Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 152 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 152 als gut erwiesen hätten. Aller Wahrscheinlichkeit nach müssen sie schlecht sein, und das bedeutet, daß man bessere finden kann. Sogar wenn etwas „Keren Hajessod" oder „Keren Kajemeth" heißt, so bedeutet es noch nicht, daß darin ein Monopol auf Wahrheit enthalten ist. Ich gehe weiter: Sogar wenn der Mandatar England heißt, so ist damit noch nicht gesagt, daß es darauf ein Monopol bat Ich sehe, daß Herr Jakob Fischmann im New Yorker „Morning Journal" bereits zur Ueberzeugung gelangt ist, daß „wir keinen Ausweg haben". Ich halte diese Ueber* zeugung für übertrieben und habe ernste Gründe hiefür. Trotzdem — ich persönlich noch gar nicht davon über« zeugt bin, daß England uns endgültig verraten hat. Ich glaube, daß man oft auch eine gerechte Sache vor dem ehrlichsten Richter verlieren kann, wenn man schlechte Advokaten hat, — in solch einem Fall muß man andere Advokaten suchen, nicht andere Richter. Aber auch die Richter besitzen kein Monopol. Ebenso ist die Legende^ daß wir ohne England verwaist wären, kindisch. All das bedeutet noch nicht, daß wir die zionistischen Fonds liquidieren und England bitten .sollen, zu gehen; aber es bedeutet auch nicht, daß der bisherige Weg der einzige ist. r i In einer. Hinsicht jedoch ist es Zeit „stop 1" zu proklamieren: genug, sich' mit solchen Bedingungen be* gnügen,* wie sie in den letzten Jahren in Palästina ge» herrscht? haben. Ein bißchen Einwanderung, ein bißchen verschlossene Türen, ein bißchen Hebräisch, ein bißchen Antisemitismus, ein bißchen Pogrome, ein bißchen Selbst« schütz ... Solche Bedingungen schaffen nur ein Resultat: einen großen; Judenhaß, einen großen Pogrom, eine große Zerstörung. Und dies ist die wirkliche Gefahr, die uns heute droht. Die englische Regierung denkt gar nicht daran, sich von der Balfour*Deklaration oder dem Mandat zu entsagen. Diese Nebbich*Regierung, das Kabinett der englischen Arbeiterpartei, ist unter einer Lawine von Sorgen verschüttet und begraben, sie weiß nicht was be* ginnen und hat nicht die Absicht, in irgendeiner Richtung eine grundlegende Aenderung herbeizuführen. Ihre einzige Arbeit ist — zu flicken, einen Flick auf die englische Arbeitslosigkeit, einen Flick in Indien, einen Flick in Aegypten, in Malta — überall, auch in Palästina. Und so versucht' sie, mit ihrer Kunst des Flickens das Vertrauen jener Masse zu gewinnen, die das berühmte altenglische „Kompromiß"*Prinzip für das höchste Ideal der Staats» männischen Kunst hält. In der Palästina«Fragfc ist die Linie des „Nebbich" — ein „modus vivendi", eine zwei* deutige, „neutrale" Ja* und Nein*Methode und eine Labilität zwischen zwei Unzufriedenheiten; mit anderen Worten: genau so wie es bis jetzt war (aber minus das Jahr 1925),; und es wird genau so enden, wie das Bisherige geendet hat. Und gerade das dürfen wir nicht zulassen; Zürn erstenmal nach vielen, vielen bitteren Jahren sehen wir heute die jüdischen Massen beseelt vom rieh* t|gen Geist in bezug auf die Lage in Palästina und im Zionismus. Diesen Geist kann man in einen kurzen Satz zu^ammenfasseri:- „So darf es nicht bleiben." Dieser Geist ist ein wichtiges politisches Kapital, ein erst* klassiger politischer Faktor; wenn man ihn nur richtig be* nutzen, wird — und ihn nicht wegen einer „Ziege" ver* schwinden läßt — ist er ein mächtiges Instrument, das uns helfen kann, stufenweise die ganze Lage "zu retten. Daher .ist es sehr notwendig, nicht nur eine Warnung zu schreiben, wie ich sie heute schrieb, sondern auch not* wendig,' daß jeder Zionist und jeder Jude mit riesen* großen .Lettern auf die Wand über seinem Arbeitstisch s'jchr^ibe: „So darf es nicht bleiben!" Ob man die Zerti* fikate zurückgibt oder nicht; ob man den Juden erlauben wird, Schemel zur Klagemauer zu bringen oder nicht; ob Passfield, und Shiels grob reden werden oder süß wie Zucker — solange nicht die große, grundlegende Reform des ganzen Regimes in Palästina kommen wird, darf man sich nicht begnügen, darf man den moralischen Kriegs* zustand'zwischen uns und dem Kolonial*Ministerium nicht beenden. Weil „die Welt nach der Wahrscheinlichkeit marschiert". Wenn der moralische Kriegszustand andauert, haben wir Chancen zu siegen: der Optimist sagt „alle Chancen" (so sage i c h zum Beispiel), der Skeptiker sagt „nur einige Chancen", der Pessimist sagt „vielleicht eine Chance von hundert" — aber dennoch eine Chance. Wenn wir uns damit begnügen, was bis jetzt war, haben wir überhaupt keine Chance. Dunkle Pläne« | Labour-Regierung für eine Arab Agency. Jerusalem, 5. August. (J. T. A.) Die arabische Exekutive Palästinas hielt soeben eine Sitzung ab, in der die Mitglieder der arabischen Delegation für Londpn über, ihre Verhandlungen mit Mitgliedern der b r i t i seh e n . R e g i e r u n g, insbesondere mit dem ^^^^^^mm^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^~> LAURANA abbazia Orthod. kosch. ■■JF^iBMni^ld^fi ^Wy^CIJJ neu eröffnet Erstklassige Küche Mäßige Preise ' * ' Auf.Wunsch Prospekte i«MMeeeeMeeM«eettMe«eeMf«e«eeMeeeeee«eMe*eeeMe4 Wichtig« Neuerscheinung l -ntrm In unserem Verlage erscheint soeben: MACHSOR <P*stg«b«t« Mir die hohen raierlag«) mit vollständigem, ungekürztem Text, mit einer neuen! Uebersetzung von Prof. Dr. Jakob Bronn er, Wien! Diese neue Uebersetzung zeichnet sich vor allen! anderen, bisher vorhandenen durch ihren modernen Stil!! und ihre Klarheit aus. Der Name des Uebersetzers! bürgt für deren Zuverlässigkeit und Gründlichkeit. 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Lord Passfield, teilte Auni Bey mit, hat die von der arabischen Delegation vorgetragene Forderung nach Errichtung eines , Parlaments in Palästina zurückgewiesen, dafür aber dert Arabern als Aequivalent für die Jewish Agency eine Art Arab Agency, oder eine legislative Körperschaft mit beschränkten Rechten angeboten. Die britische Regierung, fuhr Auni Bey fort, verweigerte den Arabern ein demokratisches Regime, weil sie befürchtet, eine solche neue Ordnung würde konflikte verursachen. Wir bettelten nicht, schloß Auni Bey, sondern wir vertraten energisch unsere Forderungen, und Lord Passfield gab uns die Versicherune, daß er uns ein neues Angebot machen wird, welches unsere Hoffnungen nicht enttäuschen wird. Der Delegierte Alfred Roch gab eine Darstellung der Verhandlungen mit der englischen Regierung, die wesentlich von der Auni Beys abwich. In Passfields Statement, sa«jte Roch, war eine Institution vorgesehen, die von den arabischen Forderungen sich nicht sehr weit unterschied. Die Regierung glaubt, daß die arabischen Forderungen wirklich nicht übertrieben seien. Auni B e y griff später nochmals in die Diskussion - ein und zitierte Clemenceaus Ausruf: „Wehe der Nation, die das Schweigen wählt! ' Das Zögeirn Großbritanniens, sagte Auni Bey weiter, ist auf die Furcht vor der zionistischen Propaganda zurückzuführen. Auch Frankreich fürchtet den Zorn der Zionisten. Das Mitglied der arabischen Exekutive, Azat D a r v i z a h, forderte die , sofortige Einberufung des achten palästinensisch-arabischen Kongresses und führte hiefür das folgende Argument ins Treffen: Der siebente Kongreß hat die jetzige Exekutive gewählt und ihr den Auftrag gegeben, ein Parlament durchzusetzen. Darin habe die Exekutive versagt Darvizah verlangte auch, daß die. Nichtzusammenarbeit mit der Regierung und der bürgerliche Ungehorsam nach dem Muster der änderen Orientländer proklamiert werden. Beamte der Exekutive bemühen sich, die Extremisten zu beschwichtigen und erklärten, der High Commissioner, der demnächst ins Land zurückkehren wird, werde eine befriedigende Lösung mit sich bringen. Ein anderes Mitglied der Exekutive, Boulous S h e h a d a, sprach sich entschieden gegen die Einrichtung eines ständigen arabischen Propaganda- Büros in London aus und forderte die Einrichtung eines ständigen politischen Büros für die östlichen Länder, da England durch die Unzufriedenheit im Orient empfindlicher getroffen wird, als durch irgendwelche Klagen europäischer Mächte. Woher stammt das Geld des GroJßmufti? Jerusalem, 4. August. (J. T. A.) Auf der letzten Tagung der arabischen Exekutive hat der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin el H u s s e i n i, sein Programm entwickelt, das in den Worten gipfelte: Engere Zusammenarbeit mit den übrigen islamischen Ländern auf pan-islamischen Linien, ferner ein Pakt mit den christlichen Nationen gegen die Juden. Aus der gleichen Quelle verlautet, daß de| mufti in dieser Sitzung die Versicherung abgab, daß er4 die -Hälfte der Aktien der geplanten arabischen Bodenerwerbsgesellschaft erwerben werde. .Fragt mich n ich t, rief der Mufti der Versammlung zu, w o i c h d a s Qeld hernehm ei Aus der gleichen Quelle verluutet, daß der nationalistische arabische Führer Moghanan Ejias EJfendi Moghanan nach der Rede des Mufti seiner tiefsten Unzufriedenheit darüber Ausdruck gegeben hat, daß statt den Plan der BodenerwerbsgeseUschaft zu, fördern, der Plan einer islamisch-christlichen Allianz gegen die Juden erwogen wer (Je* * Tribüne* Ringkämpfe am Tisdia bfaw* Aus1 Bratislava wird uns geschrieben: '*• 1 „Seit.dem Bestehen Ihrer Zeitung arbeiten Sie für die .Forünty/icklung der zionistischen Idee "und verli leidigen die zionistische Anschauung gegen jejlen Feind qb von links oder von rechts, wodurch Sie sich allgemeine Sympathien erworben haben. Ein Geschehnis in Piestany am vergangenen Tischa B*aw hat^dem' Zionismus der Slowakei im allgemeinen 'und'' der dortigen zionisti5ch>misrachistischen Ortsgruppe im besonderen, einen schweren Schlag versetzt. In dem Sportbericht einer hiesigen Zeitung stand die Mitteilung, daß Sonntag, den 3. August, in Piestany ein Ringkampf stattfinde, an dem drei Wiener Hakoahner und ein Bra'tislavaer M a kka b ä e r teilnehmen. (Wie man später erfuhr, hatte die hiesige M&kkabäa ihrem Mitgliede den Start verboten.) Sie Wissen, mit welch schweren Mitteln wir kämpfen müssen, rlür Um eine Nationalfonds*Büchse zu placieren. Sie wissen, mit welchen Mitteln die orthodoxen Rabbiner gegen uns arbeiten und nun dieses Intermezzo wegen des Uebermutes einiger Jungen! Ich will hier nicht die Bedeutung des 9. Ab demonstrieren, aber ein Verein, der sich zum Ziel setzt, „der jüdischen Jugend körperlich und geistig die Idee der modernen jüdischen Renaissance» Bewegung näherzubringen", müßte ohne Zweifel über mehr Takt und Disziplin verfügen. Ich als Misrachist war über das Verhalten dieser sich Zionisten nennenden Herren sehr verwundert und hoffe, daß durch Vef öffent* lichung dieser Zeilen in Zukunft das Zurschaustellen jüdischer Sportler am Tischa b'aw unterbleiben wird. Empfangen Sie usw. b'bircharth schalom ein Bratislavaer* * „Seltsame Literaturgeschichte." In dem vöft* Herrn Dr. Ntfchuin Samonsky in' 'der „Neuen Welt" vom 8. August 1930 veröffentlichten Brief unter dem Titel „Seltsame Literaturgeschichte" (Tiriibüne) ist ein Fehler unterlaufen. Statt „ein Motiv aus der Bibel" soll es.selbstverständlich „ein Motiv aus der nachbiblischen Zeit" heißen. AUS PALÄSTINA. Plan eines großen Palästina-Exporthauses. Tel-Awiw, 6. August. (J. T. A.) Die bekannten südafrikanischen Exporteure, Gebrüder Landau aus London, treffen Vorbereitungen zur Errichtung eines Palästina-Exporthauses mit einem Kapital von 100.000 Pfund. Voraussetzung für die Neugründung ist, daß palästinensische Industrielle sich an derselben beteiligen. In der soeben stattgefundeneu Tagung der Palästina-Industriellen wurde der Plan lebhaft erörtert. Herr Sheinkar, Eigentümer der Lodzia-Textilfabrik, sprach über das Interesse, das südafrikanische Juden den Palästina-Produkten entgegenbringen. J a b 0t i n s k y wurde der Dank dafür ausgesprochen, daß er auf seiner Südafrikatour für die Palästina-Produktion erfolgreich geworben hat. Zunahme der Zahl der jüdischen Arbeiter. , - Tel-Awiw, 5. AuguSk (Ji T. Ai) Im Juni d. J.v.wacen ■> in den jüdischen . Kolonien Palästinas 6570 jüdische landwirtschaftliche Arbeiter, gegen 6529 im März' d. J., beschäftigt. In den Kolonien Judäas und Samarias, wo etwa 2000 Araber beschäftigt sind, waren 745 Juden ohne Beschäftigung. Benachteiligung der Juden« Jüdische und arabische Arbeit bei der Regierung. 94,3 Prozent der bei den Regierungsarbeiten be« schäftigten Arbeiter sind Araber, 5,7 Prozent Juden. Nach der Zählung, die die Arbeitszentrale der Arbeiterorganisa« tion gemeinsam mit dem Arbeitsdepartement der Exeku* tive der Jewish Agency im Monat Juni an 26 Arbeitsplätzen veranstaltet hat, hauptsächlich bei An» legung von Chausseen und deren Reparierung, waren bei dem Departement der Regierung für öffentliche Arbeiten 1222 arabische Arbeiter (94,3 Prozent) und nur 74 Juden (5,7 Prozent) beschäftigt. 96,1 Prozent der arabischen Ar* beiter und 37 Prozent der jüdischen Arbeiter waren bei einfachen Arbeiten beschäftigt. Unter den arabischen Arbeitern sind 156 Kinder (12 Prozent) und 73 Frauen (6 Prozent). In den Census wurden folgende Arbeiten nicht auf* genommen: a) Die Hafenarbeiten in Haifa und Athlith. bei denen 600 Araber und 100 Juden (14 Prozent) be« schäftigt sind, b) die Errichtung von Sicherheitschausseen, die in jüdischen Siedlungen auf Rechnung des Hilfsfonds und der PICA angelegt werden und an deren Ausführung die Regierung sich nur mit etwa 20 Prozent beteiligt, c) die Errichtung des Postgebäudes in Jaffa, bei denen An« fang Juni 30 Araber und 30 Juden beschäftigt waren; diese Arbeit geht bald zu Ende, d) Leiter und Aufseher bei den öffentlichen Arbeiten und Fachmänner in den Magazinen des Departements. Wochen-Kalender August 1930 3N snn Ab 5690 15 Freitag 21-*o Sabbatelogang 6.50 16 Samstag 22-as Sabbatausgang 7.49 'PI PID ,]Y>s* "icirn 'Bon ppv 17 Sonntag 2S-» 1$ Montag 24-13 19 Dienstag 25-ro » 20 Mittwoch 28-13 21 Donnerstag 27-D