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Die neue Welt · 1930-08-01 · Heft 150 (1.8.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 150 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NBUE WELT 0 Nr. 150 traurige Lage ist das Produkt seiner Regiefüngiwetiheit, welch« arabische Verbrecher an den Juden aus dem Kerker holte und in hohe Aetnter einsetate, tagtäglich die Rechte der Juden verkürzte und Prämien auf Raub, Mord und Verhetzung setzte. Sir getaut! war ei, der den arabischen Politikern Mut gab und sie dahin brachte, dem Völkerbünde zu trotzen. Er, der Jude, war es, der das jüdische Recht auf Palästina Stückweise preisgab. An den Juden hat er ein Verbrechen verübt und England hat er schlechten Dienst erwiesen. Seine Freunde glauben, daß er in Indien „fache Leistungen" veffichten werdeI Mögen sie doch recht behalten. Aber Gott schütze Indien und England und die ganze Welt Vor Leistungen, wie sie Sir Samuel in Palästina vollbracht hat . . . ■ Allrumonlscher jüdischer Studentenkongreß behördlich verboten. Bukarest, 27. Juli, (J. T, A.) Ein allrumänischer Kongreß jüdischer Studenten, der in dieser Woche in Czernowitz hätte eröffnet werden sollen, ist von den Czernowitzer Behörden verboten worden. Die Vereinigung jüdischer Studenten beabsichtigt, bei der Regierung Protest einzulegen. Die deutschen Dreyfus-Akten unauffindbar. Berlin, 27. Juli. (J. T. A.) Nach einem Vortrag des Berliner Rechtsanwaltes Dr. Bruno Weil in Paris hat die Französische Liga für Menschenrechte auf parlamentarischem Wege die Publikation aller bisher noth nicht bekanntgewordenen Dfeyfus«Akten ge# fordert. Gleichzeitig hat sich Dr. Weil mit dem Reichs* wehrministerium wegen der Veröffentlichung der auf den fall Dreyfus bezüglichen preußischen General« stabsakten in Verbindung gesetzt.. Dr. Weil erhielt so* eben die Antwort, die Akten seien im Reichswehrmini« sterium trotz Nachfrage bei den verschiedensten Ressorts ünauff i- " - r. Die Nachforschungen würdei. fort* gesetzt werden, doch sei es nicht ausgeschlossen, daß die Akten in der Revolutionszeit in Verlust geraten seien. IMM.....I....... Der Hetzpastor Münchmeyer — wieder freigesprochen. Der berüchtigte ehemalige Pastor Münchmeyer stand vor dem Brieger Schöffengericht, um sich wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik und wegen Beschimpfung des Reichsbanners und seiner Führer zu verantworten. Die Verteidigung des Angeklagten hatts der aus dem Schweidnitzer Prozeß* berüchtigte Münchener Anwalt Dr. Frank II übernommen. Der Vorsitzende hätte auch in diesem Prozeß ein Verbot des Tragens von Uniformen und Abzeichen für alle Prozeßbeteiligten erlassen. Münchmeyer, der demonstrativ mit einem Hakenkreuzabzeichen vor Gericht erschien und dieses trotz Aufforderung nicht abnahm, wurde wegen Ungebühr mit einer Ordnungsstrafe von 30 Mark belegt. Während der Vernehmung eines völkischen Entlastungszeugen, des Reichsbahninspektors Wystrach, kam es : jl einer unliebsamen Szene, da Wystrach sich weigerte, Herrn Rechtsanwalt Foederer auf eine Frage Antwort zu geben, mit der Begründung: „Er antwortet nur einem Deutschen, keine m Juden." Er kehrte sodann Herrn Rechtsanwalt Foeder ostentativ den Rücken zu. Wegen dieser Beleidigung des Vertreters der Nebenkläger wurde der famose Reichsbahnbeamte in eine Ordnungsstrafe von 50 Mark genommen. Münchmeyer wurde schließlich, nachdem der Oberstaatsanwalt fünf Mona.te Gefängnis beantragt hatte, aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Sowohl er als auch sein Verteidiger Dr. Frank wurden von den Brieger Nazis stürmisch gefeiert und sprachen am Abend in einer öffentlichen Versammlung* Die Staatsanwaltschaft wird gegen die Freisprechung voraussichtlich Berufung einlegen. In diesem Zusammenhang ist die Behauptung Münchmeyers, er sei bis jetzt in 66, Strafprozesse verwickelt und davon 64m al freigesprochen worden, nicht ohne Interesse. Die fortgesetzten Freisprüche radauantisemitischer Hetzapostel sind Freibriefe für derartige Elemente. Wenn Deutschland nidit zur Befriedung kommen kann, wenn die hakenkreuzkrischen Rohlinge und Hetzapostel ihr Handwerk immer unverfrorener treiben, so trägt nicht zuletzt die Milde und die auffallende Nachsicht, die deutsche Gerichte ihnen immer und immer wieder beweisen, in sehr erheblichem Maße dazu bei. Außenminister Senator Dr. Alberto Salomon über das Projekt der jüdischen Kolonisation in Peru. Berlin, 26. Juli. (J. T. A.) Der hier vorübergehend weilende Außenminister der südamerikanischen Republik Peru, Senator Dr. Alberto Salomon, empfing den Berliner jüdischen Journalisten Hermann Swet und äußerte sich über das vor einiger Zeit aufgetauchte und von dem Berliner Rechtsanwalt Doktor Kirschenberg und Oberstleutnant Freiherrn von Ma 1 z a h n in den führenden Kreisen der jüdischen Emigrationsgesellschaften stark propagierte Projekt einer jüdischen Kolonisation in Peru folgendermaßen: Das Projekt des Herrn Rechtsanwalts Dr. Kirschanberg und des Oberstleutnants von Malzahn ist mir unbekannt. Falls die für großangelegte Siedlungen notwendigen Mittel vorhanden sind, besteht kein Zweifel, daß Peru hierfür ein geeignetes Feld wäre. Ihr lia«fih«lm bauen sie am besten durch die .OBUf Otsterreichische Bauu. SUdIunjsgemtln*«h«ft f. a. in, b. N.. oras. MH ar«sMl«a«m a«ltf«. Audi K*uf u Abtöte von Zifltttypo- Hirten. Qtm* litiMnfoie BsiiieartsneiMfl» scfiaf« OtMerrelch«, HaiptitNhlftatitlit: «Mti, Mntmf*» 1/1. Satzungen, Ztitschfift und Kroftptki« gegen S 1.90 in öffttmiritMi totm*wtH*0mmmmmmmmimmmtmmHmtm*9 Die peruanische Regierung steht mit verschiedenen Immigrattons- und Kolonisationsgesellschaften in Unterhandlungen und in Peru sind im letzten Jahre eine große Anzahl polnischer Familien durch Vermittlung einer in Warschau bestehenden Kolonieationggesellscliaft angesiedelt worden. Ich empfehle allen, die sich für die Frage der Möglichkeiten einer großangelegten judischen Kolonisation in Peru interessieren, sieh, direkt an die Direccion de ImmigracJon des Ministerio de Fomento in Lima zu wenden. AntischHchtbewegung in der Tschechoslowakei. Prag, 26. Juli. (J. T. A.) Vor kurzem ist zwischen der Kultusgemeinde Pilsen und der Genossen* schaft der Fleischer und Selcher in Pilsen ein Streit wegen der Viehschlachtung ausgebrochen, da die Kultusgemeinde dagegen Verwahrung einlegte, daß der rituellen Schlachtung auf dem städtischen Schlachthofe Pilsens Schwierigkeiten in den Weg. gestellt werden. Die Sache kam bis vor den Obersten Verwaltungsgerichtshof, der zugunsten det Pilsener Kultusgemeinde entschied. Nunmehr hat aber der Ausschuß der Fleischergenossenschaft einen Beschluß gefaßt, durch den er seinen Mitgliedern die Beteiii» gung an der rituellen Schlachtung Und an allen Vorbereitungen zu einer solchen .verbietet. Erst nach dem rituellen Schnitt dürfen Genossenschaftsmitglieder Schlachtarbeit verrichten. Be* gründet wird diese Entschließung damit, daß die Koscher« Schlachtung veraltet ist, daß bei der Schlachtung die Tiere sehr leiden und daß alle Genossenschaftsbeamten auf dem Schlachthofe Mitglieder des Tierschutz« Vereines seien, so daß man sie nicht zwingen könne, gegen ihre Ueberzeugung zu handeln. Antisemitismus beim Verein der Auslandsdeutschen (V. D. A.). — Der Wiener Rektor Gleispach. i Berlin, 27. Juli. (J. T. A.) Der Nachrichtendienst des Deutschen Studentenverbandes schreibt über die Tagung das Vereins für das Deutschtum im Ausland in Salzburg: Bekanntlich war der Anlaß, die Tagung auf Österreichischem Boden abzuhalten, das fünfzigjährige Jubiläum der deutsch-österreichischen Mitgliedsgruppe des V. D. A.: des Schul Vereins Südmark. Die Gefahr des Ueberhandnehmens der radikalpolitischen Tendenzen eines großen Teiles der österreichischen Mitgliedsgruppen V. D. A., war durch diese Tatsache gegeben. Die Leitung des V. D. A. hat zwar ihr möglichstes getan, um diese Tendenzen nieht zu stark in den Vordergrund treten zu lassen, jedoch, hat die Mitwirkung des derzeitigen Rektors der Wiener Universität, GrafGleispach, zu einem un a ngenehmen Zwischenfall geführt. Ale Minister a. D. Külz sich in seiner Rede „Gegen die Rftssenschnüffelei" wandte, wurde dadurch eine ungeheure Entrüstung über dieses ..ii n d e u ts c h e" Verhalten entfesselt. Die österreichischen Vertreter auf der Tagung der akademischen Ortsgruppen des V. D. A., zum allergrößten Teil Angehörige der Wiener „Deutschen Studentenschaft'\ beschlossen einstimmig die Mißbilligung der ..Entgleisung" des Ministers Dr. Külz. Außerdem wurden Schritte eingeleitet vom Deutschen Schulverein Süd mark; um eine „Bereinigung" des „Zwischenfalles" zu bewirken. Rektor Gleispach brachte seine Stellungnahme dadurch zum Ausdruck, daß er .auf seine Diskussionsrede zu dem Vortrag von Minister Dr. Külz verzichtete. Hierzu bemerkt die „Welt am Montag": Der V. D. A., der bekanntlich aus Wichtige Neuerscheinung! -mn» In unserem Verlage erscheint soeben: MACHSOR <F«ttfl«b*t« für diej hohsjn Fatortag«) mit vollständigem, ungekürztem Text, mit einer neuen Uebersetzung von Prof. Dr. Jakob Bronner, Wien Diese neue Uebersetzung zeichnet sich vor alten anderen, bisher vorhandenen durch ihren modernen Stil und ihre Klarheit aus. Der Name des Uebersetzers bürgt für deren Zuverlässigkeit und Gründlichkeit. Sowohl der hebräische als auch der deutsche Text (Lateinschrift) ist in klarer, schöner Type auf vorzüglichem holzfreien Papier gedruckt und sorgfältigst korrigiert Der Machtor eignet sich auch vorzüglich für Geschenkzwecke und soll in keinem jüdischen Hause fehlen 1 Prtjfs in 2 Leinenbänden . . . S 7.— „4 „ . . .1 10.- „ 4 Luxusbänden . . . S 14.— Zu beziehen in allen hebräischen Buchhandlungen sowie in der Veriassbucfthnndiuns Hendl Salzmann WI«n fi, OroB« Schilf«««»« 4 - T«l. R»37**»71 öffentlichen Mitteln gefördert und für dt« deutschen Schulen beinahe offiziell ist, bemüht sich um die Unterstützung der republikanischen Parteien,' Er wird damit wenig Glück haben, wenn er nicht zwischen lieh und dem Antisemitismus seiner österreichischen Filiale einen sehr dicken Strich zieht. Störung des Gottesdienstes in der Breslauer Synagoge. Breslau, 25. Juli, (J. T. A.) Sonnabend, den 19. Juli kein es in der alten Synagoge jcü unliebsamen Störungen des Gottesdienstes. Fünf junge Leute haben an der Ecke Wallstraße einen 2um Gottesdienst gehenden Juden an« gehalten, mit Zurufen belästigt und bis sur Synagoge ver> folgt. Drei von ihnen betraten dann die Synagoge und störten deh Gottesdienst, so daß das Überfallkommando gerufen werden mußte. Zwangsversteigerung des jüdischen Friedhofe« in Güsten. Güsten» 27. Juli. (J. T. A.) Im „Anhalter Ku. Her" vom 12. Juli d. J. wird folgendes bekanntgemacht: Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Güsten gelegenen, im Grundbuch von Güsten auf den Namen der Israelitischen Kultusgemeinde in Güsten ein* getragenen Grundstücke a) Synagoge am Kirchplatz, b) Wohnhaus mit Zubehör am Kirchplatz, c) i s r a e 1 u tischer Begräbnisplatz Freitag, den 5. September 1930, halb 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht in Güsten, Hotel „Thüringer Hof", versteigert werden. Sodom aufgefunden? Berlin, 28. Juli. (J. T. A.) Durch die neuesten Grabungen des römischen Bibelinstituts in Transjordanien bei Tel Gassul, etwa 6 Kilometer nordöstlich vom Toten Meer am Wadi el Jorfeh, soll nun die Stätte des geschichtlichen Sodom festgestellt worden sein. Es wurden Häuser, die Reste von Oefen, Kornspeichern und Mühlen zusammen mit menschlichen Ueberresten freigelegt, daneben eine große Menge von Messern, Pfeilen, Tonscherben, Halsketten, Alabaster« kugeln usw. Weitere Grabungen wurden nach dem Norden und Süden vorgenommen. Man hat ein Gebiet durchforscht, in dem die Fundamente von Steinmauern zutage traten. Es ergab sich, daß die Ruinen von Tel Gassul bis etwa 3000 v. Chr. zurückreichen und die hier ge« legene Stadt, die eine große Blüte erreicht hatte, um 2000 v. Chr. zerstört wurde. So ist man zu der Ueber« zeugung gelangt, daß die Stätten von Sodom und Gomorrah im Norden des Toten Meeres lagen, nicht im Tale Siddin am Südende des Toten Meeres, wie man früher angenommen hat. Wissenschaftlicher Fund. — Die Medizin der Althebräer. Prag, 26. Juli. (J. T. A.) Aus N i t r a, in der Slowakei, wird berichtet: Der Nitraer Rabbiner Markus Vorhand, der, wie die J. T. A. seinerzeit berichtete, zum Zwecke von Studien mit Bewilligung des Papstes , durch einige Monate die Biblio thek des Vatikans benützt hat, hat einen wertvollen Fund" gemadht, dem man in wissenschaftlichen Kreisen große Bedeutung beimißt. Er entdeckte die Handschrift eines medizinischen Werkes in althebräischer Sprache, das noch aus den Zeiten datiert, da die medizinische Wissenschaft bei den Juden und Arabern in hoher Blüte stand. Da ein Abschreiben des Werkes unmöglich war, ließ Rabbiner Vorhand Seite für Seite photographieren. Eine deutsche Uebertragung des Werkes dürfte in der nächsten Zeit erscheinen. , Protest der jüdischen Jugend in Skandinavien. Die „Neue Welt" erhält aus Trondhjem fpl* geuden Bericht: Folgende Resolution ist auf dem Zweiten Skandinavischen jüdischen jugendkongreß in Trondhjem (7 bis 9. Juli) angenommen worden: Der Kongreß der skandinavischen jüdischen Jugendvereine protestiert gegen die Sperrung der Einwanderung nach Palästina. Er sieht in dieser Handlung der englischen Regie* rung eine Verletzung der Bestimmungen des Mandats und erwartet von der Exekutive der Jewish Agency, daß sie alle ihr zu Gebote stehenden Mittel benützen wird, um die Oeffnung der Tore Palästinas zu erwirken. Der Skandinavische jüdische. Jugendverband weiß sich in dieser Forderung einig mit dem größten Teile der jüdischen Welt. Der Skandinavische jüdische Jugendverband wird seine «Kräfte daransetzen, aktiv an dem Aufbau des jüdischen Palästina mitzu* wirken. Bürokratismus oder grausamer Hohn? Jerusalem, 23. Juli. (J. T. A.) Die hebräische Arbeiterzeitung „Dawar" berichtet, daß das Einwanderuugsdepartement der Regierung alle diejenigen, die um die Erlaubnis bitten, Verwandte ins Land bringen zu dürfen, an die Jewish Agency in Palästina Verweist, wo sie, wie ihnen im Einwanderurigsdepartement gesagt wird, Arbeiter Zertifikate erhalten sollen. „Dawar" kommentiert diese Handlungsweise des Einwanderungsdepartements der Palästina-Regierung und sagt, sie stelle entweder einen krassen Fall stumpfsinnigen Bürokratismus oder grausamen Hohns dar, nachdem ja die Arbeiterein Wanderung suspendiert worden ist.

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