knechte eines fremden Volkes zu werdenl" — Auch der gesellschaftliche Antisemitismus macht Fortschritte. In Mont Clemens, einem. Orte mit Heilquellen, welche von vielen. Juden auf* gesucht werden, hat , die Stadtverwaltung den jüdischen Gastwirten befohlen, die hebräische Anschrift „Koscher" zu entfernen, und durch eine lateinische zu er» setzen. In der amtlichen Verordnung heißt es, daß wegen einiger Prozent Besucher die Stadt nicht durch „ab» schreckende" Schriftzeichen belästigt werden dürfe. Daher nehmen viele . Hotels keine Juden auf und drücken dies durch die Anschrift: ,,Nur für Bodenständige!" deut* lieh aus." . , Inzwischen wird uns aus Montreal gemeldet: Bei : den letzten Parlamehtswahlen in Kanada wurden die Liberaldh; geschlagen, und mußten ihre Macht» Stellung-den Konseryiätiveh'überlassen. In den drei kariadi* sehen Hauptstädten 'Montreal;1 Toronto und W i n h i p e*g; wurde je ein* 'judfe gewählt. Im letzten ' Parlament gäb es nur zwei jüdische Abgeordnete. Die Gewählten ' sind -'Jakobs' auf liberalem Programm ' in , -;• . ' ••'' "i '" ■ , ■ , ,1 r •( , .«? ....... Montreal, auf demselben Programm Samuel F a k t o r In Toronto und der Arbeiterkandidat: A. H i p p s in Winni* peg. Die Bedeutung dieser Wahlen wird besonders da« durcli erhöht, daß' die Konservativen sich in der Wahl* kampkgne der UnterstützungJ der a n t i s e m i t i s c h e'ri Gruppe versicherten'' und trotzdem jüdische -Kandis '■ daten mit liberalem Programme gewählt wurden. Jakobs vertritt seinen Wahlbezirk*Defeltsv'sei't 13 Jahren und hat sich einen großen Einfhiß ^buchstäblich erkämpft.- Samuel Faktor ist der erste Jude;'den die Wähler vom Wahl» kreis Toronto in das;Parlament entsendeten: Der Arbeiterdeputierte Hipp s aus W.i n n i p e g. kehrt jetzt zum .zweitenmal als Abgeordneter der Arbeiterpartei in das kanadische Parlament zurück. Im Staate Maryland, U. S. A., haben die Juden noch .bis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts kein allgemeines Wohnrecht besessen und selbst das Recht, Handel oder Gewerbe zu treiben, konnten nur »einzelne Juden unter großen Schwierigkeiten erlangen. Von politischen Rechten für Juden konnte damals im Staate Maryland der Vereinigten Staaten von Newyork im .Sinne der autonomen Staatsgesetze schon gar nicht die Rede sein. Der damalige Präsident . der Republik der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Jefferson, hat ostentativ einen Juden zum Generalmarschall ernannt, um damit seinen Unwillen gegen, die Macher der Staatspolitik von Maryland öffentlich zu bekunden. Die Zeiten haben sich seitdem , auch in Maryland gründ* Sich geändert. Im Herbst dieses. Jahres finden in diesem Staat verschiedene Wahlen statt und der Landtag von Maryland hat am Schlüsse seiner letzten Legislaturtagung die Termine festgesetzt, an welchen die Bürger deä Staates sich in die Wählerlisten einzutragen haben. Diese Termine wurden für den 23. und 24. September, bezw. den 7. und 8. Oktober festgesetzt. Nach Schluß der Legislaturperiode wurde den WähÜeitern der einzelnen politischen Parteien, als sie ihre Wahlpropaganda be* ginnen wollten, die betrübende Ta ts che er* öffnet, daß die Juden zum größten Teil Von ihrem Wahlrecht und ihrer Eintragung in die Wä h 1 e r 1 is t e k e i n e n Gebrauch machen werden, weil der -23. und 24. September auf das Rosch* haschanahfest, der 7. und 8. Oktober hinwieder auf die Haupttage des Sukkothfestes fallen. Große Verlegenheit bei den verschiedenen politischen Bosses, gibt es doch in Baltimore allein 20.000 jüdische Wähler, die schon zum Protest gegen die Nichtbeachtung der jüdischen Feiertage entschlossen waren, sich der Wahl zu enthalten. Da mußte Remedur geschaffen werden und wurde auch dadurch geschaffen, daß zum ersten» mal in der Geschichte von Maryland, trotz Schlusses der parlamentarischen Session, eine außerordent* liehe Tagung einberufen wurde mit der einzigen Tages» Ordnung: Aenderung der Eintragungstermine für die Herbstwahlen. Noch niemals war die Sitzung so vollzählig. Keiner der Deputierten fehlte, weil keiner es sieh mit den jüdischen. Wählern verderben wollte. Die ganze außerordentliche Tagung dauerte kaum eine halbe Stünde, die Termine wurden unter Berücksichtigung der jüdischen Feiertage entsprechend geändert. So ist es, wenn man die jüdischen Wahlstimmen braucht. #jr Pogrombewegung Staatsgelder für die Pogromisten. Bukarester Zeitungen hatten gemeldet,, daß einflußreiche Führer der Regierungspartei, wie Minister, Staatssekretäre usw., mit den Anführern der Pogrombanden, freundschaftHchen Verkehr pflegen und auch nicht davor zurückschrecken,, antisemitischen. Agitatoren Staatsgelder zur Verfügung zu stellen. Die Regierungspresse hat die Richtigkeit dieser Meldungen bestritten. Nunmehr veröffentlicht die Bukarester Tageszeitung „V i i t o r u 1" an .leitender Stelle folgende Er« klärung: > ,Wir haben in einer , der letzten Nummern ber richtet, daß Dr-. Vaida in seiner Eigenschaft,als interimistischer Minister im Außenministerium aus den Fonds dieses Ministeriums den antisemiti* sehen Agitatoren eine bedeutende Geldsumme gegeben hat. Wir präzisieren: „Die Summe wurde auf den Namen der Orga- " nisation und der Zeitschrift „Gnrda de fler" („Eiserne 1 Garde") des Zelca ■Godreanu angewiesen. Die Zahlt lungsaitweisung.: wurde fEnde Juli, ausgefolgt,: Wen» l'Herr*<Drv Vaidat.)darfculß/>hält,;können«. ,w*in .ihm:?den „ : Tag und auch. denjenigen nennen, der diese »Zah- . lungsanweisnng einkassiert Jiat," Der FrifeiienmÖrder, "'-und fthrer der ISiWrnen [ i'h Qtt!t<te &tii£e$pitä\ifeill? Die Justizkomödie geht lustig weiter.. Vor den Bukarester Geschworenen stand der, Hauptbelastete unter den Pogromführern, der, berüchtigte ^Präfektenmörder und Schützling des Innenministers V a i d a V p e y o d, der Kom* iriaridant der „Eisernen Garde" Zelea C o d r e a n u. Am Hittwoch, den 13. August, abends, wurde das Urteil ver» kündet. Codreanu hatte? sich wegen zweier Manifeste zu verantworten, in denen er,das Attentat auf den Unter* Staatssekretär Anghelescu. - v e r. h e r r 1 i c h t und die Studenten, zu anderen Attentaten, .und zur Vernich» tüng der Jude na uff ordert. Er war in allen Punkten geständig. Er erklärte: Ich bin der Autor dieser zwei Manifeste und übernehme : die ganze Verantwortung für deren Inhalt. Das Urteil lautete auf Freispruch, nachdem die Geschwornen mit zwei Stimmen Mehrheit die Frage der Schuld Codreanus verneinten. Der Staatsanwalt hat Berufung eingelegt, so daß Codreanu vorläufig weiterhin in der Untersuchungshaft verbleibt. Das Urteil hat im ganzen Lande ungeheure Be» stürzung hervorgerufen. ♦ Die Polizei bedroht die Bedrohten! . Die Czernowitzer „Sonn* und Montags*Zeitung" bringt Photographien, von,Drohbriefen, welche jüdischen Bürgern in den .Städten der Bukowina übermittelt wurden. Ihr Inhalt lautet: „Organisation des Volkes l Im Namen der Be* völkerung unseres Ortes werden Sie aufgefordert, inner« halb von 14 Tagen nach Erhalt dieses Schreibes unsere Ortschaft zu Verlassen, widrigenfalls wir genötigt sein ' .We'rläeri;': Gewalt anzuwenden. -Das werden Sie mit Ver« imögeh unif Leben zu:he^ahleWIhabetif'Das t3rtslcon*ftee^*^''',! Auch die Juden der Stadt Dorna erhielten solche Briefe. Sie begaben sich zum Polizeichef N u b e r t» welcher erst vor kurzem den halbwegs korrekten Polizei* chef Zmeu abgelöst Hat!- Znieu war auf Verlangen der Antisemiten entfernt' worden. Nübert; erklärte den jüdi* sehen Bürgern Dornas, er werde sie wegen „Ver* breitung von beunruhigenden Gerüchten" einsperren und nach dem Alarmgesetz bestrafen lassen, wenn sie es wagen sollten, von diesen Drohbriefen irgend jemandem Mitteilung zu machen ... * Das unglückliche Borsch«. Der Generalrat der Juden Rumäniens, welchem alle jüdischen Parlamentsmitglieder und die Repräsentanten Altrumäniens, Siebenbürgens, der Bukowina und Bes* „Arbeiter?" „Nein. Der Begrifj ist ein viel breiterer. Sie sollen auch Arbeiter sein, aber nicht nur das allein. Wir werden Menschen brauchen, die, „alles" sind. Alles, was Palästina erfordern wird. Ein Arbeiter hat seine Arbeiterinteressen, ein Soldat seinen Esprit de corps, ein Arat, ein Ingenieur seine Neigungen. Aus unserer Mitte aber muß ein Geschlecht entstehen, das we<Jer eigene Interessen noch private Neigungen haben darf« Ein Stück Eisen. Nicht in seiner harten Form -rimmerhin aber Eisen. Eisen, aus dem man alles schmieden kann,, dessen die n a t i o n a 1 e M a s c h i n e ,r i e bedarf. Benötigt sie ein Rad? Hier , bin ich. Einen Nagel, eine Schraube, einen Block? Iiier bin ich. Muß man die Erde aufgraben, bin ich es, der sie/aufgräbt. Benötigt man Soldaten, bin ich zur, Stelle. .Polizeileute, Aerzte, Juristen, Schauspieler, Lehrer, Wasserträger? — Hier, lc\\ habe keine Physiognomie, keine Psychologie, keine eigenen Gefühle, keinen eigenen Namen: Ich bin ein Diener Zion*, zu allem bereit, an nichts gebunden, ke,nne bloß den einen Imperativ: Aufbaur „Solche Menschen gibt es nicht" sagte ich. „Es wird solche Menschen geben.' Ich war im Irrtum. Der erste saß damals vor mir. So war er selbst: ein Jurist, ein Soldat, ein Farmer. Er ging ji&ch Tel-Cha j, um Arbeit mit dem Pfluge zu finden, und er erlag dem Tode durch ein Gewehr, sagte „Ejn dawar" und starb — unsterblich. Colonel Po w na 11 bekam bald nach meinem Interview mit Lord Derby den Auftrag, aus unserem „Zug' Nr. 16" eine Instpuktorenklasse zu bilden. An die Spitze stellte er..i.eine.n>!<spi^er.J.e^genett. Sergeantmayor's, einen Juden namens Richard. C a.r m.e 1, und mich. Im August 191? erschienen nacheinander zwei offizielle Nachrichten': Di eü s t p f-H c tat f ü r r uss i- •sehe5 Bürgerin-' E n g-toa-n/d; iiind: S c h a f f u n g eines jüdischen Regimen t sv Man stellte uns. drei Zimmer im Rek£utiei?uugsdeparteinent zur. Verfügung. Ich verabsphiedete .mich mich von Colonel Pownall, dankte ihm'für seine Geduld, seinen Takt und 6eine Hilfe,, und übersiedelte mit dreien unserer: Soldaten als Beamten nach London, General Geddes teilte mir mit, daß Colonel Patterson bereits Befehl erhalten habe, sein Dubliner Bataillon. einem anderen Kommandanten zu übergeben, und daß er in einigen Tagen in London eintreffen werde. Hier muß ich eine Episode erwäihnen, die es an und für sich nicht verdient: ich: meine jene v,ojx den Assirailanten unjt.ernommenen Anstrengungen, die.i^egipn zu zu zerstören, noch ehe sie. iges.ch.af f en wurde. Patterson versuchte in einwandfreier Weise ihre Hilfe zu erlangen,.damit die Legion eine Ehre, nicht eine Schande für alle Juden sei. Bald nach seiner Ankunft in London berief er eine Versammlung ein, zu der von der gegnerischen Seite Lionel Rothschild, Edmund Sebag-Montefiore und andere gekommen waren. Von unseren Freunden erschienen Dr. Weizmann, Major Amery (er war damals schon Major), Major O r m b, y - G o r e (dp nunmehrige Unterstaatssekretär des Kolonialministeriums) und noch ein Offizier, dessen Namen wir nicht kannten. Auch Lord Rothschild kam — später ein wohlwollender Freund des Regiments, Vorsitzender des Hilfskomitees für unsere Soldaten, damals aber noch ein wenig zwischen ja und nein schwankend. Patterson schildert diese Versammlung in seinem zweiten Buche: . ,Mit den Judäern in der Paläßtina- Offensive". Ich will bloß einige Einzelheiten hinzufügen. Die meisten der Versammlungsteilnehmer erkannten an, daß die Legion, mag man sich auch gegen die Idee ablehnend verhalten — eine Tat bedeute, man müsse also trachten, daß sie von Erfolg begleitet sei. Der Militärarzt Gaptain Salaraan, Nachkomme einer der ältesten englisch-jüdischen Familien, sagte: „Die Zionisten haben uns vor denselben „Trick" gestellt wie Kolumbus mit seinem Ei — sie schufen eine Tatsache und machten damit allem Diskussionen ein Ende. Jetzt bleibt nur eines übrig: helfen.** Aehnlich sprach auch Lord Rothschild. Aber Liönel Rothschild und Sebaig-Montefiore erklärten, sie seien nicht einverstanden und würden gegen das jüdische Regiment kämpfen. Und gleich nach der Versammlung begaben sie sich zu General Geddes und beklagten sich, Patterson und sein ausländischer Sergeant machen zionistische Propaganda im Hause des Rekrutierungsdepartements. Nach jener Versammlung haben uns die Assimilanten offiziell den Krieg erklärt. Erst nach dem Siege erhielten wir dem Namen „Jewish Regiment" uria das Menorah-Abzeichen mit dem hebräischen Wort . Kadimah". Aber schon von Anfang an fehlte es uns an ^Jüdischkeit", Auf dem Schild vor unserem Londoner Rekrutieruugsdepot (ein ganzes Haus in der Ghihi Street) stand es mit englischen Buch-