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Die neue Welt · 1930-07-18 · Heft 148 (18.7.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 148 (18.7.1930)
Date
1930-07-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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N& 146 DIE NEUE WELT Seite I „Mohammed", sagte er, „ist mir im Traum erschienen, war betrübt und beklagte sich, daß seine Gläubigen ihn vernachlässigen, daß sie nie daran denken, die Edelsteine in seinem Tempel, Zeichen seiner Glorie, zu vaschen. Deshalb sammle ich die Steine, um sie zum Fluß zu tragen." Die Moslemiten ließen den Juden samt den Steinen ziehen und machten sich selbst eifrig ans Sammeln, um die Steine im Fluß zu reinigen. Die Nachricht verbreitete sich, Moslems kamen in großen Mengen herbei und im Gewimmel des Sammeins wurden viele Moslems erdrückt. Der Tag ist für immer ein Tag der Trauer im Islam. Eine andere Geschichte, die in Teheran erzählt wird, lautet so: Die moslemitischen Priester in Teheran suchten einst nach einem Grund, die Juden aus der Stadt vertreiben zu können. Sie veranstalteten daher eine öffentliche Disputation über Religion. Es war ein gefährlich Ding für einen Juden, an einer solchen Disputation teilzunehmen. Aber der jüdische Chacham mußte sich, da er aufgefordert wurde, stellen. Er wurde aufgefordert, ohne nachzudenken, auf die Frage zu antworten: „Warum sind die Juden .nicht willens, die moslemitische Religion anzunehmen?" Der Chacham antwortete: „Am Fuße eines Berges gibt es eine Quelle klaren Wassers. Man trinkt aus ihr' und erfrischt sich und ist glücklich. Einige füllten auch ihre Eimer aus der Quelle, daß auch ihre Kamele und ihr Hausgesinde trinken können. Nun sagt mir, ihr Priester, soll ich zur lebendigen Quelle trinken gehen oder zu den Eimern?" Die Priester wußten keine Antwort. Aussterbendes jüdisches Bauern« volk+ In Czernowitz fand vor kurzem eine „Jüdische Wirtschaftskonferenz" statt, auf welcher auch überft die Lage der jüdischen Landwirte in der Bukowina berichtet wurde. Der Referent, Mauricy Fast, entwarf ein düsteres Bild. Die Juden auf dem Lande leiden nicht nur unter der allgemeinen Not, sie sind auch noch schweren Verfolgungen ausgesetzt. Die jüdische Landbevölkerung erdulde ein wahres Martyrium. Ihr Leben und ihr Eigentum sind nicht geschützt. Der Gen» darm ist der Allmächtige im Bezirk, er diktiert und nach seinem Willen geschieht alles. Die Juden wurden aus allen Positionen verdrängt. Man hat ihnen das Schank» g e w e r b e weggenommen, und die wenigen, die es noch betreiben, können gegen die Konkurrenz, welche alle Privilegien genießt, nicht aufkommen. Es gibt noch einen kleinen Bruchteil von jüdischen Landwirten» Etwa 30 bis 40 Juden treiben, beispielsweise im Bezirke Storoznetz Ackerbau. Aber sie verkommen allmählich. Ueber das gleiche Thema sprach auch Herr Dr. Max Diaman t, der ebenfalls interessante Daten vorbrachte. Im Jahre 1900 habe es in der Bukowina 2800jüdische Bauernfamilien und über 10.0 00 werktätige Juden in der Landwirtschaft gegeben. Heute gibt es nur noch 800 landwirtschaftliche Betriebe in jüdischen Händen. Diese sind ein Faktor und man muß trachten, sie in diesem Berufe zu erhalten. Man müsse diesen Be« sitzstand mit allen Mitteln verteidigen. Es ist bekannt, daß jüdische Landwirte in der Bukowina Musterwirt* Schäften geführt haben. Sie sind dem .Verfäll preis* gegeben, wenn ihnen nicht frische Kräfte zugeführt wer» den. Man müsse ihnen billige langfristige Kredite gewähren. Dies müsse geschehen in der Form von Koi operativen oder durch Banken, denen besondere Abteilungen für landwirtschaftliche Kredite anzugliedern wären. Die erste Föderation der Juden auf Kuba« Vor einigen Wochen wurde in Havanna, dar Hauptstadt von Kuba, das Organisationskomitee einer jüdischen Föderation von Kuba geschaffen, und heute bereits besitzt das Proponentenkomitee das Legali* sierungsdekret der Regierung, durch welches die einge» reichten Statuten zustimmend zur Kenntnis genommen werden. In der allernächsten Zeit werden^die -VorafÄln im Innern soweit gedieheil sein, daß dif Delegierten der einzelnen jüdischen Gemeinschaften und Institutionen des Landes zur ersten Landeskonferenz und zur Schaffung der Repräsentanz der Juden von Kuba den Behörden gegenüber werden zusammentreten können. Die Sehaffung eines solchen legalisierten jüdischen Vertretungskörpers in Kuba hat sich bereits als unaufschiebbare Notwendigkeit erwiesen. Denn auch auf Kuba ergeht es den unorganisierten Juden nicht anders als überall in der Welt, wo die Juden sich nicht zu einer Vereinigung, zur gesetzlichen Reprisentanz der Regierung und ihren Behörden gegenüber aufzuraffen bell nsnach Qema,den berühmt®r jttf|l»ch«r Mftlfjr HERZL-Gobelins •rxougtAtelier Z8hrBdilik Wien, V., Arusngrubergass* Nr, 30 Telephon U-40.9-17 vermögen. Die Regierungen von Kuba haben bisher die eiflttiaerr Vereinigungen und Institutionen der Juden geg,e neinander politisch und Wirtschaft* lieft aasgetpielt, um auf sofche Wüst zu verhir» dem, daß die, judische Kolonie in Kuba entsprechend ihrer politisclg^, sozial« ttflcl wirtschaftlichen Stellung als einheitlicher Machtfaktor die ihr im Lande gebührende Stellung einnehme. Gegenwärtig ist der Moment für die Bildung einet jüdischen Repräsentanz günstig und da es auch gelungen ist, eine Einigung zwischen den sephardischen Juden und den aschkenasi« sehen Einwanderern herbeizuführen, steht der endgUlti« gen Schaffung der jüdischen Repräsentanz nichts mehr im Wege. Zehnjähriges Jubiläum des „Zsido Neplap". Das in Uzhorod (Ungvar) erscheinende jüdische Wochenblatt „Zsido Neplap" begeht in diesem Jahr das Jubiläum seines zehnjährigen Bestandes. Das Blatt ist in den schwierigsten Zeiten gegründet worden. Es war kurz nach dem Zusammenbruch der Mittelmächte, ein Teil der jüdischen Bevölkerung in der Slowakei und in K'arpathorußland war, in dem Glauben, daß die einge* tretene Umwälzung nicht von Dauer sein würde, nach Ungarn orientiert und vertrat, trotz der blutigen Zurück« Weisung durch Ungarn, noch immer magyarisch« chauvinistische Politik. Der andere Teil, der wohl von seinem Magyarenwahn rechtzeitig geheilt war, hatte in politischem Sinn den Boden unter den Füßen verloren und wurde zum Spiclball der Politiker der verschieden* Ihr Ilflenhnlro bätten Sie am besten durch die rjOBUl1 •ch*Ä J0-,,-. ftttttijßft, fctf Otonrrtkhiiche Bau* n. SUdtangsgemeintchaft r. O ffl t>. H., Qtäc. Mit atneenloaem Heftfe« Auch Kauf u Ablöse von Zinshrpo» tnoMiA. OteSta «tatenlose Bauspargcneftseff* pt|Meftt1fMl»ti«i WIM, I* SlrttfMn 1/1. rrolHH« gtgfn 8 1.50 in Bfietmarken leeaeeeeeeeeeeeeeeaeeiieeeeei , s&n tschechischen Parteien. In dieser Zeit be« ginn „Zsido Neplap" seine' verdienstvolle Aufklärungs* ijrbeit nach innen und seinen Verteidigungskampf für die jildfiehin Int «-*%•'■en nach außen. „Zsido Nep. lap" ist es zu danken, daß der zionistische Ge* danke, die Paiästina*Aufbauarbeit und die jüdischnatio* nale Politik im Innern des Landes manchen bedeutsamen Erfolg erzielen konnten. „Zsido Neplap" ist seinem ur* sprünglichen Programm bis zum heutigen Tage treuge* blieben, es kämpft anläßlich von Wahlen in die allge* meinen Vertretungskörperschaften stets für die Schaffung selbständiger jüdischer Wahllisten, ist nach wie vor ein treuer Berater der karpathorussischen Juden in allen wirtschaftlichen Fragen und ganz besonders ein verläßlicher Wegweiser zur Herstellung der inneren Verbindung zwischen den Juden und Palästina. Anläßlich des Jubiläums erschien eine Pestnummer des „Zsido Neplap" mit wertvollen Beiträgen. Dem Heraus« gebet Bela Szerenyi gingen aus diesem Anlaß aus der ganzen Slowakei Glückwünsche zu. Erez Israel in Wirtschaft und Politik Jerusalem, Mitte Juli. Während wir hier seit Monaten von einer politischen Ungewißheit ki die andere geworfen werden, die im feinldichen S h a w-B e rieht, in der Zurückziehung der Einwanderungszertifikate und der nicht sehr aussichtsreichen Perspektive der Simpson» sehen „Fo r seb un gs r eiee", in den Verhandlungen betreffs des K1a g e m a u e r-P r o b 1 e m e zum Aus* druck kommt, geht unser ökonomisches Leiben notmal weiter. Die zehnjährige Aufbauarbeit zeigt erst jetzt, trotz der unnormalen Bedingungen, unter denen sie geleistet wurde, trotz des feindlichen Adnünistrationsregimes, trotz der arabischen Gegenaktionen und mannigfachen verfehlten Kolonisationsmethoden, ihre Früchte. Selbst der objektivste Betrachter muß feststellen, daß jetzt wie. noch nie der Augenblick für einen wirtschaftlichen Aufstieg gegeben ist. Ein Rückblick über die geleistete Arbeit gibt gleichzeitig einen Fingerzeig für die Möglichkeiten der nächsten Zukunft. Im Jahre 1922 gab es 75 jüdische Siedlungen mit 15.000 Einwohnern auf 600 Quadratkilometer Boden. Das gegenwärtige Jahr zeigt bereits 107 landwirtschaftliche Siedlungspunkte mit verdoppeltem Bodenbesitz, d. s. 1200 Quadratkilometer Boden und 45.000 Bauern. 10 Quadratkilometer Orarigenpflanzungen von 1921 stejien heute 45 Quadratkilometer gegenüber. Ueber ein Drittel des Marktbedarfes an Mileh und Eiern (fast 1 Million Eier und 30.000 Hektoliter Milch) wird von den jüdischen Verkaufsorganisationen gedeckt. Im Jahre 1923 betrug das von den Juden investierte. Betriebskapital 34 Millionen Schilling, ein Betrag, der 2300 Juden Arbeit und Existenz gab. Heute beträgt das Investitionskapital der jüdischen Industrie mehr als das Doppelte, rund 78 Millionen Sch^M. .wojbe^ 'die jüdische Iudustriearbeiterschaft auf fifllK i, : Auch Ju der jüdischen Bevölkerungsziffer , tritt der aus der Arbeit resultierende Aufstieg zutage. 1922 g*b es 13 Prozent Juden in Palästina, heute gibt, es fast 20 Prozent. D\e Wirtschaftsbedeutung dieses Bevölkeruhgsteils ist allerdings unverhältnismäßig größer, als die Zähl selbst vermuten läßt. Die Juden Palästinas tragen 45 Prozent des gesamten palästinensischen Staatsbudgets, produzieren $0 Prpzent aller Industriewaren, stellen im Ge§nmte^port 33 Prozent, im GesamtimpDrt sogar W Prozent. Diese Erscheinung hat ihre Parallele im Wachstum der jüdischen städtischen Bevölkerung. Seit 1922 haben sich die Juden Jerusalems um 19.000 Seelen vermehrt, so daß heute die JJaupstadt Palästinas 54.000 Juden zählt Die jüdische Bevölkerung Haifas hat sich verdreifacht: von 40.000 Einwohnern gibt es 18.000 Juden. *Der Weg zur jüdischen Mehrheit in Haifa ist bei günstiger Einwanderung eine Frage von ganz kurzer Dauer. Die rein jüdische Stadt T e 1-A w i w hat' in den letzten Jahren 27.000 Einwohner gewonnen und damit den Stand von 40.000 erreicht. Der Umlang der ersten jüdischen Stadt beträgt, zurzeit? Quadratkilometer, 3500 . Häuser einschließend. Das einen Ueberschuß aufweisende Cfemeindebudget beträgt fast 3,4 Millionen Schilling. Wie im ganzen Lande, gibt es auch in'der Stadt Tei-Awiw. keine Arbeitslosigkeit (Von unserem Palästinenser Korrespondenten.) Ganz gewaltig hat sich die. Lebenshaltung gehoben. Wae früher als Luxus und Komfort angesehen wurde, gilt heute als selbstverständlicher Faktor des täglichen Lebens. Kino, Theater, Presse, Buch, Musik, Wöhnungshygiene, Verkehrsmittel u. a. haben in den letzten Jahren die modernsten Formen angenommen. Der Häfenbau iü Haifa, die völlig Überwundene Krise ini Orangenbau, die weiteren Ele-ktrJfizierungdrjläne Rüthenber.gs eröffnen neue Perspektiven wenn die Politik die Bedürfnisse der Wirtschaft versteht. Das Land will aufwärts. Ee braucht unbedingt neue Arbeitshände, eine krältige Einwanderung, neues Kapital, neue Initiative.' Die mächtig eingesetzte Baubewegung kann sieh nicht voll ausleben; denn sie weiß nicht, ob es Herrn Siinpson belieben wird, „jüdische Einwanderung zu gestatten" und sie weiß auch nicht, wann Herr Passfield eJne definitive Entscheidung getroffen haben wird. Alle Faktoren des Landes sdnd darüber empört, daß transjordanteche und ägyptische Araber, wenn auch „vorübergehend", in Palästina Arbeit aufnehmen dürfen, während den 3200 Chaluzim die Türen gesperrt würden. Um die Wirtschaft steht es gut, um die Politik schlecht. Wir warten. Der große Josiah* Die ruhmreiche Tradition der Familie Wedgwood. Am 12. Juli leierte England den „großen Josiah". So nennt das dankbare britische Reich den Begründer des englischen Kunstgewerbes in Ton und Porzellan, einer Manufaktur, die allmählich zur Beherrschung des Weltmarktes gelangte und den Namen der Wedgwood zu einem sozialen und kulturellen Begriff des aufstrebenden England machte. Im letzten Jahrzehnt taucht auch in der zionistischen Geschichte der Name Wedgwood auf: der Name eines christlichen Engländers, eines Führers der Arbeiterbewegung, der wie Balfour für den zionistischen Gedanken stritt wie wenige sonst im gesitteten Europa. Uns scheint es, daß Colonel Josiah Wedgwoods leidenschaftliche Anteilnahme an einer gerechten Sache, am Geschick eines unterdrückten Sechzehn-MilJionen- Volkes, an dessen Wiederaufrichtung im Wege des jüdischen Nationalheims in Palästina Im Wesen und im Cha- Wochen-Kalender Juli 1930 non jnn. Tamus 5690 18 Freitag .22^33 M Sabbateingang 7.30 ) w Samstag 28-53 Sabbatausgang 8.35 »h ple *dt nan von »wwe 20 Sonntag 24-13 •n*• Montag M-ns Jflf2* Ü llr* 'i II * Mittwoch 24 Donnerstag r"?<* *•* " 27~» 28-ro oipv ]»p «ro» Dt»

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