Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 147 (11.7.1930)
- Date
- 1930-07-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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r Mr. m dUite «äflft^fll^ ^te^^&^^^b DIE ITOE WELT «feite r keinerlei hchwierigkeiteu in den Weg. Die Juden Brasw liens genießen die gleichen Bürgerrechte wie ftHe anderen Bürger Brasiliens. Der Oberrabbiner von Brasilien, Dr. Raffalo* witsch, erklärte anläßlich seiner Anwesenheit in New York, daß Brasilien der Kolonisation osteuropäischer Juden in der nächsten Zeit ein weites Feld eröff* n e t. Von den 40.000 gegenwärtig in Brasilien lebenden Juden ist ungefähr die Hälfte in den letzten fünf Jahren neu ins Land gekommen, in Zukunft dürfte die Jahres* quote der Einwanderung noch weiter steigen. Mehr als 73 Prozent der neu in das Land Kommenden verbleiben im Lande. Es gibt bereits 408 auf dem Lande ange# siedelte Familien, die e r 26.000 Hektar eigenen Bodens bearbeiten. " Die jüdischen Gemeinden Ungarns in schwerer Not. Budapest, 4. Juli. (J. T. A.) In Budapest fand unter Vorsitz von Baron Kohner eine allgemeine Tagung der jüdischen Gemeinden des Budapester Distrikts statt, die sich vorwiegend mit der schweren Lage der jüdischen Gemeinden beschäftigte. Es wurde die Proklamierung eines „Tages der jüdischen Ge< mein den Ungarns" beschlossen. Ferner wurde die Forderung an die Staatsbehörden gerichtet, die religiöse und kulturelle Gemeindearbeit im Verhältnis zur Zahl der Juden zu unterstützen. Dabei kam zum Ausdruck, daß jüdische Gemeinden an vielen Orten vor dem finanziellen Zusammenbruch stehen, obgleich die Gemeindesteuern zum Teil bereits 100 Prozent der Staätssteuern erreicht haben. Ein Aufruf nimmt Bezug auf die Absicht des Ministers für Kultus und Unterricht, im Hinblick auf die wirtschaftliche Krisis des Landes, die Staatssubventionen für die jüdischen Gemeinden einzustellen und das Besteuerungsrecht der Gemeinden einzuschränken. Dem Delegierten Ungarns beim Völkerbund, Grafen Ap* p o n y i, wurde für seinen vor dem Völkerbund vorge* brachten Protest gegen die Palästinaunruhen der Dank der brachten Protest gegen die Palästina*Unruhen der Dank der jüdischen Gemeinden ausgesprochen. Baron Kohner gewählt. Antijüdische Exzesse in Kowel. — Zahlreiche Schwerverletzte. Warschau, 5. Juli. (J. T. A.) Banden Huligans überfluteten vorgestern nachts die hauptsächlich von Juden bewohnten Gassen von K o w e 1, vollbrachten ein Zerstörungswerk, mißhandelten die jüdischen Einwohner, wobei 15 Juden mehr oder weniger schwere Ver* letzungen erhielten. Gestern wiederholten sich die Exzesse in einem verstärkten Maße. Durch einen Re* votverschuß eines Huligans wurde der junge Jude Hirsch Basker lebensgefährlich verletzt. In zahlreichen jüdi* sehen Häusern wurden die Fensterscheiben eingeschlagen. Insgesamt sind an diesem Abend vierzig Juden verletzt worden, unter ihnen sehr schwer Naphtali Satz (lebensgefährliche Messerstiche in Köpf und Hüfte), Abraham Beiner (beide Beine gebrochen), Elieser Beiner (ringt mit dem Tode), Chaim Plat, Gold, Witebski Szereszewski, die Schwestern Reichthal, Owental, Reder, David, Brunnstein, Gips, Fuchs und Salz. Eine jüdi* sehe Abordnung, bestehend aus dem Vorsitzenden und den Vorstandsmitgliedern der Gemeinde, bat den Strarosta um Schutz, dieser erklärte aber, daß er über nicht genug Polizeimannschaft verfüge. Die Judenschaft Kowels lebt in einer schweren Panik, die Stadt ist wie ausgestorben, alle Türen, Fenster und Geschäfts« laden sind geschlossen. Eine jüdische Abord» nung begab sich zum Wojwoden von Lück, um ihn um Schutz für die Gemeinde zu bitten. Antisemitische Ausschreitungen in Posen. Berlin, 7. Juli. (J. T. A.) Aus Posen trifft die Meldung ein, daß am 3. Juli abends und in den Nachtstunden in Posen Studentenkundgebungen gegen die Juden stattgefunden haben, wobei etwa 100 Studenten von Cafe zu Cafe zogen und jüdisch aussehende Männer verprügelten. Ein älterer jüdischer Herr wurde von dem Anführer ins Gesicht geschlagen und von den anderen verprügelt. Tische wurden umgeworfen, Geschirr und Gläser zerschlagen. Auch in andere Kaffeehäuser drangen Studenten ein. Auf dem früheren Wilhelmsplätz wurde ein polnischer Konsulatsbeamter aus Paris, der für einen Juden gehalten wurde, schwer verprügelt. Die Zahl der Verletzten ist noch nicht bekannt. Zwei Rädelsführer wurden verhaftet, aiber nach Aufnahme eines Protokolls wieder auf freien Fuß gesetzt. Die deutschen FriedhofschHnder machen Schule. — In der Tschechoslowakei. Prag, 7. Juli. Im August 1928 wurden auf dem jüdischen Friedhof in Prerau 40 Grabsteine zertrümmert. Als Täter wurden acht junge Leute im Alter von 15 bis 19 Jahren festgestellt. Einer der Anführer wurde nun vom Gericht zu einem Monat Kerker, zwei weitere Täter zu je drei Wochen Kerker und die übrigen Täter zu je fünf Tagen Gefängnis mit Bewährungsfrist für die Dauer von zwei Jahren verurteilt. Die KuFtusgemeinde hatte durch die Zerstörung einen Schaden von 20.000 tsch. K erlitten. Antisemitismus in Mexiko. Mexico City, 1. Juli. (J. T. A.) In den Provinzorten Mexikos macht sich seit einiger Zeit eine starke antisemitische Bewegung bemerkbar, die die Judenschaft mit Besorgnis erfüllt. Die in Mexico City erscheinende „Jiddische Zeitung" veröffentlicht ein von zwanzig jüdischen Familien in der Provinz San Luis P o t o s i unterzeichnetes Schreiben, in welchem mitgeteilt wird, daß in der Bevölkerung eine scharfe Boykottbewegung gegen die judischen Kaufleute besteht. Die Juden in der mexikanischen Hauptstadt werden gebeten, ihren Brüdern in der Provinz in der Abwehr der antisemitischen Bewegung zu Hilfe zu kommen, wa ALLGEMEINE RENTENANSTALT Hervorgegangen aus der Im Jahr« 1824 gegründeten Attgsfnilnen Vsfsöfgungsanstalt WIEN, I., GRABEN 20 RENTEN SPAREINLAGEN (Naglergass« lj, Tel U-21-510 Serie (Altersrente, Wttwtnpsnslon. Kindtrfnrsorg« usw.) Prospekte «, Auskünfte bereitwilligst o kostenlos XWIIGANSTALTt Orts, Jakomlnlplats IS Um die Klagemauer* Die Klagemauer-Kommifsfoii verhört weiter« — Die Araber provozieren* Die von der britischen Regierung Uber Auftrag des Völkerbundes zur Prüfung der jüdischen und arabischen Ansprüche an die K 1 agema u er eingesetzte Kommission arbeitet weiter. Die Situation ist daburch gekennzeichnet, dafl die Araber wohl an den Verhandlungen teilnehmen und sich durch Rechtsanwälte vertreten lassen, aber zu Beginn der Tagung erklärt haben, daß sie sich den Beschlüssen der Kommission nicht unterwerfen werdenl Ferner da- . durch, daß sie während der Tagung der Kommission mit J lärmenden Demonstrationen die jüdischen Beter.stören und eine weitere Bautätigkeit an der Klagemauer entfalten. Die Regierung duldet das alles, trotz ihrer wiederholten feierlichen Erklärungen, während der Untersuchung den ursprünglichen Zustand aufrechtzuerhalten. Aus den bisherigen Aussagen geht hervor1, daß die Juden im Rechte sind und die ganze An- . gelegenheit der Klagemauer von den arabischen Führern zu Zwecken der Verhetzung frivol aufgerollt wurde. Trotz aller günstigen Aussagen soll man über das Urteil der Kommission nichts voraussagen. Die Erfahrungen, welche die Juden bisher mit „neutralen" Kommissionen gemacht haben, gebieten Vorsicht. ■* ' Jerusalem, 3. Juli. Am 30. Juni vernahm die Kommission einen buch arischen Juden namens Zion Ben Isa Isachar o f f, der seit 43 Jahren in Jerusalem ansässig ist. Er legte dar, daß er schon als junger Mann dem Gottesdienste an der Klagemauer beizuwohnen pflegte und daß es in jener Zeit nie Einwendungen von Seiten verantwortlicher Moslems gegeben habe. Vor einigen Jahren, erzählte er, ist es manchmal vorgekommen, daß Straßenjungen die Beter mit Steinen bewarfen, aber die betende Gemeinde habe davon keine Nqtiz genommen. Nie; habe ein verantwortlicher Moslem dem Jüdischen Gottesdienst Schwierigkeiten bereitet Bänke wurden an der Mauer, ohne daß Einspruch erfolgt worden wäre, benutzt und' während der Nacht in der Nähe der Mauer aufgestapelt. Als der Zeuge dann auf die in den letzten Jahren den jüdischen Betern zugefügte Unbill zu sprechen kam, brach er unter Tränen zusammen. Der Platz Vor der Klagemauer sei häufig mit Eselmist beschmutzt gewesen und an einem Versöhn ungst ä g fanden die Beter die Mauersteine mit Dun g beschmiert, so daß sie in ihren Feiertagsgewändern vor Beginn des Gottesdienstes die Steine säubern mußten. Isacharoff wurde dann von Auni Bey Abdul Hadi einem zweistündigen scharfen Verhör unterzogen, in Beantwortung der Fragen Auni Beys sagte Isacharoff aus", daß ihm von einer Einschränkung der . Benützung von Faltstühlen, Bänken oder eines Vorlesepults > für die Gesetzesrollen aus türkischer Zeit nichts bekannt sei. Er war während des Krieges außerhalb Palästinas, und als er 1921 zurückkam, habe man ihn gebeten, neue Bänke zu kaufen, weil die alten gestohlen worden seien. Der erste Konflikt we,gen der Bänke, sagte er, ist in der Zeit entstanden, als Sir Ronald Storrs Gouverneur war. Trotz der damals entstandenen Schwierigkeiten habe die bucharische Gemeinde noch vor vier Jahren eine große Beschneidungsfeierlichk e i t bei der Klagemauer abgehalten, bei der Stühle und andere Gebrauchsgegenstände'benützt worden sind. ■ Der frühere Vizebürgermeister von Jerusalem, Chaim Solomon, machte weitere Aussagen über den jüdischen Gottesdienst an der Mauer. Ein seit 1892 in Jerusalem ansässiger christlicher Engländer •Richard Hughes sagte aus, er habe oft die Klagemauer besucht und'dort Bänke,'Oellampen und Gewürzbehälter gesehen. Hingegen habe er nie Araber an der Mauer beten gesehen oder gehört, daß Moslems dem jüdischen Gottesdienst an der Klagemauer Schwierigkeiten gemacht hätten. Es sei ihm nicht bekannt, daß die Regierung die Benützung von Stühlen an der Mauer verboten habe. Einmal hübe er auch einen Schrank an der Mauer gesehen. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen machten zwei Rabbiner, Rabbi Abraham Schorr und der sephardische Chacham Rabbi U z i e 1, ihre Aussagen vor der Kommission. Rabbi Schorr konnte zwei Regierungsdokumente vorlegen, die auf die Mitglieder der Kommission sichtlich Eindruck machten: Das eine ist vom 11. August 1920 und zeigt, daß damals die Entscheidung der Frage, ob an der Klagemauer ein Thoraschrein aufgestellt werden sollte, von der Regierung alsdemSpruchderRabbinenunterliegend angesehen .worden ist; das andere ist vom August 1921 und aus ihm geht hervor, daß bie Moslems gegen die Benützung von Bänken keine Einwände hatten. Im Verlaufe des Verhörs durch Auni Bey wies Rabbi Schorr auf den jüdisch-moslemischen Disput wegen der Bänke im Jahre 1912 hin, der zu einer durch den damaligen amerikanischen Botschafter in Konstantinopel Henry Morgenthau unterstützten Intervention des türkischen Oberrabbiners Chacham Nachum führte. Diese Intervention erstreckte sich auch auf die Frage der Aufstellung eines Thoraschreins« Rabbi Uziel machte ergänzende Mitteilungen zu dem Memorandum Dr. Eliashs Über die Liturgie des Gottesdienstes. Er legte dar, daß der Gemeindegottesdienst an jeder Stelle Gesetzesrolle, Schofar und Lulaw (Palmenstrauß) erfordert. Die letzten provisorischen Verfügungen des High Commissioner, durch die eine Anwendung dieser Utensilien und selbst Gebetriemen und Gebetmantel untersagt werden, sind den jüdischen Ansprüchen in keiner Weise gerecht geworden. Auni Bey versuchte die Verhandlung auf politisches Gebiet überzuleiten, indem er den Zeugen fragte, ob er Zionist sei und ob die Zionismen glauen, daß das Beten an der Klagemauer der Propaganda für die Einwanderung von Juden nach Palästina vönNutzen ist. Daraufhin fragten die Mitglieder der Kommission Barde und van Kampten, seit wann die jüdischen Gottesdienste an der Klagemauer üblich sind. Rabbi Uziel wies in seiner Antwort darauf hin, daß die Juden in aller Welt seit jeher sich im Gebet nach der Richtung des Tempels wenden; * Jerusalem» 4. Juli. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen vor, der Klagemauerkommission erschien ais nächster jüdischer Zeuge Räfael Mejuchas, der seit 26 Jahren als Nachfolger seines Vaters die Stelle des sephardischen „Sch am asch" an der Klagemauer versieht. Er sagte aus, daß in den letzten vierzig Jahren, an die er persönliche Erinnerungen hat, individuelle und Gemeindegottesdienste an der Klagemauer mit allen zugehörigen Utensilien abgehalten worden sind und daß dabei Schofar, Thoraschrein, Bänke, Sonnenzelt und Scheidewand zur Anwendung kamen. Er bestätigte ferner, daß die Juden seit jeher beim Gottesdienst an der Klagemauer mit lauter Stimme zu beten pflegten. Vor 18 Jahren ungefähr, erzählte er, erließen die türkischen Behörden ein Verbot gegen die Verwendung ber Scheidewand, das Verbot wurde aber bald zurückgezogen. Er führte ferner zum Beweis dafür, daß die türkischen Behörden der Klagemauer als einer jüdischen Institution hohe Bedeutung beimaßen, die Tatsache an, daß er während des Krieges in seiner Eigenschaft als Schamasch an der Klagemauer vom Militärdienst befreit war. Von der seit einem Jahr in der Nachbarschaft der Klagemauer eingeführten moslemischen lärmenden Zikhr-Zeremonie habe er in früheren Jahren nie etwas gehört, ebenso habe in den vorangegangenen Jahren der Muezzin von der Mauer herab nie zu Gebet aufgerufen. Hingegen gab er zu, daß für die Klagemauer bei den Moslems die Bezeichnung El Burak üblich ist. Auf die Frage von Fakhri Hussein!, ob der Zeuge persönlich wünsche, der Platz vor der Wochen-Kalender Juli 1930 TiDn smn Tamus 5690 11 Freitag li-iö Sabbateingang 7.35 12 Samstag 16-tö Sabbatausgang 8.48 apv^ rrmv *m iscn »pSa IS Sonntag 17-r mirVo ncro -wy nyaw rvoyn 14 Montag lS-ro 15 Dienstag 19-tf 18 Mittwoch 20-3 17 Donnerstag 21-K3