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Die neue Welt · 1930-08-01 · Heft 150 (1.8.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 150 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit dM Laxatoampftf* tt ftaftdfafcrtt« I« MHtttliMcr II" fahrt! Q«?ua ~ Ntao«! -SitiflM- Aegypten-PaUttina - Syrien ~ 2yptm - KonstannnoDel — Athen — Neapel — Marseille — Genna zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: .Sitmtr*, I. KaTntnerrlng 18 (Ecke Schwaizenbergpiatz) Telephon U-46009 IBS aas 2SJÖ Unter der jüdischen Bevölkerung von Orheiu herrscht begreiflicherweise eine schreckliche Stimmung. Der Zustand des verletzten Schmiel Landau ist ganz hoffnungslos. Wie die Gerichte arbeiten. — Plünderer freigesprochen. Suczawa, 25. Juli. Gestern begann die Verhandlung gegen einzelne Plünderer. Zunächst standen fünf Bauern vor dem hiesigen Tribunal, welche angeklagt waren, am 10. Juli in Bosancea jüdische Häuser aus* geplündert zu haben. Angeklagt sind: Gheorghe Dragoiu, Stefan Dawid, Jon Holbet, Gheorghe Onin und Nicatia Croitor. Sie wurden beschuldigt, in Bosancea Plünde« r u n g e n verübt zu haben. Die Verhandlung fand unter dem Vorsitz des Landesgerichtsrates Dr. Wachtel statt. Beisitzer war Richter Turcan. Vertreter der Privat? beamte Avd. Dr. Sromminger. Aus den Zeugenaussagen geht hervor, daß die Angeklagten geplündert hatten. Nach Schluß des Beweisverfahrens verlangte der Staats» anwalt s t r e n'ge Bestrafung. Nach einer Weile ver* kündete der Vorsitzende das Urteil, nach welchem' samt* liehe (fünf) Angeklagte f reigespfpeh en wurden, Der Staatsanwalt meldete die Nichtigkeitsbeschwerde' an. Die Angeklagten wurden auf freien Fuß gesetzt. Codreanu verhaftet. Budapest,- 25. Juli. (J. T. A\) Die rumänische -Re* gierung hat sich nunmehr entschlossen, ernste Maß* nahmen gegen den -Führer der „E is.e r n e n Ga rd e", Zelea Codreanu, zu unternehmen. Codreanu gilt als der Anstifter der letzten hauptsächlich antisemitischen Aus* schreitungen und ist auch in die Attentatsaffärc gegen den Staatssekretär Anghelescu verwickelt. Codreanu, der bereits vor einigen Tagen vom Untersuchungsrichter vernommen worden ist, war über die ihm drohende Ge* fahr unterrichtet und vor zwei Tagen spurlos aus Buka« rest verschwunden. Die Polizei erließ nun einen Steck* brief und es gelang, Codreanu heute morgen in Jassy zu ermitteln und festzunehmen. In Bukarest werden noch anderweitige Verhaftungen vorgenommen, namentlich in antisemitischen S t u d e n 1e n kr e i s e n, wo neue Attentate gegen Politiker und Journalisten, besonders gegen die Chefredakteure der Zeitungen „Adevcrul" und ,,,L u p t a" geplant Worden waren./ Nene drohende Flugblätter der „Eisernen Garde". Bukarest, 25. Juli. (J. T. A.) Die Verteilung a n t i* semitischer Flugblätter in den Straßen Buka* rests, auf Bahnstationen und Hältestellen anderer Ver» kehrsmittel wird fortgesetzt In den Straßen Buka* rests erschienen neue Anschläge der antisemitischen „Eisernen Garde", worin diese Organisation ihre Solidarität mit dem Angbeles««* Attentat er; B«ia erklärt. Die gleichen Ansehläge enthalten Drohungen gegen die Redakteure jener Zeitungen, die; gegen die Antisemiten und Exzedenten scharfe Maß* \ nahmen verlangt haben, besonders gegen die Redaktcure! der Zeitungen „Adevcrul"« „Dimineatza" und „Lupta". Hat Kabinettchef Tailaoann den Antisemiten Vorschub geleistet? Wien, 26. Juli; (J. T. A.) Wiener, Blättermeldungen zufolge ist der Kabinettchef im Innenministerium, Gheorghe Tazlaoanu, der im Zusammenhang mit dem Attentatsversuch auf den Unterstaatssekretär Anghelescu verhört werden sollte, unauffindbar, Tazlaoanu stehe unter dem Verdachte, Beziehungen au der antisemitisch* faschistischen Terror*Gruppe au unterhalten, da er in der Vergangenheit häufig die Arretierung antisemitischer Agitatoren, besonders der bekannten Antisemitenführer Danila und Totu, dadurch verhindert haben soll, daß er die Angeschuldigten in den Räumen des Innenministe* riums gelbst verborgen gehalten habe. Im Gegensatz zu dieser Version wird am gleichen Tage aus Bukarest gemeldet: Während der Einvernahme Corneliu Zelea Codreanu« durch den Unter* suchungsrichtcr brachte dieser den Kabinettchef des Innertministers Gheorghe Tazlaoanu in Zusammenhang mit der A 11 e n t a t s a f f ä r e, Der Untersuchungsrichter lud daraufhin Tazlaoanu zur Einvernahme vor. Dieser erklärte dem Untersuchungsrichter, daß er mit der Affäre nichts zu tun habe. „Dimineatza" stellt in diesem; Zu* sammenhange fest, daß nach ihren präzisen Informationen Tazlaoanu zu den. a n t i s e.m i t i s c h e n O r g a n i s a* Honen r e g e* B e z i e hu n.g e n unterhalte. Konferenz jüdischer Organisationen in Rumänien.; Schutz vom König, verlangt. Bukarest, 26. Juli. (J. T. A.) Die im Zusammen* hang mit den antisemitischen Ausschrei* tun gen vom Jüdischen Parlamentsklub nach Bukarest einberufene. Konferenz der jüdischen Organisationen Rti* rhäniens fand in Anwesenheit von 167 Delegierten aus 74 Städten und Distrikten statt. Die Union rumähi« s c her Juden und eine Anzahl jüdischer Gemeinden der Provinzen nahmen an der Konferenz nicht teil. Das Präsidium bildeten Rabbi Zirelson, Senator Dr. Meyer Ebner, Dr. Stern Upd Rabbi , fil.sler aus Transsylvanien. Es referierten dic? Deputierten * Josef bischer, Theodor Frischer, J. Landau und Ro$enberg;. Die Konferenz sandte d/etrt,Ü'W^ hV(% s"c u ein Tefegtamm,; in dem sie ihm vollständige Genesung, von. seihen durch* das AtUnta'i^erWttenen Veflettung)HK wünschte'4 •*' t; , i In den von der KoHfefenz1 gefaßten Resolutionen wird der König um Schutz und um den Embfang einer Delegation gebeten, die ihm ein Memorandum über die Lage unterbreiten wird;' Die Konferenz protestierte gegen die antisemitischen Ausschreitungen und Verlangte von der Regierung Bestrafung der Schuldigen,' Auf* lösung der antisemitischen Organis'atio* neri, Verhinderung antijüdischcr Agitation, ' Entschädig güng der durch'die'jüngsten Unruhen'Betroffenen und die Erlaubnis zu Sammlungen' im Inland und Ausland/ Es wurde eine'Einheitsorganisation mit dem Hauptbüro in Bukarest organisiert. Diese neue repräsentative Körper* Schaft wurde aus den Mitgliedern des jüdischen Paria* mentsklub3 und je' acht gewählten' Vertretern aus Bes*' särabien, Bukowina und Transsylvanien 1 gebildet. Der' Kabinettchef des Innenministers — Leiter der Pogrombewegung! Bukarest, 28. Juli. Der Kabinettchef , des Innen* ministers Vaida, T a s 1 auanu, wurde gestern vom Untersuchungsrichter einvernommen. Die Einvernahme erfolgte deswegen, weil festgestellt wurde, daß er während der Gerichtsuntersuchung gegen den Pogrom* führer Zelea Codreanu sich ins Zimmer des Unter* suchungsrichters eingeschlichen und versucht hatte, mit Zelea Codreanu zu sprechen und ihm Geld zu zu* stecken. Dies gelang ihm im Zimmer des Unter* suchungsrichters nieht. So erschien er bald darauf im Gefängnis in V a c a r e s t i; legitimierte sich als Kabinett* chef des Innenministers, und verlangte mit Zelea Codreanu zu sprechen. Man wies sei» An* suchen ab. Am nächsten Tage, setzte er sich mit einem Bruder B e s a s, welcher das Mordattehtat auf Minister Ahghelescu verübt hat, der" Sekretär Corneliu Codreanus ist, in Ver* bindung und dieser sollte ein Telegramm aufgeben des Inhaltes: „Der KomMandant ordnet Ruhe an." Der Untersuchungsrichter fragte ihn, was er mit Zelea Codreanu zu-sprechen habe und was sein Gebaren bedeuten solle. Er* erklärte, er habe mit Zelea Codreanu sprechen wollen, um von,5 ihm einen Brief &n seine An* hänger zu erhalten, daß sie sich ruhig verhalten. Diesen Brief hätte er Vaidä gezeigt, um ihn zu tiberzeugen, daß er die Bewegung lenken könne, wie eT wo He. Taslauanu wurde provisorisch aus der Haft entlassen. Hetze bei der Gendarmerie* In der vorletzten Nummer hat die „Neue, .Welt" über ein „Lehrbuch der Weltgeschichte für Gendarmerie" berichtet, welches gegen den Juden gerichtete Verleum* düngen enthält. Der „Verband demokratischer Zionisten Oesterreichs" hatte in Verfolgung dieser Angelegenheit am 14. Juli 1930 folgendes Schreiben an die Bundeskanzlei gerichtet: „Hochgeehrter Herr Bundeskanzler! Der gefertigte Verband demokratischer Zionisten beehrt sich, die Nummer 147 der .Revue „Die Neue Welt" vom 11. Juli 1930 zu überreichen und die Aufmerksamkeit der hohen Bundesregierung, insbesondere des Herrn Bundes* ministers für Inneres auf die in der Rubrik „Rundschau" unter der Spitzmarke „Was ein österreichischer Gendarm von Juden wissen muß" veröffent* lichte Notiz zu lenken, Die in der bezogenen Notiz ent* haltenen Auszüge aus dem „Lehrbuche der allgemeinen Weltgeschichte, zum Gebrauche der Gendarmerie, Sicher* heitswache und sonstigen Bundesbeamten", welches den Gendarmeriebezirksinspektor Franz Neubauer des Gendarmerieoberkommandos in Graz zum Verfasser hat, enthalten so schwere Angriffe gegen das Judentum und Beleidigungen der jüdischen Bürger dieses Staates, daß, nach unserer Auffassung die Bundesregie* rung diese Veröffentlichung nicht ruhig dulden darf. ' Immer dos Beste zum billigten Preise bietet Ihnen das bekannte MUSIKHAUS EXCELSIOR INHABER RICHARD HERZOO WIEN I, ADLERGASSE Nr. 5 Telephon Nr. R-23-4-90 SSiÄES'" Sprecunppnriite DJtftlA «"* Rundlunkgerate mit dl. KfHIIV" rektem Netzanschluß, eingebauter Antenne etc. sowie größtes Lager Ä,*... SCHALLPLATTEN insbesondere JUd. und hebr. Aulnahmen „Nein, ich werde mitgehen. Warten Sie auf mich auf dem Gang! Ich gehe gleich mit." Die Frau wartete ruhig draußen. loh zog mich schnell am und dachte immer, noch: „Mich wirst du nicht betrügen! Verbotene Zigaretten, ha, ha! Ich weiß doch, was du willst! Ist das eine Welt von heute! Ein frommes Weib mit Perücke verkauft verbotene Zigaretten! Geht in die Hotels! Ei, ei, ei!" So predige ich ihr im Heroen Moral. Fertig geworden, gehen wir. Sie voraus, ich ihr nach. „Gehen Sie mir nach, daß mau es nicht bemerkt!" » , „Daß man es nicht bemerkt! Ha! I$t das eine Wf/t! Sie blickt fortwährend rückwärts, ob ich ihr auch wirklich folge. loh nicke ihr mit dem Kopfe zu — ich gehe, ioh gehe. Ist das eine Welt! So etwas — eine fromme Frau, trägt Perücke und — verboten« Zigaretten! Mitten auf dem Wege verschwindet das Frauchen in einem Laden und winkt mir zu. „Nur eine Minute!" Bald kommt sie wieder aus dem Laden mit einem Brotlaib unterm Arm, wirft mir einen diebischen Blick zu und lächelt: „Kommen Sie mit hinauf! Dritter Stock, gehen Sie mir nach!" Ich betrat nach ihr das Stüfcchen. Eine ganze Bande von Kindern umringelte sie, so daß das Frauchen einfach in Kindenköpfchen und Kindergeschrei verschwand. Schön sitzt eines auf ihren Armen; »ie wischt ihm das Naschen. Eines zerrt an ihren Händen, will hinauf, ee ist auch schon oben, und die anderen zwei zerren an der Schürze, klatschen in die Händchen and schreien mit ihren dünnen Stimmchen: „Mamadien, Mamadien ist gekommen I" „Bald, bald, wartet nur!4 freut sich die Frau, hebt einem das heruntergefallene Rippchen auf und setzt ee ihm auf den Kopf. „Mojschele, den Segenssprüch sag'!" .,„Baruch ata Und die Frau steht ruhig da und teilt an die Kinder Brot aus. An mich und die „verbotenen Zigaretten* scheint sie vergessen zu. haben. ,iWo sind meine Zigaretten?" frage ich ganz verdießlich. „Lejb, wo biet du? Man will Zigaretten!" ruft che Frau. In einem Winkel der Stube erhebt sich ein kleiner Mensch. Ich glaube, er war bucklig, hatte ein bleiches Gesicht, aber schwarze Augen und einen schwarzen Öart. * „Wieviel wollen Sie?" *' Ich ging die Treppen hinunter, die Zigaretten unterm Arm, mit dem Gefühl eines Geohrfeigten, und dachte mir: ..... „Was eine solche jüdische Frau vermag! Ein halbes Dutzend Kinder hat sie und noch so schelmische Augen . , ." „Und wozu sie sie verwendet!" bemerkte einer.; „Verbotene Zigaretten zu Verkaufen!" lachten alle. „Nein, Brot zu kaufen für ihre Kinder!" schloß der Erzähler. Das VoIksmu§eum in der Eisenbahn. Von M. Y. Ben»Gavriel (Jerusalem). Man kann von Jerusalem nach TeUAwiw sehr bequem in der Eisenbahn fahren. Die meisten Palästi« nenser ziehen es aber Vor, das Auto zu benützen, denn auch hier bedeutet Zeit Geld. Das ist aber unrichtig, denn der Zeitverlust wird reichlich aufgewogen durch das, was eine solche Eisenbahnfahrt an Interessantem bietet. Sieht man von der erhabenen Schönheit der jüdischen Gebirgslandschaft, die dann von den Reizen der Ebene abgelöst wird, ab, so ist es besonders das Publikum der beiden Waggons, dieses wandelnde Völkermuseum, das den Genießer die Eisenbahnfahrt einer Autotour vor« ziehen läßt. Nach den Augustunruhen des Vorjahres hatte sich in der Eisenbahn eine scharfe Trennung nach Nationen ergeben, das heißt, der eine Waggon war jüdisch, der anders arabisch. Diese unnatürliche Sonderung hob sich aber bald wieder von selbst auf, so daß nun das alte bunte Durcheinander wieder in vollem Umfang existiert. Ein Viertel der Passagiere sind Chaluzim, Arbeits* pioniere aus den jüdischen Siedlungen im Galil, Jehudah und aus dem Emek Jesreel, die über Samstag in der Stadt waren. Braungebrannte Burschen und Mädchen,' beinahe alle Lederjacken, die Mädchen mit dem weißen Sonnen« tuch, alle mit festen, zutrauenerweckenden, abgearbeiteten

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