Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 148 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SeHe* DIE NEUE WELT Nr. 148 £ I 1 I r "l |—"\ p2S3t^ Nach ÄGYPTEN urtd >PALÄSTINA ' ..• t - mit den Luxusdampfern III Rundfahrt«!* Im Mltt«lme«r . , Cenua -Neapel - Sizilien Aegypten P^läsÜna - Syrien - Zypern - Konstohtinopel - Athen — Neapel - Marseille, — Genua , zu besonders ermäßigten Preisen. Auskünfte: .Sitmar', I. Kflrntnerrim (Ecke Schwanen bergplatz) rig 18 Telephon U-4S009 (K* SU reagierte demgemäß. Herzl warb zunächst um die Chowewe Zion. Er trat in'Fühlimg mit Männern, von denen er glaubte, sie könnten eine Brücke, bilden von ihm'zu ihnen. " Er sprach und schrieb und warb um die.Seele des Ostens, mit seiner glühenden Ueberzeugung und mit dem großen Herzen seines jüdischen Patriotismus. Seiü Kampf entsprach seinem männlichen Wesen, seinem weiten Blick, seiner weltweisen Methodik, seinem unerschütterlichen Glauben an' seinen Endsieg. , Die Chowewe Zion ihrerseits versuchte zunächst notgedrungen, die von Herzl geschaffene politische Bewegung, der er europäische Resonanz verschafft hatte, für ihre Ziele nutzbar' zu machen. Die Ziele liefen im Gegensatz zur Herzischen Konzeption darauf hinaus, o h n e p o 1 i t is'cbe Garantien seitens; der Palästina besitzenden Macht, der Türkei, das Land durch allmähliche Infiltration und Kolon isationsvereuche schon jetzt zu besiedeln. Eine: gedanklich antizipierte Vorstellung von der zukünftigen Gestaltung eines jüdischen. Palästina hatte die .'Cfc'owewe; Zion . nichts /Es ging iihr'im wesentlichen nicht um die Lösung der Judenfrage, sondern bestenfalls um. die Lösungder Judentumsfrage, d. h. um die Ver-i ankerung der bedrohten jüdischen, .geistigen Inhalte, die sie in Palästina dürch das Mittel einer Kleinkolonisation und Belebung des Hebräischen ketten zu können glaubte. Herzl« Konzeption war bekanntlich viel Weitergehend. Sie verlängte als Voraussetzung zur Lösung der Judenfrage die Anerkennung der Judenheit der Welt als einheitlicher •Nation und deren t e rr i tofi a 1 e r Konzen» t r a t i o n. Sie betrachtete eine Kolonisation ohne politische A n e r k e n ü n g (Charter für den Judenstaat) äl« ein ebenso gefährliche« wie fruchtloses Experiment. Der Jude n e t a a t sollte die Lösung der gesamten Judenfrage sein, die radikale Ueberwindung des Exils, auf Grundlage internationaler Garantien. Es war die politische Methode der Herzischen Konzeption, die die Chibath-Zion*Bewegung nicht verstehen konnte oder eich nicht zu eigen machen wollte. Diese Verschiedenheit sowohl der Weltanschauung als auch der Wege im Hinblick auf die Judenfrage war Motiv und Boden eines Kampfe«, den Herzl in seiner tragischen Laufbahn ausfechten mußte. Derart hatte er also nicht nur ein gigantisches Treffen gegen die mit allen Mitteln des Terrors, der Verleumdung,- der Verhöhnung der organisierten Assimilation der Welt und gegen die Orthodoxie (die vorgab, ' um ihren Messiasglauben betrogen zu sein) zu liefern, sondern auch gegen die lebendigen. Teile des Judentums, die den Namen Chowewe Zion trugen. ' Herzl trug einen tragischen Kampf au«, dessen einzelne Etappen noch nicht zur Gänze erhellt sind. Eine-Reihe noch nicht veröffentlichter Briefe und andere Dokumente vermögen einige« Licht auf die Vorgänge zu werfen, deren Ablauf Per Urlaub ist herrlich, das Meer wunderschön, Das Bad unentbehrlich, der Flirt läßt eich sehn, Nureines, das Essen, macht draußen Verdruß: Nicht Essig vergessen, der „Huber" sein muß. romanhaft anmutet und die Eigenart der Persönlichkeit Herzls wie die seiner Widersacher von neuem bestätigt. j; .Im folgenden,w(ird versucht werden, die Ge- }b.u rrtS'W e£'e:n :Aes \£#1 i t i s &h:en.; Z i o n i smu e an , Hand dieser Dokumente (Briefe, Telegramme, Aufsätze) der zionistischen Welt vor I Augen zu führen, zoimal diese Kämpfe Analogien für den Kampf unserer Ta g e darstellen.. Der . -. -wnl U g Die Tragödie von Borscha. .- -Berlin, 10. Juli.(J. T. A.) Zu der von der Jüdischen Telegraphen*Agentur verbreiteten Meldung über antisemi« tische Terrorakte in. dem.- siebenbürgischen Städtchen - Borschs, teilt die Pressestelle der Berliner rumänischen Gesandtschaft mit, daß der Ausbruch des Brandes in Borschs - nicht auf terroristische Akte von Antisemiten zurückgehe, sondern, daß es sich um ein z u f ä 11 i g e s Brand Unglück handle. Hiezu ist zu bemerken, daß diese von der rumäni* sehen Regierung durch ihre Agenturen in Rumänien selbst verbreitete Version von jüdischen wie von'nicht jüdischen. Politikern,. sowie auch von der Tagespresse in Bukarest ,* und in der Provinz scharf angegriffen wird. Die vom Senator Dr. Meyer Ebner, Präsidenten des Jüdischen Parlamentsklubs, der mit der Regierungspartei verbunden ist, herausgegebene „Ostjüdische Zeitung" stellt fest, daß gegenüber offiziellen Verlautbarungen, wonach der Brandl durch eine Unvorsichtigkeit im Hause des Borschaer Arztes Dr. Solomon entstanden sei,= . die Meinung vor« herrscht, daß der Brand von verbrech arischer r; Hand gelegt w u r d e, weil das Städtchen, insbesondere, der jüdische Teil' desselben» zu gleicher Zeit an mehreren Stellen zu brennen begann und mehreren Juden einige? Tage vorher Drohungen von cuzistischen Hetzern zuge«;. kommen sind. . , Was werden die Behörden tun? r Czernowitz, 10. Juli. (J. T. A.) Der nach Borschal entsandte Sonderberichterstatter des „C z e r n o w i t z e r Morgenblatt" richtet die folgenden Fragen an die Behörden: 1. Der Szigetcr Feuerwehrkpmmandant Ncmes; Neszö behauptet, er habe nach Prüfung aller Umstände: festgestellt, daß der Borschaer Brand nur ein von v e r»; brecherischer Hand gelegter ,seih kann. 2. Der, Grenzhauptmann von Viseul hat ausgesagt, er habe wäh«* read des Brandes starken Benzingeruch verspürt/ 3. Die Brunnen an mehreren jüdischen Häusern von Borscha, die noch am Donnerstagnachmittag mit Wasser, gefüllt waren, waren am Freitag mit Steinen gefüllt. 4. Der Eisenbahnbeamte Szücs Josef berichtete noch am Donnerstag den Borschaer Bürgern Stein, Wolf, Hersch,, Wiesel und Leiser, daß ihm am Donnerstag Bauern sagten:' „Am Freitag werden wir mit den Juden vonj, Borscha ein Ende ma.chen!" 5. Warum hat die Untersucbungskommission nicht einen B r a n d f a c h-, mann befragt, ob es möglich sei, daß ein Feuer über J rom witei weiter* 800 .Meter übergreift, und zwar gleichzeitig nach rechts und nach links? 6. Gab den Herren der Üritersuchungs* kommission das Schauspiel eines brennenden Mühlenrades im Wasser nicht zu denken? Warum hat das Wasser das brennende Rad picht gelöscht? Haben die Herren schon, einmal .versucht, mit Benzin getränktes brennendes Holz mit .Wasser zu löschen? 7. Borscha steht zwar stark unter antisemitischem Terror, aber der Wind in Borscha scheint doch noch nicht so weit, antisemitisch zu sein, um einen ■ Berg christlicher Häuser in einer Distanz von meh« reren hundert Metern zu überfliegen und gfeichzeitig' nach rechts und links genau über jüdischen Häusern Halt zu .m|cherij? und., das Feuer ztf-;übertra^en? Der „Korrgspon*;dent" appelliert an die BdhÖrdeh,^-für eine, u n p a'ft e i i* sähe Untersuchung zu.sprgen. Jüdische Dörfer brennen! Bukarest, 14. Juli., (Sonde^bericht.) In der Nacht von Samstag auf Sonntag ' ist im Dorfe Balaceanka die jüdische Einwohnerschaft von Bauern angegriffen worden. Die Häuser der Juden wurden zerstört, die Juden selbst vertrieben. An verschiedenen Stellen wurden die Häuser in Brand gesteckt. Die Brände wurden vom Militär ge*- löscht. Der Bürgermeister und die fünf Gendarmen des, Dorfes sind geflüchtet. Auch ein Teil der Juden flüchtete in die Stadt Suczawa.- Das Militär hat über vierzig An» Stifter der Ausschreitungen verhaftet. Ein schwarzer Tag in Suczawa; Czernowitz, 13. Juli. (J. T. A.) Die von antisemitischen Agitatoren geführte Bauernbewegung in der Buko* wina nimmt immer schwerere Formen an und gibt Grund, zu äußerster Besorgnis um das Schicksal der Juden. Der. Katastrophe von Borscha sind am 10. d. M. Ereignisse^ in der überwiegend von Juden bewohnten* Stadt Suczawa. gefolgt, die den Juden schweren Schaden an Gesundheit und Besitz verursacht haben, und besonders dadurch zu schweren Besorgnissen für die Zukunft Anlaß geben, weil, sich bei ihnen die Unzulänglichkeit der Schutzmaß* nahmenerwies, die die rumänischen Behörden zur An», Wendung bringen. Oberst Niculcea, ein berüchtigter Hetzapostel der antisemitischen Bewegung, berief für den io. d. M. eine Bauernversammlung mit der Losung „Be* kämpfung des Wuchers" ein. Der jüdischen Bevölkerung bemächtigte sich aroße Besorgnis, sie teilte diese der Be«, hörde mit, woraufhin, die. Behörde, die die Gefährlichkeit der .geplanten Versammlung einsehen mußte, ein Verbot für die Versammlung erließ und die Verhärtung von Oberst Niculcea veranlaßte. Trotz des Versammlung«* Verbotes zogen Bauern in einer Anzahl von 3009 bis 400O ' aus den umliegenden Dörfern gegen die Stadt Die Sicher« heitsabteilungen waren dem Andrang nicht gewachsen. Die Bauern durchbrachen den Sicherheitskordon und Strömten in die Stadt, wo sie zuerst einen ruhigen Auf« marsch veranstalteten, Als sie erfahren hatten, daß Oberst Niculcea verhaftet ist, zogen sie vor die Präfektur. Die Tür des Präfekturgebäüdes Wurde gewaltsam erbrochen, das Präfekturgebäode besetzt und vom Balkon herab Wurden Reden gehalten« Die Bauern zogen erst ah, nach« dem ihnen der Präfekt schriftlich die Erlaubnis zur Ab« haltung einer Versammlung am nächsten Donnerstag zugesichert hatte. Daraufhin zerstreuten sich die Bauern in den Straßen der Stadt, überfielen jüdische Passanten und mißhandelten sie. Zwei Juden namens Großmann und Schätzberg wurden duich Stockhiebe schwere Schädel« Verletzungen beigebracht. Die Antisemiten drangen dann in zahlreiche jüdische "Üäuser ein und plünderten sie Läden wurden demoliert und die Waren auf der Straße ver« streut. In dem,.der jüdischen Familie Nußrauch gehören« den Wirtshaus versuchten die Exzedenten, nachdem sie die -ganzen Alkoholvorräte hinausgeschafft hatten, die Familie zu ermorden und das Haus anzuzünden. Eine Militärabteilung rettete die Ueberfallenen im letzten Augenblick. Am Abend konnte schließlich Militär die Ruhe wiederherstellen. Pie Regierung hat mitgeteilt, daß sie die an den cuzistischen Ausschreitungen Schuldigen strenger Bestrafung zuführen werde. 60 Bauern aus den Dörfern Bosancea, St. Ilie, Ipo« testie usw. sind am Freitag verhaftet worden, 25 mußten wegen Mangel an Beweisen wieder freigelassen werden, während 35 in Haft behalten wurden. Was die Regierung erzählt. Die für Donnerstag in Suczawa angekündigte Versammlung gegen den Wucher wurde von den Be* hörden verboten. 2000 Bauern protestierten gegen dieses Versammlungsverbot, indem sie einen Demonstrationszug durch die Stadt veranstalteten und verschiedene Rufe aus« stießen. Schließlich zerstreuten sich die Bauern unter vollster Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung. Der Generalsekretär des Ministerialdirektorats. Herr Crudu, ist in Suczawa eingetroffen." Die jüdische Gegenerklärung. Gegenüber dem Communique der Regierung über die Vorfälle, die sich am 10. Juli in Suczawa abgespielt haben,' erklären die Unterzeichneten, Dr. Mayer E b ri e r, Senator und Obmann des Jüdischen Parlamentsklubs, und Dr. M. Teich, Präsident der Jüdischen Kultüsgemeinde von Suczawa, folgendes: Trötzdem die'Versamm^ 10.' Juli in Suczawa stattfinden sollte, seitens der Behörden yer« boten wurde, kamen doch am Morgen dieses Tages einige hundert Bauern mit Gewalt in die Stadt, indem sie die Kordone der Sicherheitsorgane durchbrachen. Wirheben hervor, daß bei diesem Zwischenfall die Sicherheitsorgane ausgepfiffen und geschlagen wurden. Wir stellen fest, daß das Gebäude der Präfektur von den versammelten Bauern belagert wurde, die die Leiter der zivilen und militärischen Behörden, die sich in demselben befanden, auspfiffen und belästigten. Schließlich drangen sie ins Gebäude ein und erklärten, daß sie die Stadt so lange nicht verlassen werden, bis ihnen nicht Satisfikation gewährt werde, in« dem der Oberst Niculcea zu ihnen gebracht wird. Erst nachdem sie vom Bezirkspräfekten eine schriftliche Zu« Sicherung erhalten hätten, daß sie am nächsten Donners« tag ihre Versammlung abhalten können, entfernten sie sich. Ein Haufe von Exzedenten terrorisierte die ganze Stadt, plünderte jüdische Wohnungen aus und verprügelte jüdische Einwohner von Suczawa. Wir stellen fest, daß diese Zwischenfälle leicht vermieden hätten werden können, wenn die militärischen und zivilen Behörden mit der nötigen Energie vorgegangen wären und wenn sie von Anfang an nicht zugelassen hätten, daß die Menge nach eigenem Gutdünken handle.. Auch in Baiaceana geht's los! Freitag nachmittags erschienen Juden aus B a 1 a« c e a n a bei den lokalen Behörden und bei der Kultus« gemeinde, um mitzuteilen, daß unter den Bauern von Balaceanu eine Gärung antisemitischen Charakters wahr« nehmbar sei. Der Präsident des Bezirksrates intervenierte bei dem Gendarmeriekommando, welches acht Gendarmen nach Balaceanu entsandte. Auf die vom Bezirkspräsidenten geäußerten Bedenken, ob diese Zahl von Gendarmen aus« reichen würde, antwortete das Kommando: Sie wird genügen. Wie nun im Laufe der Nacht gemeldet wurde, wurden die meisten jüdischen Häuser von Balaceanu tatsächlich ausgeplündert. Der Prätor von Ilisesti wandte sich um halb 11 Uhr nachts an die Präfektur um Hilfe. Es dauerte bis 2 Uhr nachts, bis eine größere Abteilung Gendarmerie mit dem Staatsanwalt hinaufdirigiert wurde. Wie nachher aus Balaceanu gemeldet wurde, wurden dort 40 Verhaftungen vorgenommen. Die Gefahr wächst. Senator Dr. Mayer Ebner veröffentlicht in der Czernowitzer „Ostjüdischen Zeitung" vom 13. Juli zu den Ereignissen von Balaceanu eine Erklärung, in der es u. a. heißt: „Soeben erfahre ich, daß Freitag nachts die Juden vou Balaceanu ausgeplündert worden sind. Diese Nach* rieht erfüllt mich mit Entrüstung und Empörung über die Gleichgültigkeit der Behörden, welche alle Warnungen mißachteten. Am Freitag um 6 Uhr abends habe ich per« -.u.-.^wa^T^&ftii'y,,.,, '"1 ■ -»"Sair, 'I n n-tMmitf- "•**-