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Die neue Welt · 1930-07-25 · Heft 149 (25.7.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 149 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seife ft DIE NEUE WELT Nr. 149 nahm einstimmig eine Resolution (bereits veröffentlicht) in diesem Sinne an. * Die Wahlen ergaben folgendes Resultat! Zentral b ii r o (Sitz Berlin) Mitgliedert Dr. N. G o 1 dmann, Dr. M. 3 o 1 owe j c t y k. — Ze nt fa 1 ko m 1 te e Amerika: Stephen Wise. Besiarabien: Fleminger (Kieziniew). Bukowina: Dr. Krämer, Ing. Zwilling, In*. Spindel. Deutschland! Dr. J. Dranger (Frankfurt a. M.), Dr. N. Ooldmann, Dr. M. Solowejcjsyk (Berlin). Galizien; Dr. Ins ler (Lemberg). Gärtner (Kossow). Jugoslawien: Law Stern (Zagreb). Oesterreich: Dr. Plaschkes, Ing. R. Stricker, Dr, I, Waldmann, L Wechsler, Dr. Taubes. Palästina: Dr. Z. Wilenski (Haifa). Polen: I. Grynbautn, I. Grawicki, Dr. M. Klumel, Kirschenbaum, Ing. Landstock, Salbe. Schweiz: Dr. Abersohn (Genf). Rumänien: Advokat M i z r a c h i, Dr. Stern, Dr. Singer (Bukarest), Dr. Benno Markus (Jassy), Klein (Galatz). Tschechoslowakei: Dr. Emil M a r g u 1 i e s, Fräulein Dr. M i rjam Scheuer. Probleme der IV« revisionistischen Wellkonferenz« Von Dr. Oskar Rabinowicz (London). Wir bringen diesen Artikel, den Herr Dr.Rabinowicz, einer der leitenden Personen der Union der Zionisten-Revisionisten, zur Verfügung stellte, ohne zu dessen Inhalt Stellung zu nehmen. Wir wollen nur feststellen, daß in diesem Artikel zum Ausdrucke kommt, wie weit die Krise in der Zionistischen Organisation gediehen ist. Schon wird von der Spaltung, beziehungsweise vom Verschwinden der alten Organisation gesprochen. Ein Zeichen, an dem mau nicht achtlos vorübergehen kann. Die Weltkonferenz der Revisionistischen Union tritt in einem Zeitpunkte zusammen, da sich eine bestimmte Entwicklung im Zionismus vollzieht, deren Ausgangspunkt die Ereignisse des August 1929 sind.Diese Entwicklung ist gekennzeichnet durch die politische Aktivität, die das Judentum der ganzen Welt in diesem Jahre demonstrierte, Sie wird allerdings bis zu unserer Konferenz nicht endgültig abgeschlossen sein, weil die politischen Aktionen der britischen Regierung betreffs des Palästina*Aufbauee bis dahin nicht erschöpft sein werden, und gerade diese politischen Momente die neue Entwicklung bedingen, beziehungsweise sie fördern. Die revisionistische Weltkonferenz versammelt eich also in einem Entwicklungsstadium der neuen politischen Ri c h t u n g im Zionismus, Ihre Aufgabe wird vor allem darin bestehen, dieser Richtung eine entscheidende Wendung zu geben. Außenpolitik. Eine der Hauptfragen wird daher das Problem der Außenpolitik sein. Es ist nicht zu leugnen, daß die Zufriedenheit mit Englands Handlungsweise, welche das jüdische Volk bisher kundtati »ich durch die letzten Maßnahmen der britischen Regierung gerade ins Gegenteil verwandelte. Die verschiedenen in der letzten Zeit auftauchenden Vorschläge betreffs Verlegung de« zionistischen Schwerpunktes von London nach einem kontinentalen Zentrum und der Uebergabe des Mandats an eine andere Macht sind Beweise dieses Stimmungsümgchwunges im jüdischen Volke, Welchen Weg soll nun unsere Weltkonferenz bestimmen? Soll sich die Revisionistische Organisation diese „Unzufriedenheit" mit ihren konkreten Forderungen zu eigen machen? Söll sie dieselbe» ablehnen und andere Wege vorschlage»? Vor allem sei vorweggenommen, daß d4e Frage der Uebergabe de« Mandats an eine andere Macht jeder Aktualität und jeder konkreten Grundlage entbehrt. England benötigt Palästina, selbst in der Mandatsforrai und wird es keinesfalls preisgeben, auch dann nicht, wenn eine Welle der Unzufriedenheit mit England durch die jüdische Welt geht. Auch die »Real-. Politiker" in der Zionistischen Organisation können nicht ernstlich an eine Uebertragung des Mandates denken. Diese Frage taucht immer wieder dann auf, wenn ©in Anlaß zur Unzufriedenheit mit der britischen Regierung vorliegt. Sie ist aber weder durchdacht noch zeitgemäß, "yjjeun also, vor allem aus weltpolitischen Gründen, eine Aenderung der Mandatarmacht nicht eintreten wird, England also auch weiterhin das Palästinamandat verwalten wird, so kann auch Uber den Vorschlag, unseren Schwerpunkt aus dem Bereich des britischen Imperiums nach einem anderen Lande zu verlegen, nicht diskutiert werden. Denn positive und ehrliche politische Arbeit kann lediglich im Wege direkter Beziehungen erfolgen. Bleibt also das Palästina-Mandat bei England, so muß auch der zionistisch-politische Schwerpunkt in diesem Lande bleiben, Daß andere Vorschläge auftauchen, ist nur der Beweis politischer Kurzsichtigkeit, eines ziel- und planlosen Experimentierens. Die revisionistwehe Weltkonfereuz wird sich von solchen Gedankengängen freihalten müssen. Sie wird bestimmen müssen, welche, nach menschlichem Ermessen und politischer Vernunft konkretisierbaren Aktionen einzuleiten sind, um die politische Atmosphäre freundlicher und günstiger zu gestalten. Sie wird insbesondere vorweg feststellen müssen, daß England auch weiterhin der Schauplatz unserer wichtigsten politischen Arbeit bleibt. Gewiß hat eich vieles zwischen England und der Zionistischen Organisation ereignet, was zu gewaltigen Bedenken Anlaß gibt. Aber sind das alles nicht Erscheinungen, die wir Revisionisten schon seit Jahren angekündigt haben, als Folgen von Fehlern, die nicht bei den anderen, sondern bei uns Zionisten zu finden sind? Wir dürfen uns nicht überrumpeln lassen, von Ereignissen, deren Eintreten wir als unvermeidlich bezeichnet haben. Wir müssen vor allem das, was wir seinerzeit als Heilmittel empfohlen haben, nunmehr in Anwendungbringen und versuchen, den Druck auf England durch England selbst auszuüben. Es ist nicht zu erwarten, daß die Weltkonferenz eine Aenderung der revisionistischen Grundeinstellung zu England bringen wird. Hingegen dürfte die Weltkonferenz der Regierung MacDonalds gegenüber eine andere Richtung bestimmen, als England gegenüber. Eine etwaige Kampfansage an die englische Regierung muß auf englischem Boden, in der englischen Presse und Oeffentlichkeit ihren ersten realen Ausdruck finden. Es ist wohl unvermeidlich — wie in jeder Bewegung, die sich nicht auf ein einziges Territorium beschränkt — daß sich bei dieser politischen Offensive, um die alte revisionistische Formel zu gebrauchen, der Kampfkreis über jene Staaten, Staatsmänner und staatlichen Institutionen erweitern wird, wo Stütze und Freundschaft für unsere Sache zu finden sein werden. Die revisionistische Politik hat dieser Entwicklung Rechnung getragen, durch die Bulletins an die Mitglieder des englischen Parlaments und durch Aufklärungsarbeit in Genf, die allerdings bisher bloß privaten Charakter trug. Nach dieser Richtung wird sich unsere Politik auch weiterhin bewegen müssen, nicht mehr tastend und privat, sondern in Formen, die einer politischen Organisation geziemen. Innenpolitik. Entscheidenden Einfluß auf diese Formen wird die festzulegende Beziehung zur Zionistischen Organisation und zur Jewish Agency haben. Die III. Weltkonferenz in Wien nahm u. a. folgende Resolution an: „Die ausführenden Organe (der Revisionistischen, Organisation) werden beauftragt, diese Resolution (betreffs selbständiger politischer Arbeit) unter Wahrung der berechtigten Prärogativen der Zionistischen Exekutive in Tat umzusetzen." Darunter wurde verstanden, daß die( Revisionistische Organisation keinerlei „politische Forderungen an-'die Ausführungsorgane der Regierung und des Völkerbundes" stellti da dies als Prärogative der Zionistischen Exekutive anerkannt wurde. Seit der Wiener Konferenz, die im Dezember 1928 stattfand, hat sich, abgesehen von den außenpolitischen Dingen, innerpolitisch die Erweiterung wmmatmBBBmmmmBmmmmamnm Unseren lieben Bundesbrüdern: 1 Dkfm. Josef Sommerstein . DRfm. MirtitöBKlausner fnläBlich Ihrer Promotion sum Doktor der Wirtsdiafts- und Handelswissensdiaften hersllchsfe Gratulation Z fl.». „Bar-Kochbn", Wien m/KKKKKK^miKfl^^ HiBiiHä '•■ LAURANA abbozia Orthod. kosen. 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Februar 1930 an das Exekutivkomitee der Weltunion der neu festzulegenden Stellungnahme nützlichen Dienst erwiesen, indem sie ganz unzweideutig und offiziell feststellt, daß „die Leitung der politischen Arbeit von der Exekutive der Zionistischen Organisation auf die Exekutive der Jewish Agency übertragen worden ist". Nach der Verfassung der Jewish Agency vom 14. August 1929 besteht die Exekutive der Jewish Agency zur Hälfte aus Zionisten und zur Hälfte aus Nichtzionisten. Es ändert nichts an der Tatsache, dafl diese endgültige Teilung erst am 1.. Oktober 1930 in Kraft tritt, also in einigen Wochen. Für die revisionistische Weltkonferenz ergibt sich nun die Tatsache, daß es gar keine politischen Prärogativen der Zionistischen Exekutive mehr gibt und daß für die Revisionistisch« Organisation, die der Jewish Agency nicht beigetreten ist, deren (der J. A.) politische Prärogativen keinen bindenden und anzuerkennenden Charakter tragen. De facto und de jure führt die Zionistische Organisation keine selbständige Politik mehr und daraus ergeben sich für uns und unsere Beschlüsse entscheidende Konsequenzen. Dabei kann nicht außer acht gelassen werden, daß wir der Zionistischen Organisation angehören. Das Verlassen derselben würde uns allerdings vollkommen freie Handlungsweise in jeder Hinsicht gewähren. Es ist aber nicht anzunehmen, daß diese stärkste Konsequenz in Prag gezogen werden wird. Der Weiterverbleib in der Zionistischen Organisation legt uns momentan noch eine gewisse Reeerve auf, die loyalerweise bis heute von der Revisionistischen Union nicht überschritten wurde. Doch das kann einer Bewegung wie der unseren, die so viele expansive Kräfte hat, auf die Dauer nicht genügen. Da die Zionistische Organisation durch die Erweiterung der Jewish Agency ihr einziges. Mittel die Politik preisgegenben, hat muß früher oder später die neu entstandene und von der Mandatarmacht entsprechend den Beschlüssen des 16. Kongresses (B, 9) anerkannte Jewish Agency zu einer Organisation werden, da sie nur als solche die von allen ihr koordinierten Gruppen und Organisationen bestimmte Politik führen kann und wird- Dann ist die weitere Folge nicht aufzuhalten, ,'daß nämlich alle der Agency-Organisation nicht an-; ' gehörenden ' Gruppen und' Organisationen f reie Handlungsweise behalten, Daß sich dann für uns, die wir nicht dieser Organisation angehören, eine Wendung ergeben muß, ist klar, Dieselbe könnte augenblicklich eintreten, wenn wir die Zionistische Organisation, die aufhört, das zu sein, wofür sie bestimmt ward, heute verlassen, Aber, wie gesagt, das ist von der Weltkonferenz nicht zu erwarten, aus vielen Gründen. Der andere Weg ist ein evolutionärer, Wir bauen weiterhin innerhalb der Zionistischen Organisation unsere OrganisatiOft auf breitester Basis aus, um im entscheidenden Momente, der jetzt näher ist als jemals früher, ak Zionistische Organisation dazustehen. Herzog Alba über die Vertreib buiig der Juden aus Spanien. , Per gegenwärtige spanne Außenminister Herzog •von Alba und Berwic-Jc gewährte der Jüdischen Telegraphen-Agentur während seines Aufenthaltes in London ein Interview, in dem er sich insbesondere über die Frage der gegenwärtigen Gültigkeit des gegen die Juden in Spanien im Jahre 1492 erlasseren Vertreibungaedikta äußerte. Die Frage ist durch eine vor kurzem erfolgte Aktion des Präsidenten der Jüdischen Völkerbundsliga in Bulgarien, Dr. Mezan. angeregt worden, der an den Präsidenten der Internationalen Union der V ö 1 k e r b u n d 1 i g e n die Bitte richtete, anläßlich der in Madrid abzuhaltenden Jahreskonferenz der Union festzustellen, ob er und andere jüdische Delegierte an der Tagung teilnehmen können, da seines Wissens das Edikt von 1492 nie rückgängig gemacht worden ist. Herzog Alba beantwortete die an ihn gestellte Frage mit der Gegenfrage, ob das gegen die Juden in England verfügte Vertreibungsedikt von 1390 je zurückgenommen worden ist. Eine Regierung setzt Gesetze und Erlasse, die im Laufe von Jahrhunderten erlassen worden sind, nicht einzeln außer Kraft. Durch die jetzt in. Spanien geltende Verfassung sind alle vor dem Jahre 1800 in Spanien gültig gewesenen Gesetz« und also auch das Edikt von 1492 automatisch außer Kraft gesetzt. Die Lage der jetzt in Spanien lebenden Jud,en ist genau die gleiche wie die aller anderen Bewohner des Landes, gleichgültig, ob sie spanische Bürger oder Ausländer sind. Als spanische Bürger genießen die Juden die gleichen Rechte wie die anderen spanischen Staatsbürger, als Ausländer die gleichen Rechte wie die nichtjüdischen, in Spanien lebenden Ausländer. Die. spanische Staatsbürgerschaft können die Juden in gleicher Weise wie alle anderen erwerben. Es gibt auch bereits eine Anzahl von Juden, welche die spanische Staatsbürgerschaft erworben

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