Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 153 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Scito 2 DIE NEUE WELT Nr. 153 Esa Verband demokratischer Zionisten V0RANZEIGE r*r beie\ , ottes dienst Im Herzl- und Chajes-Söale des Verbandsheimes findet anläßlich der hohen Feiertage ein :\.* GOTTESDlEÜ&l statt. Auskünfte ilXojrmeri;unaeh auf Betsitze ab,41. August 1930 im Verbandsheim, II., Untere Augarteftstraße 38, jeden Montag, Dienstag» Mittwoch, Donnerstag von 9 bis Uhr und abends von 8 bis 9 Uhr Tel. A-45-6-34 ruhig, daß ihm die Ehre seines Gottes Allah und der Moslimen mehr gelte als alle Wahlversprechen. Nun, da er wieder zu Hause ist, scheint ihm sein Posten wieder wichtiger als Allah. Hat der edle Wüstensohn seine politischen Grundsätze von Europa bezogen oder kann Europa von ihm etwas lernen? Eines aber steht fest: Die bösen Juden betrügen das arme, . naive arabische Volkl Wir halten Frieden.. , Die Friedenskonferenzen b^ben keinen Frieden gebracht Es kriselt in der ganzen Welt» Sowjetrußland droht permanent mit Krieg, Türken, Perser und Kurden führen ihn, in Ostasien zerfleischen sich die Chinesen, in Europa wird ohne Stillstand gerü-stetv Parteien, rechts und links, Bürger des gleichen Landes, häufen Waffen-* lager auf. Aber es gibt auch Friedensbewegungen, pazifisti-. sehe Organisationen, Sie vermehren sich sogar und kompromittieren sich rasch. So steht Kurt Hill er, Assimilationsjude reinsten deutschen Wassers, Paneuropäer^ Apostel jenes sich um Professor Förster scharenden Pazifismus, der während des Weltkrieges so viel Läxim schlug, in Kampfstellung gegen denselben, Professor Förster, dem man nichts weniger vorwirft, als, daß er in D,eutsdH land Frieden predige, sich aber* für seine, pazifistische ' Propaganda von so — militaristischen Regierungen, wie*; Frankreich, Polen, Tschechoslowakei usw. Geld . hole. Dieser „Pazifismus" scheint sich nun in Mißvergnügen. auflösen zu wollen. Aber es sind gleich andere da: Studentenverbände, Frauenligen, Gesellschaften-- für Menschenrechte und' schließlich — die diversen Religionsvertreter. In Genf ist jetzt ein Int e r ri ä t i o n a I e'■$> E x <Ak u*t rv k o m i t e e zur "Vorbereitung einer W el tk on.fe r en z für den internationalen Frieden durch, die Religionen zusammengetreten. Am grünen Tisch sollen Katholiken, Protestanten, Vertreter des Islam, der Juden, des Buddhismus Beratungen abhalten. Sogar ein Name ist schon da: Church Peace Union! Die Judenheit . braucht wohl gelegentlich dieser Konferenz durch ihren Vertreter kein' demonstratives Friedensbekenntnis abzugeben. Wir führen keine Kriege, wir rüsten nicht, wir haben keine Priester, die Waffen segnen, wir haben keinen Appetit auf fremde Länder Und' Meere. »Unsere*'5Werke in der*-Gesdtichte vwaren Friedenswerke. Unser neues Werk in Palästina ist ein Friedenswerk. Dafür sind wir seit zweitausend Jahren mit Mord und Tod belohnt worden, mit Folterung, Verbannung, Zerstreuung. Auch jetzt noch. In Palästina führt der Islam gegen uns blutigen Krieg. In der Zerstreuung hetzen christliche Völker wüst zum Pogrom, siehe Rumänien von gestern und heute. Wo bleiben die friedenstiftenden Religionen? *■ Ziegelheim & Co. Bei jedem Volke sind Menschen anzutreffen, welche sich gegen die Ehre und die Sicherheit ihres Volkes ver* fündigen und aus dieser Versündigung Vorteil ziehen. in der Regel sind diese Menschen bemüht, ihr Handwerk im Dunkeln zu treiben. Aber auch in dieser Hinsicht sind wir Juden ein abnormales Volk. Bei uns gehen diese Menschen in die Sonne. Die Sowjetregierung raubt den russischen Juden Heiligtümer, geistliche Schätze, ihre hebräischen Bücher. Und verschachert diese Beute im Auslande an Juden, durch Juden. In Wien hat ein frommes Blatt gegen diese Schande Stellung genommen und die jüdischen Agenten, übrigens ohne Namensnennung, an* geprangert. Statt sich zu verkriechen, im Dunkeln zu bleiben, hat sich der Verschleißer, der jüdische Ver* •chlcißer der Bücher, an denen jüdische Verzweiflung haftet, selbst gemeldet und — vor Gericht geklagt. Ziegelheim & Co. beißt die. Firma, die jüdische Firma, . welche klagt, wo andere schamhaft schweigen. Ver» krüppelte Seelen und eiserne Stirnen. Eine Druckerei in Genf gesucht! Die „Vossische Zeitung" will aus Genf wissen, daß zwischen England und dem Völkerbund ein regelrechter Konflikt ausgebrochen sei. Die Oeffenttichkeit wartet Auf die Publlalerung des Berichts der Völkerbund* kommission über die in Behandlung gewesene Palästina« frage mit $ekiettüng au! die Augustereignisse und die f&glische Ahtwöft auf diesen Bericht für die bevor* Stehende Herbstsilsött des työlkerbühdrats. De* Bericht ist fertig, Englands Antwort bereits eingelangt. Publiziert ist nichts, Ä Ende August kaum sm erwarten* :U Warum? Well der Völkerbund für die 24 Seiten de|:.rengllij^en:%.^itwoiti *- keine' Druckerei .*ttr Ver»; <^«p-j|iiiv>'Fu>/i^ln^d sucht man in Genf eine Druckerei. Der Korrespondent der „Vossischen" läßt sich. Iber nicht Muffen; er weiß, woher der Wind weht. Der Bericht ist für England ungünstig, Englands Antwort scharf. Und England will zumindest bis zum Zusammen* tritt des Völkerbundrats keinen Lärm um Palästina. Der Dilettantismus der Labour«Regierung hat England ein* im Mhftficjt Holm doreft TawIg-TapetenfabrlM A.«6M Wien, I., Schottenbastei 10 . Filiale t trtit*, Jftsult»i!ta*»e t mmtmm^mmmmmmmm^m^mm^mmmmmmt^m geseift. Zum erstenmal seit dem Bestand des Völker« Bundes traut sich dieser gegen England aufzubocken. £>ie jüdischen Proteste? Herr Shiels fährt nach Palästina,, die Herreil vertiefen sich in die Materie. Diesmal scheint die Taktik des „Auf*die«lahge"Bank*schiebens" nichts zu nützen« Schließlich wird sich ja doch im Umkreis von Genf eine Drückerei finden und die jüdische Politik da^'ier wachen müssen, daß die Setzer wenigstens im Bericht der Völkerbundkommission keine Druckfehler machen. Bis zum Herbst ist es nicht mehr weit. Es wird sich zeigen, ob der Völkerbund wieder einmal! der englischen Kabinettspolitik aufsitzt. Copyright by „Die Neue Welt«, Wien. Nachdruck und Uebersetzung nur mit Erlaubnis des Herausgebers. Theodor Herzls tragischer Kampf um den politischen Zionismus .vi. (Siehe Nr. 148 bis 152.) Wetterleuchten und Stürm vor dem II. Kongreß. Telegramm und Brief an Dr. Kaminka, die wir in der letzten Nummer wiedergegeben haben, Sind authentische Zeugen für einen — man kann sagen — irinerzionistischen Kampf Herzls um den ersten Kongreß.. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzungen sind: Prinzipielle Akzeptierung des K b n g r e ß g e d a n k e. n s als solchen seitens der'Chowewe ZiÖn einerseits und ein taktisches Eingehen Herzls auf die Erwägung der chowewezionistischen K o 1 ö n i s a t i o h s vorschlage anderseits. In diesem Sinne erhielt Dr. Kaminka das K ö 1 o n i s a t i 6 n s r e f e r a t auf dem I. Kon- In namenloses Wohlgefühl zerflossen, Kann selbst , die höchste Göttlichkeit Euch nicht Erzählen, schildern nur, waösiev genossen, So gilt macht Huber-Essig jed's Gericht. greß. Ein wichtiges Moment,' die Befürchtung der chow)ewezibnistischen Delegierten aus Rußland vor Repressalien seitens der russischen Regierung im Falle der Aufrollung der russischen Judennot,- wurde von Herzl befriedigend beseitigt, so daß Mabc »N o r d a u seine 1 historisch gewordene Länderschau cauf .dein Kongreß tagesordnurigsgemäß halten konnte;- ,vu.; : ■ (-. ,v, , Inzwischen ging, die, politische Arbeit in Wien weiter. Der heißumstrittene politische Zionismus schuf .sich, ein publizistisches Bollwerk. Es ist die erste. politisch-zionistische Tribüne, die Wochenschrift „Die Welt". Die erste Nummer wurde am 6. Juni. 1897 nachts „geboren. Der. von uns im Faksimile wiedergegeoene Brief an Dr. Kamirtka trägt bereits den Titelkopf der „Welt". Aber das Ringen war damit noch lange nicht zu. Ende. Der große, von tragischen Lichtern durchzuckte.:Kampf( entjbrariiite von neuem, als die auf dem I., Kongreß; .(pingesetzte. Kolonisationskommission in; ihre Funkition eintreten sollte. Wieder tritt Dr. Kaminka auf den Plan, um das Losungswort für den. Kampf gegen Herzls nun erst recht mit aller Macht einsetzenden p 61 i t i s c h e ri Methode Auszusprechen, t"**;.v ..'v:' Die Kolonisationskommission, dei u.. a, auch Dr. Kaminka angehörte, brachte die durch den I. Kongreß latent gemachten Spannungen wieder an die Qberfläcbe. Als es zur Festsetzung der Tagesordnung zum II. Kongreß kam, legte Dr. Kaminka bestimmte Vorschläge vor, die nach seiner ' Ansicht 'von Herzl diktatorisch, niedergehalten, d. h. nicht einmal zur Abstimmung gebracht Wörden seien, obwohl die „Welt" die Tagesordnung als einstimmig angenommen verzeichnet. Das, was mühselig geleimt wurde, will in die Brüche gehen. Dr. Kaminka richtet an das hebräische Zentralorgan der russischen Chowewe Zion „H a m a g i d" einen Offenen Brief, der, die eigene psychologische Situation beleuchtend, zum Signal eines kaum geahnten St.ur.ms wird» der Herzl quf seinem tragischen Weg zur Befreiung des jüdischen Volkes manche bange Stunde bereitet fcaben muß. Wir lassen nun Dr. Kaminkas Offenen Brief zum erstenmal in deutscher Uebersetzung nachstehend folgen: Hamagid, Nr. 17. 7. Jahrgang, Donnere tag» 5. V. 1898. AI daath hamakora we'al daath rakahal. (In seinem Namen und im Namen der Gemeinde. Ginleitungsworte zu Kol Nidrej.) „Mein Freund! Die Nachricht, die Du über die Versammlung in Wien in Dingen des Kongresses (der beschlossen haben soll, die Kolonisation in Angriff zu nehmen) in der letzten Nummer gebracht hast, ist leider nicht richtig. Da Du auch meinen Namen unter den Eingeladenen aufzählst — ich war ja auch wirklich dabei *—■, bin ich gezwungen, meine Anschauungen über da» Vorgehen Herzls und über die Vorbereitung des künftigen Kongreeses öffentlich mitzuteilen, damit die Chowewe Zion nicht glaube, daß die Tagesordnung mit meiner Zustimmung festgesetzt wurde und daß die praktische Kolonisationsarbeit wirklich die Oberhand haben werde." „Im vorigen Jahr arbeitete ich mit Dr. Herzl an der Vorbereitung des I. Kongresses. In der in Karlsbad stattgehabten Vorkonferenz bewog ich die Chowewe Zion aus Rußland zur Anteilnahme, damit die Zahl der Mäßigen, Praktischen auf dem Kongreß in Basel größer sei. Ich habe auch das Referat über Kolonisation im Lande Israel übernommen (auf Ersuchen Herzls) und auf seinen Vorschlag hin wurde in Basel ein Komitee gewählt mit der Aufgabe der, Führung der praktischen. Arbeit des Jischuv und der Wegräumung aller Hindernisse. Jetzt, da der Lärm des Kongresses vorüber und die Zeit der Arbeit da ist, bin ich betrübt, sehen zu müssen, daß es dein Komitee unmöglich ist, auch nur das geringste zu tun, aus dem Grunde*.-W.ei 1 £>. *'.:z 1-h 5 q l;u t g e g,e n ...J e,d e p ra-k t i sch e, Jis-ch u v- A r beit is t und sie n.u r wie eine Milchkuh, verwendet, um die Zahl der Anhänger des politischen Zionismus zu vermehren." „Trotzdem habe ich nicht öffentlich Kritik geübt und den Mitgliedern des Kolonisationskomitees, die .auf der Durchführung des Kongreßbeschlusses im Sinne von Kolonisationsbemühungen bestanden, erklärt,. wir dürften nichts gegen Herzl und seine Freunde unternehmen und müßten biß zur Vorbereitung des Ii. Kongresses warten, Aber jetzt, nach meiner Anwesenheit in Wjen, bin ich überzeugt, daß Achad Haam recht Hatte, als er das Herzl-System „eine im Kreis sich drehende, zum Kern nicht vordringen wollende Maskerade nannte, die sich die Kräfte des, Gegners für eigenes Er s .t a rken zunutze macht. Di «Hilfe für Israel wird nicht von solcher Diplomatie kommen. (Haschiloach, Heft 14, S. 103.)" „Die Führer in Wien haben das ganze Jahr über nichts getan. Ihre ganze Arbeit erschöpft sich iin Sammeln, von Schekalim;, in Ausgaben für Sekretäre, Druck-;sorteri usw. Sie haben keinen Finger für die praktische Arbeit gerührt und verstanden auch nicht, etwas für die Verbreitung des zionistischen Gedankens bei den angesehenen Juden des Westens zu tun, obwohl das Jahr zur Gewinnung bedeutender Menschen für die Chibath Zion und die nationale Auflebung in Oesterreich, Frankreich und in anderen Ländern sehr geeignet war." „Herzls Schüler schadeten auch viel dem Gedanken der jüdischen Auflebung an und für sich, indem sie, auf die Spuren des Messias hinweisend, in ihrem Benehmen Geschmacklosigkeiten an den Tag legten. Bedeutende Juden in Wien führten vor mir Beschwerde darüber, daß bedeutende Menschen die zionistische Bewegung, auf die sie vor einem Jahr noch mit Liebe blickten, jetzt-hassen. Auch die Zionisten dieser Art in Berlin, Köln usw. taten das gleiche. Herzl selbst fand ich vergnügt und zufrieden über das Große, das er erwirkt hat, und er betrachtet, fern von jedem Verstehen des wahren Judentums, alle großen Rabbiner, Gemeindevorsteher, jüdischen Gelehrten, alles, was in unserer jüdischen Welt geschieht, für wertlos wie eine hohle Nuß." „Er hat kein Teil am jüdischen Gott, sondern nur am Altar, auf dem er opfert. Sein Wesen besteht darin: L'etat c'est moi, Wer dem widerspricht, begeht Blasphemie. Ich verlange nicht von ihm, daß er in Talles und Tefillin vor uns stehe und die ganze Thora einhalte — wiewohl ein jüdisches Hirn nicht verstehen kann, daß ein Mann, dem der Geist des Judentums überhaupt fremd ist, an der Spitze der nach Zion Zurückkehrenden stehe und ein Erlöser Israels werde, Ich verlange ■ih