Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 149 (25.7.1930)
- Date
- 1930-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711767--1956-2715210- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 3 185 TlH. üm> in VL ■ D* 9« BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich Monatlich S 1.50, vierteljahrig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. fl5 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljahrig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—... vierteljährig s Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.-,' vierteljährig Lewa 1.20. Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.- Schweiz und die Ahr igen Lander monatlich Schweizer Francs 1*60." vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Erscheint jeden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 25. Juli 1930 Nr. 149 Präsident Hoover und der Zionismus. Einseitig informiert« Ein von vielen Tausenden besuchtes Meeting in Cleveland U. S. A. wrhm eine Protestresolution gegen die Vorgänge in Palästina und gegen das Verhalten der britischen Palästina»Regi erung an. Einer der fuhrenden Clevelander Zionisten, Herr William R. Hop« k i n s, erhielt von der Zionistischen Organisation in Cleveland den Auftrag, dem Präsidenten Hoover. den Protest persönlich zu überreichen und ihn um Beistand für die gefährdete zionistische Sache zu er* suchen. Nach seiner Rückkunft aus "Washington berichtete Herr Hopkins, daß er vom Präsidenten Hoover freund* liehst empfangen und in ein längeres Gespräch über den Zionismus gezogen wurde. Im Verlaufe des Gespräches ergab sich, daß Präsident Hoover, welcher dem Zionis* mus wohlwollend gegenübersteht, über die letzten Er« eignisse in Palästina eingehend informiert ist, aber ganz einseitig. Der englische Botschafter hat ihm und der amerikanischen Regierung ausführliche Berichte 'über die letzten Vorgänge in Palästina zukommen lassen. Aber natürlich gani einseitige, der Palästina*Regierung günstige ,Vo£;iriomstischer .Seite liegt keinerlei Bericht oder In* formation vor! Die Clevelander jüdische Tageszeitung „T h e Jewish World", ein sonst der Zionistischen Exeku* live freundlich gesinntes Blatt, nimmt aus diesem An* lasse scharf gegen die zionistische Leitung Stellung. Die Zeitung bezeichnet den Umstand, daß weder die Lon*. doner noch die New Yorker Leitung irgend etwas unter* nommen haben, um die amerikanische Regierung über das von der britischen Regierung den Juden angetane Unrecht eingehend zu informieren* als eine gröbliche, unverzeihliche Pflichtverletzung, als einen Beweis ihrer Unfähigkeit. „The Jewish World" schreibt u. a.: „Was heißt das? Haben es weder die Zionistische Weltorganisation, noch die Jewish Agency für nötig be« ffunden, in dieser aufregenden Zeit die amerikanische Re» gierung über die Vorfälle zu informieren?" j,Wissen sie nicht, daß zwischen Amerika und Eng» land ein besonderer Pakt wegen des PalästinaaMandats besteht? In diesem Pakt steht ausdrücklich, daß England nicht das Recht hat, ohne Zustimmung der amerikanischen Regierung irgendwelche Aenderungen im Mandat vorzunehmen. Die Zionistische Weltorganisation zählt viele tausend amerikanische Bürger zu ihren Mit« gliedern. Hat es die Zionistische Organisation in dieser Zeit der Aufregung, der Proteste und Demonstrationen wegen der Sperre der Arbeitereinwanderung nach Eres Israel nicht für nötig befunden, die Aufs merksamkeit der amerikanischen Regierung darauf zu richten, daß England durch diese Sperre seinen Vertrag mit Amerika; und das Mandat verletzt?" * Die Frage des amerikanischen Blattes ist berech* tigt. Seine Verwunderung nicht. Diese schädlichen Unter* lassungen kennzeichnen nur ein System, an dem die der* zeitige zionistische Leitung gegen alle Proteste der Opposition und unter dem Beifall einer für alle ihre Fehler'blinden Majorität Jahre hindurch festhält. Das hebräische Technikum in Haifa vor der Sperre« Eine beschämende Angelegenheit. Das offizielle Nachrichtenblatt der Zionistischen Leitung „Z ik o" bringt aus Jerusalem folgende Meldung: „Im Zusammenhang mit den Gerüchten, die im Lande über die Schließung des Technikums in Haifa verbreitet werden, teilt die Jewish Agency mit, daß es nicht stimmt, daß beschlossen wurde, das Technikum zu schließen. Die Agency befaßt sich schon seit zwei Jahren mit der Frage der Zukunft dieser Institution. Sie hat sich mit Fachmännern für technische Erziehung im In- und Auslande und verschiedenen Institutionen in Verbindung gesetzt. Die Leitung hält es für ihre moralische Pflicht gegenüber den Schülern, die bereits im Technikum studieren, ihnen, die volle Möglichkeit zu erteilen," ihr Studium zu beenden. Damit aber die Leitung der Agency die freie Möglichkeit besitzt, die Sache zu* klären und zu einer Lösung zu führen, wurde beschlossen, vorläufig keine neuen Verpflichtungen zu übernehmen und in diesem. Jahre keine neuen Schüleraufzu nehmen." Vorerst ein Wort über die feine Art der „Berichtigung"! Das Technikum wird gesperrt? Keine Idee! Böswilliges, dummes Gerede! Es wird nicht gesperrt! Es werden nur keine Schüler mehr aufgenommen! Bravo! Staat haben wir Juden noch keinen. Dafür aber eine Art „amtlicher" Berichterstattung, deren sich die amtlichen Verdrehungskünstler der größten Staaten nicht zu schämen brauchten. Grundsatz: Man kann das Publikum nicht dumm genug machen . . t * ■" Diese Angelegenheit: bildet einen neuen, großen Posten im Register der sträflichen Unfähigkeit und Leichtfertigkeiten der zionistischen Leitung. Um diese technische Schule, die er sie und einzige große tech-, nische Unterrichtsanstalt., iij Palästina, den Stolz, 'des Landes, wurden seinerzeifeharte Kämpfe geführt. Vor; zirka. zwanzig Jahren vom;,Hilfsverein deutscher Juden?'. gegründet, ist sie nach dem Kriege in den- Besitz der; Zionistischen Organisation übergegangen. Hundertel Schüler sind hier von trefflichen Lehrern ausgebildet: worden. Mit Stolz wurde darauf hingewiesen, daß die: Anstalt nicht nur Palästina, sondern auch die Nachbarländer mit jüdischen Technikern versorgen und dadurch den moralischen Einfluß des Judentums im Orient befestigen und heben soll. Und nun — Sperre! Anzeichen des Verfalles waren schon vor einigen Jahren zu merken. Eine Günstlingswirtschaft begann Platz zu greifen. Ständiger Streit mit den Lehrern und von völliger Verständnislosigkeit getragene Geringschätzung des wichtigen Instituts waren die Kennzeichen der Leitung. Die ..Neue Welt" hat ihre warnende Stimme erhoben und immer und immer Orth. sowie diverse Käsesorten in feinster Qualität, streng verläßlich, liefert Stauffer & Söhne, Käsefabriken Sopron - Ungarn Vertretung: Ludwig Schlicha, Wien II, Pratarsfraft« SO wieder auf den Technikum-Skandal hingewiesen., Der Kongreßvertreter der Wiener Zionisten, Robert Stricker, hat wiederholt Stellung genommen. Es hat nichts genützt. Wegen einiger tausend Pfund, vier- oder fünftausend, wird die Anstalt gesperrt, wird daa Land eines der wichtigsten Institute beraubt und die Zionistische Weltorganisation mit einem häßlichen Makel belastet. * Ein Vergleich drängt sich auf! Palästiua hat eine he b r ä i s c h e U n i y e' r e i t ä t, deren Erfichtung vieler viele Htthaiden 'gekostet hat, mit. einem jahf eS- ■bud^ ei von ca. 60.000 PL-Hörer hat"'sie' 'eigentlich; nur , wenige Dutzend und Fakultäten sind keine da, wenigstens keine, welche Aerzte, Juristen usw. in die Welt schicken, was eben sonst eine richtiggehende Universität tut. Dafür Feierlichkeiten, Empfänge, Verlautbarungen, fürstliche Revenuen. Mit einem wirklich funktionierenden technischen Institut läßt sich so was nicht tun. Da spricht die p o si t i v e Leistung! Also sperren! Wegen einiger tausend Pfund. * Segensreiche Wirkung der Erweiterung der Jewish Agency durch Nichtzionisten. Goldströme werden sich über Palästina ergießen! Wo ist der Goldstrom und wohin rinnt er? Das Technikum in Haifa hat er nicht erreicht! Copyright by „Die Neue Welt", Wien. Nachdruck und Uebersetzung nur mit Erlaubnis des Herausgebe» Theodor Herzls tragischer Kamp! um den politischen Zionismus. Ii. (L siehe Nr. 148.) Vor dem I. Zionistenkoiigreli. Zu Beginn des Jahres 1896 war in Herzl die Konzeption zur politischen Lösung' der Judenfrage gereift. Er dachte bekanntlich nicht daran, eine von seiner Person getragene Bewegung zu entfachen oder in ihr eine persönliche Rollezu spielen. Sein explosiver Geist aber drängte ihn motorisch zu Aktionen. Er trug seine Ideen den damals in-Geltung, stehenden jüdischen Notabein vor,-schrieb Aufsätze, trat mit namhaften Nichtjuden in Verbindung und erntete allsogleich "auf seine publizistischen Aeußerungen Kundgebungen der Mißbilligung und der; Zustimmung. Herzl hatte Anfang Jänner 1896 im führenden jüdischen Blatte Englands, im Londoner „Jewish C h r on i e 1 e", einen Aufsatz unter dem Titel „Die Lösung der Judenfrage" veröffentlicht. Eis ist dies ein Vorartikel zu dem später so sensationell ■wirkenden Buche „Der Juden st a a t" und enthält in kurzen, pragmatischen Sätzen den politischen Ideenkomplex des Buches. Die jüdische Welt hox'chte auf. Man lachte. Aber mau jubelte auch. Wir finden nun in den „Tagebüchern'' die Eintragung: „23.; Jänner 1896. Die zweite Zustimmungserklärung) vom Rabbiner A. K .... in Prag, Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes JE bezeichnet. der mich zur Bildung einer jüdischenNat i o n a 1 p a r,t e i in Oesterreich auffordert. Ich antwortete ihm, daß ich glaube, mich vorläufig von jeder persönlichen Agitation zurückhalten zu sollen." Man weiß, daß die Herausgeber der Herzlscben Tagebücher mit Rücksicht auf noch lebende Personen, die mit Herzl in Verbindung gestanden haben und in ihnen zum Vorteil oder zum Nachteil erwähnt sind, Namen nur mit ihren Initialen wiedergegeben haben. Der Name A. K. . . . ist unschwer als der des Dr. Abraham Kaminka zu erkennen. Dr. Abraham Kaminka ist ein bedeutender judaistischer Gelehrter, dessen wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiete der Bibelkritik, der orientalischen Philologie, der Talmudfprschung, der jüdischen Historie allgemein anerkannt sind. Kaminka war zur Zeit des Beginnes von Herzls politischem Wirken Rabbiner in Prag, später Oberrabbiner in Esseg und wirkt gegenwärtig als Sekretär der Alliance Israelite in Wien. Hier hat er das Maimonides-Institut gegründet, wo er seine wissenschaftliche Tätigkeit fortsetzt. Interessant ist, daß dieser Wissenschaftler auch hebräische Dichtungen verfaßt hat, Rabbiner Dr. Kaminka hat in der Chowewe-Zion-Bewegung der Neunzigerjahre eine nicht unbedeutende Rolle gespielt, stand mit Männern, wie Pinsker, Hildesheimer, Schapira, Mandelstamm, Chasanowitsch, Reinis (dem späteren Begründer der „Misrachi"), Ben Jehuda (dem tat- ^v,;ii'^/ ' _•>• , < . -> '• . Cv\ w m