Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1930-08-15 · Heft 152 (15.8.1930) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 152 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711736-2711770--1998-2715255
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

«■m Seite DIE NEUE WELT Nr. 152 I T ri R Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfern jiniir-.jniir Rundfahrten It« Mittelmeer Genua — Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien ~ Zypern — Konstahtinqpel — Athen — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermaßigten Preisen Auskünfte: .Sitmar", I. Klrntnerrlng 18 f (Ecke Schwmzenbergptatz) Telephon U-45009 £< ' Dann kommt der Strom der Jugend in breiten, ge* schlossenen Reihen, Atm in Arm, vereint — alle mit gleicher Sprache, gleicher Kleidung, gleichem harmorri* sehenr- Schritt. Wer wird scheiden können in Askenasim und Sephardim, in deutsche oder polnische Jugend? Alle ausgeglichen, ein Rhythmus, eine Weise. Sie kamen da her, um die Heiligkeit der zurückgebliebenen Steine zu demonstrieren. Aber schöner war die Demonstration ihrer Einheit, ihrer Festigkeit, der frohen Kraft ihrer Augen, die die dunklen traurigen Gäßchen des alten Jerusalem überstrahlten. Es war ein herrliches Bild, zq sehen, wie der Strom ohne Halt wuchs. Es wurde heller ob der jungen Gesichter einer gesunden Generation, die so sicher schreitet. So marschiert der Glaube, die fröhliche Hoffnung. 6. . Mich entzückte der Marsch der Jugend, weil er der Ausdruck war'von Ruhe, von verhaltener Kraft. Ich über* zeugte mich zu meiner Freude, daß unsere Jugend nicht so leicht zu provozieren ist. Zu einer solchen Haltung muß man erzogen werden, zu Takt, zu kluger Ueberlegt* heit. Billige Affektation brauchen wir nicht. Das hat jede Jugend mehr, als nötig ist. Hineingezogen in den Strom,, lasse ich mich immer tiefer die steinernen Stufen hinuntergleiten. "Wir fallen in dunkle, tunnelartige Korridore hinein und werden wieder von der Helligkeit irgendeines arabischen Restaurants oder Ladens bestric' -n, bis wir wieder durch einen schmälen Gärig 'zur Wand 'hinünt'er'geiangeh. 4 Englische Sergeants stehen da und. behüten die Ordnung., Aber auch jüclische Wache hält Posten in kaum bemerkbaren Reihen, bereit zu allem, was auch geschehen mag. Hier spürt man schon deutlich in_ der Luft eine ge# wisse, Gespanntheit, Und obwohl ich noch keinen Araber in der Nähe sah, hatte man das Gefühl, daß. hinter jedem Stein .wer,lauere und warte. Aber je mehr Jugend anrückt, um so mehr wächst das Gefühl der Sicherheit. Ich habe da§ zu meiner Freude schon seit langem konstatiert: Hier in Erez Israel spürt man keine Angst, selbst in der größten Gefahr — jene, „alte jüdische Angst", die ewig den Dunstkreis des Ghettos ausfüllte.. Es ist der Boden, den du uriter dir spürst, die Erde, auf der du nicht fremd bist. Das ist eigentlich das Erez*IsraeUGefühl. Es ist der Felsen, auf dem du baust, wie. stürmisch auch an ihn die Wellen schlagen mögen.' . 7. *V Ich stehe an die Wand gelehnt da und lausche den traurig: strahlenden Worten der Klagelieder, die ein alter, am Böden sitzender Jude vorliest. Nirgendwo erklingt so dieser 'herrliche Gesang, die Klage eines Volkes über seinen Zusammenbruch, wie hier, wenn du an die ewigen Steine gelehnt stehst, wenn du unter dir die heilige Erde spürst, die dein Blut getrunken hat und von der man dich auch heüte wegtreibt, auch heute.' ' Unten ist's' hell. Und das Auge ruht auf den Stein« massivs, die du nie mit Gleichmut ansehen kannst. Und oben über uns hängt die Nächt. Irgendwo aus einem dunklen Loch strömt schwarzer Schreck. Und aus den steinernen Ruinen ringsum lugen feindselige Augen hervor» Joele- Weile 'zeigt sich iiri schwarzen Loch ein Araber, der1 sich durch die dichte« Menge drängt und in die Harmonie'des Gebets Verwirrung -bringt« 'Irgend ein ' Scheich mit bösen, giftigen Augen-kriecht immer wieder hervor, tritt mit Geifer auf die, <lie sitzen und beten. Und mit Mühe gelingt es, die Jugend-zu beruhigen, die sich auf ihn stürzen will,' da sie sieht, daß sein Herum« schleichen nur ein Akt der Provokation' ist. Ist doch der ganz Lärm, den sie wegen der Wand angehoben haben, nichts anderes als die teuflische Absicht, uns bis ans Ende zu erniedrigen, uns zu zeigen, daß wir selbst im heiligen Nest, das uns von der einstigen Pracht zurückgeblieben ist, kein Recht haben, für alte Leute einen Stuhl auf zu» stellen.' Alle fünf Minuten wiederholen sich solche Vor« fälle, und die englische Polizei interveniert jedesmal, ohne denen Einhalt zu gebieten, die mutwillig hin« und zurück« schleichen über die Köpfe derer, welche auf der Erde sitzen und über den einstigen Zusammenbruch trauern. Ich stehe an der Seite und beobachte die sich wiederholenden Szenen, und mir Scheint, daß hier auf demselben Platz dasselbe schon vorgefallen sei. Mit schauerlicher Genauigkeit stellte ich mir die Bilder des heutigen Abends vor — dieselbe Erbitterung der Geschändeten und dieselbe „Beruhigung" durch die Römer, die hier „Ordnung machten" vor zweitausend Jahren. In diesen kleinen Zusammenstößen, in der Verbitte« rung, die an jenem Abend unbemerkt wuchs, glühte bereits das Feuer der kommenden^ Ereignisse. Fridtjof Nansen im „Goldenen Budi". Aus Drontheim (Norwegen) wird uns geschrieben: Die Eintragung Fridtjof Nansens ins „Goldene ' Buch", ist Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit seitens unserer Zeitungen. „Wie Heinrich Wergeland (seinerzeit den Juden das Recht zum Aufenthalte in Norwegen erkämpft hat — schreiben unsere Blätter — so hat Fridtjof Nansen das seinige dazu beigetragen, ' den Juden ein Heim in Palästina zu sichern. Er war Mitglied der siebenten (oder Mdrtdats-) Kommission im Völkerbund und hatte die Aufgabe, über die letzten Unruhen in Palästina zu berichten und darüber eine Resolution zu verfassen und dem Plenum vorzulegen. Bericht und Resolution sind einstimmig angenommen worden. Beide Dokumente enthielten das tiefste Bedauern über die von den Arabern ins Werk gesetzten Unruhen und Massakres. Gleichzeitig drückte man seine Zufriedenheit darüber aus, dafl England als Mandatarmacht versprochen habe, sein Mandat trotz allen Widerstandes durchzuführen. Gegenüber Wergeland haben die Juden bereits ihre Dankbarkeit bewiesen und nun zeigt es sich in diesen Tagen, daß sie auch der Förderung eingedenk sind, die Fridtjof Nansen der jüdischen Sache zuteil werden ließ. Auf Anregung des Vorsitzenden des hiesigen Zionistenvereines, Herrn J. Jacobseh in Trondhjem, haben; die; hier wohnenden Juden Geld zu dem Zweck gesammelt, um Nansens Namen in bleibender Erinnerung zu erhalten. Die gesammelte Summe soll dazu dienen, die Eintragung dieses Namens hts „Goldene Buch" zu ermöglichen. Das .»Goldene Buch" wurde bei Gelegenheit, der Errichtung eines Erinnerungsfonds für Lord Balfour geschaffen. Darin werden die Namen derjenigen verzeichnet, die Sich im besonderen Grade Verdienste für die Sache des jüdischen Volkes erworben Itaben. Von diesem Buche existieren bloß zwei Exemplare, von denen das eine sich in Jerusalem befindet, während das andere im British Museum aufbewahrt wird. Damit wird unserem verstorbenen Landsmann eine seltsame Ans^ Zeichnung zuteil." Schalom Sthwarzbart darf nidii nach Litauen. Aus Paris wird uns geschrieben: Schalom Schwarzbart hatte die Absicht, als Wanderredner in verschiedenen Ländern seine Existenz zu fristen. Man erinnert sich noch daran, daß er ursprünglich nach Palästina auswandern wollte, aber keine Einreise« bewilligung bekam. Später versuchte er nach Amerika zu gelangen, um dort Vorlesungen zu halten. Auch hier wurde er abgelehnt. Die jüdischen Kreise versagten ihm ihre Unterstützung, weil man es etwas peinlich fand, daß der Märtyrer Schalom Schwarzbart nunmehr durch eine Reise in die Welt sich gewissermaßen den „Märtyrer* lohn" einzukassieren beabsichtige. Vor kurzem wandte er sich an die litauische Regierung um eine Ein* reisebewilligung und die Bewilligung zur Abhaltung von Vorträgen und Versammlungsreden. Nunmehr erhielt Schwarzbart die Entscheidung der litauischen Regierung, in welcher ihm nahegelegt wird, nicht nach Litauen zu kommen, da man ihni ein öffentliches Auftreten nicht" gestatten könnte. Die Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten* 5 Sonntag, den 10. August" würde in Prag die IV. revisiphistische Weltkohferenz eröffnet. Die Tagung bot das Bild einer stärken und raschen Entwicklung. 203 Delegierte aus: 20 Ländern waren erschienen und zwar: Palästina 4, Amerika 2, Belgien "5, Bulgarien 1. Lettland' i$, 'Südafrika '^CnÄMä^./tJn^ftrn 2, Griechenland 1,. Italien 2, Deutschland 12, Danzlg 1, Frankreich 4, ftumänieji 25, Polen. 85, Tschechoslowakei 20, Oester-, reich 5, Schweiz 1, England 4, Litauen 2. Der Eröffnungssitzung wohnten 12Ö0 Gäste: bei-. Eine eftringe Ünterexpositlon laßt sich bekanntlich wesentlich schlechter auagleichen als eine prozentual gleich , liöhereUeberbelichtting. Deshalb belichtet der erfahrene Lichtbildner flach Möglichkeit reichlich. Nicht alle Platten vertragen dies. Der -firtunsJuJu-PUte kräftige Ueberlichtungeo . Die braune Zwischenkönnen ______ nichts anhaben. schicht der „Satrap-Brauntchicht" (daher der Name) verhindert, daß überexponierte Lichter durch Lichthöfe zu detaillosen Flächen zusammenfließen. — Warum also das Risiko einer Fehlbelichtung auf sich nehmen? Verlangen Sie kostenlos den neuen pSatrap-Katalog Nr. 32 Schering-Kahlbaum A. 6., Repr. WIEN» VI., Webgasse 2 a Das Erscheinen so vieler Delegierter aus den entferntesten Ländern bedeutet einen beachtenswerten Grad von Begeisterung und Qpterfreudigkeit. Die revisionistische Organisation, wohl die stürkstibekämpfte Gruppe in der Zionistischen Weltoriganisa/tion, ist in verhältnismäßig kurzer Zeit zum bedeutsamen Faktor der zionistischen Bewegung geworden. Sie hat es .verstanden, in vielen Kreisen, besonders aber in' den Kreisen der Jugend, längst geschwundene Begeisterung, Tatkraft und Opferfreudigkeit, zu wecken. Die Stellung, welche der Revisionismus heute einnimmt, kommt auch in der geänderten Haltung der zionistischen Exekutive gegenüber dieser Gruppe zum Ausdrucke. Die Exekutive in London entsandte ihren politischen Referenten, Prof. Brodetzki, zur Begrüßung der Tagung. In seiner Ansprache stellte Professor Brodetzki fest, daß der Revisionismus berufen erscheint, in der Bewegung eine hervorragende Rolle zu spielen. Die Konferenz tagt zur Zeit der Drucklegimg unseres-Blattes weiter. Wir bringen vorläufig Auszüge aus den einleitenden Referaten: Jabotinsky führte aus: Es gibt Momente, in denen es eines Volkes Pflicht ist, Abrechnung zu halten. Wir leben heute in einem solchen Moment Wir stehen in einer Krise, -wir bei. gegrien großen Schwierigkeiten auf dem Wege der Ver-- w'irklictiung unserös Ziels, wir haben eine nationale- Tragödie erlebt, Freunde von gestern sind unsere Gegner von heute geworden. Es ist also an der Zeit, daß wir uns fragen: Was haben wir richtig; gemacht, was war übereilt und nicht durchdacht? Zuerst: Das Ziel. Wir Revisionisten haben als Ziel des Zionismus formuliert: Erreichung einer jüdischen Mehrheit in Palästina auf beiden Seiten des Jordan; Wir glaubten und glauben noch heute, daß es die allgemeine Auffassung des jüdischen Volkes ist, daß der Zionismus ndöhts anderes, nichts weniger bedeuten kann, als die. Erreichung dieses Ziels; Das jtet nicht „Maximalismus", sondern eher Minimalismus. Nimmt man das Wort „Nationalheim" -in seinem englischen Originaltext: . Home, gemäß , der großen englischen Tradition (My home is my Castle), mit dem ganzen Inhalt, der für den Engländer darin steckt, dann erkennt man, daß der Inhalt für das jüdische Volk ein noch viel größerer ist, nämlich in dem Sinne, daß jedes Glied des jüdischen Volkes, welches aus irgend einem Grunde den Boden des Nationalheim« betritt, dort willkommen sein muß. Das bedeutet: Viele Millionen. Legt man aber dem Wort einen, begrenzteren, einen humanitären. Sinn zugrunde: Verminderung des jüdischen Elends — in den Ländern Osteuropas ist ein Drittel aller Juden überschüssig — dann muß Palästina für drei Millionen Juden Platz haben. Nimmt man aber die Einwanderung von einer Million Juden nach Palästina zur Schaffung einer Mehrheit der Landesbevölkerung als Ziel an, dann ist das Minimalismus. Und ein Land, in welchem die Juden nicht die Mehrheit bilden, ist kein Judenland. Was England uns 191? versprochen hat, war: einen Judenstaat zu gründen, ein Land mit jüdischer Mehrheit. Jabotinsky gibt eine Interpretation der Balfonr- Deklaration und des Mandates, sowie der verschiedenen britischen und internationalen politischen Akten der Jahre 1916 bis 1920 und erinnert daran, daß einer der V o r s i c h t i g s t e n, Sir Herbert Samuel, 1919 den ln- VORNEHME FAMILIENPENSION | vormais Dr. GRÜN BERG | AM SEMMERINGi HOCHSTRASSE Nr, 41 <BII HOTIl PANHANS) ] § Mäßige Pre se / Kaffeehau? und Tanzgelegenheit im f W Hause / Besitzer: ECKSTEIN / Tel Semmering Nr. U | | Flieaendee Warm« w. Kattweeeer 1 In jedem Zimmer sammtmmsm ^t..., .....• - ■_^mMmnmCäLi^ämtmmmmäiaa

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.