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Die neue Welt · 1930-08-22 · Heft 153 (22.8.1930) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 153 (22.8.1930)
Date
1930-08-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 133 DIE NEUE WELT Seite 3 LEHNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School,Wien I, Graben 13 Prospekt 7 auf Wunsch auch, nicht, daß er die hebräische Sprache und die jüdische Geschichte lerne und ein geistiger Führer seines Volkes sei, des Erlöscrwerkes wert, aber das wenigstens hat man ein Recht zu fordern, daß er lerne, demütig zu sein vor unseren großen Brüdern, deren Atem Judentum ist, vor den großen Juden, die auch mit ihrer Gegnerschaft zum Herzl-Zionismus nicht, aufgehört haben, unsere Lehrer und Leuchten zu sein. Ganz besonders ist es Pflicht eines Menschen, der zu Fremden verirrt war wie der Mann des politischen Zionismus, der von der Erkenntnis seines Volkes und dem Licht seiner Thora fern ist, demütig zu sein und von jedem zu lernen." „Der Wiener Ausschuß im allgemeinen und Herzls Politik bringen dem nationalen Auflebungsgedanken ubsoluten Schaden, und vom kommenden Kongreß ist nichts für die Kolonisationsarbeit zu erhoffen. Die Wiener Konferenz war nicht geneigt, diese Arbeit in Behandlung zu ziehen. Außer einigen Delegierten aus Rußland, die mit dem Jischuv nichts zu tun haben, und zweien aus Rumänien, die hofften, dem Kongreß von Rothschild gekauften Boden weiterzuverkaufen, waren keine ausländischen Delegierten da, weder aus Deutschland, noch aus England, noch aus Galizien. Für mich bat die ganze Versammlung weder die Mühe noch die Kosten aufgewogen, außer daß ich dieses Negative erfahren habe: es gibt nichts Reales, Greifbares in den Aktionen des Wiener Ausschusses, und daß es für die Ckowewe Zion vielleicht besser ist, heuer überhaupt nicht nach Basel zu fahren." „Meine Ansicht ist die, daß die praktischen Chowewe Zion sich im Monat Juli in Berlin oder in Brüssel zu einer Konferenz zusammentun, um zu beraten, ob es für den Jischuw und die wirklichen Bedürfs nisse des Volkes gut ist, am II. Kongreß des Dr. Herz! Anteil zu nehmen. Beschließt die Konferenz die Beteiligung, ist es Pflicht, nach Basel als starke und feste Partei zu kommen, die vor scharfen Worten nicht erschrickt, ebensowenig wie sie sich den süßen Reden des Präsidenten und seiner Anhängerschaft unterwirft. Der Zweck hat zu seiu: Unbedingtes Wirken für die Kolonisationsarbeit, für ein neues Zentralkomitee, in dem von den anderen Komiteemitgliedern nur Dr. Herzl allein zurückbleiben soll mit einer Reihe angesehener Juden, die die Kraft haben, die Zügel der Leitung festzuhalten, und den Wagen« der Nation von den Wüsten der Träume weg in besiedeltes Land zu führen vermögen." „AI daath hamakon we hakahal — und eine wahre Wiedererstehung im ganzen Volke soll erweckt werden. Wird Dr. Herzl dann mit uns arbeiten, einer seiner treuen Söhne sein wollen, der die Thora unseres Volkes, seine Weisheit, seinen Glauben verehrt — dann Glück* auf! Wenn nicht, dann mag er allein mit den Knaben, die um ihn herum und dem Wissen um ihr Volk fern sind, dem Licht seiner Diplomatie nachgehen — wir werden im Namen der Liebe zu unserem Volk und zu Zion gehen. Jedem das Seine! Jedenfalls muß dii Heuchelei ein Ende haben, die das Volk irreführt. Mögen unsere Brüder wissen, daß das schöne Wort, das Herzl in seinem Referat auf dem vorigen Kongreß gebraucht hat, „der Zionismus ist die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenluud" nur schöne Rederei ist, nicht gestützt vom Willen zur Tat. Dein Schätzer und Verehrer Dr. A. Kaminka." Offizielle Anerkennung der erweiterten Jewish Ageney durch die britische Regierung. Prag, 18. August. (J. T. A.) In einem Brief des Colon i a 1 O f f i c e an die Zionistisch eExckutivc ist die offizielle Anerkennung der erweiterten Jewish Ageney im Sinne des § 4 des Mandats erfolgt. — In einem Interview mit einem Mitarbeiter der „Selbstwehr" teilte das Mitglied der Exekutive, Prof. Selig B rodet sky, hierüber folgendes mit: „Wir haben in den letzten Tagen einen Brief bekommen, in welchem uns die formelle Anerkennung der erweiterten Jewish Ageney durch die englische Regierung zur Kenntnis gebradit wird, und zwar genau in der Weise, wie sie seinerzeit in einem Briefe des Colonial Office an die Exekutive, der beim letzten Kongreß zur Verlesung gelangt ist, formuliert wordeu war. Dieses Schreiben hat den folgenden Wortlaut: „Im Falle der Auflösung der erweiterten Jewish Ageney wird die britische Regierung, nachdem ihr die Auflösung durch die Zionistische Organisation zur Kenntnis gebradit wurde, die Zionistische Organisation als Jewish Ageney im Sinne des Artikels 4 des Mandats für Palästina iincrk e n n e n, vorausgesetzt, daß ihre Organisation und Verfassung zu die sc r Zeit angemessen sind.' Die Organisation soll in diesem Falle in allen Beziehungen als in den Stand zurückversetzt gelten, den sie vor der Erweiterung der Ageney eingenommen hutte." Im August 1929 wurde der britischen Regierung die Erweiterung der Jewish Ageney durch Niditzionisten offiziell zur Kenntnis gebracht. Die britische Regierung, welcher dieser Sdiritt unsympathisch war, hat bis jetzt mit der Antwort zurückgehalten. Jetzt ist sie eingetroffen, in einem Zeitpunkte, in welchem sich der politische und materielle Wert der Erweiterung als zweifelhaft erwiesen hat. Daß diese Anerkennung nidit mehr wie eine papierene Kundgebung ist, geht am deutlichsten daraus hervor, daß die britische Regierung es nidit für notwendig befunden hat, die Ratsdiläge der Jewish Ageney auch nur in einem Falle eiuzuholen. Immerhin ist es begrüßenswert, daß für den Fall der Auflösung der erweiterten Jewish Ageney die Rechte der Zionistischen Organisation gewahrt erscheinen. Offizielle Mitteilung über Shiels Palästina-Reise. London, 15. August. (J. T. A.) Das Colonial Office teilt heute offiziell mit, daß der Unterstaatssekretär des Kolonialamtes Dr. Drummond Shiels noch im Verlauf der jetzigen Parlamentsferien sich zu einem kurzen Aufent* halt nach Palästina begeben wird.; -rrt- Shiels und Chancellor begeben sich nach Genf. — Scharfe Erwiderung der englischen Regierung auf die Feststellungen der Mandatskommission. London, 15. August. (J. T. A.) Der Unterstaats* sekretär im Kolonialamt. Dr. Drummond Shiels, dessen Palästinareise gestern offiziell angekündigt wurde, wird sich, wie heute verlautet, noch vor Antritt dieser Reise nach Genf begeben, um an der in der ersten Hälfte des September stattfindenden Versammlung des Völkerbundes, in der die Palästinafragc zur Behandlung kommen wird, teilzunehmen. Die in Edinburgh erscheinende Zeitung „Seotsman" erfährt, daß der gegenwärtig auf Urlaub in Europa weilende High Commissioner für Palästina, Sir John Chancellor, Dr. Shiels nach Genf begleiten wird. Wie der JTA.sVertreter aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist die Antwort der britischen Regierung auf die Feststellungen der Mandatskommission des Völkerbundes mßtir! Eine geringe Unterexposition litßtsich bekanntlich wesentlich schlechter ausgleichen als eine prozentual gleich höhereUeberoellchtung. Deshalb belichtet der erfahrene Lichtbildner nach Möglichkeit reichlich. Nicht alle Platten vertragen dies. Der *Braunschicht-PIatte können kräftige Uebcrlichtunge.il nichtsanhaben. Die braune Zwischenschicht der „Satrap-Braunschicht" (daher der Name) verhindert, daß überexponiertc Lichter durch Llchthftfe zu detaillosen Flächen zusammenfließen. — Warum also das Risiko einer Fehlbelichtung auf sich nehmen? Verlangen Sie kostenlos den neuen Satrap-Katalog Nr. 32 Scherlng-Kahlbaum A. 6., Repr. WIEN, VI., Wcbgasse 2 a in ihrem Palästinabericht in einem sehr scharfen, ja un* freundlichen Ton gehalten. Die „Bemerkungen" der Mandatarmacht enthalten eine Reihe Vorwürfe an die Adresse der Mandatskommission hinsichtlich ihrer Metho« den sowie eine scharfe Kritik an ihren Feststellungen, wie sie in einer solchen Form seitens einer Mandatarmacht bis jetzt noch nicht erhoben worden waren. Es wird angenommen, daß der am 5. September in Genf zusammentretende Völkerbundsrat sich infolge dieses ' ngriffs der britischen Regierung auf die Mandats« kommission einer schweren Situation gegenübergestellt sehen wird. Aegypter erkennen das historische Recht der Juden an der Klagemauer an. Kairo, 15. August. (J. T. A.) Der über Aegypten hinaus bekannte hervorragende ägyptische Schriftsteller Hussein Mahmud fordert in einem von der nationalistischen Tageszeitung „M o k a 11 a m" veröffentlichten Schreiben die Aegypter auf, sich an der Panarabischcn Bewegung nicht zu beteiligen. Die Aegypter seien keine Araber. Es ist Pflicht der Aegypter, dem jüdischen Volke zu helfen, das unserer Völkerfamilie angehört und das jahrhundertelang in den verschiedensten Ländern iSo schwere Leiden erdulden muß. In den Klagemauerstreit sollen die Aegypter sich nicht einmischen; die Klagemaer ist ein Rest des alten Salomonischen Tempels und gehört daher den Juden. Amerikanisches. Antisemitismus in Kanada — aber wo es nötig ist, kommt man den Juden entgegen. Ein Leser der „Neuen Welt" schreibt uns aus Montreal in Kanada: „Auch hier regt sich der politische Antisemitismus. Die Konservativen nehmen die am 28. Juli stattfindenden Parlamentswahlen zum Anlasse, eine antijüdische Kampagne einzuleiten. Insbesondere haben sie es auf den liberalen Abgeordneten Jakobs, einen Juden, abgesehen, welchen sie unter allen Umständen stürzen wollen. In einer Rede im Parlamente führte einer der Wie die jüdi'sdie Legion entstand* Von Wladimir Jabotinsky. Wir entnehmen die nachstehenden Ausführungen dem Buche „Vorn Nil zum Jordan" Jabotinskys, des Schöpfers der jüdischen Legion im Weltkriege und jetzigen Führers der Union der Zionisten-Revisionisten. Das wichtigste war eine Einladung zu General Siuuts, dem Premier von Südafrika, der damals nach London kam, um an der Sitzung des Kriegskabinetts teilzunehmen. Er spielte in jenen Jahren eine sehr wichtige Rolle, nicht so sehr der Hilfe wegen, die dieses kleine Dominion für die Kriegsführung bieten konnte, sondern wegen seiner Persönlichkeit. Ebenso wie General B o t h a, war auch er noch vor zwanzig Jahren einer der stärksten Gegner Englands im Burenkrieg. Sein jetziger britischer Patriotismus hatte daher den moralischen Wert einer Manifestation zugunsteu das britischen Reichtsregimes. Ueberdies ist Smuts auch ein hochgebildeter Mann, der auf den Universitäten von Holland, Heidelberg, Cambridge studiert hat, ein freisinniger Denker und Schriftsteller. Er ist ein Zionist von Schlage Ba 1« fours oder Robert Cecils, ist einer von denen, die der Meinung sind, daß Balfours Ziongelübde vielleicht das Beste darstellt, was von dem ganzen Krieg zurückgeblieben ist. Sein Besuch in England gab definitiv den Freunden des Zionismus das Ucbergewicht im Kriegskabinett, im Gegensatz zur Opposition; deren Haupt selbstverständlich ein Jude (Edwin Montague) war. Er erkundigte sich nach allen Einzelheiten des Legionsplanes. Ein Satz von ihm ist bei mir notiert: „Es ist der feinste Gedanke, den ich jemals in meinem Leben gehört habe, daß die Juden für dns „Land Israel" . allein kämpfen sollen.44 Unter anderen Begegnungen war ein Gespräch mit General Geddes wichtig, dem Direktor des Rekrutierungsdepartements. (Später, nach dem Kriege, war er englischer Botschafter in Washington.) Mit ihm gemeinsam bestimmten wir den Namen, den die Legion fuhren sollte. Kurz und einfach: „Jewish Regiment". Die Uniform — die gewöhnliche englische, nur mit einem kolonialen Hut, wie ihn die Boy Scouts tragen. Die Abzeichen — „badge", eine Menorah mit dem hebräischen Wort „Kadimah", was sowohl vorwärts als auch ostwärts bedeutet, und eine blau-weiße Litze auf dem Kragen. Von all dem blieb einen Monat später, dank den Bemühungen der assimilierten N o t a b e 1 u, nichts übrig. Erst im Jahre 1919 bekamen wir einen jüdischen Namen und das Menorah-badge. Trumpeldor war zu jener Zeit nicht mehr in London. Er hatte lange genug darum gebeten, daß man ihn als Offizier in dasselbe Bataillon aufnehme, in dem ich und seine früheren Leute aus Gallipoli dienten. Er war bereit, auf seinen Rang als Capitain zu verzichten, er wollte bloß Sekondieutnant werden. Wahrscheinlich wäre er auch einverstanden gewesen, ein einfacher Unteroffizier zu 6ein, aber davon konnte nicht gesprochen werden, da er nur eine Hand besaß. Was jedoch den Offiziersrang betraf, so hatten die Buroaukraten im War Office hundert Ausreden, darunter vielleicht eine von Wichtigkeit: Nach der englischen Verfassung darf ein Ausländer keinen Offiziersposten in der englischen Armee bekleiden. Trumpeldor hörte sich da« Urteil an, lächelte, sagte wie immer „Ejn dawar" und beschloß, nach Rußland zu fahren. „Was werden Sie dort machen?" fragte ich ihn. Er hatte zwei grandiose Projekte. Erstens war er dessen sicher, daß man bei der Kerenski-Regierung, •mit Sawinkow als Kriegsminister, es durchsetzen könnte, daß sie eine jüdische Armee schaffe: nicht eine Legion, sondern eine A?anee von hunderttausend oder mehr Leuten — und aus einer anderen Sorte von Juden bestehend. Und diese Armee müßte an die Kaukasusfront marschieren und sid* über Armenien und Mesopotamien bis auf die andere Seite des Jordan durchschlagen. Und zweitens: Seine Antwort auf diese Frage wird nie meinem Gedächtnis entschwinden: er gab sie mir in einem schlecht beleuchteten Zimmerchen, aber dem jüdischen Volke gab er diese Antwort auf den Bergen und in den Tälern Palästinas und das Volk wird sie nie vergesse n. Seinen ersten Plan hat Rußlands Untergang zerstört, den zweiten hat er durchgeführt. Ich habe seine Worte nicht aufgezeichnet. Ganz unnötig. Sie klingen mir noch heute im Gedächtnis nach. In jenem halbdunklen Zimmer in Chelsea, Mitte Sommer 1916, erklärte er mir den einfachen und herrlichen Gedanken des „Hecha 1 uz", „Was sind das" — fragte ich —

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