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Die neue Welt · 1930-07-18 · Heft 148 (18.7.1930) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 148 (18.7.1930)
Date
1930-07-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen Ifgbi feb BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.—. Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20. Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.- Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweiler Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitdg Jahrgang 4 Freitag, den 18. Juli 1930 Nr. 148 Herzls tragischer Kampf♦ Zum 26. Male jährt sich der Todestag Theodor Herzls. So mandies Kapitel seines heroischen Lebensweges ist dem jüdischen Volke noch nicht ganz erschlossen. Das Ringen um seine junge Idee, die politische Konzepiion des Judenstaatsgedankcns, die er allen anderen Versuchen zur Lösung der Judenfrage entgegenstellte, ist von tragischen Momenten begleitet. . Die Geburtswehen des politischen Zionism us beleuchtet eine Reihe von Originaldokumenten, Briefen, Faksimiles, Aufsätzen und Telegrammen, mit deren Veröffentlichung wir in unserer heutigen Nummer beginnen. Der erste Aufsatz der Serie, „Theodor Herzls tragischer Kampf um den politischen Zionismus'*, soll in die Welt des Zionismus vor Herzl und; seiner Ideen einführen und den Akkord für die spätere große Bewegung bilden. »Buiiiiiimniium | Verband deniokratfe^.erZitäiiien | E wm^mmmmmmmm^mmmmmmmmlmmmm^ .g- § Mittwoch, den £3. Juli* 1930 um halb 9 UHt abends § im Cal6 Procfuklenbör»«, iL, Taborsti-aße 10 s g T h e. m a : s g Nach der Weltkonferenz der 5 g radikalen Zionisten 2 mm ' S g R e f ere n t e n: 2 | Die Delegierten | |miiinM^ Ilm die Klagemauer* Mösl emitische und englische Zeugen. — 1 Beschimpfung des Dr. Brawer. Die Klagemauer*Kommissipn dürfte heute, Donners* tag, den 17. Juli ihre Arbeiten beendet haben. Vor ''en Schlußplädoyers der jüdischen und moslemitischen Ver* treter wurde noch eine Reihe vqri Zeugen und Sachver« ständigen einvernommen. Hierüber berichtet die Jüdische Telegraphenagentur: Jerusalem, 9. Juli. Im Verlauf der Verhandlungen vor der Klagemauer*Kommission würde der frühere diplo* matische Vertreter Iraks in London, . Mezah Bey Pachachi, vernommen. Er sagte, daß er in Vertretung des in Irak gebildeten Komitees zum Schutz der moslcmi» tischen Rechte in Palästina einschließlich der Rechte am Burak gekommen sei, um Zeugenschaft abzulegen. Er habe nie gewußt, daß der Burak Klage mauer genannt werde. Der Burak sei den Moslems heilig, da er im Koran erwähnt ist und einen Teil der Aksa*Moschee bildet. D.e betenden Moslems wenden sich, bevor sie sich nach Mekka richten, in die Richtung der Ak$a*Moschee. Es sei daher unzulässig, daß die Juden an der Mauer eine Synagoge errichten. Auf Befragen seitens des Dr. Eliash wußte der Zeuge nicht zu sagen, ob Burak und Klago* mauer identisch sind, auch wußte er nicht, daß der vom Obersten: Möslemitischen Rat herausgegebene Führer für. den Tempelplatz und seine! Moscheen die Mauer nicht erwähnt. Der Verhandlung wohnten auch andere mosle* mitische Notabein bei. Referent C h r i s t i e, der älteste . englische Ein« wohner von Tiberias, hat in einer schriftlichen eidlichen' Erklärung eine erschöpfende Beschreibung seiner zahl* reichen Besuche an der Klagemauer übersandt In ihr legt er dar, daß er sowohl individuellen wie Gemeindegottes» dienst mit allen Zubehören beobachtet hat. Der Vor* sitzende bemerkte, daß die Kommission vielleicht nach Haifa oder Tiberias wird gehen müssen, um das Kreuz» verhör mit dem Zeugen anzustellen. Eine andere schrjft« liehe eidliche Erklärung übersandte ein Lehrer aus Man» ehester, namens Slotki. Der Schreiber der in England beschworenen Erklärung führt aus, daß er die Mauer mit seinem Vater im Jahre 1890 besucht habe, daß er sich auf einen Stuhl setzen wollte, und daß ihn sein Vater davon mit dem Hinweis y abhielt, die Sitzgelegenheiten seien für die alten Leute reserviert. Jerusalem, 10. Juli/. Dr. David Y c 11 i n, der be* kannte jüdische Führer in Palästina und wissenschaftliche Erforscher der jüdischen und arabischen Kulturgeschichte, erzählte, von der Klagemauerkommission als Zeuge ver« nomraen, von einer Unterredung, die er gemeinsam mit Chiefrabbi Franko, Albert A n t e b i und Dr. Isaak L e v i noch in der Kriegszeit mit dem türkischen Ober« befehlshaber in Palästina, Dschemai Pascha, hatte. Dschemal Pascha schlug damals vor, daß der Platz vor der Mauer für die jüdischen Beter in geeigneter Wei9e, er* weitert werde, auch wenn dadurch ein Austausch des dort gelegenen Wakf»Eigentums gegen ein ähnliches Besitztum an anderer Stelle notwendig werden sollte. Die Juden' reichten im Zusammenhang mit dieser Anregung •später Karten und Pläne ein, doch kam man auf die Sache nicht weiter zurück. Dr. Yeilin, einer der Verfasser des jüdi« sehen Memorandums über die Klagemauerfrage, s^gte^er kenne die arabische und.isla^isch&literatttr ifli' sehr •weitem' Umfange, ihm sei auch die Legende von der Himmelfahrt, des Propheten sehr wohl bekannt, er habe aber nichts' gehört und an keiner Stelle etwas gelesen, was die Ident'j tat der KJagemauer mit dem'Platzt, an dem das lejendjUe, Pferd des Propheten el Burak angekettet gewesen war, bestätigt, oder was sonst dafür angeführt werden könnte, daß die Klagemauer den Moslems heilig 'ist'.'Als örthöV dofcer Jude habe er das HaramsGebiet nie betreten. Auni Bey erklärte, er müsse den Versuch Dr. Yellins, die Un# Heiligkeit des Burak zu behaupten, zurückweisen. Dr. Yeilin bestritt, daß er etwas derartiges versucht habe. Er habe bloß einige wohlbekannte Autoritäten zitiert. Auni Bey sagte, es seien unwichtige Autoritäten. Dr. Yeilin legte weiter dar, daß sich die Archäologen darüber nicht einig sind, ob gewisse sichtbare Mauersteine der Klage« mauer auf die Zeit des König Salomon zurückgehen; aber fast alle stimmen darin überein, daß die unterste Schicht salomonisch ist. Unter den Juden selbst hat es allerdings nie einen Zweifel darüber gegeben, daß die1 Mauer ein Ueberrest des salomonischen Tempels ist. Als weiterer jüdischer Zeuge wurde der . Palästina« Geograph und Publizist Dr. Bra w.er vernommen. Er i erinnert sich, daß im Jahre 1913, als einmal der Platz vor der Klagemauer überfüllt war, den Betern von den Nach« : barn gestattet wurde, in dem jetzt als Zawieh»Moschee eingerichteten Gebäude zu beten. Er selbst sah vor t\n\t gen Jahren die Mauer mit Dung beschmiert und führte bei dem damaligen Gouverneur von Jerusalem, General Storrs, Klage darüber. Storrs ließ eine polizeiliehe Untersuchung anstellen, ohne daß aber der Täter ermittelt werden konnte. Im Kreuzverhör nannte Auni Bey den ' Zeugen einen Lügner. Dr. Brawer weigerte sich, seine Aus* sage fortzusetzen,, solange seine angegriffene Ehre nicht durch die Kommission geschützt wird. Der Vorsitzende wies daraufhin Aüni Beys Aeußerung zurück und. erinnerte daran, daß der Zeuge vor der Thora vereidigt wordep,,jsti " Für die arabische Seite würde-dann MöbäräfhM A l't.äi f t a st,a n i &u f.i, dcr: „Pächter"1 des y ägyptische)* Wakf, vernömmep. Er sagte; el" Burak erinnere die Möslems an die nächtliche Himmelfahrt des Propheten« - Alle Sufis müssen zur Aksa* und der Burak*Mo3ches pilgern. Im Kreuzverhör gab er zu, daß die Burak*Moschee; , auf dem Haram*Gebiet, also jenseits der Klagemauer hegt, Der Zeuge wußte keinen Namen eines arabischen Schrift»- stellers zu nennen, der die Identität von Klagemauer und. el Burak bestätigt. Doch sagte er, daß es nur der Toleranz der Moslems zu danken ist, wenn die Juden hier beten können. Copyright by „Die Neue Welt", Wien. Nachdruck und Uebersetzung nur mit Erlaubnis de» Herausgebers. Theodor Herzls tragischer Kampf um den politischen Zionismus« i. Um die Chowewe Zion. Als Theodor Herzl aus dem äußerlich u-nseneinbaren Anlaß des Dreyfus-Prozesses und des Durchbruchs einer exzessiven antisemitischen Welle mit mystischer Gewalt von einer Idee ergriffen wurde, die den ganzen Komplex der Judenfrage in sich barg, ahnte er wohl kaum, daß fast in allen Zentren der jüdischen Diaspora in dieser und jener Form der Wille zur souveränen Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes lebendig war. Er hatte, als er seinen „Judenstaat" schrieb, kein Wissen davon, daß jener interessante Vorkämpfer des Sozialismus und Freund Karl Marx' Moses H e ß im Herzen Zentraleuropas seinem Traüni von der Wiederaufrichtung Jerusalems analog dem wiedererstandenen Rom Ausdruck gegeben hatte; kein Wissen davon, daß der russisch-jüdische Arzt Leo Pinsker in der Schrift „Autoemanzipation'* die politische Analyse der anormalen Juden-' läge und der antisemitischen Phobie vorweggenommen hatte; davon, daß fromme Rabpirter und mystische Gläubige kraft" des religiösen Symbols in aller Welt einen „Jischuw Erez Israel" propagierten;. endlich kein Wissen davon, daß nach dem Zusammenbruch des Mendelssohnschen Aufklärungsversuchs, der Haskalah im Osten, nach bitteren Enttäu schlingen im Heimatkinde Rußland, wo der Kampf um die Gleichberechtigung und eine sich . schüchtern zeigende Neigung zur Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Assimilation mit Pogromen beantwortet wurde* ebendort eine Renaissance und Modernisierung der hebräischen Kultur einsetzte und daß diese Kulturtendenzen in ihr.en verschiedentlichen Formierungaversuchen, wie dem geschichtlich bedeutsamen Geheimorden des Essayisten A c h ad H a a m „Bene Moscbeh" und der Organisation der „Chibatn Zion" (Zionsliebe), nach Palästina wiesen. Theodor Herzl ahnte wohl auch kaum in der Glut und im Fieber seiner neuen Idee, daß sie schicksalhaft dazu bestimmt sei, mit jener überkommenen, das Gesicht zweitausendjährigen Ghettodaseins tragenden Richtung zusammenzuprallen, und er selbst, der Träger der neuen Idee mit dem Willen zur Tat, dazu ausersehen sei, das Märtyrergeschick des Propheten zu erdulden. Der Zusammenprall kam — „nackensteif ist dies V o 1 k". Hier: ein an Europa geschulter Mann, der .die politischen, soziologischen , Gesetze und Tendenzen der'modernen Geschichte kannte, die sonderbare Situation des . jüdischen Volkes innerhalb dieser erkannte und zur Notwendigkeit gelangte, die politischen, soziologischen Gesetze und Mittel anzuwenden, wenn er die Judenfragq lösen wollte. Dort: bange Sorge um das überkommene Gesicht des Judentums, dem ein „Fremder" ein neues Gepräge geben will; Befürchtungen politischer, Natur, geboren aus der 'Einstellung des „Fürsprechers",, der das politische Leben des Ghettojudentums ausmachte. Als die Herzischen Ideen in die Welt traten, fühlte sich die Chowewe Zion bedroht, erkannte instinktiv den anderen, ihr fremden Geist und s>

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