Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 149 (25.7.1930)
- Date
- 1930-07-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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w Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 149 kriftSgea Vorkämpfer der Verweltlichung des Hebräischen), Berditechewsky, dem neuhebräischen Denker, und mit dem hebräneehen Essayisten Achad-Haam in steter Verbindung. '" Hewl erhielt auf den erwähnten Aufsatz im „Jewiflh Chronicle" von Kaminia eine Zusiimffl^sg«4r;k I är nng, die 4t |n wr obenzitierten Eintragung „Die zweite" nennt fwaÄnika sympathi-1 eierte also als einer der ersten' mitten IferzTschen ttiz* «ju 4fr»,?±>n* fr**** f+%tfdtt%.. Ideen. Seiner Zustiramuhgsei&lärung mnfi bald eine gewisse Arbeitsstellüng gefolgt sei. Das ergibt sich ans späteren Tagebuch-Eintragungen und findet seihe Bestätigung in einem Briefe, den Herzl von Wien aus an Kaminka richtet. Wir lassen den Brief im vollen Wortlaut des Originals folgen. Außerdem reproduzieren wir die erste und letzte Seite dieses Dokuments im Faksimile. Das Faksimile: Ct,fltKS6M«it *LÄL ha. *«y..u t*—) *"^jf*^»' Ä{ . *%y£ t4Amnf,Uti+ f -SA ♦•4*^«. <^4^ Äe-Äfc. «*< 4u^4. 4*. «*<*U* *-NWj ■» ^U^tM« *6l4tft*< *&u»M»*A Der Brief: Wien, 13. III. 97. h IX., Berggasse 9. f Ew. Ehrwürden! Zunächst begrüße ich Ihr Wiedererscheinen, mit vieler Freude. Ich habe Sie lange in der seither mächtig angeschwollenen Schaar . unserer; Freunde vermißt. Hätten Sie sich nicht ferngehalten, so wüßten; Sie von den Fortschritten, die wir"' insgeheim*; gemacht haben. Daß ich enttäuscht Ware,-davon kann! absolut keine Rede seihrTch habe viel für die; Sache erreicht u.. ^atürjich auch mit ungeheuren1 Hemmungen' zu thüm Dtö ikbrnmi^n^M beis$£her$ in; Sprödig^eit,, Feigheit,. UnbilrJungj 7Unschlüssigkeit vieler ' Juden7! Aber' ich sehe näclrlu. nach Leute herankommen, die. mich .im . ersten Augenblicke gern gebunden u. unschädlich gemacht hätten — u.. jetzt finden sie die Sache, „diejkuiaber'.. Jeruscholajim kann doch auch, nicht in einem Tage wieder aufgebaut werden;, Ich habe' Geduld u. Zähigkeit u. lasse mich nicht unterkriegen. Manche politische Resultate, die ich'erzielte u. die; geheim bleiben mußten, könnten wunderbar erscheinen. Das Wunder ist immer etwas Einfaches., Wir werden ja, hoffe ich; Gelegenheit haben,; die Dinge mündlich zu erörtern. Da werde ich- Ihnen mehr sagen. Ich habe natürlich in den letzten anderthalb Jahren viel zugelernt, Fühlung mit den wirklichen Verhältnissen gewonnen u. den Plan der Möglichkeft anzupassen versucht. Da^icH kein Chimäriker 11. Utopisf bin, habe ich die* tägliche Politik der ewigen Idee, die ich nie aufgeBeUlitferde, gemacht; Sie haben mich einfach unrichtig beurtheilt, wie das «K*. &*%Jf*JUM**., +— ^4*^*.. ->iM> ~^**+f*JL*X~*. fA*~-'u.af' Au, »mC **Jt£>Z>JS)(* , «feW*. Jt+iu*. &«*Cu . JJL .1L*A^ < Aju, A.***^* A>f*4*&M~. KtoL»^^ *U2L>. +± M^.' *r £~£t*yfe^ njJUU, <U. . ^Jt&^k^a- J3*Am . «tL+ v^. -h^u. -~u* Ji&tt.', ^m. Adgt^tfjf^ f*^, f*4-&*<d+*. » . -»f?. -&ÜttC4, }«r~.**Uj' .<-*> f*fy.. *fe*t*fa*!+M * . ^M^uC^Jt^X^M W <Zo*H ftZ< Wdt/ ^ta» %^t. **-iU«<<j*. a^PyA-c^2^ r*rf+~- **<u * J*<^iAu4- *. «t^Tfc Owwfc n*. ' auch andere thaten. Genug davon; Ich freue mich, äaß Sie wieder da sind.; ' / Ihre sämmtlichen Vorschläge aeeeptiere ich Um so bereitwilliger, als all dies von uns Zionisten begonnen ü. geplant ist.' E)ie Vertrauensmänner-Cpnferenz, die am 6. u. 7. Mfez .hier stattfand4 uV Ader Freunde aus Berlin! BrWlW ^attd^ite,^T?&rüöW«ü*nd« Diakovar .hierher kamen, stellte die Grundzüge des allgemein © d Zio,n-i s t e n.c»aji g.r a.s s.e.s iest*. de» ich! §rsprünglich nach Zürich einberufen wollte, u. als ■- ^-tpRSL.V .t.-j»t*S» T.4HJ'*.i?.'-; J';. „',;, ,£ » V-:4* .a'; ' %\\ ) . essen Versammlungsort endlich' M u n c h e vt bestimmten;%ihl'^.,'>26r,u8fiä 2>? August lr J. Vorw läufige ' Gegenstände der Tagesordnung} : aj Die Lage der Juden (ein Referent für jedes Land) b) Die Colönisation in Palästina c) Die Chalukka ' d) Die. Auswanderungsfrage e) Formen u. Bedürfnisse der Agitation 1 f) Rabbinerfragen etc. ' ' " An dem Congresse sollen Delegierte der ganzen Welt teilnehmen. Wenn Sie sich zur Organisierung ,,u. Mitarbeit, bereit finden lassen, sollen, Si.e hochwillkommen sein. Viel leicht kommen Sie auf einen Tag. nach .Wien, um diese wichtige Sache mit uns zu besprechen. Ich würde Sie nur bitten, mir den Tag früher anzugeben, damit ich mir mehrere Stunden'für, Sie freihalte. ... Und nun herzliche Grüße ..... 1 ,-,. '>; v.ypn-Ihrem .ganz ergebenen. . Th. HerzL . Brennende Judennoi in Rumänien« Die weiteren Exzesse. — Maßnahmen der Regierung* — Die Judenschaft ist nicht beruhigt» — „Der Kaijnpf gegen den Wucher''. In den letzten Wochen* zogen rumänische Bauern) scharen, die sogenannte „Eis erne Garde", durclt Städte und Städtchen der Südbukowina, jüdische Häuseif und Läden brandschatzend, jüdisches Leben nicht ver^ schonend. In der ganzen Bukowina und in Bessarabienj wohin die von Hetzern angeführten Rotten ziehen wollen, herrscht immer noch unter den Juden unbef schreiblicbe Panik. . - ' ,; Das Städtchen Bo rs a^ das zum Teil ein Rauty der Flammen geworden, ist, kann , noch immer nicht zuj- Ruhe kommen. Am. 16. Juli -abend» verlangten 400 bis 500 mit Sensen, Heugabeln und Hacken bewaffnete Bauern, daß sie, wenn die Juden ihrer Aufforderung nicht Folge leisten, kein« Verantv^ortung dafür übernehmen, |; ww mit ihnen geicbehea werde, Aehnliche Vorfälle ereigneten sich auch in anderen jüdischen Gemeinden Rumäniens in der letzten Woch«, wenn auch der Höhepunkt der Exzesse überschritteh zu «ein scheint. .... Die Regierung hat sich scheinhar entschlossen, das bisher geübte Vertuschungsmanöver, au/zugeben, offen zu gestehen, daß eine Pogromwelle. über Rumänien geröllt sei, und energischere Maßnahmen gegen dievmordij br'ehner'ischen Cüzisten zu treffen. Die Haupträdelsfühcef Dan IIa' und To tu sind am 17. Juli während ihrer Agitätionsreise durch die Bukowina, die sie in Aufruhr zu versetzen suchten, ■ nach Bukarest dirigiert und dorj: verhaftet worden. Allerdings wurden sie balddarauf ---- '; ■-, ,, ,;-i-* Daß „Huber" bester Essig nur, Zeigt d^e Reklame von „Ben Hur". Kannst dich mit einer von den beiden, Doch nie mit „Hüber-Essig" schneiden. "' ' .; wieder freigelassen unter dem Revers, sich der rumä^ nischen Geheimpolizei-zür Verfügung zu halten. Gleichzeitig mit administrativen Maßnahmen fanden in Bukarest mehrere Konferenzen desrumänischen Kabinetts unter Vorsitz des Innenministers statt, das über die Schritte zur Unterdrückung der, Bau^rnrevoltie beriet. Einzelne hohe Regierungsbeamte wurden ii* die gefährdeten Zonen entsandt, um die Bauernschaft zip beruhigen und Polizei .sowie Gendarmerie mobilzü* machen. . .; 1 . > ..... \ r Die Judensehaft Rumäniens allerdings, zeigt sioh von den Maßnahmen der Regierung wenig befriedigt. ifllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllU |oi« Wiener wcltbekannton f SYNAGOGEN" ORNATE für Rabbiner und KantorenS Chor- und DlenerbefUeidung S Lieferant vieler in- und aus*, i ländischer Kultusgemeinden Versand nach Allan S undarnt Illustr. 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Aus ihren an die jüdische Bevölkerung gerichteten Er* klärungen ist zü ersehen* daß'die Haltung der Regierung ihnen gegenüber eine zweideutige ist und daß sie kein allzu großes Vertrauen in die ergriffenen Maßnahmen 'hegen, aus der Erfahrung heraus, daß die von ihnen im Parlament noch vor den letzten blutigen ' Ereignissen ' ausgesprochenen Warnungen geflissentlich überhört wurden. •Diese Skepsis der rumänischen Judenschaft: wird auch nicht durch die Tatsache : gemildert, daß am königlichen Hofe die Ausschreitungen mißbilligt werden, w,asdas unter Vorsitz der Königin Maria gebildete Hilfskomitee zur Unterstützung der obdachlosen Borsaer Juden .beweist. : Geht man den Ursachen der Pogrombewegung nach,, sp stößt man auf die Parole . . ..... , 7,Kampf gegen den Wucher", eine Parole, die" die: Regierung atifangW nicht Ungern hörte, : da:i:4& j&: die- Behörden wären,' :* die; nach der vorjährigen . Ernte den Bauern rieten, ihr Getreide nicht-an Juden/zu: 'verkaufen, und ihnen Vorschüsse in der Hoffnung auf Preissteigerung1 gewährten. <r.:^. Die Vorschüsse wurden mit nicht weniger als 18; Prozent ^verzinst. .Als der große Getreidekrach kam, waren die Bauern außerstande, die Wucherzinsen zu entrichten, ebensowenig wie die hohen Steuern, die brutal einge« , trieben \yurden., Aus, dieser Situation heraus hatten ' es die Hetzer leicht,, die Bauern zunächst ggeen die Juden ^aufzuhetzen, um sie'dann gegen die nationalzaranistische Regierung malkontent zu machen. Jetzt fühlt sich die: Regierung selbst bedroht und muß daher eingreifen. Ihre Abwehrmaßnahmen dienen ihrer eigenen Sicherheit. Ihre judenfeiridlichen Inspirationen haben '' nun ihre Früchte getragen. So muß das . rumänische Innen* ministerium in einer Meldung vom 18. Juli betrübten Gemüts feststellen, /die bisherigen Untersuchungen hätten tatsächlich er* geben', „daß" die antisemitischen Agitatoren bei den Bauern einen günstigen Boden für ihre Propaganda fanden, weil die ökonomische Lage der Bauern außer* ordentlich schlecht und die Erregung wegen brutalen Vorgehens der s'teüervollzugsbeamten groß ist". Die Regierung hat durch, die von uns charakte« risierte Haltung eine Bewegung großgezogen, die sie nun selbst an Haupt und Gliedern spürt. Auch der Anschlag gegen den Innenminister.■ A,.n g h el e s cu geht von der antisemitisch»faschis^s,chenv Organisation :i„Eiserne Garde" aus, und zwar unter,Rührung;.des berüchtigten Präfekten* mörders Codreanüf J der. seine Tätigkeit unentwegt fortsetzt. Sp sind am\^ juli. iri den Straßen Bukarests Plakate blutrünstigsten- '..antisemitischen Inhalts mit Todesandrohung (füp \aile "je^e, . welche die Juden ver* teidigen, aufgeUuchtj;Man weiß nicht, ob die Regierung imstande sein wird^ die Revolte zu ersticken. Das ist^die tajg^,Die Judenschaft .Rumäniens macht bange Tage durchi' s>■■'•><■ Ti 111 1 Hermann Bahrs Erinnerungen an Theodor Herzls Studentenzeit. In seinem im „Neuen Wiener Journal" veröffentlichten „Tagebuch" erzählt der Dichter und Essayist Hermann Bahr:, ......An der Universität trat ich einer Burschenschaft bei, deren Stolz Theodor Herzl war. Zwei Semester später beschloß eine Burschenschaft — die der Silesen, wenn ich mich recht besinne —-. fortan Juden nicht tnehr aufzunehmen. Das Beispiel war ansteckend, auch meine Kameraden eilten, nachzufolgen,' und >?^^;^\\:.^^,^.>-„..,,.. . "g--if 1111 liiiMifir'r^ii'' n-Yf--^