Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 153 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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<J $ Pralf SS droit V.b.b. BEZUGSBEDINGUNGEN. Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vieiteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vleHdjdhrrg Dinar 40.— : Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. BEZUGSBEDINOUNOEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien tnottak lieh Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 1.20. Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—. Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schwerer HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Francs ISO vierteljährig Schweizer Francs iM REVUE Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erscheint reden Freitag 4U< ( i > ' Jahrgang 4 Freitag, den $2. August 1930 » i i ' mm*mTmmmmmmimmmmm**mmm^ Nr. 153 Em Sdrifksakjahr für das jüdische Volk« Von Dr. Oskar Rosenfeld (Wien). In wenigen Tagen tritt in "Berlin das Aktionskomitee der Zionistischen Welt- , Organisation zusammen. Eine traurige Bilanz liegt vor ihm. Wird er Mut und Kraft finden, die Schlüsse aus dieser Bilanz zu . ziehen, mit dem bisherigen System und der bisherigen Führung zu brechen? Der August des Jahres 1930 schließt ein schicksalsschweres Jahr für das jüdische Volk ab. Für uns, die wir als unmittelbare Zeugen die Ereignisse in ihren tatsächlichen Wirkungen nicht abwägen können, muß dieser Zeitabschnitt als ein Unglücksjahr erscheinen. Es ist zweifellos ein Jahr unerhörter geschichtlicher Dramatik, wie es das jüdische Volk zweifellos seit Jahrhunderten nicht mehr erlebt hat. Die moderne Geschichte des judischen Volkes wird von den Aktionen der durch Herzl gegründeten Zionistischen Organisation getragen, so daß die Geschicke dieser Organisation und ihres Aktionsvaclius, d^S; P a 1 äs t i l^o^l^rri,^ - identischsjjuj.. mit den Geschicken des^jüdischen Volkes in aller Weif;. , ,;' ' ■ -a ■ Als im August des Vorjahres die Zionistische Organisation ihre zum erstenmal hv der Galuthgegehichte für das jüdische Volk völkerrechtlich gewährten und von ihr getragenen politischen Prärogativen an eine Körperschaft abgab, in der sie nur ein mitbestimmender Faktor ist, jubelte man ob der „E i n i g u n g" im Volke Israel. Man ahnte nicht, : daß dem Jubel unmittelbar tiefer Schmerz folgen wird. Mit der Wucht eines Elementarereignisses brach über die ahnungslosen Häupter der jüdischen politischen Geschäftsführung die arabische Revolte ein. Mit einem Schlag schien das mühselig vom jüdischen Volkswillen aufgebaute Werk ins Wanken geraten zu sein. Nun jagte schicksalshaft eine Hiobsbotschaft die andere. Der Mann, . mit, dessen Namen die Restaurierung des alten jüdischen Rechtsanspruches auf Palästina für ewige Zeiten verknüpft ist, Lord James B a 1 f o u r, starb und schuf durch seinen Hingang den an seiner Deklaration maulwurfartig nagenden Elementen Platz. Ein stärkerer Schwertstreich folgte, Wuchtiger als die Araberrevolte,' tief ergehend als der Tod ßalfours: Die von der Labour-Regierung eingesetzte Untersuchungskommission über die Palästina- Ereignisse erstattete einen Bericht, den Shaw- Berichtj der den Versuch einer völligen1 Deinolierung der jüdischen Errungenschaften in Palästina mächt. Die politischen Auswirkungen dieser Ereignisse finden ihren vorläufigen Abschluß in der Sistierung der jüdischen Einwanderung nach Palästina und in dem inaugurierten Anschlag auf den freien jüdischen Bodenerwerb in Palästina, wie er durch die Entsendung eines sogenannten Experten — die Simpson-Mission — angedeutet ist. AU diese Schläge, die . einander ablösenden Niederlagen, waren Prüfsteine auf Lebenskraft und Uqgqbröchenheit des. jüdischen Volkes. Fürwäh.r!; Ein Wunder dieses in aller Welt yörstreute,' nieder-, gehaltene^ , scheinbar . ohnmächtige Volk. ' Seine' F ü h r e r, beliaftet mit der' unglückseligen Tradition; des. G a 1 u t h, ,ü n f v e i in ihrem Erkennen undj Willen,, skeptisch in 'ihren Entscheidungen, /sich selbst persiflierend, boten der Welt ein Spiel , der Widersprüche, der UnentschlösseriHeit, des Defaitismus. Die „Einigung" in der erweiterten Jewish Agency sah nicht so harmonisch aus, wie sie sich präsentiert hatte. Die He^Mjciaften fechten einen Kompetenzstreit aus. Mit gebrochenen' Gliedern lag die zionistischelÖr g a n i s a t ion Amerikas da, die. Hauptitägenn des palästinensischen Aufbaues, das als Endergebnis des Konflikts statt der versprochenen Dollarmillionen. Die verschiedeneu Tagungen der. legitimen Vertreter des Volkswille,ns, , der zionistischen Orgasationskörperschaften, konnten sich zur Tat nicht aufraffen.. Weizmann w^^e gehen, sa^t man., Aber man ließ ihn nicht, saj^Vman. Aber; ein Wunder dieses Volk! Gewaltig, wie nöch hieraffte es sich auf. Noch nie wie in diesem Jahr sah die Welt solch heroische Willenskundgebungen der Juden. Der gesamte Jischuw Palästinas stand wie ein Mann tapfer, treu und unbeugsam gegen seine Widersacher. Der ^Proteststreik und die Maßnahmen der. Körperschaften in Erez Israel werden ein Ruhmesblatt des neuen jüdischen Landes bleiben. Ueberall, wo jüdische Massen wohnen,, durch jedes Land und durch, jed^e Stadt tobte ein P'roteststurni gegen die Bedrohü^, der Grundfesten <Jes Zionismus. -'•' ' / '•■ '". ''r' -; ' © sehen Gnüp^fen "zu "ve>£#chnenj, diejseit"' Jahr. und Tag die herannahende Katastrophe; gesehen, vor ihr gewarnt und Abwehnnaßnahmen ^erlangt haben. Der Sieg der von Oberrichter Louis B r a n d e i s in Amerika geführten Gruppe scheint uns die erste Etappe zur Wiederherstellung der Schlagkraft des amerikanischen Zionismus und in weiterer Folge zur Umwandlung des Gerichtes der Zionistischen Weltorganisation zu sein. Die machtvolle Kundgebung der Z i o n ist e n- Rev.isio.his t e n in Prag, die dort verkündeten Wichtige Neuerscheinung l nitna In u!l|5rem Verlage erscheint soeben: . . MACHSOR (Festgebete für die hohen Feiertag«! mit vollständigem, ungekürztem Texf, mit einer neuen Uebersetzung von Prof. Dr. Jakob Bronn er, Wien Diese neue Uebersetzung zeichnet sich vor allen arideren, bisher vorhandenen durch ihren modernen Stil und ihre Klarheit aus. 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Alle Symptome, sind dafür vorhanden, da0 es die Konseqenzen ziehen will. >-.•-: Der kömmende Zionistenkongreß wird es, be« stätigen. " RUNDSCHAU „Schwer zu sein ein Israelite." Das deutsche Judentum ist. in Verwirrung geraten. Der mächtig angeschwollene, sich täglich betätis gende Antisemitismus, sichtbar geworden im Anwachsen der nationalsozialistischen Pogromisteiij bringt jene' Ge* meinschaft ins Wanken,. die innerhalb der Weltjudenheit Träger und Lehrer des .Assimilationsgedankens war. Das an der Wiege der Mendelssohrischen „Aufklärung" ge* standehe „Hepp*Hepp, Judl" ist wieder (am Kulminations« punkt der Assimiliertheit) erstanden. Das deutsche Juden* tum fühlt sich um 150 Jahre betrogen; nichts geworden aus seinem ' Willen, in. die deutsche Gemeinschaft ein« zugehen; nichts gewonnen durch die kolossalen Leistungen für deutsche; Kultur, Wissenschaft und Staat. Dieses deutsche Judentum steht heute dort, von wo es aus* gegangen ist. Wie ein trauriges Märchen lesen sich die Aus* lassungen, die man in den bewußt assimilantistischen und in den schon „assimilierten" jüdischen Presseerzeugnissen findet. Der Bankrott der demokratischen Partei in Deutschland, ihre Fahnenflucht, fordert nun auch unter den deutschen* Israeliten Opfer. Und in heilloser Angst suchen sie, die Männer der Industrie, des Handels und der Finanz, Zuflucht bei; Sozialdemokraten und.1 Kommunisten. . So fordert z. B. ein Heinz. Liepmann in - der Berliner Wochenschrift „Die Weltbiihne'V daß endlich etwas' getan werde. Er sagt: „Ich glaube, daß die Bemühungen anti* semitischer Rechtsorganisationen allmählich organisch zu nichts anderm führen können als zu einer Ent* .ass-im.il a t i'o n, zur Reo r g a n i sI i e r u ng j ü d i3 s,q h'e n S e p a* r a t i s m u s. Dagegen und. n u:r d a g e g e n mvß etwas getan werden. Alles andere ist u n w i c h t i g." '"• . 1 l .! ' ■ ■ : ' ■ ' . mm*mmmm*mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Und im Zusammenhang damit empfiehlt . er, von den Mittelparteien weg zu den Linksparteien zu, stoßen. Di© gestern deutschdemokratischen Patrioten * sollen morgen Sozialisten sein! Sozialisten um jeden Preis! Genau' fesche Sozialiston wie sie frisch*fromm*fröhlich*fwi deutsche Demokraten waren. Ein groteskes Märcbenl Vor ein nichts haben diese Herren so sehr Angst, >wje vor der Entassimilation, davor, daß die deutschen Juden —•>. Juden bleiben. Der edle Bürgermeister der Heiligen Stadt. Jerusalem, 16, August. Das Jerusalemer Tagblatt rtDoar Hayom" teilt mit, daß der Bürgermeister vo.n Jerusalem, N a s h a shihi, der von der jüdischen Bes» :völkeruhg Jerusalems wegen seiner Teilnahme an^ der antij irdischen arabischen Politik (Nashashibi war bekanntlich einer der Führer der London*Delegation der arabischen Exekutive) stark angefeindet wird, in einem 'Gespräch mit dem Präsidenten des Waad Leumi, Pirichäs ''Rutenberg, sich bereiterklärt hatte, einen weniger! feindlichen Standpunkt gegenüber den Juden und ihren Bestrebungen einzunehmen, wenn sich die Juden seiner neuerlichen Kandidatur auf den Jerusalem^r Bürgermeisterposten nicht widersetzen würden. Herr Nashashibi, der Araber, ist seinerseit'mit Hilfe * der' Juden. gegen einen stammesgeriössisphen Bewerber ' zum Bürgermeister von Jerusalem gewählt worden. Er hatte natürlich vorher den jüdischen Wählern das Plaue ' vom Himmel versprochen. Nachher begab er sich' ganz ' gemütlich, 'unter Führung des judenhetzerischen Größmufti ' nach London, um dort vor der englischen Regierung-und dem englischen Volke , die Judenniörder von Safed ' und Hebron zu verteidigen und die Austreibung der Juden aus Palästina zu verlangen. Als ihm die jüdischen Wähler sein Wahlversprechen vorhielten, antwortete er seelen- <! i * 1'/' j..- I!' : l'; ( V ] K i . » - f •.'»..'! i I l »H Hi \p\\ t-iii