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Die neue Welt · 1930-08-08 · Heft 151 (8.8.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 151 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seife (S DIE NEUE WELT Nf. 151 tj*0lgm*%m Ihr llgenhcim bauen Sie am besten durch die .OBUI' OMt«tftlehisch< Bau* «. JHtdntngtgeffltintefeaft t. o. nt. b. h" ort«. Mit aifutfilftttm Geld«. Auch Kauf u. Ablöse von Zinshypotheirett. Graste ztnscfllote BMrtpAfgwiomnwhaft Oesterreichs. HsuutfoehlftMftli«: Wien, I* Blrtegtete 8/1. Satzungen, Zeltachriff und Kroepefcn gfgtfl S 1J0 In Briefmarken .......lllll<IHIIII«MIIIMlllltmetetltflMIIIMI Dieser Eintragung geht am gleichen Tage die folgende voran: . . . Zugleich «schickt mir Haas einen Brief de« Prager Rabbiners K . . . gegen den Münchener Kongreß. Diesen K . . . muß man sich als das Muster einer Wetterfahne merken. Bald ist er für, bald gegen uns. Seine Hauptsorge aber ist, ob »angesehene* Leute — das heißt reiche! — dabei sind." Der Höhepunkt der Kongreßkontroverse Herzl- Kaininka und somit auch vieler anderer Chowewe Zion scheint überschritten zu sein. Kaminka hat seine oppositionellen Neigungen zurückgestellt. Er ist gewillt, zum Kongreß zu kommen. Inzwischen macht die Propaganda für den Kongreß weitere Fortschritte. In diesem Zeitpunkt denkt Nagl bekanntlich an die Einberufung des Kongresses nach München. Das „israelitische" München rebelliert. Die deutschen Rabbiner, die „Protestrabbine r", erlassen ihre berüchtigte Verwahrung, der Wiener Oberrabbiner Güdemann publiziert seine antizionistische Schrift „Nationaljudentum". Herzl hat alle Hände ▼oll zu tun, abzuwehren, anzugreifen, zu organisieren, zu propagieren. Mitten in der Arbeit lädt Herzl den Prager Rabbiner Dr. Kaminka zu einer Unterredung nach Wien ein. Das diesbezügliche faksimilierte Schreiben: Der Text des Briefes lautet: ^«tnuift^ RtMCTIOai WIIN c*M«nwut. ruMtiMM tt. m. v r ff, A-k* J»»t ,tt., A«*«tm «Um /• *•» mar-1» C++ Ju^ Z. uu *Jj ■ ****** 1 tM - t n^fUj. A fal^yt. Neue Freie Presse 4. V. 97. Redaetion: Wien, Kolowratring, Fichtegasse No. 11. Sehr geehrter Herr Doctor, Montag, den lOten werde ich hier sein und stehe Ihnen um halb elf Uhr V. M, in meiner Wohnung, IX., Berggasse 6, zur Verfügung, Mit bestem Gruß Th, Herzl. Diese neuerliche Begegnung zwischen Herzl und Kaminka nahm einen anderen Ausgang als die bisherigen. Sie führte zu positivem Resultat. Vernünftige Worte. Was ein nichtjüdischer Staatsmann sagt, — Nationaljuden sind das beste staatsbürgerliche Element. — Zwischen Cheder-Schule und Bolschewismus. — Jüdische Schulen müssen errichtet und gefördert werden. In dem Organ der polnischen Regierung, „G a z e t a P o 1 s k a", veröffentlicht der Chef der Ostabteilung im Innenministerium, Tadeusz Holubka, der zu dem engsten Kreise Marschall Pilsudskis gezählt wird, einen bemerkenswerten Aufsatz Uber die Juden in den polnischen Ostprovinzen, in dem u. a. gesagt wird; ..... - Meiner Ansicht nach haben die J u d e n in den Ostgebieten große Fortschritte in der Vertiefung des polnischen Staatsgedenkeu« gemacht, Leider würdigen wir weder diese Erscheinung genug noch auch die andere, daß die Juden in den größeren und kleineren Städten der Ostgebiete die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, Russisch ist unter ihnen als Umgangssprache fast vollständig geschwunden. Die jüdische Jugend spricht Polnisch oder Jiddiisch und Hebräisch. Die polnische Presse, dag polnische Buch und das polnische Theater werden immer populärer. Das bedeutet aber nicht, daß die Juden sich aisimiUereut da» zeigt nur, daß die polnische Kultur bei ihnen gleichzeitig mit der eigenen — der jüdischen Kultur — immer mehr Verbreitung findet. Pas nationale Bewußtiein der Juden in den Ostgebieten ist sehr stark. Am stärksten ist unter deu Juden der Ostgebiete, besonder* in der jüngeren Generation, der Zionismus verbreitet. Hiugegeo spielen dort die orthodoxe Bewegung uud die Rabbiner nicht die Rolle, die sie in Kongreßpolen oder in Galizien innehaben. Wir führen indessen eine zu primitive Politik gegenüber den Juden der Ostgebiete. Wir verlangen von ihnen bloß Loyalität dem Staat gegenüber und diese Loyalität wird uns gewährt. Und wenn auch der Kommunismus dort einen gewissen Einfluß hat, so beschränkt er sich bloß auf einen Teil der jüdischen Jugend. Diesem Einfluß muß entgegengetreten werden, aber nicht ausschließlich durch Unterdrückungs maßnahmen. Richtiger wäre es, sich der Strömungen innerhalb der jüdischen Bevölkerung zu bedienen. So sammelt z. B. die zionistische Bewegung in den Ostgebieten in ihren Reihen die Intelligenz und die fortschrittlichen Elemente. Unsere Beziehung zum Zionismus neigt zur Ablehnung und wir entschließen uns eher, die Orthodoxen und Folkisten zu unterstützen. Aber wir müßten tiefer auf den Grund der Dinge blicken und unsereBeziehungzumZionismus einer Revision unterwerfen, wenn wir die russischen und kommunistischen Einflüsse in den Ostgebieten bekämpfen wollen. Für uns ist ein zionistischer Jude besser als einer, der den ganzen Tag im Cheder sitzt oder in russischer Sprache kommunistische Propaganda betreibt. Es muß ganz offen gesagt werden, daß Zionisten und Folkisten, und sogar der „Bund", in den Ostgebieten einen positiven Faktor darstellen, weil die um dos Beth Hamidrasch und um den Cheder konzentrierten jüdischen Massen wohl voller Loyalität gegenüber der Regierung sind, aber zugleich vollkommen gleichgültig gegenüber allen Erscheinungen und Problemen des polnischen S t a a t s 1 e b e n s. Diese Masse lebt mit dem Tal m u d. mit der polnischen Kultur hat sie nichts zu tun. Aus eigenen Kräften werden wir nicht dazu imstande sein, die Mauern dieses geistigen Ghetto zu durchbrechen» Der einzige Ausweg ist die Begründung von Gründschulen für jüdische Kinder, die Sabbat halten, mit jüdischen Lehrern, die in polnischer Unterrichtssprache lehren, aber auch gut Hebräisch können. Solche Schulen gibt es in den Ostgebieten bisher nicht und daher erfüllen die privaten Schulen, sowohl die hebräischen der Tarbuth-Organisation als auch die jiddischen der „Schulorganisation", eine wichtige kulturelle Mission, Diese Schulen führen die jüdische Jugend aus den mittelalterlichen, finsteren Chadarim heraus, Daher sollten diese jüdischen Schulen unter besondere Regierungsaufsicht genommen werden, Manche von diesen Schulen stehen auf einer sehr höhen pädagogischen Stufe und verdienen in vollem Ausmaß durch die Regierung oder die Städte unterstützt zu werden. Die polnische Politik in den Ostgebieten müßte sich bemühen, die Juden zu einem aktiven Element für den polnischen Staat heranzubilden. Ohne Zweifel bedeutot das Gesetz über die Sonntagsruhe für die Juden einen schweren Schlag. Der jüdische Handwerker kann nicht verstehen, warum man von ihm verlangt, zweimal in der Woche zu feiern. In der Praxis führt das auch zum Bruch des Gesetzes über die Sonntagsruhe und das ist sowohl für die Juden wie für die Regierung nicht gut, Die jüdische Bevölkerung der Ostgebiete wird von der Wirtschaftskrise besonders schwer betroffen. Eine richtige Behend 1 u n g des jüdischen Steuerzahlers, Gewährung vonDarlehenundEr mäßig ungen, würden sehr viel dazu beitragen können, die jüdische Bevölkerung für die polnische Staatsidee zu gewinnen. Wir machen uns auch darin eines großen Fehlers schuldig, daß wir uns nicht bemühen, mit der jüdischen Intelligenz zusammenzuleben, unter der es eine große Zahl von Personen mit höherer Bildung gibt. Es ist heute undenkbar, daß ein jüdischer Abiturient, der ein polnisches Staatsgyrnnasium besucht hat und die polnische Sprache ausgezeichnet beherrscht, einen Regierungsposten, sei es auch nur als „K a n z e 1 i s t", IMMMMIMIIMIMIIIIIMMMM ll»MM>WBMIHIMMitt Wichtige Neuerscheinung! ntnö In unserem Verlage erscheint soeben: MACMSOR <P«Mi«fe«t« Mir dl« hohe* Pcl«rl«B*> mit vollständigem, ungekürztem Text, mit einer neuen Uebersetzung von Prof. Pr. Jakqb Bronner, Wien Diese neue Ueberseteung zeichnet sieh vor allen anderen* bisher vorhandenen durch ihren modeinen Stil und ihre Klarheit aus. Der Name des Uebersetzers bürgt für deren Zuverlässigkeit und QrUndlichkeit So* wohl der hebräische als auch der deutsche Text (Lateinschrift) ist In klarer, echoner Type auf vorzüglichem holzfreien Papier gedruckt und sorgfältigst korrigiert. Der Machtor eignet sich auch vorzüglich für Oeschenkzwecke und soll in keinem jüdischen Hause fehlenI Prvlt in 2 Leinenbftnden . . . f 7.— »4 » » % %Q*"*~ „ 4 Luxusbänden . . . S 14i~ Zu beziehen in allen hebräischen Buchhandlungen sowie in der Werlassbuc^nndiuns Hendl Salzmann Wien 0, Orvft« fchif!«»«•• 4 TU, R«»7*«*?1 I9mnnm9mmm99mmmwm*m9mm*9mmm9mm4 Orth. ntt>3 sowie diverse Käsesorten in feinster Qualität, streng verläßlich, Netorf Statiner a löhne, Kflsefabrlken Sopron - Ungarn Vertretung* Ludwig Schltcha, Wlsn II, PraUrttrafU 30 Telephon R-43-7-27 erhält oder in diesem oder jenem Regierungsamt angestellt wird. Das alles ruft bei den Juden eine tiefe Niedergeschlagenheit hervor und bringt sie zu der Ansicht, daß sie von der polnischen Gesellschaft als Menschen betrachtet werden, die irgendwie schlechter sind als Bürger zweiter Klasse« Und doch handelt es sich darum, daß die Juden in den Ostgebieten nicht bloß passiv in ihrer Loyalität verharren, sondern warme Patrioten des polnischen Staates werden; daß sie, ohne ihre nationalen und religiösen Besonderheiten aufzugeben, zu gleicher Zeit aktiv an der Befestigung des polnischen Staates mitarbeiten. Es gibt keine Assimilation der Minderheiten — erklärt Präsident Masaryk. Prag, 4. August. Präsident Masaryk gewährte dem Prager Korrespondenten des Madrider „E1 So 1" ein Interview, in welchem er u. a. erklärte: „Eine Assimi* lation der Minderheiten an das Staatsvolk ist unmög« lieh und mit den modernen und humanen Ten* denzen des Staates unvereinbar. Für den Staat genügt es, wenn alle seine Bürger loyal sind und dies bei den verschiedenen Gelegenheiten beweisen. Den Staat kann man nicht als nationale Einheit an* sehen,, sondern als ein wirtschaftliches Ganzes, worin die Bürger gemäß ihren Interessen vereinigt werden." VORNEHME FAMILIENPENSION vormais Dr. GRÜN BERG AM SEMMERING HOCHSTRASS6 Nr. 43 (BBI HOTEL PANHANS) Mäßige Preise / Kaffeehaus und Tanzgelegenheit im Hause / Besitzer: ICKSTIIN / Tel. Semmerlng Nr. 11 Fließendes Warmu. Kaltwaaaer in jedem Zimmer Welikonferenz der iion^akad* Farbenstudenten* In R i g a fand in der Zeit vom 22. bis 26. Juli 1930 die von der J. A. V. „Hasroonea" zu Riga einberufen« I. Weltkonferenz der zion.-ak-adem. Verbindungen statt, an welcher zirka 30 Delegationen aus acht Staaten mit mehr als 100 Delegierten teilnahmen, Bei der feierlichen Eröffnungssitzung im Jüdischen Klub in Riga waren Vertreter der Regierung und des diplomatischen Korps anwesend. Die Konferenz fand sowohl in der zionistischen, als auch der nichtzionistischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit starken Widerhall. Der „Ring der Alten-Herrenverbände" und der Seniorenkonvent zu Wien waren durch Doktor Tislowitz vertreten, ebenso hatte die J. A. V. „U n i t a s" zu Wien eine Delegation entsendet. Es wurden Referate über „Erziehung in der zionistischen Korporation", „Aite-Herrenschaft", „praktische zionistische Arbeit", „Jerus.a]emer Universität" u. a. gehalten, Auf Grund des Ergebnisses der Kommissionsberatungen wurde in der feierlichen Schlußsitzung die Gründung des Weltverbarides der zion,-akadem, Verbindungen beschlossen. Die nächste Konferenz dieses Weltverbendes soll in W i e n stattfinden. Bemerkenswert ist noch, daß sowohl die lettischen als auch die russischen« jüdischen und deutschen Tageszeitungen täglich Konferenzberichte brachten, was von dem Interesse der Oeffentlichkeit an dieser Studeutentagung zeigt. Dritte Jahreskonferenz australischer Zionisten. Melbourne, 31, Juli. (J. T, A.) Die soeben zu Ende geführte dritte Jahreskonferenz der Zionisti* sehen Organisation in Australien, übe?« mittelte in Kabeltelegrammen an die Zionistische Organf* sation, der britischen Regierung und dem Völkerbund ihre Protestresolution gegen die Immi. gretionssperre. Die bei der Konferenz gehaltenen Reden enthielten durchwegs verbitterte Angriffe gegen die britische Pelästina^Politik. Es wurde beschlossen, alle Anstrengungen au machen, uro m dem nächsten Zionisten« kongreß australisch« Delegierte entsenden iu können. Zum Präsidenten der Organisation wurde der bisherigt Präsident Brodle wiedergewählt, TBfhtlser hebräischer Lehrer wird gesucht von der Hebräischen Schule in St, üelien (Sehwelz). Anfangegehalt F*. 2T5 Ausführliche Bewerbungsschreiben sind zu richten an J. Pas«wsg<fiotteimann in 8t. Qalien, Vadlanstraße 84 #

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