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Die neue Welt · 1930-08-15 · Heft 152 (15.8.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 152 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Die Erziehung der Jugend ist eine direkte Pflicht der Gemeinden, und da die staatlichen und gemeindlichen Instanzen die jüdischen Kultur- und Bildungsinstitutionen ebensowenig stützen wie die jüdischen Institutionen für soziale Wohlfahrt, bleibt den jüdischen Gemeinden nichts übrig, als solohe Institutionen aus den eigenen Budgets zu stützen. In das Staatsbudget wurde für die Geisamtbedürfnisse der jüdischen Religion die lächerlich geringe Summe von 120.000 Zloty eingestellt. Während die Regierung für Emigrationszwecke der nichtjüdasahen Bevölkerung bedeutende Summen ausgibt, wird für jüdische Emigrationszwecke kein Zloty ausgegeben, dafür aber den jüdischen Gemeinden untersagt, die Auswanderung nach Palästina finanziell zu stützen. Die Tätigkeit der jüdischen Gemeinden in den Ostgebieten Polens ist vollkommen lahmgelegt, weil die Regierung damit zögert, eine Ausführungsverordnung zum Gemeindegesetz vom 14. Oktober 1927 zu erlassen; den Gemeinden ist auf diese Weise verwehrt, ihre Mitglieder zwangsweise zu besteuern. Eine Anzahl Gemeinden steht vor dem Bankrott, Da die Regierung zögert, eine Wahlordnung für die Wahl von Raibbinern herauszugeben, haben die Gemeinden keine Möglichkeit, vakante Rabtbinerpoisten zu besetzen. Die Regierung weigert sdoh auch, längst fällige Wahlen zu den Verwaltungen der jüdischen Gemeinden in Kongreßpolen auszuschreiben; viele Gemeindeverwaltungen sind bereits arbeitsunfähig, weil die Verwaltungsorgane fast unbesetzt sind. Der in dem Statut für die jüdischen Gemeinden vorgesehene 'religiöse Rat ist bis heute noch nicht geschaffen worden. In dem Memorandum wird die Regierung ersucht, den Bedürfnissen des jüdischen Gemeindelebens in Polen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und jene Störungen zu beseitigen, die die Entwicklung der Gemeinden hemmen und die Gemeindetätigkeit lähmer Weltkongreß für das arbeitende Palästina. Berlin, 5. August. (J. T. A.) Das von der „Histadruth haklalith" in Palästina eingesetzte Zentralbüro zur Vonbereitung des Weltkongresses für das arbeitende Palästina ist sich bereits über den Zeitpunkt des Kongresses schlüssig geworden. Der Kongreß wird am Sonnabend, den 27. September, in Berlin eröffnet werden. Zur Vorbereitung des Weltkongresses halben in einer Reihe von Ländern Landeskonferenzen für da>s arbeitende Palästina stattgefunden. In Deutschland beteiligt sich an dem Werke für das arbeitende Palästina eine Reihe bekannter sozialistischer und jüdischer Persönlichkeiten, wie Eduard Bernstein, Oskar Cohn, Fritz Naphtali, J. N. Steinberg, Dr. Arnold Zweig u. a. m, Die palästinensischen Führer der Bewegung sind Josef Baratz, Sahnan Rubaschow, David Remes und Josef Sprjnzak. In Frankreich wird die Bewegung geführt von Schalom Asch, Prof. Victor Base h, L , Je f r oy ki n,; Mi K r e i n i n , M. J a h r b 1 u m. In Polen" hat unter Beteiligung des sozialistischen Führers Emile. Van d e rvelde und der palästinensischen Arbeiterführer J. Ben-Zwi und Josef Sprinzak eine Konferenz stattgefunden, an der 850 Delegierte als Vertreter von 30.000 Arbeitern teilgenommen haben. Landeskonferenzen fanden auch in Belgien, Litauen' und Lettland unter Beteiligung von Ing. S. Kap 1 a nsk y statt. In einer Mitteilung des Kongreßbüros heißt es: Der „AllweHliche Kongreß", den die Histadruth einzuberufen beschlossen hat, soll die zweijährigen Vorbereitungen absehließen, indem er die vielen Tausende von Freunden der palästinensischen Arbeiterschaft zu einem öffentlichen Forum versammelt. Er soll eine vollzählige Mobilisierung aller Freunde des arbeitenden Palästina in der jüdischen Welt und im internationalen Sozialismus bedeuten. Von den amerikanischen Delegierten zum Berliner Kongreß haben sich die Herren Abraham S h i p l acoff, Mitbegründer der jüdischen sozialistischen Bewegung in Amerika, A. H a m 1 i n, Generalsekretär des nationalen Arbeiterkomiteee der organisierten jüdischen Arbeiterschaft Amerikas, und der Generalsekretär der jüdischen Gewerkschaften in Amerika, Finestone, an Bord des „Leviathan" nach Europa begeben. Das nationale Arbeiterkomitee Amerikas repräsentiert rund 250.000 organisierte jüdische Arbeiter. Unter BrandezV Einfluß I Späte Erkenntnis New York, 8. August. (J. T. A.) Louis Lipsky, der frühere Vorsitzende und jetzige Vizevorsitzende der Zionistischen Organisation Amerikas, hat heute, unmittelbar vor Antritt seiner Reise nach Berlin, ein Statement erlassen, in welchem er darüber klagt, daß die erweiterte Jewish Agency ungleich zusammengesetzt sei, die Teilhaberschaft der Nichtz i o n i s t e n überwiegt, wenigstens soweit es sich um die amerikanische Sektion handelt. Auch ist die Jewish Agency nicht durchorganisiert und wirkt nicht repräsentativ genug. Die Hoffnungen, daß die Nichtzionisten bestrebt sein werden, die Kräfte des jüdischen Nationalheims zu erweitern und zu verstärken und aktive Exponenten beim Aufbau Palästinas zu werden, sind enttäuscht worden. Louis Lipsky schließt sein Statement mit dem Bemerken, er vertraue darauf, daß die Berliner Tagungen heilende Maßnahmen beschließen werden. WasBri'f h Schalom anregt Jerusalem, 8. August. (J. T. A.) Der Brith Schalom hat neuerdings Schritte zur Förderung des Friedens zwischen Arabern und Juden in Palästina ergriffen. In Verwirklichung der vom Unterhausmitglied Harry S n e 11, Mitglied der Shaw-Kommission, gegebenen Anregung, in allen Städten und Dörfern Palästinas, in denen Araber und Juden zusammen leben, binationale Komitees zur Förderung der gegenseitigen Achtung und Freundschaft zu bilden, hat Brith Schalom Oflh. ifc>3 sowie diverse Käsesorten in feinster Qualität, streng verläßlich, Nthtrt Stauffer * Söhn«« Küsafabrlkan Sopron - Ungarn Vertretung: Ludwo Sc hl sc Ii a, Wl«n II, PralarstraB« M Telephon R 43-7-Ä7 beschlossen, Seminare zum Studium Palästinas, der jüdischen Kolonisation, der arabischen Bodenkultur, der Fragen der Gesundheit und des Unterrichtes sowie der Frage, wie jüdische und arabische Selbstverwaltungsinstitutionen auf der Grundlage eine binationalen Regierung entwickelt werden können, einzurichten. Ein Entwurf praktischer Maßnahmen zur Besserung der arabisch-jüdischen Beziehungen wird ausgearbeitet. Gegen die jüdische Industrie Palästinas* Jerusalem, 8. August. (J. T. A.) In der' letzten Sitzung des Waad Leumi brachten die Zionisten- Revisionisten zur Sprache, daß die Regierung die Einführung einer Einkommensteuer in Palästina erwägt, die hauptsächlich Industrielle und Berufstätige treffen würde, die schon an der indirekten Besteuerung schwer genug zu tragen haben. Die Revisionisten wiesen darauf hin, daß die Regierungen Aegyptens und des Irak es ablehnten, eine Einkommensteuer einzuführen, und forderten den Waad Leumi auf, dahinzuwirken, daß die Palästina^Regierung den Plan der Einführung einer Einkommensteuer aufgibt. Aus dem Lande des Pogroms* Die jüdische Welt hat sich der Hoffnung hin* gegeben, daß die rumänische Regierung den Exzessen und Hetzereien der antisemitischen Führer und Horden Einhalt gebieten werde. Die bisherigen Maßnahmen haben sich als Spiegelfechterei erwiesen. Die Situation der Juden in Rumänien ist ernst wie zuvor. Dies be* zeugen die Nachrichten sowie auch die Untersuchungs* ergebnisse der amerikanischen Jewish Committee*Ver* treter. Die Pogromisten hetzen weiter. — Die Regierung markiert Maßnahmen. Bukarest. (J. T. A.) Das Exekutivkomitee der Zentralorganisation rumänischer Studenten hat in einem Beschluß die sofortige Freilassung Codreanus ver* langt und gedroht, andernfalls die studentischen Provinz* Organisationen dahin zu instruieren, daß sie der Regierung offen obstruieren, Damit kann ,,. nichts anderes gemeint sein als die Aufforderung zu Demonstrationen und Aus* schreitungen. Der Kongreß rumänischer Studenten, der am 8. August in Kuprian bei Kischinew hätte eröffnet werden sollen, ist jetzt auf Verlangen des jüdi* sehen Deputiertenklubs yerboten worden. Durch dieses Verbot wird auch der nach Abschluß der Konferenz ge* plante Marsch von 5000 Studenten durch Bessarabien verhindert. Bukarest. (J. T. A.) Die Union rumänischer Juden unterbreitete dem Staatssekretär im Innen* ministerium Victor Cadere eine Beschwerdeschrift, in der darauf hingewiesen wird, daß gegenwärtig in Cuvurlui, Altrumänien, die antisemitische Hetze in einer gefähr* liehen Form überhandnimmt, ohne daß die Ortspolizei irgend etwas zur Bekämpfung der Hetze unternimmt. Cadere entsandte sofort den Sigurantza*Inspektor Stefa* nescu nach Cuvurlui mit dem Auftrage, alle Maßnahmen zur Verhütung von Unruhen zu ergreifen und die Orts* polizei wegen ihrer Passivität gegenüber der antisemiti* sehen Agitation zu maßregeln. Das Organ der Union rumänischer Juden „Curie* rul Israelit e" erhebt die schwere Anklage gegen die, Regierung, daß sie bisher es unterlassen hat, Staats* beamte zu maßregeln, die sich erwiesenermaßen . in der antisemitischen Bewegung betätigten . und Unruhen schürten; Die Regierung, schreibt die Zeitung, verspricht den Juden Sicherheit und Schutz, aber was soll man von; einem solchen Versprechen halten, wenn bisher nicht ein einziger, der .in der antisemitischen Bewegung sich betätigenden Staatsbeamten eine Strafe erhielt. In R y s c h k a n o w k a, Bezirk Balti, wurde die jüdische Bevölkerung', in Panik! versetzt, als die anti» semitischen Führer aus Balti; die Priester Rusü und, Novitzki, eintrafen und die Bauernschaft zur' V er n ich* tung. der Ju den aufforderten. Es trat Ruhe-: ein, als. die Polizei die beiden Agitatoren aus der Stadt verwies. ( Bukarest. (J. T. A.) Die rumänische Nachrichten* Agentur „Rador" verbreitet die folgende Mitteilung: Dem Innenministerium sind Informationen zuge» gangen, des Inhalts, daß ungeachtet der von' der Regie* rung angeordneten scharfen Maßnahmen die äntisemi*' tische' Agitation in vielen Städten der B u k o* wini fortdauert. Die Regierung hat deswegen spezielle Beamte in die Bukowina entsandt, die die strikte Weisung erleilt haben, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um solchen Agitationen ein Ende zu bereiten. Das Innen* ministerium ermahnt alle Beamten, ihre Pflicht zu tun, und erklärt, daß jeder Beamte, der dieser Weisung nicht Folge leistet, seines Amtes enthoben werden soll. Die Zeitung „A d e v e r u 1" teilt mit, daß die anti« semitische Bewegung nach einigen Tagen Ruhe wieder entfacht worden ist. Auf der Eisenbahnlinie Bukarest —Czernowitz. werden die Passagiere von jungen Leuten mit Stöcken, .insultiert, in der Hauptstadt ver* teilen Huligans Druckschriften, die zu Aufruhr und Mord aufreizen, Die Zeitung fordert die Regierung zu einem vermehrten Aufwand von Energie gegen die Bewegung auf, damit diese eines Tages. sich nicht auch gegen die Staatsgewalt wendet. Kulturgeld für Totschläger. Bukarest. (J. T. A.) Die Untersuchung im Zu« sammenhang mit dem gegen den Staatssekretär A n g h e« 1 e s c u verübten Attentat hat jetzt ergeben, daß die an dem Attentat beteiligten antisemitischen Studentenkreise ihre Geldmittel aus den Disposition»» fonds mehrerer Ministerien erhielten. Die be# treffenden Ministerien geben allerdings bekannt, daß das Geld für kulturelle Tätigkeit unter den Studenten gegeben. worden sei. Cuza beschwert sich. Bukarest. (J. T. A.) Unter dem Vorsitz Cuzas fand in J a s s y eine Konferenz der Leitung der anti* semitischen Liga, statt, in der beschlossen wurde, beim König und bei der Regierung gegen die Unter* drückung der antisemitischen Bewegung zu p r o t e* stieren. Es wurde ferner beschlossen, in jedem Be* zirk Kongresse zur Verbreitung der antisemitischen Lehre abzuhalten. Die Liberalen mit im Spiel. Bukarest. (J. T. A.) Es wurde festgestellt, daß das von Codreanu unterzeichnete antisemitische .Manifest der „Eisernen Garde" in der Druckerei der Bukarester antisemitischen Tageszeitung „Universul" hergestellt worden ist, deren Chefredakteur, P o p e s c u, dem letzten liberalen Kabinett Bratiauu als Justizminister angehört hat. Die Regierungspresse sieht hierin einen Beweis dafür, daß die Liberalen in der antisemitischen Bewegung ihre Hand im Spiele haben, um der nationalzaramstischen Regierung M a n i u Schwierigkeiten zu bereiten. In Not und Verzweiflung. Bukarest. (J. T, A.) Eine in Not geratene jüdische Familie, bestehend aus dem Kauf« mann Julius Gr e he r,, seiner Gattin und einer 35jährigen Tochter, hat Selbstmord durch Erhängen begangen. Bukarest. (J. T. A.) Die gesamte jüdische BevöU kerung des Städtchens Trusheny (Bezirk Kischinew) ist nach Kischinew geflüchtet, als afc antisemitische Studenten in das Städtchen kamen und unter den Bauern eine Pogromagitation entfalteten. Aus Kischinew wird dem J.T.A.»Büro telephoniert, daß tatsächlich kein tuu ziger Jude in Trusheny verblieben ist. Auf die Forderung der führenden jüdischen Persönlichkeiten trifft jfctst, die

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