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Die neue Welt · 1930-08-01 · Heft 150 (1.8.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 150 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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' Nr. 138 ~ DIE NEUE WEL1 Seit© 5 Sias üdealste und einzigtyerläßliche für B 3hre gesamte Wäsche ist *F" •XJ c » 1l \\* 1 Iii m coktor Balthasar s PURIN lascht I allein lasche ■ blendend leiss GI3o"65/CHE^!{ |I i! h!! et D 0. Gratis proben erliegen Ittr jedermann bei Ihrem Kaulmann oder direkt zu beziehen durch die Fa. A. WALLNER, Wien II, Größe Sperlgaste 37 o ■ Ein Einschreiten der Bundesregierung gegen diesen seit Jahren zum Unterricht eines Sicherheitswachkörpers verwendeten Lehrbehelf erscheint um so dringlicher, weil die gesamte Oeffentlichkei.t, insbesondere aber die österreichische Judenschaft das größte Inter* esse daran hat, von objektiv informierten und nicht von einseitig verhetzten Organen des öffentlichen Sicherheitsdienstes geschützt zu werden. Der gefertigte Verband drückt die Erwartung aus, daß die hohe Bundesregierung durch rasches Eingreifen das Vcr* trauen der österreichischen Judenschaft r.ur Gendarmerie und den übrigen Sicherheitsbehörden vor Erschütterung bewahren wird." Am 24. Juli 1930 hat der Verband folgendes Ant» wortschreiben von der Bundeskanzlei erhalten: „Sehr geehrter Vorstand! In Beantwortung Ihres geschätzten, an den Herrn Bundeskanzler gerichteten Schreibens vom 14. d. M. beehre ich mich mitzuteilen, daß das im Jahre. 1923 in Graz erschienene „Lehrbuch der all« gemeinen Weltgeschichte zum Gebrauch für die Gendar* merie, die Sicherheitswache und sonstige Bundesbeamte" nie, einen offiziellen Charakter hatte, sondern daß r— wie aktenmäßig nachgewiesen werden kann — laut der Schulinstruktioii für die Gendarmerie als Lehrbehelf .für den Gegenstand „Geschichte'.', nur die Ver» wendung des „Kurzgefaßten Lehrbuches der Fächer des allgemeinen Wissens von. Dr. Friedrich Garn p.p" ange* ordnet war. Das in Rede stehende Buch war somit ledig* lieh eine Privatarbeit, von der das Bundeskanzleramt erst jetzt Kenntnis erhalten hat und die auch keine nennenswerte Verbreitung erhalten haben dürfte. Der Gegenstand „Geschichte" wurde übrigens nur in den Chargenschulert gelehrt. Da dieser Gegenstand nunmehr aufgelassen ist, besteht keine Veranlassung, wegen einer allfälligen nebenhergehenden Benützung des eingangs genannten Buches eine Verfügung zu treffen. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung Albert Meli, Sektion&chef." Aus dem Schreiben geht hervor, daß die derzeitige Regierung kein Verschulden trifft, aber es bleibt bedauer» lieh, solche Elemente wie diesen Oberinspektor 'Franz Neubauer im österreichischen Sicherheitsdienste zu wissen. Hoffentlich wird die Regierung dafür Sorge tragen, daß auch eine „nebenhergehende" Verwendung der Geistesprodukte dieses Herrn in Hinkunft aus* geschlossen bleibt. Amerikamsdies* beschnittener, roter Hund! Der bekannte russich»jüdische Filmregisseur S. M. Eisenstein, welcher alle Propagandafilme der Sowjetregierung zusammenstellte und bisher als Liebling der Moskauer Machthaber galt, hat den Dienst der Sowjet» regierung verlassen und einen reich bezahlten Posten bei ddr amerikanischen ParamountiGesellschaft in Hollywood angenommen. Daraus ist eine politische Affäre ent* standen, welche riesiges Aufsehen erregt. Wie aus Hollywood telegraphiert wird, erschien in den führenden Hollywooder Blättern ein „Offener Brief" des bekannten Hollywooder Filmmannes Major Frank P e a s e, des Präsidenten der „United Technical Directör Association", der von wüsten B e s c h i m p* f u n g e n gegen Eisenstein und Jesse L a s k y, den Präsidenten der Paramount, strotzt. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut; „Wenn Eure Rabbiner nicht genug Mut haben und Ihr selbst nicht genug Verstand oder Loyalität gegen das Land, dem Ihr alles verdankt, und so nicht ver* hindert werden konnte, daß Sie einen beschnittenen, roten Hund wie Eisenstein in unser Land bringen, so lassen Sic mich Ihnen mitteilen, daß wir kein Mittel unversucht lassen werden, ihn wieder hinauszu» schmeißen. Wir wollen keine roten Propagan* d i s t e n in unserem Land! Wollen Sie aus den amerikanu sehen Kinotheatern vielleicht kommunistische Seuchen* herde machen? Denken Sie daran: Amerika ist der Zufluchtshafen für die Hebräer seit vielen Jahren, ein Land, in dem es noch niemals einen Pogrom gegeben hat, ein Land, in dem noch niemals ein Jude deswegen, weil er ein Jude ist, getötet wurde, ein Land, in dem wert* volle und charaktervolle Juden genau so respektiert werden wie alle anderen Menschen. Ihr unbeschreibliches Verbrechen, den Kommunisten Eisenstein zu importieren, müßte von allen ehrenhaften nnd schamhaften Juden energisch zurückgewiesen werden, wie es von allen loyalen Amerikanern zurückgewiesen wird. Es würde keines Samson bedürfen, um den Bolschewiken* tempel, 'den Sie errichten wollen, zu zerstören!" B. P. S c h u 1 b e r g, der Generalmanagcr der Paramount, hat dem Schreiber dieses Briefes ebenfalls öffentlich erwidert. JBERNA'-Käse essen — ein Vergnügertl Die britische Regierung und die Kritik der Mandatskommission. London, 26. Juli. (J. T. A.), Der Unterstaatssekretär für die Kolonien im letzten konservativen Kabinett Baldwin,.Ormsby Gore, fragte im Unterhaus, ob der vollständige Text der Aeußerungen der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes zur Ausführung des Palästina-Mandats im vergangenen Jahre im Besitz der Regierung ist, wann und durch wen sie im vo 11 e n Wortlaut zur Veröffentlichung gelangen werden und ob die Regierung beabsichtige, angesichts der von dem beratenden Komitee des Völkerbundes erhobenen Kritik in naher Zeit Schritte zu unternehmen, um ihre Mandatsverpflichtungen zu erfüllen. Der Unterstaatssekretär für Kolonien, Doktor Drummond Shiels, antwortete: Die Regierung hat den vollen Wortlaut des Berichtes der Mandatskommission. Was die zweite Frage betrifft, so bin ich dahin unterrichtet, daß der Bericht der permanenten Mandatskommission an den Völkerbundsrat zusammen mit den darauf bezüglichen Rückäußerungen der britischen Regierung vom Sekretariat des Völkerbundes veröffentlicht werden wird, sobald nimm Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher für Eure Kinder nur in der jüdischen Buchhandlung J TUCHtlGl* G>.*Stadtgutg. 7 Hermann (Icke Tabor8traBe 52) Tel. R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßi- Lgen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! nhH,,nWKi»m,.Wm.mnn.lHllmm^lm,.mllm,ll,UtiulmmMmlnnmnnmMMM,mnmmmnmnrim.m^ die Rücküußerung übermittelt sein wird. Was den letzten Teil der Frage betrifft, so wird die Regierung, gleich ihren in der Vergangenheit für Palästina verantwortlichen Vorgängern, fortfahren, das Land im Einklang mit den Bestimmungen des Mandats zu verwalten. Jede von der permanenten Mandatskommission vorgeschlagene Maßnahme zur besseren Verwirklichung der Mandatsziele wird von der Regierung mit sorgfältigster Aufmerksamkeit betrachtet werden. Bis auf weiteres kommt kein jüdischer Arbeiter nach Palästina. Jerusalem, 24. Juli. (J. T. A.) Mit dem Dampfer „Adria" trafen in Palästina 175 Passagiere, darunter 30 Chaluzim, ein. Damit sind, wie verlautet, die der Jewish Agency gewährten 950 Zertifikutc erschöpft. Aufhebung des Einreiseverbotes für Jabotinsky. Jerusalem, 26. Juli. (J. T. A.) „Dawar" teilt mit, daß die Frage der Einreise Wladimir Jabotinskys nach Palästina vom High Commissioner von Palästina, Sir John Chancellor, der sich bekanntlich gegenwärtig in London aufhält, neu geprüft wird. Die Neuprüfung des Falles ist auf die Intervention der Jewish Agency und die Proteste einer Reihe zionistischer Körperschaften zurückzuführen. Die Warschauer Zeitung „Der Ha j nt" meldet, daß das Einreiseverbot gegen Jabotinsky bereits zurückgezogen sei und daß sich Jabotinsky dem» nächst nach Palästina begeben wolle, um eine neue Zeitung mit dem Namen „Haschachar" zu begründen. Eine amtliche Bestätigung der Nachricht von der Zurück* nähme des Einreiseverbots für Jabotinsky liegt bis jetzt nicht vor. Sir Herbert Samuel wird Vizekönig von Indien? London, 28. Juli. Wie die Jüdische Telegraphen- Agentur aus parlamentarischen Kreisen erfährt, soll der britische Ministerpräsident McDonald mit Sir H e r b e r t Samuel wegen seiner eventuellen Ernennung zum Vizekönig von Indien als Nadif olger Lord Irvins Fühlung genommen haben. Die Amtszeit des gegenwärtigen Vizekönigs von Indien, Lord Irvin, läuft Anfang nächsten Jahres ab. Es wird allgemein angenommen, daß der frühere High Commissioner für Palästina gern Gelegenheit nehmen würde, die nächsten Jahre im Osten zu verbringen, der auf ihn immer eine starke Anziehungskraft ausgeübt habe. Im Falle der Ernennung Sir Herbert Samuels, wird dieser der zweite Jude in diesem hohen Staatsamt sein. Seine Freunde und Kollegen im Unterhaus sagen, er sei einer der wenigen Staatsmänner, die imstande sein würden, die hohe Leistung Lord Readings während dessen Amtstätigkeit zu erreichen. * Schon einmal hat Sir Samuel seinen „Drang nach dem Osten" befriedigt, leider auf unsere Kosten, auf Kosten der Juden, als er als Gouverneur, und zwar als erster Gouverneur, nadi Palästina ging. Die jetzige Händen. Ihre Gespräche drehen; sich um Landespolifik, mehr aber noch um Ernte, Anbau, Kühe und Beduinen« Überfälle. Einer, der auf einem reparierten Stück eines Dampftraktors hockt, liest Schopenhauer, während die anderen sich entschließen, ein Lied zu singen, das bald der andere Teil der jüdischen Fahrgäste aufnimmt. Der andere Teil, das sind Städter aus den drei großen Städten des Landes, darunter ein paar marok« k a n i s c h e Juden, die sich eben — es ist die Zeit des Nachmittagsgebetes — in der Mitte des Waggons auf* stellen und zu beten beginnen. Der Gesang bricht ab; man wartet das Ende des Gebetes ab. Es kommt aber nicht zum Weitersingen, denn in Bittir, der alten Makkabäer» festung, steigen ein paar arabische Fellachen ein, die unter jeder Bedingung ein Schaf in den Waggon mit» nehmen wollen. Der Kondukteur, ein Neger, steht auf dem Standpunkt, daß dies verboten sei. Die Fellachen, an ihren gelben Turbanen als Bauern aus dem Gebirge er» kennbar, sind anderer Ansicht, so daß sich bald ein sehr angeregter Meinungsaustausch, an dem der gesamte Wag» gon teilnimmt, entwickelt. Die städtischen Araber, hochelegant, parfümiert, und die städtischen Juden er» klären sich gegen das Schaf, die jüdischen Bauern gehen mit den Leuten von Bittir. Schließlich packt ein herrlich tätowiertes Bittir« mädchen das Streitobjekt und verschwindet mit ihm in einem der drei Frauenabteile, die Männern strenge ver* wehrt sind. Die Frage eines der Chaluzim, ob das Schaf •u«h tatsächlich ein Weibchen sei, wird nicht gelöst, denn die Fellachen, ihres Sieges froh, beginnen zu singen. Es ist eines jener unendlich langen arabischen Lieder, die man stundenlang singt, wobei man zwischen den Strophen Zwiebel ißt oder alte Familienzwistigkeiten austrägt. Die Chaluzim haben sich inzwischen um einen Judenmissionär gruppiert, der Bücher und Trak* tätchen unter ihnen verteilt, die sie dann zum Fenster hinauswerfen. Einen, einen dicken Kerl aus dem Galil, beobachtete ich, der siebenmalmit frommer Miene heran» kommt und um ein Buch bittet. Er verrät mir dann, daß er-; seit Jahren — er ist so etwas wie ein wandernder Landkaufmann und Viehdoktor — seinen Papierbedarf auf Aese Weise decke. Schließlich bricht auch diese Unterhaltung ab, denn einerseits geht dem Missionar der Vorrat zu Ende und andererseits beginnt zwischen einem riesigen Sudan* neger und einem zierlichen Jemener ein wüster Styejf über die Frage, ob Aegypten größer sei als Amerika >efpektive ob New York in Amerika oder Amerika in New York liege. Ein Teil des Waggons nimmt schnell Partei, so daß zwei Beduinen, schwarzäugige, wilde Burschen, mit den Schwertern in den Händen, die soeben einstiegen, sich auf zwei Bänke hinlegen können. In einer anderen Ecke aber hat sich still und zufrieden eine Ge» Seilschaft etabliert, die sich um den Streit zwischen Aegypten und dem fernen Amerika nicht kümmert. Es sind zwei Polizeisoldaten, die, die Gewehre über den Knien, zwei Gcntlemen gegenübersitzen, die in durchaus nicht auffallender Weise durch eine kleine Stahlfessel an* einandergebunden sind. Der Zug nähert sich Ludd, der großen Umsteig* stelle. Ein Kind beginnt zu heulen und im Nu machen 1 sich zehn oder zwanzig Kinder, die aus allen Ecken her» vorkriechen, in allen Sprachen des Orients in ähnlicher Weise bemerkbar. Ich flüchte in den anderen Waggon und bin — mitten in Zentralasien. Afghanen sitzen da, mit untergeschlagenen Beinen, ernst, als würde der Weltuntergang zur Beratung stehen. Ehrwürdige Gestalten in langen Kaftanen und riesigen weißen oder schwarzen Turbanen. Einer nur in der neuen persischen Mütze, die wie eine altösterreichische Finanzwächterkappe aussieht. Pilger auf der Fahrt nach Mekka, beten sie Rosenkranz und zählen unaufhörlich ihre phantastischen Gepäckstücke, in unabsehbarer Zahl, die, in herrlich schönen Teppichen verpackt, jeden Versuch, den Waggon zu durchqueren, aussichtslos machen. Unberührt von der Mystik Zentral» asiens, von Afghanistan, Zwiebelduft und Gepäckstücken, aber sitzt ein langer amerikanischer Tourist mitten unter ihnen, saugt an seiner Pfeife und liest den „New York Herald" vom Anfang bis zum letzten Inserat. In Ludd wird es einen Augenblick ruhig, die meisten steigen um. Dann aber, da der Zug aus Haifa eingelaufen ist, stürmt ein neues Völkermuseum mit Elan und uner» hörtem Geschrei den Zug und ein neues gemischtes Pro» gramm der Völkerschau Palästinas beginnt, das zu ge* nießen nicht mehr als acht Gurusch palästinensischer Währung kostet, wobei die Fahrt von Jerusalem nach. Tel» Awiw inbegriffen ist.

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