Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 152 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711770--1996-2715253- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seife 2 Sä. DIE NEUE WELT Nr. 152 •in schönes Holm durch Tawlfl-Ttpetenfabrll» A.-8., Wien, I., Schottenbastel 10 Filiale i Brünn, Je«alt«noa««e I tischen Programm nicht ganz deckten. Ein Teil der Kongreßdiskuseion sollte der Fortsetzung der von der Chowewe Zion nnd ihrett philanthropischen Freunden begonnenen Paläs^ina-KolonisatCon gewidmet sein. Hiebei dachte Herzl an Dr. Kaminka als den Mann» der diese Diskussion durch ein Referat, das „Colonisationsreferat" einleiten sollte. *». •* »;V,e> tf- »*»• Mi, ■• mar, ttt M&'te'b*-': "ütir'? , ■ >.Jv •'"c^^ii^^ , /-^fCv* fc« foul JWvw^ -£u f«** 'Yt*« J^^*^ /f*st yiv*1^ "t* fr" *jU^-t***«^ ' "" Sj%,,'vwv% v+wl*** dtä / *^>V>^ wvv'^Z.'^ ffasKAfm y4*L*** fiep*** S*T*+ Mjf*w**> tA-v»^ lA^t^M <t*Atv j ~sUi^bL~i Jy*fi y A\ ^rfi^C'-fi, ' *^4**<^fvA*, ovZfhs*» lyt^yr+fa 'ys{lU*'<» ^föify*®**}"4^^ ♦ j . ^£<Kfyw+S jfa-rl ' *^7*/i^». «aW-» * v^w (?"***~ t^c<i^v*>i» ^-T^h ^J5< dt*ty****fr~ . -n/Kvtt fy**^* . TUl^s "i£-i^viwM -AiAwi t ^-J\A t'«^ ^'/^J t**V7'>,^w &6-t-rAfi Der Brief lautet: Wien, (1\mi cs .C-9T. „Die Welt" Redaktion und Administration . Wien, , II., Rembrandtstraße il. Hochverehrter Herr Dpctor! Besten Dank für Ihren Brief. Mit Baurath Stiassny nahe ich gestern längere Zeit gesprochen. Ich habe ihm alles eraählt genau im Sinne Ihres Briefes. Wir werden die Russen auf jede mögliche Weise beruhigen. Sie können nach allen Teilen mittheilen, daß Dies bezeugt ein von Herzl aus Reichenau (bei Wien) an Dr. Kaminka gerichtetes Telegramm: Reichenau, 14. Juli 897. Rabbiner Dr. Kaminks Prag. Wollen Sie CoagreßreJerat über Colonisation tibernehmen? Dratantwort besalt HerzK Drei Wochen später, am 8. August 1897, schrieb Herzl — es war kurz vor dem I. Zionistenkongrefi — neuerlich einen Brief an Dr. Kaminka, den wir in Faksimile (diesmal von der Hand eines Sekretärs, nur mit der Unterschrift Herzls versehen) nnd im Text des Originals wiedergeben. Das Faksimile: ' , '9 ■ -&nj*£ £*~y*fiu>£ *fn*£p2 . *3y ~? f++-**f**^ti cfHU A*« y*+*~~4**y U~ fa^uu u*, J«~ 7vue< ^JLvu^fa ff* ^Asyu^ifr , f**U~ J+**f~< "^fal fr^&ft-Zf) Ju to^A*-* k /k*^- Ich die persönliche Garantie übernehme, dafl auf dem Congresse kein der russischen Regierung unliebsames Wort gesprochen wird,, wenn wir auch die Lage der Juden besprechen werden. Es wäre mir sehr angenehm, mit Ihnen hier zu sprechen. Nach Brünn kann ich nicht kommen, da ich bis zu meiner Abreise nach Basel ungeheuer viel zu thun habe. Ich wohne provisorisch im Hotel und bin jeden Vormittag in der Redactiqn der „Welt". Dank für Ihre ausgezeichnete agitatorische Tätigkeit, wie mir von zwei Seiten berichtet wurde.' Mit Zionsgrufl Ihr ergebener : .....r- <• Tlv. Herzl. ■ RUNDSCHAU Der Bahr und der Buber. Martin Buber ist ein Mann, der den Geist des Judentums erneuert. Er hat u. a. den Chassidismus entdeckt und ihn für die Berliner Salons adjustiert. Das tut er schon seit guten 20 Jahren. Und in der gleichen Zeit hat er sich auch sonst noch um jüdische Dinge gekümmert: den Rabbinismus abgelehnt, weil er, an feste Form gebunden, morphologisch deutlich wahrnehmbar ist; den Kern der Acjiad Haamschen Ideen umgebogen; das Land des Ostens mit der Seele suchend, ekstatische Konfessionen gehaucht und — sonderbar, aber wahr — das formalistische Prinzip eines Konfutse übersehen. Was Wunder, daß dieser Mann, komparativisch wie sein Name, in der neueren zionistischen Geschichte alles das übersteigert, was es an Blutleerem, Schleierhaftem, Molluskenhaftem gibt. Er ist naturgemäß Programmgeber des bankrottierten Hapoel Hazair-Anarchismus Feind jeder Realpolitik in Palästina (Jerusalem ist ein geistiger Begriff!), Führer jener Sippschaft, die in Prag, Berlin und am Skopus ihr Unwesen treibt. Nichts selbstverständlicher, als daß dem Buberschen Pseudojudentum alle jene Windbeutel hereinfallen, die in ihrer eigenen Gemeinschaft das sind, was Buber in der seinigen. Nichts selbstverständlicher, daß Hermann Bahr, alle politischen und ästhetischen Stilrichtungen durchmessend, •gerade da er über den barocken Klerikalismus bei Hitler angelangt ist, seinem, der Rasse wegen immerhin etwas minderen Kollegen mit einem herablassenden „Brav, Jud" auf die Schulter klopft. Der Buber, sagt ihm Bahr in seinem soeben erschienenen Buch „Labyrinth der Gegenwart", ist nicht wie alle anderen Juden ein Geist des Verneinens; ihm verlangt nicht nach dem Land der Väter; ihm geht es nicht um einen geschlossenen Judenstaat im fernen Osten; ihm scheint es der Auftrag seiner Nation, eine westöstliche Kultur zu hüten. Dieser Buber trägt den reinen Osten schon in sich, um ihn weht überall Patriarchenluft. So läßt sich Hermann Bahr in seinem jüngsten Buch vernehmen. Er konstatiert bei dieser Gelegenheit Bubers Gegensatz zu Herzl: hier der Dichterphilosoph Buber, dort der Feuilletonist Herzl, der eine große Bewegung entfacht ha. Was für Pech wir doch haben! Unser Gesicht wird der Welt, in der leider immer noch die Bahrs herrschen, nicht nach Theodor. Herzl gezeichnet, sondern nach — Martin Buber. Zwei Seelen der „Frankfurter Zeitung". , Die, neue -Reichsdeutsche. Parteigründung, die sogenannte ^StaatspäHei", ist unter großem Echo in die Oeffentlichkeit getreten. An ihrer Wiege stand die Parole: Ohne Juden! Wir haben diese Situation gekennzeichnet, sie mag sympathisch / sein, oder nicht. Sicherlich ist sie die. naturgemäße Entwick- Uns fehlt doch nichts,' wir sind so klug! Und dennoch gibt es soviel Spuk In. Häusern, ja in.Köpfen garl Nur Huber*Essig bleibt gut, wie er war., lungslinie der deutschen Soziologie. Nun liegt der jüdische Reflex vor. Das ganze assimilatorische Deutschland ist aufgeschreckt und legt ein mehr als possierliches Gehaben an den Tag. Wieder einmal will es mit ihren Theorien nicht stimmen. Und wenn nun Herr Mahraun, Führer des Jungdeutschen Ordens, vor einigen Stunden noch fünfzigprozentig antisemitisch, jetzt in öffentlichen Enunziationen soweit revoziert, daß er um die Erlaubnis einer gewissen rassischen Zusammenfassung bettelt, so reibt ihm die Führerin des jüdischen Liberalismus, die „Frankfurter Zeitung", ihre Weltanschauung unter die Nase. Sie erteilt ihm nicht die volle Absolution. Der Judenpunkt macht sie philosophisch. Sie will Mahraun beweisen, daß die Juden echte Deutsche sind, so wie die Katholiken und die Hugenotten, daß sie also wunderschön hineinpassen in den — Jungdeutschen Orden. Und Mahrauns Rassenstandpunkt? So,etwas gibt es nicht. Es gibt keine Rasse „in einer Zeit, in der doch alles Rassentheoretische ins Wanken geraten ist". Man stelle sich vor: Die deutsche Gemeinschaft um Mahraun hat nicht das Recht, unter sich zu sein, nicht das Recht, für die Verwirklichung ihrer spezifisch-deutschen Kulturauffassung zu arbeiten. Warum? Weil es eine israelitische Gemeinschaft um die .Frankfurter Zeitung" gibt, die dabei sein muß. Der verpönte Judenstaatsgedanke. Uri Zwi Grinberg ist ein junger hebräischer Dichter aus Galizien, der seit einem Jahrzehnt in Palästina lebt. Seine mächtige Diktion, die an die Propheten mahnende Wortformung und der geglückte Versuch, der hebräischen Dichtungswelt neue Bereiche zu erschließen, begründen Grinbergs Stellung in der modernen hebräischen Lyrik. Ks ist nicht die beschauliche Bespiegelung der Welt, nicht Hfiifiiiiiiiiiiiifiifiiiiiitiiiiiiiiiiiiaiiiiiiiiniiiilllfllllllltlltitii^ |ble Wiener weltbekannten i SYNAGOGEN! ORNATE II für Rabbiner und Kantoren! Chor- und Dienerbekleidung | Lieferant vieler in- und aus- ländischer Kultusgemeinden E Versand nach allen 5 Lündarnl Illustr. Preiskataloge gratis! S Alle E Uniformierungen und Sportausrüstung E für Vereine und Verbände E MaBschnaiderei für E elegante Herrengarderobe E . Zahlungserleichterung E | Billigst* Praisa 1 Rudolf Goldstein CJI E Wien, Ii., Taborstraße Nr. § S Telephon R>49-0«48 WKKKKM | | Gegründet 1866 Achtung aul die Hausnummer I | ^lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliiiiiiiiillllllllllllllllllllliij die wehmütig-sanfte Beschreibung der äußeren Dinge, sondern der atemlose Geist eines Rebellen, eines jüdischen Rebellen. Grinberg eingt den Hymnus auf den um die Befreiung des jüdischen Volkes kämpfenden Legionär als ein in die Zeitereignisse eingreifender Dichter. Und aus dem Dichter wird ein Ankläger. Ein fanatisch Wütender gegen alle, die sich aus Schwäche und Feigheit in die Reihe der am jüdischen Staat Bauenden nicht einfügen. Sein jüngstes Buch „Haushund" hat er dem zionistischen Beamten gewidmet, jenem unglückseligen Typ, der in sattem Behagen das von Grinberg geforderte Tempo des Staatsaufbaues hemmt. Grinberg ist nicht so begnügsamwie der zionistische Beamte. - Er hat keine „binationale" Seele. Er ist ein geistiger Sohn Theodor Herzls. Er will das Reich Israels, die „Malchüth", besessen vom berauschenden Gedanken der Wiederaufrichtung des Zionsstaates, den er immer wieder verkündet. Sein Haß ist schöpferisch, sein politisches ' Bekenntnis aus der jüdischen Freiheitsgeschfclite bezogen, die den jüdischen Helden''kennf,-;;äVr:?mit dem Schwert in der Hand gefallen ist; von Bar Kochba bis Trumpeldor. Wie ihnen seine' Liebe gilt, so gilt seine Verachtung jenen, die den heiligen Eifer der Söhne Israels beschwichtigt, nichts gesehen, nichts gehört, nichts gelernt haben. Er will Helden in Israel. Vor der ausbrechenden Lava dieser Ueber- 'zeugung, vor diesem erschütternden Schmerz, vor diesem sittlichen Lebenswillen müBte sich jeder Zionist zu Erfurcht verpflichten. Was erntet nun der kämpferische Diehter Grinberg yon dem Typ, den er in der Vorrede seines „Haushund" zeidmet? Dieser Typus nennt unseres Dichters zionistisches Wollen: „Staatsmystizismus", seinen heiligen Zorn: „Schäumende Tollwut" und „Hysterische Wut eines heillosen Neurasthenikers"; er hat „Mitleid mit dem Unglückseligen", dessen Poesien „der hebräischen Literatur unserer Tage nicht zur Ehre gereichen". Der Besudler ist selbstverständlich Brith Schalom-Mann, doziert selbstverständlich in der „Jüdischen Rundschau" des Dr. Robert Weltsch und hört auf den Namen — Max Mayer. Max Mayer möchte gern Uri Zwi Grinberg der seelischen Sanierung zuführen, kommt aber zum Schluß, daß „diesem Manne nicht geholfen werden kann". Vielleicht kann unserem Max Mayer noch geholfen werden. Offene Pogrompropaganda der nationalsozialistischen Presse. Berlin, 11. August. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit den kommenden Parlamentswahlen hat die Hitler« Presse, vor allem der „Völkische Beobachter", die anti» semitische Hetze bedeutend verstärkt. Der in Ingolstadt erscheinende nationalsozialistische „Donaubote" schreibt unter der Ueberschrift „Judenpogrom in Ingol« stadt": Es dürfte wenigen Ingolstädtern bekannt sein, daß die Juden aus - Ingolstadt schon einmal hinaus« gepeitscht wurden. Nun scheint der Zeitpunkt gekom* mne zu sein, daß in Bälde die Juden wieder aus Ingolstadt hinaus müssen. Die Anzeichen hiefür sind zu suchen in einem Angriff einer Person, die auch an der Konkurs* sache des Juden Hofmann ein „klein wenig" beteiligt ist. Diese Person hatte gestern nachmittags mit dem Juden Cohn jun. eine Auseinandersetzung, die schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Anfänglich hatte es den Anschein, als ob die Person den Juden schachten wollte, weil sie immer am Halse herumhantierte. Bei näherer Betrachtung stellte es sich aber heraus, daß nur Zeigefinger und Daumen im Spiele mit dem Kehlkopf des Juden >y«ren. i)ic umstehenden Passanten hatten ob dieses lieblichen *>>i ern.ezzos große Freude. Bisher, wußten wir noch nicht,