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Die neue Welt · 1930-07-18 · Heft 148 (18.7.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 148 (18.7.1930)
Date
1930-07-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite S .....MM>.......M>MMMM»»»MM>..............»M¥ DIfc NEUE WELT Nt. Uß Erledigte Lehrer Stelle Am Isr. Bllndeninstltut Hohe Warte in Wien gelangt die Stelle eines ' Lehrer-Präfekten zur Besetzung. Die Stellenwerber wollen Ihre mit den Zeugnissen und dem Otbnrts- und Heimatschein belegten Oesuche bei der Direktton, «teil, XIX., Httht) Wart« 89, einbringen, die auch eventuelle Auskünfte erteilt. ^...............>.........<M»IM>M.....«MMMMMI Die britische Regierung hätte vor dem August 1929 handeln müssen. Die Mandatskommission, führt „Daily Telegraph" weiter aus, bedaure, daß die Mandatarmacht bei der Totaldurchführung des Mandats nicht erfolgreich gewesen ist. Es wird gegen die Regierung der Vorwurf erhoben, sie habe ihre Verpflichtung, die Errichtung eines Nationalheims für die Juden zu fördern, nicht erfüllt., . Alerdings hätten auch die Araber Schutz ihrer Interessen finden müssen in einer Agrarpolitk oder in öffentlichen Arbeiten für die Landwirtschaft. Die Kommission ist der Meinüng, daß die -Mandatarmacht die Interessen der beiden Bevölkerungselemente miteinander im Einklang hätte bringen können. . Die arabische Forderung nach freier Selbstregierung wird von der Kommission abgewiesen und die Palästina-Regierung aufgefordert, mit größerer Energie als bisher ein konstruktives Programm durchzuführen. Schließlich spricht sich der Bericht dahin aus, daß die im Mandat niedergelegten Verpflichtungen gegenüber den beiden Teilen der palästinensischen Bevölkerung keineswegs miteinander unvereinbar sind. Sollten die Ausführungen des „Daily Telegraph" ihre Bestätigung finden, so würde der auch von uns verzeichnete ungünstige Bericht hier seine Widerlegung finden und damit seinen tendenziösen Charakter dokumentieren. Seine gekränkte Lordschaft. Wie dem auch sei, die politische Situation in London selbst hat sich keineswegs gebessert. Herr P a s s f Lei d fährt unentwegt mit seinen eigenartigen Deklarierungen fort. Einer Abordnung der englischen Judenheit, die bei ihm .Protest gegen die Sperre der Einwanderung einlegte, sagte er wieder einmal sein bekanntes Sprüchlein herunter, es sei ein Mißverständnis (!), von einer Aenderung der britischen Palästinapolitik zu Sprechen, die loyal durchgeführt würde. Das Mandat sehe - nicht die Schaffung eines jüdischen Staates, sondern eines Nationalheims vor, die jüdische Immigration müsse der Aufnahmsfähigkeit des Landes gemäß reguliert werden, der Shaw-Bericht habe eine gewisse Anzahl Von durch jüdischen Bodenkauf geschädigten Arabern festgestellt und die Regierung sehe sich gezwungen, dies zu überprüfen. Die Regierung könne nicht sagen, wann sie ihre Entscheidung treffen werde. So und ähnlich läßt sich Passfield auch in einer Erklärung hören, die er dem New Yorker jjüdisch-sozialistischen „Vorwärts" abgegeben hat. Gleichzeitig aber beklagt er sich heuchlerisch über die Empörung der jüdischen Welt, die ungerechtfertigt sei, und über die Nervosität Weizmann s, den er beschuldigt, Panik im jüdischen Volk erzeugt und es gegen England aufgebracht zu haben. Er will Weizmann bezüglich. einer Fühlungnahme Simpsons mit der Zionistischen, Organisation vor dessen Abreise nach Palästina kein Versprechen gegeben haben. Palästina, so will es Passfield, soll sich, statt mit einer Masseneinwanderung, mit einer I n f i 11 r a i i oh begnügen. Solche Vorstellungen hat der britische Kolönialminister und LabÖür-Pärty-Ftihrer vom Wesen und Ziel des Zionismus! Die Juden in Persien« Wir setzen im folgenden die begonnene Wiedergabe der Schilderungen aus dem Leben der persischen Juden nach einem Bericht des hebräischen Schriftstellers Jehudah Koppelowitz im New Yorker „Menorah-Journal" abschließend fort. Familienfestlichkeiten. Am interessantesten zeigt sich das Judenghetto Persien* in der Großzügigkeit seines Familie n 1 e b e n g, in der Liebe und dem Respekt; den die einzelnen Familienmitglieder einander entgegenbringen. Eine jüdische Familie stellt in Persien nahezu einen Stamm für sieb dar, umfaßt neben, den engeren Angehörigen, das sind Großeltern! Eltern, Kinder und Kindeskinder, Schwiegersöhne, Schwiegertöchter, Vettern usw., auch alle amiwreu irgendwie mit der Familie zusammenhängenden persischen Juden. Das Haupt der Familie ist im allgemeinen das älteste männliche Glied, das in den meisten Fällen auch das wohlhabendste ist, denn Alter verpflichtete, es so weit gebracht zu haben, für die ärmeren Familienmitglieder irgendwie sorgen zu können, sei es durch Auffindung von Arbeitsmöglichkeit für sie, sei es durch direkte Geldunterstützung. An Feiertagen und bei festlichen Angelegenheiten versammelt sich die ganze Familie im Hause des Aeltesten und nimmt an seiner Tafel Platz. Der Aeltcste ist gewöhnlich ein Mann von gebieterischer Erscheinung, mit persönlicher Würde ausgestattet, der kraft des Verdienstes durch seine einstigen jährlichen Pilgerfahrten ins Heilige Land den Titel eines Hagai führt. Niemand darf sich setzen, wenn er steht, niemand sprechen, wenn der Aelteste nicht schon gesprochen hat. Die Gäste werden an einen runden Tisch gesetzt, die Männer zuerst, und erst wenn die Getränke von Mund zu Mund gegangen sind, erscheinen die Frauen und fügen sich in die Runde ein. Die Speisen werden in kleine Stücke geschnitten und, da es weder Messer noch Gabel gibt, mit den Händen einander zugeschoben. Ist der Gastgeber besonders gut aufgelegt, so sondert er von seiner Portion ein Speisenstück ab und läßt es sachte in den Mund seiner Gattin gleiten, was als Zefchen besonderer Liebe und Ehrerbietung für sie gilt. Das Dienstpersonal sitzt mit der Herrschaft gemeinsam bei Tisch, wird im allillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIW I VORNEHME FAMILIENPENSION | 1 vormais Dr. G RUN BERG | I AN SEMMERINGI | HOCHSTRASSE Nr. 43 (BEI HOTEL PANHANS) 1 I Mäßige Preise / Kaffeehaus und Tanzgelegenheit im | | Hause / Besitzer: ECKSTEIN / Tel. Semtnering Nr. 11 | | Fliaßendee Warm* u. Kaltwasaer | 1 in jedam Zimmer i gemeinen als zur Familie gehörig betrachtet, was an Feiertagen durch Austausch von Küssen zwischen Dienerschaft und Herrschaft und durch Beschenkung der Kinder der Familie durch die Dienerschaft zum Ausdruck kommt. Die Familienzusammenkünfte erschöpfen so ziemlich das Gesellschafts leben der Juden im persischen Ghetto, so daß in keinem Haus eines angesehenen Familienoberhauptes ein Empfangsraüm fehlt. Dieser Empfangsraum wird aus Anlaß des Empfanges der Familiengäste reichlich dekoriert und mit Bildern behängt, hauptsächlich solcher zionistischer F ü h r e r, wie Theodor Herz 1, Nordau, Weizmann etc., und des jeweiligen Schah von Persien. Den Anlaß zu Zusammenkünften bildet jedes bedeutendere Ereignis im Leben irgendeines der Familienmitglieder rr .die Wiedergenesung eines krank gewesenen Verwandten, die Verheiratung .einer Tochter, die Rückkehr des Familienoberhauptes von einer Pilgerfahrt, der Abschluß eines größeren Geschäftes. Besonders feierlich wird die Geburt eines Kindes begangen. Die männlichen Mitglieder versammeln sich im rituellen Bad, nehmen dort zeremoniell die religiöse Wasch- und Tauchprozedur vor und begeben sich dann zur Festbegehung ins Haus des Oberhauptes, von dem sie mit einem Palmzweig in der Hand begrüßt und gesegnet werden. Nach dem Mahl werden die übrigen freien Stunden dem K a r t e n s p i e 1 gewidmet und dem Lauschen auf die S c h a 11 p I a 11 e n, die in den ietz- Pension,.Wanka 44 99 ■ an der Esplanade und Kaltenbachstraße 19 2 Minuten zum Kurkonzert. Ruhige, staubfreie Lage, beste Küche Leitung .und Aufsicht: Adolf Glatter, Wien, VI., Schmalzhofgasse 12. ten Jahren Persien erobert haben. Im Kartenspiel vereinigen sich Kinder und Eltern und betreiben es mit großem Ernst. Der Gewinner hat seinem Weib ein Paar Schuhe oder seinem Kind ein Spielzeug zu kaufen. Synagogen und religiöse Bräuche. . Das religiöse Leben der persischen Juden ist in der Hauptsache eine Angelegenheit der Zeremonie. Einen gelehrten Juden trifft man in Persien selten an. Einer der wenigen ist der Cbachara Chaim ben Hadya Mordechai, ein blind geborener, nichtsdestoweniger |m Talmud beschlagener Mann, Autor mehrerer Bücher religiösen Charakters. Alle anderen, die in Persien den Titel „Rabbi'4 führen, sind ignor ante, unausgebildete Menschen. Bei keinem von ihnen ist auch nur ein einziger Talmudband oder ein sonstiges Buch zu finden. Ein Talmudkundiger wird Mullah genannt, ein Titel, den jeder in Anspruch nimmt, wenn er das Haupt irgend einer religiösen Gemeinde ist und wenn er aueh nicht einmal die Fähigkeit hat, Gebete zu lesen. Der Mullah betreibt sein Amt ehrenhalber, sammelt und spendet Gelder für die Synagoge, ohne Uber die Art der Verwendung der Gelder Rechenschaft ablegen zu müssen« Dinge des religiösen Union der Zionüften*Revülonfiten Oesterreich* 1 _Brteiawohrtft Wien Post 36, Fach 20 •^m-mmmmmm»..mmM-»———- ■ g Montag, den 21. Juli 1830, halb 9 Uhr abends, findet Im § Cafe" Arkaden, f., Unlversltatsstraße 3 (Souterrain) eine in!U | xir Wahl der Delegierten zur Prager Weltkonferenz statt. I Nur für Mitglieder. Gesetzes, der Kaschruth usw., sind einem dem Mullah unterstellten, speziell ernannten Beamten überantwortet. Einige der Synagogen in Persien sind gut ein Jahrtausend alt. In Gulbar, dem jüdischen Viertel Ispahans, gibt es eine zur Gänze unterirdische Synagoge, in die man erst nach Durchschreitung eines langen, düsteren Tunnels gelangen kann. Hier versammelten sich die Juden in Zeiten der Verfolgung zur geheimen Gebetverrichtung wie die ersten Christen in den Katakomben. Die sehenswerte Synagoge besitzt einen künstlerisch angefertigten O r o n Kode9ch und eine Anzahl Ritualgegenstände von hohem künstlerischen Wert. Die zweite größere Synagoge in Ispahan, im Gulbara, ist ein modernes Gebäude und nach ihrem Gründer benannt, dem Mullah Nissan, dem Hauptrabbi der Gemeinde, einem freigebigen Mann, der für religiöse und andere Bedürfnisse seiner Gemeinde oft aufkommt. In Teheran ist das religiöse Zentrum der Juden die Synagoge Azariah. Den Zugang zu dieser Synagoge bildet eine quadratische Fläche, in der ein Teil von einem Springbrunnen eingenommen ist, der allerdings kein Wasser sprudelt. An dem einen Ende ragt die „Bimah" (die Vortrags- und Gebetplattform) auf und unter ihr, in einer kellerähnlichen Behausung, lebt der Schames mit seiner Familie. Am Freitagabend legen die Besucher vor dem Betreten der Synagoge die Schuhe ab und bleiben in den Strümpfen bis zum Ende des Gottesdienstes. Der Raum selbst ist von einer Reihe Oellampcn erhellt, eine Wand separiert die Frauen von den Männern. Der Stolz der Synagoge ist ihr Chor, aus einer Anzahl eingeübter Stimmen zusammengesetzt, deren sonderbare Harmonie und orientalische Kadenzen dem europäischen Ohr wenig behagen. Der Chorleiter arbeitet hart an seinen Schülern, ist außerdem Schneider und aktiver Z i o n i s t. Während sich der Gottesdienst in der Synugogc Azariah geordnet und ruhig abwickelt, ist er in der Synagoge Eli Tsopha, die den wohlhabenderen Mitgliedern der Teheraner Gemeinde gewidmet ist. durch Unordnung und Lärm gekennzeichnet. Man unterhält sich laut während des Betens, selbst an hohen Feiertagen, und wenn die Thorarolle aus der Lade genommen wird, tönt ihr von Frauen und Männern das lärmende „Kilu! Kilul" entgegen, ein in Persien häufig zu hörender Ruf aus Anlaß eines Todes- oder Unglücksfalles. Die K o h a n i m unter den persischen Juden segnen die Gemeinde nicht nur an hohen Feiertagen, sondern auch an jedem Sabbat-Gottesdienst, und zwar jede Person der Gemeinde einzeln, indem sie auf den zu Segnenden zuschreiten, seinen Gebetmantel küssen und den Segen sprechen in der traditionellen Art der alten Hohepriester. Die persischen Juden kennen keinen regulären Kantor, sondern nur wechselnde Vorbeter. Geschichten im persischen Judenghetto. Charakteristisch für Charakter und Lebensbedingungen der persischen Juden sind die Geschichten, die sie sich erzählen. Eine der populärsten ist folgende: $s gab einen jüdischen Hausierer, der von den Dorfeinwohnern, denen er seine Waren verkaufte, maßlos mißhandelt wurde. Sie hetzten die Hunde auf ihn, stahlen seine Waren und verfolgten ihn, wo sie konnten. Am schlimmsten erging es ihm in einem größeren Dorf, wo es einen mosleinitiscben Priester gab, der die Juden haßte. Der Priester hetzte die Jungen des Dorfes gegen ihn, die ihn am Bart zerrten, mit Steinen bewarfen. Vergebens bat der Jude den Priester um Schonung, bis er auf einen Trick verfiel. Er erschien eines Tages im Dorf dieses Priesters, aber ohne sein Hausierbündel, und ließ verkünden, daß er Moslem geworden sei, daß der Prophet Mohammed ihm im Traum persönlich anbefohlen habe, den Glauben des Islam anzunehmen. Die zweifelnden Dorfbewohner verlangten ein Zeichen, daß er die Wahrheit spreche. „Führt mich zu eurem Priester", sagte er, „dort werde ich es durch ein Zeichen bekunden." Auf dem Wege zum Priester erzählte er den Bauern, Mohammed habe ihm gesagt, ihr Priester sei ein heiliger Mann und sein Bart sei heilig, Wer ein Haar aus des Priesters Bart besitze, dem sei ein Paradiesanteil sicher. Jeder der Bauern wollte nun ein Bartbaar. Alle stürzten sich in das Haus des Priesters und rissen ihm bis zur Kahlheit die Haare aus Kinn und Wangen. Der Hausierer stand lachend da. „Nun bin ich gerächt,' rief er, „ohne deinen Bart bist du kein heiliger Mann mehr und aueh kein Priester!" Eine andere Geschichte wird im Judenghetto von Ispahan erzählt: Ein Jude von Ispahan ging zur Stadt Ktuhan. Auf dem Wege dorthin passierte er einen moslemitischeu Teinpel, dessen Vorhelle mit Edelsteinen belegt war. Der Jude warf sich zu Boden und begann die Edelsteine in sein Bündel zu tun, wurde aber von den zum Gebet erschienenen Moslemiten überrascht. Die wollten ihn1 nun in Stücke reißen, aber er. flehte, ihn anzuhören,

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