Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 148 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 8 DIE NEUE WELT Nr. 148 LAURANA abbazia Orthod. kosch. Pension WEISS neu eröffnet Erstklassige Küche Mäßige Preise Auf Wunsch Prospekte rakter seiner ruhmreichen Familie begründet ist Zwei Jahrhunderte lang sieht man die Familie Wedgwood als Vorkämpferin der Gerechtigkeit, der wahren britischen Demokratie und des großen britischen Liberalismus. Die Familie Wedgwood ist das Prototyp der revolutionären englischen Mittelklasse, deren Ideen in John Stuart Mill ihren gedanklichen und in John Bright ihren politischen Ausdrück finden. Der 1 Stammvater unseres Colonel Wedgwood, der jetzt gefeierte Eng Iänder, unterstützte die amerikanische Freiheitsbewe gung, seihe Nachkommen den'Kampf um die Sklavenbefreiuug, die amerikanischen Bürgerkriege, den polni sehen Aufstand, die italienischen Freiheitsrevolten, die Ideen zur Niederwerfung'des russischen Zarismus und der türkischen Despotie. Die Wedgwood machten sich um die geistige Befreiung Europas - verdient. Charles Darwin, der große Gelehrte, war ein Wedgwood mütterlicherseits. Andere bedeutende Männer gingen aus der Familie Wedgwood hervor, die jede Dekorierung, welche ihren Leistungen zuteil wurde, aüs ihrem demokratischen Gefühl heraus ablehnte. Einer solchen geistigen und sozialen Atmosphäre entstammt Colonel Josiah Wedgwood, den das jüdische Volk wie einen seiner Söhne ansieht. Er ist der Tradition seines Hauses treu geblieben. Wie seine Vorfahren sich gedrängt fühlten, gegen die Politik ihres eigenen Landes Stellung zu nehmen, so hat auch er keine Gelegenheit vorübergehen lassen, die heuchlerische Methode seiner Landsleute als Verwalter Palästinas zu entlarven. Colonel Wedgwoods Zionismus ist nicht nur fundiert auf : dem. vielen christlichen Freunden des Zionismus eigenen Sentiment, das einem undefinierbaren Gefühl für Wie-, dergutmachung eines 200 Jahre währenden Unrechts entspringt, sondern basiert vor allem auf der bewußten Erfassung des jüdischen Nationalproblems. Wedgwood kämpft für den großen zionistischen, Gedanken, als lebte und litte er als Jude. Wedgwood ist eine zionistische Figur. Mehr noch: der englische Arbeiterführer, der Mann mit den profunden volkswirtschaftlichen und politischen Erkenntnissen und Erfahrungen, steht an der Seite der echten zionistischen „Opposition. Was Jabotinsky in der innerzionistischen; Politik bedeutet, gibt Wedgwood in der außenzionistischen, mit der Front gegen das offizielle englische Administrationssystem gerichteten Politik. , Der englische Politiker Wedgwood hat, aus Palästina heimgekehrt, das Gesicht der englischen Administration, lange vor ihrer deklarierten Bloßstellung in den Augustunruhen 1929, gezeichnet — als antisemitisch, dilettantisch, ja skrupellos. Seine Voraussicht, daß die Folgen dieser Politik zu einer Katastrophe führen, müssen, hat ihre Bestätigung gefunden. Für Wedgwood bedeutet das Mandat nichts weniger als einen Vertrag zwischen gleichberechtigten Partnern, zwischen dem britischen lmperium und dem jüdischen Volke im Sinne einer möglichst raschen jüdischen Majoritätsbildung, die sich dann — das ist der, Lieblingsgedanke Wedgwoods —• in der Form eines normalen Staatswesens als Dominion dem britischen Imperium angliedern möge. Diese zwei Gedankenpole Wedgwoods, die Notwendigkeit eines fundamentalen Wechsels der britischen Administration in Palästina und das Hinarbeiten auf eine jüdische Majorität zu einer eventuellen Dominiongestaltung, sind in seiner berühmten Schrift „Das siebente Dominion" fixiert. , Sein lebendiges Wirken für den Zionismus kennt keinen Stillstand. Heute in Rumänien. für den Keren Hajessod werbend, morgen in Wien die jüdischen Massen aufklärend, wieder einmal auf südafrikanischem Böden seine Ideen propagierend, um schließlich immer wieder in London zur Stelle zu sein, wenn es gilt, die zionistischen Interessen zu verteidigen, —■ ruhelos ist er am Werk. Der Sproß der ruhmreichen Wedgwood-Famiiie; der britische-Colonel, der Führer der Labour Party, der einstige Minister hat die Tradition des „großen Josiah", von ihm Name und Art tragend, heilig gehalten, als Demokrat und Schützer der Menschenrechte. .......*.......»«♦..........MI»M......«.....MMM einsig« erfhotox« ups Restauration Stern Bad Tätimannsdorf Erstklassige Küche Aufmerksame Bedienung Bürgerliche Preise Menüsystem tMM>mMMM>MMMMM<MMMM»MHM»MMMMMM? Palästina. Internationalen Gewerk- §diaft§kongreß+ Stockholm, 10. Juli. (J. T. A.) Auf dem in Stock« holm stattgefundenen Fünften ordentlichen Internati o« nalen Ge we rkschaf tskongreß war die palästi« nensische Gewerkschaft (Histadruth Haowdim) durch die Führer der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas Ben Gurion und Salman Rubaschow vertreten. Gleich nach dem Referat des Sekretärs der Gewerkschaftsinter* nationale erhielt Rubaschow das Wort zu einem Referat über die Gewerkschaftsbewegung in Palästina. Rubaschow führte aus: „Ich spreche im Namen der Gewerkschaftsbewegung in Palästina, einem Lande, das im Verlauf des vorigen Jahres das Unglück hatte, von neuem die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit durch Unruhen auf sich zu lenken. Die Eigentümlichkeit unserer Gewerkschaftsbewegung, die heute die einzige Gewerkschaftsbewegung in Vorderasien ist, besteht darin, daß sie eine un* mittelbare Folge des Kolonisationswerkes ist, das seit einigen Jahrzehnten im Lande durchgeführt wird. < Bevor die jüdische Einwanderung eingesetzt hat, gab es im Lande weder eine organisierte Arbeiterschaft noch irgend eine wirtschaftliche Voraussetzung für ihre Entstehung. Die landwirtschaftlichen Arbeiter, die in den neuen jüdischen Siedlungen Arbeit gefunden haben und sich zirka 7 bis 8 Jahre vor Ausbruch des Weltkrieges zu einem einige hundert Arbeiter zählenden Verbände zu* sammengeschlossen haben, bildeten den Kern der Gewerk» schaftsbewegung im Lande, die . gegenwärtig einen Ver» band der landwirtschaftlichen Arbeiter, der Lohnarbeiter und, der genossenschaftlich Angesiedelten, einen Verband der Eisenbahner und Transportar beiter, der Indus11iearbe i t er, des neu entstandenen Elektrizitätswerkes, den H an d e 1 s a n g e s t e 111 e n*Verband usw. umfaßt und insgesamt über eine Mitgliedschaft von zirka 30.000 Ar* heitern verfügt. Die Gewerkschaftsbewegung, in engster Verbindung mit der kooperativen Bewegung, mußte ihr Werk bei einem absoluten Mangel an jeglicher Arbeiter* gesetzgebung und jeglichem Ärbeiterschutze durchführen; Das im Lande immer noch geltende türkische Recht kennt den europäischen Arbeiterschutz nicht, und wenn es uns trotzdem gelungen ist, menschliche Arbeitsbedingungen zu schaffen, und in fast allen größereu. Unternehmungen den achtstündigen Arbeitstag zu verwirklichen, so ist das in erster Linie der Geschlossenheit der Arbeiterorgani* sation und dem Charakter IdfÄ zionistischen' Kolonisation zu verdankend Einführung des gesetz* liehen Arbeiterschutzes für die gesamte arbeitende Be* völkerung des Landes ohne Unterschied der Nation und Abstammung: ist das Ziel unserer Gewerkschaft, ist Vor» bedingung der Verwirklichung der. dem Lahde auferlegten historischen Atifgäbe. r -; ■ .'.[■■ Die arabischen Großgrundbesitzer und der arabi» sehe Klerus, geleitet von der Angst, daß die jüdische Arbeitereinwanderung und das kolonisatorische Arbeiter; werk auch die arabischen Arbeiter zum Kampf für die Erhöhung ihres Lebensniveaus anspornen wird, haben gegen die jüdische Einwanderung und Kolonisation den „heiligen Krieg" erklärt. Ihre Hetze war es, die die blüti* gen Ereignisse vom August vorigen Jahres mifgezeitijgt hat. Aber niemals und nirgends könnten brutale Gewalt, Volksverdummung und Herrschsucht der Entwicklung eines Lahdes und der Freiheitsbewegung eines Volkes den Weg versperren. AUS PALÄSTINA. Tel-Awiw erhält sein eigenes Schlachthaus. r . Jerusalem, 9. Juli (J. T. A.) Die in den letzten Mo* naten in (Tel»Awiw bestandenen Schwierigkeiten in 4er Fleischversorgung, die ihre Ursache darin hatten, daß die jüdischen Schlächter sich nach den Augustunruhen weigerten, im Schlachthaus von Jaffa zu arbeiten, und die Regierung andererseits die Benützung eines in Tel» Awiw Errichteten provisorischen Schlachthauses wegen angeblicher Nichterfüllung der geforderten hygienischen Bedingungen verbot, werden durch Errichtung eines Schlachthauses in TebAwiw bald behoben sein. Das ColoWial Office hat beschlossen, die Bewilligung für eine Anleihe der Stadt TeUAwiw zwecks Errichtung eines händigen Schlachthauses z|tf erteilen. 'V 1 :Sir Job.11 Chanceljor in London. London, 9. Juli. (J. IV A.) Der High Commissioner für Palästina, Sir John Chancellor, der in der vorigen Woche seinen Urlaub angetreten hat, ist am 7. Juli in London eingetroffen. Es verlautet, daß die Regierung mit ihm während seines Londoner Aufenthaltes über die Frage der zukünftigen Politik in Palästina be« raten wird. Verbindung der Arbeiterinnen Palästinas mit der ■ Weltorganisation zionistischer Frauen» London, 9. Juli (J. T. A.) Am 2. Juli kam in London anläßlieh einer Sitzung der WIZO*Exekutive mit der Ver* treten*)' des Arbeiterinnenrates Palästinas, FrL Ada Fiscbmann, der Anschluß der Arbeiterinnen*Organisa* tion Palästinas an die Weltorganisation zionistischer Frauen auf Grund einer besonderen organisätorischen Ab* machung zustande, derzufolge die Arbeiterinnenschaft Pa* lästinas eine Vertreterin in die Exekutive der WIZO ent* senden und durch zwei Delegierte im Council, durch vier Delegierte in den zweijährlichen Konferenzen der Welt* Organisation zionistischer Frauen vertreten sein soll. Die durch die Moazath Hapoaloth vertretene Orga» nisation der Arbeiterinnen Palästinas umfaßt heute 11.000 Mädchen und Frauen der städtischen und der ländlichen Berufsarbeit. Der Tabak in Ober Galiläa. Die Tabakzucht, die seit 1926 in Judäa fast ganz vernachlässigt wurde, wird in Galiläa zu einem wichtigen Zweig in der dortigen Landwirtschaft. Gegenüber 250 Dunam, die in den Kolonien von Galiläa im Jahre 1926 mit Tabak bepflanzt wurden, beträgt gegen« wärtig ihre mit Tabak bepflanzte Fläche etwa 4000 Dunam. Dieses Steigen der mit Tabak bepflanzten Fläche ist folgenden vier Faktoren zu verdankent Der Bodenqualität, der Organisation der Kolonisten, der Pica und den Bemühungen des Herrn Dr. Hausner, des Beirates des polnischen Konsulats in Handels« sacuta, mit dessen Hilfe der Ueberschuß des Tabaks von. Rosch Pina (der. größten Tabakzentrale in Galiläa) an das polnische Tabakmonopol verkauft .wurde. Der Verkauf des Ueberschusses des Tabaks von etwa 50.000 kg, der nach seiner Qualität als ausgezeichnet aner* kannt wurde, hat den Verkauf der Produktion auch, in kommenden Jahren und die Vergrößerung der mit Tabak bepflanzten Fläche vorbereitet. Die Fabrik der Gebrüder Maspero hat durch die „Vereinigung der Tabakzüchter" in Rosch Pina den Tabak von Yesod Hamaala und Mischmar Hajarden, insgesamt etwa 25.000 Kilogramm, gekauft. (Ziko) Aussichten des Orangenbaues. In „Hadar", einer den Interessen der Citrus- Industrie gewidmeten Zeitung in Palästina, veröffentlicht Herr Harry V i t e 1 e s einen aufschlußreichen Artikel über den Stand der Orangenindustrie in Palästina im April 1930, wobei er zu den Schlüssen kommt, daß diejenigen Pflanzer, die ihre Pflanzungen mit zu hohem Zinsfuß geliehenem Kapital und mit unausreichender Berechnung der damit verbundenen Kosten angelegt haben sowie es an der gebotenen Vorsicht bei der Auswahl des Bodens, der Setzlinge usw. haben fehlen lassen, mit unausbleiblichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben werden. Dagegen betrachtet er die Aussichten derjenigen Pflanzer als gut, die ihre Schätzungen auf einen Nettogewinn von 12 Pfund pro Dunam-basieren. Aber selbst dieser Erlös-kann n^erzielt ^jsrrdfcn, wenn man "■pro. Dunam mit 125 Kisten exportreifer Früchte rechnen kann und mit einem Gewinn von 4 Schilling pro Kiste vom Baum. Herr Viteies ist ferner der Ansicht, daß die Palästinaorange ihren Markt noch bedeutend vergrößern ka n n, da sie leicht die Konkurrenz mit den amerikanischen, italienischen und selbst spanischen Früchten aufnehmen kann, falls großzügige Reklame gemacht wird, die Transportmöglichkeiten verbessert und Auswahl und Verpackung der Früchte mit größerer Sorgfalt gehandhabt werden, da sonst die Konsumenten nicht geneigt sein werden, höhere Preise für Palästinaprangen zu bezahlen. Herr Viteies ist der Meinung, daß die damit verbundenen Kosten von den Pflanzern getragen werden müssen. In diesem Zusammenhang ist eine Bemerkung von Interesse, die sich in dem Bericht der Sachverständigen findet, nämlich, daß die Orangenindustrie eine gesunde Grundlage hat und erweiterungsfähig ist, falls nur. gleichmäßig erstklassige Früchte zum Versand kommen und ihnen neue Märkte erschlossen werden. Herr Viteies schließt seine Betrachtungen mit dem Ausdruck der Ueberzeugung, daß Forschungsarbeit und weitgehende Experimente unumgänglich nötig sind, um immer bessere Resultate zu erzielen und daß auch diese Experimente in erster Linie von den Pflanzern zu finanzieren sind. *Die nationale jüdische Schule in der Musik*? Von Joachim Stutschewsky (Wien), . .- Im Verlage der „UniversahEdition", Wien, erschien die deutsche Uehersetzung einer ausgezeichneten' Studie von L. Ssabanej ew, deren aufklärender Inhalt durch die Tatsache, daß der Autor Nicht Jude ist, noch an Bedeutung:; und Interesse gewinnt. In ein* gehender, wenn v auch nicht erschöpfender: Darstellung wird der Leser , hier; von einer starken kritischen Potenz über jüdische Wesensart und Elemente, in der Musik sowie über die aus Rußland stammenden jüdischen Kom* ponisten informiert. Der "Autor ist ein in Kußland sehr bekannter Kom* ponist moderner Richtung. Als wohlbewanderter Musik* Schriftsteller und Kritiker, als sehr guter Kenner der Musikgeschichte verschiedener Völker ist er, der die Ent* Wicklungskurve der Musik seines Volkes genau ver* folgen konnte, wie wenige dazu berufen, den Begriff der „nationalen jüdischen Schule in der Musik'1 zu beleuchten und zu klären. Jede Rasse, jedes Volk hat nicht nur seine eigene Physiognomie, sondern seine Eigenseele, sein Eigen* temperament» In einer Zeit, in der das Judentum, nach neuen Möglichkeiten eigener Lebensgestaltung zu suchen