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Die neue Welt · 1930-08-08 · Heft 151 (8.8.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 151 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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n f Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 151 aiiiiininiiiiiniiiiuiMiiiimiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiu sDI» Wiener weltbekannten | ORNATE ■ s s für Rabbiner und Kantorön| Chorand OtenerbeMelttung s Lieferant vieler in- und aus- 5 ländischerKultusgemeinden s V«rMfid nach «litt» § Landern! 5 Illustr. Preiskataloge gratist S AHO s Unlformlerungen und Sportausrüstung s für Vereine und Verbände 5 Maeschnaidaral für s elegante Herrengarderobe 3 3 Billigste Preise Zahlung* erleichtarung S i Rudolf Goldsfein B4 | |Wlen, II., TaborslraRe Nr. %rHr 5 § Telephon R-40-0>48 ■■■■ 5 5 Qegründet 1866 Achtung auf die Hausnummer! j§ Sllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllfllllllllllllllllllllt? iion. Er würdigte die moralischen ABlehnungsglünde des angeklagten Redakteurs, indem er ihnj freisprach, mußte ihn zum Abdruck jener Be richtigungspunkte verpflichten, die die formalen, Prinzipien des Preßgesetzes vorschreiben, den söge nannten „Berichtigungstatsachen", ob sie nun wahr : sind oder nicht. Tatsachen? Tatsachen hat dieser Prozeß ergeben. Auch hier in Wien gibt es einen Markt mit jüdischen religiösen Utensilien, mit denen Sowjetrußland Handel treibt. Auch hier in Wien gibt es jüdische Spekulanten mit diesen Dingen und Rechtsanwälte, die ihren Klienten nicht abraten, damit in die Sonne zu gehen. Auch hier in Wien sind die stummen Blut- Und Fluchzeugen zu sehen! Sozialisten hüben' und drüben. '- Der österreichischen Sozialdemokratie wächst; der Zionismus denn doch über den Kopf. Eine«, fetale Angelegenheit -?" diese Tatsache, daß es * Juden in der Welt gibt. Früher einmal konnte man \ «ich hinweghelfen mit der Prognose, sie werden | bald verschwinden im Schoß des' WeltproletaTiäts, \ der alles absorbiert. Die Juden haben sich nicht stören lassen, haben sich im Zionismus konzentriert, f ein neues Palästina gebaut, eine jüdische Arbeiter-? schaft geschaffen. " \ Die österreichische Sozialdemokratie, vor den ' Kopf gestoßen, fluchte: Reaktionäre! Da kamj Vandervelde, da kamen Leon Blum, Renaudel, [ Wedgwood, Brailsford, Loebe und saugen das Lob|: des zionistischen Palästina und der wunderbaren! Lebenskraft des jüdischen Volkes. Eine fatale Angelegenheit! Was tun? Endlich erscheint ein Helfer aus der Not. Ein Mann namens Schulz, ein größer Historiker, ein profunder Kenner sämtlicher Völkerwanderungen, ein gründlicher Kulturhistoriker. Er weiß, was die andern riieht wissen. Er ist ein Entdecker; Zuerst bei Friedrich Auster-1 litz in der Wiener „Arbeiter-Zeitung", dann bei Stephan Großmann im Berliner „Tagebuch" (im Haus zweier Herren, die es verdammt nötig haben, aus dem fatalen Judentum herauszukommen), legt er seine große Entdeckung nieder: Da wirbelt es von Juden, die auswandern und einwandern, sich vermischen und Proselyten machen, da semitischbeduinisch, dort assyrisch-hellenistisch, ein bißchen römisch, ein bißchen griechisch, ja ägyptischptolomäisch. eingestellt sind u. dgl. m., kurz heute friscb-fromm-fröhlich-frei (was denn also?) weiß-europäisch-arisch sind. Die Araber in Palästina, siehe da, das sind die echten Abkömmlinge der Bar Kochba, Ihnen gehört das historische Land Erec Israel: ein Freve?, dorthin zu gehen. Schulz hat gesprochen. Er hat den Zionismus erschlagen, die Juden aus der Welt geschafft. Die Herren Bauer, Austerlitz, Ellenbogen» Danneberg, sie alle,; alle mitsamt dem genialen Entdecker Schulz, dem „Tagebuch"-Großmann, sind echte Arier, Die Judenfrage ist also gelöst. Versorger. In Oesterreich gilt das katholische Eherecht. Geschiedene Katholiken können keine neue Ehe eingehen. Nach dem Umstürze hat die damalige sozialdemokratische Regierung das Institut der Dispensehen geschaffen, welches geschiedenen Katholiken in gewissen Fällen die Wiederverehelichung ermöglichte. Nun hat der neu zusammengesetzte Verfassungsgerichtshof diese Dispensehen für ungültig erklärt. Wieder stehen die Katholiken vor der kirchlichen Mauer; Eine; harte Verfügung, die viele aufs schwerste trifft. Ein Proteststurm Von Seiten der betroffenen Katholiken wäre ver- ^tändiich_und, i?.ehf begreiflich, aberj. auf ^katholischer Seittf ist yelg^riilteK verhältnismäßig rrunig geblieben. Dafürregeirsieh die Juden TseKr atff. Die Juden, deren Ehen jtöit dieser argen Vcr-; fügung nicht getroffen ^e^§n,v die ajeh;beliebigoft scheiden lassen uöd wieder^VerKeb^tieü Jcönneii,; die unmittelbar niit der Angelegenheit nichts1 zu tuto, haben. Jüdische Journalisten, jüdische Politiker, jüdische Advokaten leiten den Proteststurm. In handhohen Lettern wirtt «weintäl im Tkge dte fer>', fortige Reform des katholischen Eherechtes gefordert. Uebrigens keine neue Sache. Schon vor dem Kriege waten es in Oesterreich jüdische Politiker,, welche den Kampf gegen das Eherecht der Katho-' liken führten, immer energisch und oft ganz allein Man kann sich vowteltem daß diese" ghettojtodische Ma,nie, den Vers'orger der anderen zu spielen," d^r Sache nicht genützt und den Juden wenig Freundschaft gebracht hfth Aber sie können das Versorgen anderer nun einmal nicht lassen, die Juden. In den nächsten Wochen findet in Wien ein Kongrell .für Sexualwissenschaft statt.- Eine funkelnagelneue Sache. Der wissenschaftliche Charakter ist noch fraglieh. Daß sich viele Interessenten finden werden, ' wenn auch nicht aus rein wissenschaftlichen Gründen, ist gewiß. Ungefähr neunzig Prozent der Veränstalter uiid Referenten sind Juden. Warum lauter Juden? Weil die Juden .eben die anderen Nationen versorgen müssen, auf allen Gebieten. Vor dem Standesamte und im Bett* Wohin steuert Rumänien? Zur Gesdihfcte de» Pogrombtitegimg* Voh unserem Bukarester Spezialb erichtersttt ter. Die schonen Gesetze» — Die Regierung, Matten* voll verantwortlich« frei herum» — Antisemitische Studenten als Untersuchungskommissäre« Auslandes»—- Europa seh weigt* — Mörder gehe« — Täuschung des Dobrogeanu*Gherea, Rumäniens sozialistischer Theo« retiker aus dem vorigen Jahrhundert, hat das Wort ge* prägt: „Es wird die größte Revolution in diesem Lande sein, wenn man die. h e s t e h e n d e n G e s.e t z e anwenden wird." Das Wort gilt heute mehr'denn je. Der schroffe Gegensatz z,wischen Gc» setzen und ihrer Anwendung kenn zeich« het Rumänien. Eine moderne Verfassung und Gesetz* gebung dient als Aushängeschild für das Ausland. Im In* land gilt nur ein Gewohnheitsrecht, das wohl nicht kodi* fiziert wurde, aber Volk und Regierung in Fleisch und Blut übergegangen ist: . Für die Verwaltung. gü( das. Backschisch«System, die hemmungslose Korruption; für die Regierung die , Herrschaft der Straße, der Terror der sogenannten Studenten. . . ... -i Die Parteien, die sich formell in. der-Regierung* ab« : lösten, unterschieden sich lediglich dureh den Sättigung^* ■] . ••; Ein Türkberiet mal das Problem, y\ > ■■■ i Wie ihm 'Salat wohl gut;:bekäm'; , : \ Ein Giaur«aus-Wien ßprach wohlgemut: v j „Der Huheuv.Essägvi6t . halt gut!" .r-., p .. \. ,;.., .,.',————i *. ,:..... 'M .:• [ ..—t,—' j grad. An der Herrschaft sein, hieß sich und die Seinen; Sättigen; Opposition, eine Zeitlang,hungern oder sich ein«; schränken. Rumäniens erster König, der Hohenzoller ,j Carol, hat. dieses „Spiel ker Kräfte" eingehend : be» schrieben. Auch im Naehkriegs*Rumänien hat sich dieses Ge* i wohnheitsrecht erhalten. Das Parlament war nur ein Spiel, j zur ewigen Täuschung des Auslandes bestimmt. Die durch v Intrigen und Drohungen an die Adresse des Königs zur^ Herrschaft gelangte Partei schuf sich, mit Hilfe-von j Terror und eines speziell hiefür" geschulten Verwaltungs* J Apparates, ihr Parlament, das ihr diu verlangten"'Aus« i gaben /und Gesetzebewilligte und von der Gnade der Parteiregierungv lebete. ';Die ";Yertn\uensfrage, . die ein Mi* 5 nister stellte, bedeutete niemals eine Schicksalsfrage für!! den betreffenden M i n i s t e rv/( sondern für das Paria«;' •inent, das ja zu •"sage^ir'k)d'erw'se;lbst äbzätfeten hatte. 3 Größe:Reden werden >yohl-gehalt«n,- aber nur zum/Penster . hinaus, für die Straße und das Ausland. . 'Gegen dieses Balkan*Syst8m. hat die national*,; zaranistische Partei unter Führung von Maniu uiid | M i h a 1 a c h e zehn Jahre, hindurch einen erbitterten;' Kampf geführt. Alle Lockmittel der in ihren Ausbeuter* in.teres.sen bedrohten „historischen" Parteien blieben, fruchtlos. Maniu schien, die Stärke zu besitzen, den' Lockungen Widerstand zu leisten, um zum ersten Male in; der Geschichte des Landes einem Programm zum Siege : zu verhelfen. Ein Politiker von konservativen Auf*' fassungen, wollte er zunächst die Gesetzlichkeit' einführen und sein neues, vergrößertes Vaterland, zu einer; normal funktionierenden parlamentarischen Monarchie ge*.i stalten. Er wollte, so schien es in der Opposition, , die - Revolution Dobrogeanu*Ghereas verwirklichen und aüsj^ einem Balkan «Paseh.aUk einen modernen; Staat machen. * Dieser zähe geführte Kampf machte Maniu zum; Heros der Bauernschaft ' und der wenigen wirklichen j Demokraten, seine Partei zur letzten Hoffnung der'Demo«; kratie. Und als er siegte und zur Regierung gelangte, ging l ein Aufatmen durch das Land und ganz besonders durch; die früheren österreichischen, ungarischen und russischen,' Provinzen, die sich der Balkan«Mentalität nicht,' anpassen konnten. Alles erhoffte zumindest eine Aera derj Sicherheit und Legalität. * ,« . Und dann kam die Enttäuschung, die fürchter» Uchste, die Rumänien In den letzten Jahrzehnten er* litten. Der erste, verhängnisvolle Fehler war die Art d«r Parlamentsbildung. Statt durch ein neutrales Beamten* kabinett in freien Wahlen ein starkes Parlament erstehen zu lassen, das ihm eine große Mehrheit gebracht und eine gewaltige Rückendeckung verschafft hätte, griff Maniu zum traditionellen Mittel der Parteiregierung und de» Parteipa.riaments,. wodurch die Stellung seiner Regierung von vornherein geschwächt wurde. Das Parlament war wieder nicht die Emanation der Nation; die Regierung nicht die Emanation des Parlamentes. Auch die Regierung Maniu war so hur auf sich selbst gestellt und den Intrigen der Balkäh*Dlplomä'tie ausgesetzt. Um sich an der Macht zu erhalten, mußte sie den allzu bekannten Weg Ihrer Vorgängerin gehen: Vor der mächtigen, ' halbfeudalen Bänkö«Bojarie der B r a t i a n u «Liberalen 'zurück* weichen, und den Terror der Straße gewähren lassen. Die Regierung Maniu wurde so die Gefangene der nationalistischen; Hetzströmungen.;•-''-. Das Schwanken zwischen, rechts^ und links; ' hat" zur Anarchie geführt. Die letzten Ereignisse, die" Po* grome i'n Börse.ha und in der Südbuköwiha, und die offenen, Ägra'rrcvolite'nV sind die' natürliche Folge dieser ,,Re|gierüri^spöHtik'', . f. .' . ., 1 " ,vfür die die; Regierung, Maniu die volle,..Verantwortung;: . , trägt... . ". V. "■ , ■ " .. . - . '; , .:• / ..; -r; 1 : Die Straße wird von den Studenten und" einigen söge« 'nannten Intellektuellen beherrscht, die: zu Mord und Zer* Störung gegen die 'fünf Millionen M i n ö ri t ä t e h und insbesondere gegen die Juden hetzen und eine' nätiohaH* stische Diktatur des Säbels anstreben. Sie sind in Banden •organisiert und terrorisieren ungestört das- Land. Sie konnten , aber auch die. Regierung Maniu terrorisieren. Einer ihrer Führer, Taslovanü, wurde Kabinettchef des Innenministers Dr. Vaida. Sie fahren auf den Zügen, o h n e Karten zu lösen. Sie erhalten unter allen möglichen Titeln .Staats» Subventionen und werden so vom Staate finanziert, dessen Grundlage 'sie zerstören wollen. . Sic dürfen schlagen, brennen und zerstören, ohne Strafe zu ifürchten. Und bleiben . dabei die verwöhnten .Lieblinge der Re* gierung, die sie zu decken sucht. Als sie von einiger Zeit im moldauischer! 'Städtchen vTargü*Frumos Juden maltrii* tierten und in jüdische Häuser eindrangen, setzten sich einige beherzte Juden zur Wehr und jagten sie davon. Die Folge war, d^ß die Angegriffenen verhaftet und von den Polizisten den, ärgsten Folterqualen ausge« . , setzt wurden. , Die Angreifer aber wurden nicht einmal formell verfolgt, obwohl ihre Namen bekannt waren. Maniu, von aus* ländischen Journalisten befragt, gab zur Antwort: „Was will man von uns mehr? In Targu*Frumos sind wir doch sogar zu "Verhaftungen geschrittehl" Diese frivole Ant* 'wort'kennzeichnet die'Mentalität der Regierer Rumäniens. Daß man nach einem Pogrom zu Verhaftungen schreitet, wird der Welt als eine außerordentliche Maßnahme vor* gestellt. Die balkanische Unehrlichkeit wird aber erst offenbar, wenn man bedenkt, was dieser Ministerpräsi* dent den Journalisten verschwiegen hat: Daß nicht die Pogromisten verhaftet wurden, sondern ausschließlich deren Opfer, die einmal den Mut auf* gebracht hatten, sieh gegen die geheiligten Mörder der Nation zur Wehr zu setzen. Die Wirkung auf die Studentenbanden konnte nicht' ausbleiben. Sie setzten den jüdischen Teil des Städtchens Börse ha in B ra n d und machten dreitausend jüdische Handwerker und Landarbeiter zu Bettlern, denen nichts geblieben ist als das nackte Leben und sonst nur das 'Hemd, das sie in der gräßlichen Nach,t auf sich hatten. Dnnn begannen sie den Vorstoß in den Süden der «

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