Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 148 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 149 rischen Energien des jüdischen Völkes das Schicksal unseres Aufbauwerkes bestimmen soll, sowie die in der Deklaration der englischen Regierung vor der Mandatskommission (White paper) dargelegten Prinzipien, basierend auf der unrichtigen Behauptung, daß zwischen der Verpflichtung der Mandatarmacht znr Sicherung des Aufbaues des jüdischen nationalen Heims und der Aufgabe der Wahrung der bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas Widersprüche bestehen, zeigen die deutliche Tendenz, das Ausmaß der jüdischen Aufbauarbeit zu verkleinern ünd sieh der klaren Verpflichtung zur aktiven Förderung dereslben zu entziehen. Diese britische Politik bestätigt alle die Warnungen, die wir Jahre hindurch ausgesprochen haben. Jahrelang, und sogar noch nach den Augustereignissen 1929, hat die zionistische Politik, haben ihre leitenden Repräsentanten und die Majorität, auf die sie sich gestützt haben, diese Warnungen nicht beachtet und geglaubt. durch den Verzicht auf eine rückhaltlose Kritik der englischen Politik in Palästina und die Zurückstellung wichtigster zionistisch-politischer Forderungen sich die Möglichkeit ungestörter praktischer Aufbauarbeit sichern zu können. * Dieser Glaube hat sich als eine Illusion erwiesen, denn die jetzige Situation zeigt, daß die britische Regierung auf dem Wege der langsamen Aushöhlung des Mandats bis zu. einer direkten Behinderung der Ausbreitung der jüdischen Aufbauarbeit gelangt ist. Damit ist der Z u s a mem e n b r u c h des politischen Systems, das der von Doktor Weizmann und den von ihm geführten Exekutiven älllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllU Die Wiener weltbekannten i ORNATE für Rabbiner und Kantoren| Cl or- und Dienerbekleidung Lieferant vieler in- und aus- 5 ländischer Kultusgemeinden E Versand nach allen S Ländern! s lilustr. Preiskataloge gratis! s Alle 5 Urilformieriincjen und Sportausrüstung £ für Vereine and Verbände;'S MaBschneidere! für s elegante Her rengar der obe S js Billigste Preise Zahlungserleichterung s I Rudolf Goldsfein Wien, II., Taborstraße Nr. | Telephon R-49.0-48 § Gegründet. 18(56. . Achtung aul die Hausnummer! 1?llllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllliimillllllllllllllii>^ in all den fahren betriebenen Politik zugunde gelegen ist, offensichtlich geworden, eine Erkenntnis, aus der auch Dr. Weizmann in seinem Verhalten gegenüber den letzten Handlungen der britischen Regierung die Konsequenzen ziehen mußte. * II. Tn dieser schweren politischen Krise der zionistischen Bewegung drohen ihr neben all den äußeren auch schwerwiegende innere Gefahren seitens bestimmter innerzionistischer und innerjüdischer Faktoren, Strömungen, wie der Brith Schnlom und ähnliche Tendenzen in anderen zionistischen Gruppen, die zu einer Preisgabe der letzten politischen Zielsetzungen des Zionismus bereit sind, bedrohen die Stärke und Einheitlichkeit der inneren moralischen und politischen Front der Bewegung, diskreditieren die zionistische Politik sowie die zionistische Organisation und gefährden die stärkste Quelle unserer Kraft, den Glauben an die letzten Ziele des Zionismus und an die Möglichkeit ihrer Verwirklichung. Gerade in dieser Zeit, da das ganze Problem des Zionismus und der Judenfrage vor der gesamten internationalen Oeffentlichkeit aufgerollt worden ist, ist es höchste Notwendigkeit, den Charakter des Zionismus als der großen historischen Bewegung zur Lösung der Judenfrage erneut zu proklamieren und jeden Versuch der Verkleinerung seiner Ziele abzuwehren. Nur der integrale Zionismus, der sich die Aufgabe stellt, die 2000jährige Judenfrage zu lösen, kann im jüdischen Volke die ungeheuren Energien wachrufen, die zu seiner Verwirklichung nötig sind, und kann für die nicht jüdische Welt politische Bedeutung haben. Nur im Namen dieses Zionismus haben wir das Recht, an die Völker der Welt zu appellieren und ihre Mithilfe zu fordern bei der Ueberwindung der vielen natürlichen Widerstände auf dem Wege der Verwirklichung des Zionismus. Daher rufen wir die gesamte zionistische Bewegung zum Kampfe auf gegen alle solche liquidatorischen Tendenzen, sei es innerhalb der zionistischen Organisation, sei es innerhalb der Jewish Agency. r; . * /' '. •, ' III. Das Problem der j ü d i s c h - arabischen B e z i e h u n g e nl; :.;'ir^j^lfiöiini'a^; d[as im letzten Jahre in Bett VordergrfmP >cfesr- ^Interesses und der Diskussion der zionistischen Oeffentlichkeit getreten ist, erfordert die größte Aufmerksamkeit und ernsthafteste, Behandlung. Alle zionistischen Gruppen sind sich einig in ihrem Willen, ein f riedliches Zusammenleben und eine auf gege n s e i t i g e r A chtu n g p e r u h c n d e Kooperation mit eleu' Arabern herbeizuführen. Aber Voraussetzung Hierfür ist der gleiche Wille auf arabischer Seite und in erster Reihe ihre Bereitschaft zur Anerkennung des Rechtes des jüdischen Volkes auf die Errichtung seines nationalen Heims in Palästina. Solange eine solche Anerkennung nicht erfolgt ist, sind politische Verhandlungen mit den arabischen Führern in Palästina unmöglich. Jeder Versuch einer Aenderung der Regierungsf ormeu in Palästina in der Herrn RICHARD HERZOG Inh. d .Musikhauses Bxoalaior Wi«n, I, Adlergasse 5 Im Besitae der von mir gemachten Neuaufnahmen teile loh Ihnen mit, daas dieselben mioh sehr befriedigt haben. Sie übertreffen in besug der Reinheit derStimme allemeine b iah er igen Platten. .....mit herzliohen Grossen S. Quartin. gegenwärtigen Situation in der Richtung der parlamentarischen Selbstverwaltung dee Landes ist für . den Zionismus inakzeptabel und steht in Widerspruch zum Geist und Inhalt des Mandats. Der Weg einer konstruktiven Behandlung des Problems der jüdisch-arabischen Beziehungen liegt in der Durchführung von Maßnahmen zur Herbeiführung" einer Annäherung;: '•■ beider, Bevölkernngateile . in ökonomischer, sozialer und kultureller Hinsicht. Die Zeit für eine politische Regelung der staatsrechtlichen Formen des Zusammenlebens, von Juden und Arabern in Palästina ist noch nicht gekommen; jede Vorwegnahme einer solchen Regelung muß zu einer Preisgabe wichtigster politischer Ziele der zionistischen Bewegung führen und muß daher von uns abgelehnt werden. : •; * •IV. Die Ereignisse des letzten Jahres führen zu der zwingenden Erkenntnis von der Notwendigkeit einer Neuorientierung der feionistischen-Politik. Das bisherige politische System, das in erster und fast ausschließlicher Linie auf dem Vertrauen in die englische Politik beruhte und 'darüber den internationalen Charakter der Judenfrage und des Zionismus als Die Judengemeinde von Vojkowi'tz* Von Vojta Rakous. Aus dem Tschechischen übersetzt von Emil Saudek. „Das glaube ich auch," stimmte Mendl bei, „da wüfite ich "Ihnen ein anderes Geschüft, nur weiß ich nicht, ab Sie bereit sein werden. Sagen Sie mir einmal, möchten Sie heiraten?" „Warum nicht . . ." errötete der Bocher. „Sie denken sich wohl, woher eine Braut nehmen? Nur keine Sorge, ich habe schon eine ausgesucht! Der Spomyschler Hahn gibt Ihnen seine Saliuka — ein Mädel wie eine Rosenknospe — ich werde alles für Sie in Ordnung bringen. Sie brauchen sich um nichts zu bekümmern. Ich selber werde Ihnen neben Isaucek das Häuschen mieten, richten Sie sich darin einen Laden ein — deswegen wird der Kozojeder Mendl doch noch zu leben haben — die Salinka führt Ihnen den Laden und Sie können bis an Ihr seliges Lebensende bei uns in der Schule unterrichten und in unserem Tempel beten und Sie werden dann bei uns ein Leben fuhren, daß sich kein Rabbiner in ganz Polen wird mit Ihnen vergleichen können. Also sagen Sie, ob Sie wollen, und ich spreche gleich morgen mit Hahn." Der Bocher schüttelte, schweigend und hochrot im Gesicht, den Kopf. „Sie wollen also nicht?" wunderte sich Mendl. Aber sagen Sie mir nur, warum? Gefällt Ihnen vielleicht die Sali nicht, oder gefällt Ihnen am Ende gar eine andere?" Der Bocher nickte schweigend und verlegen. „Und welche ist es?" Mendl schlug die Hände miammeik „Wenn Sie es denn durchaus wissen wollen, so will ich es Ihnen sagen," ermannte sich der Bocher, „mir gefüllt nur ihre . . . Glinka." Mendl blieb wie vom Donner gerührt. „Cilinka?" wiederholte er, „sind Sie verdickt geworden?" Der Bocher schwieg und schaute traurig zu Boden. „Na, so etwas . . .1" konnte sich Mendl nicht genug wundern und schaute voll Verwunderung, auf den ganz zusammengeknickten Bocher.; „Und die möchten Sie gerne zur Frau?" Der Bocher nickte wieder schweigend. „No, so etwas . . wiederholte wieder der erstaunte Mendl. „Und was ist mit der Cilka, die möchte Sie auch gerne zum Mann?" „Und wie gerne!" lächelte-der Bocher freudig. „Sie hat es schon längst gewünscht, daß ich es Ihnen sage, doch habe ich mich nie getraut." Mendl erholte sich langsam von seinem Erstaunen. Was läge schon daran — erwog er im stillen — einen braveren Mann könnte Cilka gar nicht bekommen und alles bliebe im alten Geleise. Cilka würden sie zu Hause behalten können, der Schwiegersohn würde in der Schule unterrichten und im Tempel beten . . . Immerhin, gar so schlecht wäre das nicht, aber ... and hier stockte Mendl . . . seine Frau! Die hatte mit der einzigen Tochter ganz andere Pläne vor! Mendl schüttelte bedächtig den Kopf und sagte: „Wissen Sie, Herr Koperl, das hätte ich niemals erwartet, aber schließlich und endlich, ich wäre nicht . . „Herr Mendl, Herr Mendl! Sie möchten . . Und der Bocher küßte mit Gewalt dem sich wehrenden Mendl die Hände, . .ich habe Ihnen noch nicht alles gesagt, warten Sie" lachte lieh Mendl sa «wehren. „Ich habe noch , nicht alles gesagt, warten Sie", wehrte Mendl ab, „ich sage nur, daß ich endlich und schließlich nichts dagegen hätte, aiber ärger wird die Sache mit meiner Frau stehen — die wird Sie kurios anschauen. Ich will mit ihr sprechen — daß ich mich aber für etwas verbürgen könnte, das, wissen Sie, das kann ich nicht!" Als Mendl diese Neuigkeit brühwarm der Frau mitteilte, fiel sie fast in Ohnmacht und gebärdete sich wie wahnsinnig. Sie habe ihre Tochter nicht für irgend einen zugereisten polnischen Bocher aufgezogen, sie werde sie ihm nicht geben, auch wenn er sich auf den Kopf stellen würde. Der Bbcher stellte sich zwar nicht auf den Kopf, als aber die Cilka immerwährend tieftraurig umherging und auf die Vorstellungen der Mutter stets die gleiche Antwort hatte: wenn sie den Bocher nicht bekomme, werde sie keinen anderen nehmen und bis an ihr Lebensende, ledig bleiben, da gab Frau Mendl endlich, bitter weinend, ihre Zustimmung. Und so geschah es. daß zwei Monate später die einzige Tochter des Kozd jeder Rothschild den bettelarmen, aus Polen zugereisten Bocher heiratete. i . v ■ Die Eltern Cilka* hatten übrigens ihren Entschluß nicht zu bereuen. Cilka hätte wahrlieh keinen besseren Mann und sie keinen, braveren Schwiegersohn erhalten können. Er tat, was er ihnen nur an den Augen ablesen konnte, und als drei Jahre vorübergegangen waren, hatte Mendl unter seinem Dache Ersatz für «eine zwei Jungen — zwei Enkelchent; < Damals stand Mendl auf dem Gipfel seines Ruhms. Cbewre, Schule, Tempel, alles war in so vcdUcommener Ordnung und herrlichster Blüte, daß man weit und breit lobpreisend davon sprach. Und die Voji;owit«er und ihre Macht lagen in den letzten Zügen. Es herrschten, Parteikimple unter ihnen — wo Not ist, dort her «cht feutt