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Die neue Welt · 1930-08-15 · Heft 152 (15.8.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 152 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 152 DIE NEUE WELT Seite $ Jüdische Eltern I Kauft Schulbücher für Euro Kinder nur in der Jüdischen Buchhandlung Hermann TUCHtlGI* <£*Stadtflutg. 7 (Bete* Taborstraße 62) Tel, R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen - auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! 1 halt der Balfour-Deklaration dahin interpretierte: Eine stufenweise Umwandlung Palästinas in ein autonomes jüdisches Gemeinwesen unter einer im Lande seßhaften jüdischen Mehrheit. MacDonald hat 1922 in seiner Broschüre „A Socialiste in Palestine*4 den Inhalt des Versprechens, das England 1917 den Juden gegeben hat, so interpretiert: „W i r haben den Juden im Jahre 1917 versprochen, daß ihnen Palästina zur Verfügung gestellt wird, damit sie es besiedeln und regieren." Es ist nicht richtig, daß der Vorbehalt im zweiten Teil der Balfour-Deklaration tkis im ersten Teil ausgesprochene Prinzip aufhebt oder einschränkt. Das Versprechen Englands lautet dahin: Uns zu helfen, auf beiden Seiten des Jordan einen jüdischen Staat zu schaffen und dies durch ein Kolonisationsregime zu erleichtern. Jabotinsky gibt eine Uebersicht über die jüdischen Leistungen in Palästina in den letzten zehn Jahren, setzt die englischen Kolonialmethoden auseinander und kommt zu dem Schlüsse: Wenn man versprochen hat, jüdische Kolonisation zu fördern, so bedeutet das nicht: Neutralität üben, sondern etwas ganz anderes. Palästina aber wurde in den letzten Jahren zum Lande eines ausgesprochenen administrativen Antisemitismus. Die „Neutralität" hat sich darin ausgedrückt, daß die englische Verwaltung in Palästina keinen Schritt getan hat, um unsere Aufgabe zu erleichtern. Man hat im Lande eine Stimmung geschaffen, die jedem Araber klarmachte, daß die Regierung mit den Arabern sei. Die Regierungsbeamten sind gegen Zionismus und jüdische Einwanderung. 1924 verließ ein gewisser Mr. Richmond das Land, der eine Zeitlang politischer Sekretär der Verwaltung war. Er war ein offener Antizionist, ein ehrlicher Antisemit. In Europa veröffentlichte er (im „Nineteenth Century") einen Artikel über Palästina, in welchem er von dem Mandat als von einem „rechtswidrigen, unehrlichen Dokum e nt" sprach. Sechs Monate später wurde er nach Palästina berufen, uud zwar auf einen sehr hohen Posten der Palästina-Regierung. Das ist den Arabern sehr gut bekannt. Aref el Aref, der im Jahre 1920 einer der Pogromanstifter in Palästina war, wurde 1920 begnadigt und 1921 zum Distriktsgouverneur ernannt. Die Klaigemauer-Politik der Regierung ist ein Spielen mit dem Feuer. Die Klagemauer ist jedem Juden heilig. Jahr um Jahr wurde der jüdische Schutzapparat in Palästina abgebaut, d$s jüdische Regiment demobilisiert, dann wurden auch die britischen Regimenter entfernt. Unter einer solchen Atmosphäre hat die Regierung angefangen, mit dem. Feuer spielen. Nun zu einem unangenehmen Kapitel: Unsere jüdischen Leistungen in Wirtschaft und Kolonisation waren ganz hervorragend; unsere politischen Leistungen verdienen nicht dieses Kompliment. Die zionistische Bewegung als Ganzes hat leider nicht verstanden, daß zwischen den Aufgaben einer großangelegten Kolonisation und dem herrschenden Landesregime ein Gegensatz besteht. „Es hat sich immer mehr die naive Auffassung geltend gemacht, daß es überhaupt nicht wichtig ist, was eine Regierung t%t, daß wir vom Staate nichts brauchen, nichts verlangen, keine Reformen, keine Privilegien, sondern daß der Erfolg oder der Mißerfolg bloß davon abhängen, obdiejudenheitmehroder weniger Geld gibt. Die Verschärfung der Gegensätze zwischen dem palästinensischen Jischuw und der Palästina-Verwaltung wurde nicht genügend beachtet. Die gegen die Juden gerichtete Politik des palästinensischen Verwaltungsapparates rief keinerlei Protest seitens der Zionistischen Organisation hervor; dem englischen Volk und der englischen öffentlichen Meinung wurde nicht zu verstehen gegeben, daß das, was in Palästina geschieht, im krassesten Gegensatze steht zu den Verpflichtungen und den Interessen Englands. Diese Politik der Leitung der Zionistischen Organisation hat bankrott gemacht» diese Politik ist mitverantwortlich für die Ereignisse in Palästina. Jabotinsky schloß seine Rede mit der Erklärung, er sei nicht dafür, daß das Mandat Großbritannien w e ggenommen und einem anderenStaate Ubergeben werden soll, Ja/botinsky sagte noch, er glaube an die Möglichkeit einer Aussöhnung mit den Arabern, diese müsse aber auf der einzig möglichen Grundlage geschehen, daß die Araber das Prinzip der unbeschränkten jüdischen Einwanderung und der Uniwandlung Palästinas in ein Land mit j ü d i s c h e r M e h r h e i t anerkennen. Meir Großmann (London) erstattete ein Referat über „Rekonstruktion der zionistischen Politik". Die Kraft des Herzlichen Zionismus, so führte er aus, habe darin bestanden, daß er unerschrocken die Wunden des jüdischen Galuth-Lebens aufgedeckt hat. Er hat neue Wege vorgezeichnet, ein Ziel aufgestellt und die Methoden aufgezeigt, mit denen dieses Ziel erreicht werden kann. Diese Tradition hat der Revisionimns übernommen. Er hat ständig die Lage analysiert, die Wahrheit ausgesprochen und einen neuen Weg gesucht. Der gegenwärtigen Konferenz, die in einer Zeit schwerer politischer Krise stattfindet, obliegt es, nicht nur zu formulieren, was schon seit 1925 und vielleicht schon seit 1920 gesagt wurde, sondern auch die Gründe der Krise und eine Revision der zionistischen Politik darzulegen. Eine Rekonstruktion der zionistischen Politik könne erreicht werden, durch eine Erschütterung der gewohnten Denk- und Kampf weise. Aber sie ist unvermeidlich und vollzieht sich schon seit geraumer Zeit nicht allein in den revisionistischen Reihen, sondern im' Zionismus überhaupt. Seit einer gewissen Zeit sei die innerzionistische Auseinandersetzung charakterisiert dnreh den Versach, nicht nnr die Methoden, sondern auch das Endziel des Zionismus zu revidieren. In das gegenwärtige Chaos müsse der Revisionismus das richtige Wort tragen, Ordnung und Disziplin wiederherstellen. Wir sprechen von Rekonstruktion der Methoden, aber nicht des Zieles, denn das Endziel bleibt unverändert. Dieses Endziel ist die völlige Befreiung des jüdischen Volkes, seine politische und kulturelle Unabhängigkeit, die Schaffung eines eigenen Staates. Die Politik Dr. Wcizmanns und seiner Kollegen, die sogenannte sachliche und stantsmännische Politik, war nichts als impressionistische Politik. Sie hatte kein bestimmtes Aktionsprogramm. Sie ging nicht den Geschehnissen voraus, sondern ließ sich von ihnen ins ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiliiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiu: Die die und des gesamten Organismus bewirkt die Idealnahrung des modernen Menschen, 65% aller Erkrankungen sind auf unrichtige Ernährung zurückzuführen. Die veraltete Anschauung, daß Fleischnahrung Kraft spendet, ist nach den neuesten medizinischen Forschungsergebnissen ein Irrtum. — Ständige Fleischkost vergiftet den Körper und begünstigt die Entstehung von Krankheiten Die vegetarische Küche ist nicht wanigcir scfomacfefoallt als Fleischkost u. die einzig rationelle Ernährung Sichern Sie sich KRAFT und GESUNDHEIT, besuchen Sie die Vegetarische u. Diätküche tt £ „LOTOS; im HaibstocK des „Central Hotel" | Wien II. 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Dieser Zionismus hat nichts mit dem staatlichen Herzl'schen Zionismus, dessen Träger die Revisionisten sind, zu tun. Die Exekutive hat keine konkreten Vorschläge und Gedanken; charakteristisch für ihre Tätigkeit ist die Paralyse aller Aktionen, der Dauerzustand der Abwehr und der Verteidigung, der konstante Mangel einer Offensive. Man hat es unterlassen, die strittigen Begriffe, wie „Nationalheim", rechtzeitig zu definieren. So habe jede Kommission ihre eigene Definition gegeben. Wir haben keine Achtung vor dieser Exekutive, und wir fühlen es schmerzlich, daß auch die englische Oeffentlichkeit keine Achtung vor ihr hat. Aber über den Fragen von Programm und Methoden stand jene „magische Persönlichkeit", die allein, von Gott gewollt, die Möglichkeit und die historische Sendung hatte, mit der englischen Regierung zu verhandeln. Mit dieser magischen Persönlichkeit habe sich der Zionismus politisch schwer belastet. Die Persönlichkeit und ihr System seien gleichzeitig zusammengebrochen. Auf der letzten A. C.-Sitzung habe Weizmann gesagt, das Mandat und seine Durchführung stünden in Frage, Verband demokratisch VORANZEIGE Feiertags- Gottesdienst Im Herzl- und Chajes-Saale des Verbandsheimes findet anläßlich der hohen Feiertage ein GOTTESDIENST statt. Auskünfte u. Vormerkungen auf Betsitze ab 11. August 1930 im Verbandsheim, II., Untere Augarienstraße 38, jeden Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 9 bis lLZ Uhr und abends von 8 bis 9 Uhr Tel. A-45-6-34 Moralisch und praktisch stehen wir heute dort, wo vi i r vor SanRemo «tan d e i\. Das sind Worte eines Führers nach zwölf Jahren politischer Arbeit. So ist heute die zionistische Bewegung müde, verzagt, ohne Orientierung und ohne Prestige. Die Aufklärungsarbeit könnte heute nicht mehr die einzige politische Arbeit sein. Man müsse zur politischen Aktion übergehen, ihr Tätigkeitsfeld über die Grenzen Palästinas und nach Palästina hin erweitern. Die politische Offensive müsse gestützt werden durch einen wirklichen Druck für Aufhebung der bestehenden Beschränkungen, wie Einwanderungssperre, und zweitens durch die Schaffung von Präzedenzfällen in den für uns verbotenen Gebieten. Die Tatsache, daß in Palästina 180.000 Juden leben, muß hiefür ins Treffen geführt werden. Die politischen Aufgaben der nächsten Jahre sieht Großmann in zwei Richtungen: In einem System politischer Arbeiten, Verhandlungen mit politischen Faktoren, um ihnen klarzumachen, was der Zionismus wolle und was er für England bedeute. Ferner die Erzielting einer klaren Antwort, ob England die Gründung eines jüdischen N a t i o na lih e i m « in Palästina will oder nicht. Darin müsse eine freundliche, aber entschiedene Warnung eingeschlossen sein, daß wir kein Interesse .an England hätten, wenn es nicht unser Partner sein wolle. Die Alternative sei: Das Welt judentum oder die Araber Palästinas. Großmann glaubt nicht, daß eine Aenderung der Orientierung gegen England notwendig sein wird. Man müsse sich vorbereiten auf eine Pause in der Palästina-Arbeit. Erstens wegen der wirklichen Störung unserer Arbeit, zweitens wegen des Verlustes an Verr trauen an die Möglichkeit, in Palästina zu arbeiten und drittens als bewußtes Mittel zur Ausübung eines Druckes. Es gibt Zeiten, in denen eine solche Pause mehr wert sein kann als Arbeit. Man müsse die Schützengrabenlinie halten, neuer Verbindungen schaffen, neue Reserven und neue Geldmittel. Man werde in Palästina rechtzeitig begreifen, daß es ohne eine jüdische Bevölkerung keine Prosperität gebe. Wir müssen der Welt klarmachen, daß die Araber Palästinas ein Vorposten des arabischen Imperialismus sind, der mehr Boden will, als er bearbeiten kann. Die Entscheidung müsse zwischen Europa und Asien getroffen werden. Wir sind in Palästina die Vorposten Europas, Vertreter einer fortschrittlichen Kolonisation. Der Ausgleich liegt auf der Linie der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Jeder Fortschritt des Landes werde nicht nur ein Fortschritt des jüdischen Landes sein. Der Revisionismus hat als einzige zionistische Partei in seinem Agrarprogramm die Befriedigung der arabisdien Forderungen aufgestellt. Er sei auch für Erweiterung der lokalen Verwaltung im Lande. Erst bei Ausschluß der politischen Fragen werde eine wirtschaftliche Kooperation mit den Arabern möglich sein. Die Position der jüdischen Gemeinden in Polen. Memorandum der jüdischen Deputierten. Warschau, 8. August. (J. T. A.) Der Klub der Deputierten und Senatoren deis- Jüdischen Nationalrates hat dem Unterrichteminißter ein Memorandum über die Position der jüdischen Gemeinden in Polen überreicht, in welchem u. a. ausgeführt ,wird: Nach, dem Wiedererstehen des polnischen Staates wurde ein Referat für Angelegenheiten der jüdischen Religion eingerichtet, das von den Juden verwaltet wurde. Nach der Demission des Referenten Adelberg wurde ein jüdischer Nachfolger nicht ernannt, wobei der Direktor des Religionsdepartemeöte erklärte, er wolle keine „Ambassadore" der einzelnen Konfessionen in seinem Departement dulden. Diese Erklärung stehet im Widerspruch zum Prinatip der Gleichberechtigung der jüdischen Religion. Das Unterrichtsministerium erlaubt sich ferner, IJudgetposten jüdischer Gemeinden für gewisse kulturelle, philanthropische und Bildungszweoke der jüdischen Be«

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