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Die neue Welt · 1930-07-25 · Heft 149 (25.7.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 149 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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ÄP?fc 4 Oft NEUE WELT Nr. m ^iiWimtn Herrn RICHARD HERZOG Inh.d.Musikhauses Exoelsior Wien, I, Adlergasse 6 Im Besitze der von mir gemachten Neuaufnahmen teile ich Ihnen mit, dass dieselben mich sehr befriedigt hajben. Sie übertreffen in bezug der Reinheit derStimme allemeine bisherigen Platten. .....mit herzlichen Grüssen S. Quartin: Jtollc, welche die einzelnen Verhafteten inder Gesell« •chaft. spielen, genommen worden sei und daß es sich der Justizverwaltung hauptsächlich darum handle, den Nutz* nießern dieses Schandgewerbes endlich einmal das Hand* werk zu legen und Argentinien, besonders aber" seine Hauptstadt, bisher Zentrum des Frauenhandels, vor aller Welt zu rehabilitieren. Die Tatsache, daß sich unter den Verhafteten lauter Juden befinden, hat aus dieser schmutzigen Angelegenheit eine jüdische Sache gemacht, und so wiedie Dinge amtlich dargestellt werden, ist es gir kein Wunder, daß sowohl in Südamerika als auch in der übrigen großen Welt die Antisemiten aller Schattie* rungen die Feststellungen der Polizei von Buenos Aires für ihre eigenen politischen Zwecke mißbrauchen. Es ist daher an der Zeit, daß sich auch die jüdische Oeffentlich* keit mit der Frage beschäftigt, ob es denn überhaupt keine anderen als jüdische Frauenhändler gibt; und ganz be> sonders ob denn in Buenos Aires außer den ohneweiters zugegebenen jüdischen M ä d c h e n h a n d e 1 s o r g a* nisationen nicht auch sehr einflußreiche christliche Zentren dieses weißen Sklavenhandels bestehen, die ihre Fangnetze über die ganze Welt ausbreiten. Da muß zunächst festgestellt werden, daß es gerade jüdische Organisationen waren, die schon seit mehr als einem Jahrzehnt den Kampf gegen dieses ruch« lose Gewerbe aufnehmen, daß-ganz besonders in Argen* tinien selbst jüdisch« Fr auen.organisa Honen diesen Kampf fühtten, daß gegen die jüdischen Frauen* händler und Bordellbesitzer von den in überwiegender Mehrzahl befindlichen jüdischen Kreisen der gesellschaft« liehe und politische Boykott propagiert und «u gutem Teile auch durchgeführt wurde. Die Schwierigkeit der Verfolgung dieser ruchlosen Gesellschaft gestaltete sich aber immer schwieriger, weil die Frauenhändler sich ganz legal in Verbänden gruppierten, zu Synagogen Vereinigungen zusammengeschlossen haben und dadurch, daß die Häuptlinge neben ihrem so reichen Gewinn bringenden weißen Sklavenhandel in Buenos Aires gewissermaßen als Deckschild in den Hauptstraßen der Stadt große Warenhäuser besitzen und so den Anschein erwecken, als stünden sie in gar keiner Beziehung zu dem verpönten Mädchenhandel. Die an* ständige jüdische Gesellschaft in Südamerika ging in ihrem begreiflichen Bestreben, nicht mit den Verbrechern identi* fixiert zu werden, so weit, daß sie ein eigenes Aus* forschungsbüro unterhält, um die geheimsten Zu* sammenhänge dieser gemeingefährlichen Banditenorganisa* tion aufzudecken und auch die Finanziers der überaus kostspieligen internationalen Frauenhändlerzunft zu eru* ieren und dem öffentlichen Boykott preiszugeben. Es muß ferner festgestellt werden, daß es jüdische Ffauenorgani« sationen, an erster Stelle die Wizo, waren, die beim. Völkerbund die ganze frage des Mädchenhandels und seiner Bekämpfung erst ins Rollen brachten, das. ein* schlägige Büro des Völkerbundes mit dem den jüdischen Organisationen zur Verfügung stehenden sachlichen und Personenmaterial versorgten und immerfort darauf bestanden, daß die einzelnen Staaten sich in den Dienst der Befreiung der menschlichen Gesellschaft von diesem Auswurf stellen mögen. Und schließlich sei noch festgestellt, daß auch jetzt Juden, und jüdische Opfer' es waren, die die Polizei von Buenos Aires zu. dem in. An* griff genommenen „Reinemachen" gedrängt haben» Bisher waren es gerade Pölizeistellen einzelner Staaten, welche radikale Maßnahmen zur Ausrottung dieses Uebels erschwert haben. Man konnte von "einzelnen Polizeizentralstellen wiederholt hören, daß es einer. Mädchenhandel in landläufigem Sinne eigentlich gar nicht gebe. Die Polizei von Buenos Aires" aber bat der offen vor aller Welt in strammer Interessengemein* schaft tätigen Bande gegenüber geradezu st?äf Ii che pas s i ve R es i s t e nz geübt: Selbst 'die' örschreekenden Enthüllungen des französischen; Publizisten Albert Londres in seinem Buchi „Der Weg nach Buenos Aires" hat die Polizei der argentinischen Hauptstadt aus ihrer indifferenten Haltung nicht aufzurütteln vermocht. Und jetzt, da diese Polizei nicht, mehr':anders konnte,'und die Staatsanwaltschaft gezwungen \vtfr,' die 'Pöiizei 'zu energi*' Unser Stolz, unsere Freude, unser teuerster sehen Schritten zu veranlassen, war ihr erster und einziger Schritt, die Verhaftung der 425 Mitglieder des jüdischen, durch die Polizei legalisierten. FrauenhändlerveTbandes in Angriff zu nehmen. Und auch jetzt noch spielt diese Polizei die Unschuld vom Lande, die von raffinierten jüdischen Verbrechern an der Nase herumgeführt worden sei. Die gesamte argentinische Presse ohne Unterschied der Parteirichtung, mit Ausnahme der ausgesprochen antisemitischen Blätter, behandelt mit Ent* tüstung diese unglaubliche Haltung der Polizei. Sie weisen nach, daß in Buenos Aires und selbst in den Provinzstädten die Namen der Mädchen* händler und Bordellbesitzer jedem Kind bekannt sind. Jeder erwachsene Mensch weiß, daß die einwandfreie jüdi« «che Gesellschaft dieses Gesindel durch konsequenten Boykott gezwungen hat, nicht nur eigeneSyrf#gx>g«a zu gründen, sondern selbst einen eigenen Friedhof anzulegen, weil die jüdischen offiziellen Gemeindet! und Beerdigungsbrüderschaften selbst die Bestattung v#r* storbener Mitglieder dieses Auswurfes der jüdi* Sehen Gesellsch'aft im allgemeinen jüdischen Fried* hof verweigerten. Es hätte hur eines Zugriffs der sonst sehr energischen Polizei von Buenos Aires bedurft, um auf Grund der reichhaltigen und mit konkreten Daten be* legten Materialien wenigstens Südamerika von diesen, von der Ausbeutung irregeführten Frauen und Mädchen sich mästenden Verbrechern zu säubern und die Juden von Argentinien von der niederträchtigen Verleumdung zu be* freien, daß sie lauter Mädchenhändler und B o r d e 11 b e s i t z e r' s e i e n. An der Hand des Buches von Londres und aus eigener Erfahrung erhebt die argentinische Presse gegen Regierung und Polizei die Beschuldigung, daß sie in voh lern Bewußtsein der Tatsachen den verbrecherischen Menschenhandel nicht nur nicht gehindert, sondern eh.er.noch geförd e r t habe. Es wird nachgewiesen, daß der Staat von diesem Bordellunwesen ungeheure Einnahmen hat, und daß die Polizei gleichfalls in schändlichster Weis« Nutznießerin dieses Gewerbes ist. Man hat auch Namen angeführt. So wird der Polizei vor« gehalten, daß einer ihrer Chefs mit dem Großkaufmann Simon R u b i n s t e i n, dem Präsidenten der sogenannten Odessaer Vereinigung der Mädchenhändler und Bordell» besitzer, einem Mann, der von der gesamten anständigen Gesellschaft boykottiert wird, weil er sein Vermögen im Frauenhandel erworben hatf, in engster Verbindung stand. Nach den argentinischen Gesetzen muß jederj der eine Wohnung mietet, zur Sicherstellung entweder den Mietzins auf einige Monate bar erlegen, oder die Garantie eines /w o h I ha.tj.e n.d c n M a n(n e s„^beibringen. D* r P o'l i z e i c h e.f von B u c n.d s Aires b r a cht e bei J. U. Dr. Walter M. Kohn iist uns in der Blüte seiner lugend, von einem tückischen Schicksal entrissen worden. Den zärtlichsten, hin* /gebungsvollsten Sohn, den llebevpristen,;besien, Bja<ter, Schwager, und Qqkel h,abenwjr verloren. Wer diesen wahrhaft edlen Menschen kannte, wlra unseren Schmerz ermessen. —• Die Beerdigung fand am 14. Juli 1. J. in Pirnitz statt. -i . .; ' 1 ■ ' •' •'•; " Harle Hohn als Mutter Mathild« Wienar, Ruxa Purcht, Frledarik« H«rsf«fd, Aitny Karoly als Schwestern Hugo Wiantr, Karl Horstete!, JacqitM Karoly als Schwäger H anal, Greil, Erich, Waller Karoly, Louise Wiener als Nichten und Neffen Erinnerung an Nothnagel* Zum 25. Todestage. Von Theodor'Möntöser. Nothnagel, der große Gelehrte, war einer der wenigen deutschen Universitäts* Professoren, welche , sich rückhaltlos für die Gleichberechtigung der jüdischen Studenten an der Universität Wien einsetzten. Als der berüchtigte Waidhofener Be* schluß zustande kam, welcher den Juden grundsätzlich die Ehre absprach,, hielten sich nichtjüdische und jüdische Professoren feige im Hintergrund. Nothnagel, der Nichtjude, trat mutig in die erste Reihe der Kämpfer. Als wäre es vorgestern und nicht vor nunmehr fünf* undzwanzig Jahren gewesen, ist; der heiße Julimorgen in mir lebendig, da ich als Student, der Medizin im Hofe des Allgemeinen Krankenhauses die Nachricht erhielt: Noth* nagel ist in der Nacht plötzlich gestorben. Aerzte und Studenten waren bestürzt und tief traurig, denn ihnen kam am unmittelbarsten der unersetzliche Verlust zum Bewußtsein, den nicht nur sie und das medizinische Wien, sondern die ganze Welt erlitten hotten. ■ Nothnagel war nämlich der Arzt, der jedem Jünger Aeskulaps als Ideal gelten mußte, nicht nur überragend und einzigartig als Arzt, Lehrer und Forscher, sondern einzigartig als großer Mensch. Das von ihm in der Antrittsvor» lesung gebrauchte Wort: „Nur ein guter Mensch kann ein guter Arzt sein!" fand in ihm seine vollendetste Bestätigung. Wer jemals das Glück hatte, als Schüler m seinen J'üßen zu sitzen, konnte sich der Wirkung dieser strahlen« den Persönlichkeit nicht entziehen. Schon das Aeußere mußte faszinieren. Ein prächtiger Gelehrtenkopf mit gtiti« gen, offenen blauen Augen, das Gesicht umrahmtvon' einem wohlgepflegten weißen Bart, das Haupt bedeckt' mit grauem Haar. Nie sah man ihn anders als im tadel« losen, Gehrock, freundlich, ruhig, ebenso, sicher am Kran* kenbett, wie in der Vorlesung oder beim Rigorosum. Von weft her kamen seine Patienten, aus: der ganzen Welt, im. Wartezimmer saß der Hocharistokrat neben dem poln.i* sehen Juden im Kaftan. Niemand ging von ihm. ohne Trost, auch die vom Tod Gezeichneten traf noch ein Strahl dieser Güte atmenden Persönlichkeit. Seine Vor.« lesüngen waren ein Erlebnis im wahrsten Sinne des Wortes. Der Fall, der besprochen wurde, wurde mit ein* facher, logisch bezwingender Klarheit analysiert, Kranken« geschichte und Befund, Untersuchung, Diagnose und Therapie wurden zur Selbstverständlichkeit für den Mediziner. Klassisch war die Sprache, ob .es sich nun um solche des Magendarmtraktes, der Athmungsorgaöe oder um anderes handelte, man hatte den Eindruck; hier ist ein intuitiver, von Gott begnadeter Künstler, am Werk. Jeder Vortrag, jede Vorlesung war druckreif, und wenn Nothnagel, wie er es oft in den ersten Jahren seiner Wiener Tätigkeit gern tat, vom medizinischen Thema ab« schweifte, trat immer der große gebildete Mensch in Er« scheinung, der ■ Künstler, der durch Sprachen« und, Litt« raturkenntnisse, durch exaktes Wissen auf den verachie» densten Gebieten, geradezu verblüffte, ohne d*bei irgend* wie in Pose?u verfallen. Jmmer und überall, einfache Be* scheidenheit; fanatische Wahrheitsliebe, vnd Objektivität, des Könnens und Wissens sich wohl bewußt, jede, Geste. ein; wirklich großer Mensch. Er war der abgeklärte Philo* soph, der sich zur weit Uberschauenden Höhe durenge* rungen hatte. Am deutlichsten erkennt man diese, das Leben'von den höchsten Gipfeln überblickende Aua« geglichenheit in dem seinerzeit in der „Concordia" gehaltenen berühmten Vortrag „Das Sterben". Was er dort am Schlüsse von dem gebildeten Manne berichtet, dem der Arzt über Wunsch den nahen Tod ansagt, und der nun in Heiterkeit und Xusgeglichenhetf von seiner Familie Abschied nimmt, um die unbekannte Reise anzu» treten, das hat Nothnagel selbst an sich bewiesen. Nach einem Tage voll Arbeit erkrankt er in der Nacht an Herz* anfallen und weiß, wie es um ihn steht. Er, der tausende und tausende hatte leiden und sterben sehen, er, der hunderttausende Pulse untersucht hat, beobachtet seinen eigenen Puls und schreibt auf einen Zettel die Ergebnisse dieser Untersuchung im Bewußtsein des unabänderlichen Endes — und schläft dann ein, er geht hinüber in die Ewigkeit, in die Unsterblichkeit . . . Nicht immer war ihm das Leben leicht. Er hat viel Bitteres erlitten, er ward aber nicht gebrochen dank der Größe seiner Seele. Nach einer nicht immer sorgenlosen Jugend als Sohn eines bescheidenen Landarztes in der Mark entschied er sieh nach gründlicher Vorbereitung im humanistischen Gymnasium für das Studium der Medizin. In rastloser Arbeit wächst er unter seinen Lehrern Lay den und Traube bis zu jener in der internationalen Wissenschaft unbestrittenen Größe, die im reifsten Mannesalter der Wiener medizinischen Schule so viel Glanz und Ansehen verlieh. Seine geliebte Frau verlor er durch den Künstfehler einer Hebamme und der schwerste Schlag trifft ihn, als sein einziger Sohn, selbst schon an der Schwelle der akademischen Karriere, aus Liebeskummer Hand an sich legt, während der Vater bei einem medizinischen Kongreß weilt. Und welche An«

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