Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 152 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 152 OIC NEUE W£L\ Seffe t * , n<...........»♦»»>»♦»»♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦+♦»♦♦+< MISRACHI-ZENTRALE//MERKAS ZEIRE MISRACHI PÜR OESTERREICH ^fV»»»^»f»t»»»»»***'»»^»''>**fl|> Otonttaa« den 19. August 193Ö, um 8 Uhr *bds., Im fSrtM«! *aa Molol C«ftttfM*t*l, Wien II. Taborstraße Nr. 4! MASSENMEETING RIO NIRl Rabbi Malr ftarlln, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency und Präsident der Mlsrachi- Weltorganisation ßejmdeputierter H. ParbataJn, Präsident dör Warschauer Kultusgemeinde Abg. Rabbiner Dr. Nurok (Riga), Mitglied des Aktionskomitees Rabbiner Saaw Gold (New York) Rabbiner M. Amlal (Antwerpen) Dr. A. Barth (Berlin) mt tt M „, ti M. Schaplra (Jerusalem), Mitglied der Weltexekutive des Misrachi A. Naulald (Warschau), Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees flaT" IRSCH UNIT IN M ASSI NU* *»■ ^..........................<M.....M»M.........MMI» Distriktspolizei von Kischtnew Vorkehrungen, um den jüdischen Flüchtlingen eine gesicherte Rückkehr in ihre Häuser zu ermöglichen. Innenminister will bemänteln. Bukarest, 3. August. (J. T. A.) Mehrere Vertreter ausländischer jüdischer Organisationen, und zwar Morris Waldmann vom American Jewish Committee, Zwi Aberson vom Jüdischen Minoritätenbüro beim Völkerbund, der Vizepräsident der Föderation bes* sarabischer Juden in Argentinien, Moses Helman, Philip Bernstein vom Amerikanischen Jüdi* sehen Kongreß, und der Sonderkorrespondent der ITA, S m o 1 a r, werden sich dieser Tage zusammen mit einigen jüdischen Deputierten Rumäniens in die von den judenfeindlichen Ausschreitungen betroffenen Gebiete bc* geben, um die Lage an Ort und Stelle zu untersuchen. Zwi Aberson wurde vom Innenminister V a i d a V o e v o d empfangen, der auch ihm gegenüber hervor» hob, daß seine eigene Politik und die Politik des Gesamt* kabinetts von Antisemitismus absolut frei sei. Es gäbe Antisemitismus im Lande, aber dieser sei eine Erb* schaft der liberalen Partei. Vaida betonte, daß er und die Regierung pflichtgemäß alles tun, um weitere antijüdische Ausschreitungen zu verhindern. Amerikaner prüfen die Lage. Berlin, 7. August. (J, T. A.)' Herr Morris D. Wald* m a n n, Sekretär des American Jewish Com* m i 11 e e, der während der letzten zwei Monate zweimal in Rumänien geweilt, eine Anzahl der von den letzten antisemitischen Exzessen betroffenen Orte persönlich be# sucht und eine grundlegende Prüfung der jüdischen Lage in Rumänien angestellt hat, gab gegenüber einem Ver* treter der Jüdischen Telegraphen*Agentur in Berlin eine Erklärung ab, die in der Feststellung gipfelte, daß die in der Presse erschienenen Berichte über antisemitische Exzesse in Rumänien durchaus nicht übertrieben seien und daß die Regierung für die Exzesse verantwortlich ist, weil sie nicht rechtzeitig die antisemitische Agitation, aus der eine rapid um sich greifende Anarchie hervor» wuchs, unterdrückt hat. Die Beobachtungen des Herrn Waldmann sind nicht nur darum von Bedeutung, weil sie auf einer außer* ordentlich sorgfältigen Prüfung aller einschlägigen Tat* Sachen beruhen, sondern auch darum, weil er eine der bedeutendsten jüdischen Körperschaften in den Vereinig* ten Staaten, das American Jewish Committee, vertritt, dessen Präsident bekanntlich (als Nachfolger des ver* storbenen Louis Marshall) Herr Dr. Cyrus Adler ist, und dem ferner bedeutende Repräsentanten des jüdischen Lebens in den Vereinigten Staaten, wie z. B. Julius Rosenwald, Felix M. Warburg, der Vizegouverneur von New York Colonel Herbert H. Lehmann und Richter Abraham A. Elkus, angehören. Das Statement des Herrn Morris Df Waldmann lautet: „Bei den Presseberichten über die antisemitischen Exzesse in Rumänien handelt es sich weder um Ueber* treibungen, noch um Entstellungen. Die Exzesse waren zweifellos hervorgerufen und organisiert durch antisemiti* sehe Agitatoren, die in der Bauernschaft Boden für ihre Propaganda fanden. Ich bin überzeugt, daß diese Exzesse, die Rumäniens Prestige und Kredit ernst» lieh beeinträchtigen, sich nicht ereignet haben würden, hätte nicht die Regierung gewisse Studenten* Organisationen und sogenannte patriotische Kongresse unterstützt und hätte sie nicht aus einem Mißverständnis der Presse* und Versammlungsfreiheit heraus, gezögert, die illegale antisemitische Propaganda zu unterdrücken. Das Innenministerium, dem die Polizei untersteht, und das Kultus* und Unterrichts» ministerium, das Studenten, Lehrer und Priester kontrolliert, tragen eine besondere Verant« Wartung. Die Ordnung ist gegenwärtig wieder herge* stellt und die letzten energischen Maßnahmen der Re« gierung deuten darauf hin, daß die Regierung sich end* lieh vergegenwärtigt, daß die zahlreichen a n t i* jüdischen Manifestationen des letzten Jahres, die sie als sporadisch, geringfügig und harmlos anzusehen vorgab, rapid zu einer um sich greifenden Anarchie führten. Borscha ist ein tragisches Zeugnis dieser Haß* Propaganda unter der sonst freundlich eingestellten Bauernschaft, die, aufgehetzt, die ganze jüdische Be« völkerung der Bukowina, Transsylvaniens und Besiarabiens monatelang terrorisierte. Im Gegen* Satz zu dem ersten Bericht der lokalen Regierung!» beamten, daß es sich bei dem Brand in Borscha um einen Unfall handelte, spricht ein überwältigender Indizien« beweis für eine sorgfältig vorbereitete Brandstiftung. Ob» gleich vier Wochen seit dem Brand verstrichen sind, ist den Betroffenen keine Hilfe gewährt worden, ausg<» nommen 2500 Dollar, die als erste Hilfe von der Re» gierung gewährt worden sind, und einigen hundert Dollar, die das Transsylvanische Jüdische Notstandskomitee auf» gebracht hat; dies angesichts eines Schadens von 300.000 Dollar und der Unterbrechung jeder Erwerbsmöglichkeit. Es sind keinerlei Schritte ergriffen worden, die Obdach» losen unterzubringen oder niedergebrannte Stadtteile wieder aufzubauen. Hunderte Juden hungern buchstäblich. Viele leben in den Kellern der zerstörten Häuser unter Verhältnissen, die jeder Beschreibung spotten. Wenn nicht sofort Hilfsmaßnahmen ergriffen werden, befürchte ich, daß, eine Seuche nicht nur die jüdische und nicht» jüdische Bevölkerung von Borscha dezimieren, son# dern sich wahrscheinlich über andere Gebiete ausdehnen wird. Die Lage erfordert gebieterisch eine Aktion der rumänischen Regierung und des Roten Kreuzes." Protest der Alliance Israelite. Paris, 6. August. (J. T. A.) Die A11 i a n c e I s r a e* Ute Universelle richtete durch ihren Präsidenten Sylvain Levy ein Schreiben an den rumänischen Minister» Präsidenten Maniu, in welchem ausgeführt wird: Die ernsten Ereignisse, deren Schauplatz in den letzten Wochen verschiedene Teile Großrumäniens, insbesondere Transöylvanien und die Bukowina, gewesen waren, haben im gesamten Judentum, besonders unter den Juden Frankreichs, tiefe Besorgnis hervorgerufen. Jüdisches Leben und jüdisches Hab und Gut sind gefährdet. Wir sind um so peinlicher durch die Vorgänge überrascht worden, als Seine Majestät Klönig Carol anläßlich seiner Thronbesteigung feierlich proklamiert hatte, daß er für die Sicherheit und Gleichheit aller Untertanen ohne Unterschied der Religion sorgen werde. Wir haben die Pflicht, die rumänische Regierung zu benachrichtigen, daß wir wegen der durch nichts zu rechtfertigenden Gewalt* tat gegen eine friedliche Bevölkerung, die den Wunsch hat, an der Wohlfahrt des Landes mitzuarbeiten, tief be* trübt sind. Wir ersuchen Sie, einer Haßkampagne ein Ende zu setzen, die den Interessen und dem guten Namen Rumäniens schädlich ist, sowie wirksame Maß* nahmen zum Schutze von Leben und Eigentum der jüdi* sehen Bevölkerung zu ergreifen,-;schließlich die Opfer der jüngsten Attentate zu entschädigen. Wir. hoffen, daß die Regierung ihre Pflicht wird tun können und wollen. Kalt/ ruhig und logisdtv Von Vladimir Jabotinsky (Paris). II. Eines hat anscheinend die zionistische Welt ver» standen: daß eine wirklich zionistische Kolonisation sich nur unter einem gewissen politischen Regime entwickeln kann, und daß sie ohne ein entsprechendes Regime sich nicht entwickeln kann, wie groß auch dabei unsere An* strengungen und unsere Geldmittel sein mögen. Das kennt der Jude bereits in* und auswendig. Und die berühmte „staatsmännische" Theorie, daß man die Politik vergessen und „Maasser" sammeln soll, scheint begraben zu sein. Aber eine andere Illusion von gleichem „Staats* männischen" Schwung und Wert ist noch nicht begraben. Sie besteht in der Konzeption, die ebenfalls zu einem Heiligtum gemacht wurde und mit Banndrohungen be* schützt wird. Sie lautet: „Verlaßt euch auf die Zeit. Die Zeit arbeitet für uns. Wenn das Regime, das in Palästina herrscht, keine großzügige Arbeit zuläßt, wollen wir uns mit Kleinarbeit begnügen und versuchen, diese Kleinarbeit 3)as idealste und einzig^Verläßliche für I 3hre gesamte Wäsche ist COKTOR-BALTHASAR S PURIN Wlascht äsche eiss GRO-(J j/CMEN > Gratisproban arliagan für Jedermann bai Ihram Kaufmann odar direkt xu basiehan durch dl« P«. A. WAUWBR, Wlati II, OroBa Sparlgataa 31 a . Ihr tiganhaim bauen Sie am besten durch die ,OBUf Ottterfeichitehe Bauu. 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Wachsen und immer stärker werden in Palästina wäre ein recht angenehmer und nützlicher Pro« zeß, — wenn wir die Sicherheit hätten, daß der Profit $ines derartigen Wachstums größer ist als der mit ihm verbundene Verlust. Weil in unserem Wachstum auch eine Verlustseite enthalten ist, — und das weiß und sieht ein jeder. Wir zwingen die Araber mit uns zu wachsen; wir selbst stoßen sie in jeder Hinsicht vorwärts, in der Zahl, in der Bildung, im Selbstbewußtsein, in der Organi» sation und einfach im Geldreichtum. Und die elementarste ' wirtschaftliche Vernunft verlangt, daß wir uns einen Augenblick überlegen: was geht schneller — unser Wachstum oder das von uns verursachte Wachstum der arabischen Kräfte? Tatsachen sprechen eine eindeutige Sprache, und es verlohnt sich, über sie nachzudenken. Wir wissen, zum Beispiel alle, daß vor dem Kriege die nichtjüdische Be« völkerung Palästinas sich nicht so schnell vermehrt hat wie jetzt. Unsere eigene „Hadassa" hilft ihr, die von uns ausgetrockneten Sümpfe helfen ihr, und die Regierung nutzt die durch uns vergrößerten Einnahmen für sanitäre Arbeiten zugunsten der nichtjüdischen Bevölkerung aus. Derselbe Faktor — die durch uns vergrößerten Einnahmen — gibt der Regierung die Möglichkeit, wesentliche Sum« men für das nicht jüdische Schulwesen auszugeben. Ein anderer Faktor, ein „ImponderabiIien"»Faktor ist vielleicht Bei intelligenter jüdischer ^Familie mit einem Kinde Schüler(in) beste Aufnahme Große, geräumige Wohnung, eigenes Zimmer Unter „Stadtnähew an die Exp. dieses Blattes noch wichtiger: der Einfluß unseres Vorbildes. Die Araber lernen von uns auf Schritt und Tritt: neue Landwirt» Schaftsmethoden, Nationalismus, Weltpropaganda, Organi* sation, Hartnäckigkeit, europäische Sitten. Ich sage nicht, daß man es ihnen nicht gönnen darf. Ich persönlich gönne es ihnen vom ganzen Herzen. Aber man kann nicht leugnen, daß neun Zehntel des arabischen Progresses von uns stammen, daß ohne unser Werk und ohne unser Geld sie diesen Weg nicht einmal in zwei, drei Genera* tiorien zurücklegen würden, und man kann nicht be* streiten, daß dieser Progreß sie im Kampfe gegen uns stärkt. Die Frage besteht nun darin, welcher der beiden „Wächstums"*Prozesse rascher und intensiver vor sich geht. Es genügt nicht zu behaupten: „Wenn ich in zehn Jahren in Palästina sogar nicht mehr als ein Dutzend neuer Juden haben kann, so ist das auch besser .als, nichts." Es ist eine zu einfache Rechnung. Man muß auch die Kosten berechnen. Wenn ich wegen dieses Dutzends in Palästina soviel Energie und Geld investieren muß, daß die nichtjüdische Bevölkerung proportionell zehnmal mehr davon profitiert als die jüdische, dann bin ich in zehn Jahren schwächer als heute und von Zion weiter entfernt als heute. Ich sage nicht, daß dies auch das Resultat der v e.v* gangenen zehn Jahre war. Im Gegenteil, ich glaube, daß in den letzten zehn Jahren unser „Wachstum'* größer war als das unserer Konkurrenten. Dies geschah aber aus Gründen, von denen einige sich in den nächsten zehn Jahren vielleicht und einige sich bestimmt nicht wieder« holen werden. In den ersten zehn Nachkriegs jähren waren die Araber noch Anfänger, und Anfänger lernen langsam: dies ist ein Faktor, der sldh nicht wiederholen wird. Und in unserem Wachstum in den letzten zehn Jahren spielte die Hauptrolle das Jahr 1925, als man uns erlaubte, nach Palästina 35.000 Juden hineinzubringen, — mehr als ein Drittel, fast die Hälfte unserer ganzen Vermehrung nach dem Krieg. Aber es bleibt die Frage offen, ob man uns wieder eine solche Möglichkeit, wenn auch einmal in zehn Jahren, geben wird' Jeden* ehrlichen Leser sage ich: Wenn uns die Rech« nung zur Erkenntnis gelangen läßt, daß ein? gewisser Weg nicht zu unserem Ziel führt, werden wir andere Wege^ suchen müssen. Es ist kindisch zu glaubet), daß die einzig n>ög|jjch^n Methoden gerade die sind, die wir jet^t be* nutzen, "-w MisthodJ&n, die, ohne Pia jfc <4)uM/«^«arQnfrriiii< provisiert wurden, unter dem Druckf ^d«? * Nachkrlpgsi Situation, die uns zwang, sofort zu beginnen, irgendwie irgendwas — aber sofort, und. uns nicht die Möglichkeit gab, sich umzuschauen und zu überlegen. Im Gegenteil. Es wäre ein ganz unnatürliches Wunder, wenn die Metho« dien» die ,unter, solchen Umständen, entstanden sind, sich