Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 147 (11.7.1930)
- Date
- 1930-07-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
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^f^ä/CMX ßO#-/#V^EJV \//^dA^ pflanzliche j i o':rv;'. entfettungsmittel. DIE NEUE WELT Nr. nr Klagemauer möge in eine Synagoge umgewandelt werden, sagte dieser, die Klagemauer sei den Juden heiliger als jede Synagoge. Der Vorsitzende der Kommission L oefgren wies die Frage als unzulässig zurück. Als nächster Zeuge bestätigte der Kassier der „Kolelim" und ehemalige Sekretär des verstorbenen Oberrabbiners von Jerusalem Rabbi Salant, daß um das Jahr 1895, die Juden auf dem Platz vor der Mauer neues Pflaster haben legen lassen. Er erinnere sich, daß Rabbi Salant damals für die Zwecke der Reparätur 10 „Napoleons" gestiftet habe. Auni Beys Bemerkung,' daß diese Zeugenaussage den Charakter des Hörensagens habe, wurde vom Vorsitzenden zurückgewiesen^ ' 4> Der Direktor der Bezalel-Schule in Jerusalem, Professor B o r i s Schatz;; gab Aufklärung zu einem im Jahre, 1910 gedrehten Film von der Klagemauer, der den Platz überfüllt von Juden und mit Bänken darauf zeigt und der Kommission tags zuvor vorgeführt worden ist. Er selbst habe diesen Film seinerzeit in New York gezeigt. Professor Schatz bat die Kommissionsmitglieder, dahin zu wirken, daß die hygienischen und ästhetischen Verhältnisse in der Nachbarschaft der Klagemauer verbessert werden. Von Auni Bey befragt, sagte Professor Schate, die Klagemauer sei den Juden der wertvollste und heiligste Ort, nicht nur, weil sie glauben, daß sie einen Rest des Tempels darstellt, sondern auch deshalb, weil sie der Ort ist, zu dem seit Jahrhunderten die Juden gekommen sind, um den Fall Jerusalems und die Zerstörung des Tempels zu beweinen. Die archäologische Echtheit der Mauer tut so wenig zur Sache wie die historische Genauigkeit der Lage der Grabeskirche. Die Tatsache, daß die die Benützung von Bänken vor der Klagemauer verbietende Verfügung der örtlichen türkischen Behörden von 1912 von Konstantinopel aus sofort annulliert worden ist, stellt sich als das wichtigste der bisher von jüdischer Seite vorgebrachten Argumente dar, weil dadurch «die arabische Auffassung des Status quo widerlegt wird. Doktor E l i a s h, der jüdische Hauptvertreter vor der Korn« missiön, legte eine Nummer der Zeitschrift „Hacheruth" vom 11. Februar 1912. vor, in der die Annullierung des Verbotes durch die türkische Regierung mitgeteilt wird. ' Die .aufhebende Verfügung erschien auch in der damals in Koristantinopel, jetzt in Kairo herausgegebenen jüdischen Zeitung „L'Aurore". Dr. Eliash legte ferner ein Schreiben des Polizeidistrikts-Superintendenten . von Jerusalem mit Datum vom 1. Oktober 1926 vor, durch das dem Schamasch an der Klagemauer erlaubt wird, Felds.essel aufzustellen. Nach Beendigung des Kreuzverhörs mit dem jüdischen Zeugen Mejuchas wurde der britische Archäologe Mißhussey vernommen. Der Zeuge kam im Jahre 1900 nach Jerusalem. Er besuchte bald nach seiner Ankunft die Klagemauer und fand dort alte.Männer auf Stühle^ und Bä n k e n sitzend vor. Er sah auch eine S c h e id e w a nd aus Holz und Stoff. Später lebte er einige Zeit unter Fell a c h en, hat aber nicht gehört, daß sie die Klagemauer je erwähnt hätten, und vor 1928 nie gesehen, daß Moslems zur Klagemauer gingen. Auf eine Frage Auni Beys sagte der Zeuge, seines Wissens seiBurak ein neues W o r t. Er ist der Ueberzeugung, daß die großen Mauersteine Ueberreste des herodianisehen Tempels darstellen. Neubau an der Klagemauer. Jerusalem, 4. Juli. Die Moslems haben neuerdings die im vorigen Jahr in der Nachbarschaft der Klagemauer errichtete Treppe mit einem Treppengeländer verschen. Die jüdischen Behörden haben in der Befürchtung, daß durch diese Maßnahme lediglich das ausschließliche Verfügungsrecht der Moslems über die Mauer von neuem demonstriert werden soll, dem Distriktskommissioner einen Protest überreicht. .Dieser versprach, sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen.' Mohammedanisohe Gesellschaften aus Palästina und Aegypten überfluten die Klagemauerkommission mit Resolutionen, in denen dargelegt wird, die*Klagemauer sei ein Teil der Aksa-Moschee und die palästinensischen Moslems ihre Hüter für die ganze moslemitische Welt. Die ersten moslemitischen Aussagen vor der Klagemauer-Kommission. Jerusalem,"" 6, - Juli. Als erster moslemitischer Zeuge wurde von der Klageraauerkommiß'sion der oberste Geistliche des Moslemitischen Religiösen Gerichts vernommen. Er wies Besitztitel vor, die zeigen sollen, daß das Mugrabi-Viertel in Jerusalem Eigentum deß Wakf (moslemitischen Kirchengut) ist und daß die Klagemauer die Grenze dieses Gebietes darstellt. Er legte weitere Dokumente vor, aus denen hervorgeht, daß das Mugrabi-Gebiet vom marokkanischen Sultan Abu Maidan für Wohltätigkeitszwecke gestiftet worden ist. Hingegen konnte der Zeuge das Eigentum des Wakf an den anderen an die Mauer angrenzenden Häusern n i c h t erweisen. Zur Unterstützung der moslemitischen Sache vor der Klagemauerkommission sind in Jerusalem mehrere Delegationen ausländischer Moslems eingetroffen. So der frühere Vertreter des Irak in London Mezah Bey Pachachi, Salin Din vom Obersten moslemitischen Rat in Beirut, drei Delegierte aus Indien und neuerdings eine Delegation ägyptischer Moslems unter Führung Mohammed Ali Paschas. Diese Delegationen nehmen an den Verhandlungen vor der Kommission an der Seite der moslemitischen Vertreter teil. AUS PALÄSTINA. Der Wächter der Kolonie Tel Joseph im Kample , mit Banditen gefallen. Jerusalem, 2. Juli. Am 28. Juni abends versuchte eine Gruppe Banditen' in T e 1 J o s ep h, die große jüdische Kolonie im TaleJezreel, einzudringen. Der Wächter der .Kolonie, Isaak Finkel, stellte sidi ihr entgegen, es wurden mehrere Schüsse gewechselt. Isaac Finkel brach, von den Kugeln der Marodeure getroffen, zusammen, und' s ta r b. ku r z da r a u f. Die Mörder ergriffen die Flucht. Gegen Mitternacht traf Polizei in Begleitung von Pfadfindern aus A j n C h a r o d in Tel Joseph ein und begann die Fahndung nadi den Mördern, deren Spuren bis zu den Hügeln in der Nähe von Ajn Charod verfolgt werden konnten. Die Gegend wird nach allen Richtungen hin durchsucht, 30 berittene Angehörige der transjordanischen Grenzmacht beteiligen sich an der Verfolgung der Marodeure, die, nach den im Körper Finkeis gefundenen Kugeln zu urteilen, mit brit,isch'en Gewehren bewaffnet sind. Man befürchtet, daß der Angriff vom 28. Juni nachts die Einleitung zu'einem' Ter r orf e 1 d zu g ist, den transjordanische Beduinen, die vor kurzem in I r b i d eine geheime Tagung abgehalten haben, in Palästina planen. Der kürzlich erfolgte Angriff auf britische Truppen in der Nähe von Nahallalwurde, wie man mit Sicherheit annimmt, von der gleichen Räuberbande ausgeführt. ' , ... *\ Der Vorfall läßt die Berichte der englischen Regierung an den Völkerbund in eigentümlichem Lichte erscheinen. Am,3. Juli hat die Regierung eine Note an. den Völkerbund veröffentlicht, in welcher es u. a. heißte „Die enge Verbindunig " zwischen den Arabern' Palästinas und Transjordaniens und die Verbreitung wilder Gerüchte bei Ausbruch der Unruhen in Palästina .erzeugen in Transjordanien einen solchen . .Gemütszustand;'., -daß' ein bewaffneter - ' .'; - '.■ ■ ■ ' - r ' ■. Marsch gegen die jüdische Bevölkerung Pal#stinds zu befürditen war. Daß diese schwere Gefahr abgewendet wurde, ist hauptsüchlidi der Haltung des Emir Abdullah^ und .seiner Regierung zu verdanken/' Wie man'sieht, ist die Zuversicht der Regierung nicht am Platze. Statt beruhigende Beridite zu erstatten, iWäre es am Platte, den Forderungen , der Juden nadi besserer Ueberwachung der transjordanischen Grenze stattzugeben. , . .■ Arabische Führer versprechen Ruhe zu halten. Jerusalem, 6. Juli. (J. T. A.) Die arabische Zeitung „AI Hayat" teilt mit, daß der High Commissioner Sir John Chancellor vor seiner am J. Juli angetretenen Urlaubsreise von den arabischen Führern Erklärungen im. Hinblick auf gewisse Gerüchte verlangte, die an das Colonial Office in London gelangt sind, und die besagen, daß Vorbereitungen zur O r g a n i s i e r u n g neuer Unruhen in Palästina für die Zeit seiner Abwesenheit vom Lande , im Gange sind.4 Dem Bericht der Zeitung zufolge erklärten die Mitglieder der arabischen Exekutive dem High Commissioner. daß die Gerüchte völlig aus der Luft gegriffen sind und nicht anders, bezeichnet werden können, denn als „üble Fälschungen von Leuten, die »in trüben Wassern fischen wollen". Preisfrage! Haifa, 5. Juli. Der Araber Ahmed Ala Eini, der am 1. Februar morgens in das Schlafzimmer des eng I i sehen Direktors der Athlit«Steinbrüche S t e* ward drei Schüsse abgab, wurde zu sieben Jahren Zucht h a ü s verurteilt. Durch die Schüsse wurde nie*' m and verletzt. Die hebräische Presse weist darauf hin, j daß Polizei und Gerichte bei Angriffen auf Engländer' anders zupacken als bei Angriffen auf Juden. * Preisfrage: Wieviel Juden muß ein Araber niederschießen, wenn er so viele Jahre Zuchthaus be* kommen will, als einer, der eine Fensterscheibe in einem englischen Schlafzimmer zerschießt? Zählung der Arbeiter in Petach Tikwah. Durch den Gemeiniderat der-Kolonie Petach Tikwah wurde unter Teilnahme des lokalen Arbeiterrates eine Zählung der Arbeiter in den Orangerien von Petach Tikwah vorgenommen. Die Zählung wurde in 199 Orange» rien veranstaltet und ergab folgende Resultate: In 76 Orangerien waren 209 Araber und kein Jude beschäftigt; in 67 Orangerien 148 Juden und 238 Araber, in 45 Oran« gerien 131 Juden, in 11 Orangerien wurde an jenem Tage nicht gearbeitet, so daß insgesamt in den Orangerien von Petach Tikwah an jenem Tage 447 arabische Arbeiter und 297 jüdische Arbeiter tätig waren. (Ziko.) Der erste Jude kehrt nach Hebron zurück. Vorige Woche kehrte einer der jüdischen Ein* wohner von Hebron dorthin zurück. Als jährliche Miete für ein großes Geschäft, für das er früher 20 Pfund ge< zahlt hatte, bezahlt er jetzt ein Fünftel dieses Betrages. (Ziko.) Ein weiterer Besuch von jüdischen Arbeitern bei arabischen Arbeitern* Nachdem vor einem Monat jüdische Arbeiter einer Einladung ihrer arabischen Kameraden im Dorfe Beth Safafa neben Mekor CMim bei Jerusalem gefolgt waren, luden jetzt arabische Arbeiter aus Beth Djala, einem christlichen Dorfe neben Bethlehem, ihre jüdischen Kameraden, mit denen sie zusammen an einer Arbeits« stelle tätig sind, zum Besuch in ihrem Dorfe ein. Die jüdischen Arbeiter, acht an der Zahl, besuchten zweimal mit ihren Frauen das Dorf Beth Djala, wo sie sehr freund« schaftlich aufgenommen wurden. Unter Bäumen wurde mittags an gedeckten Tischen eine große Mahlzeit ge« boten. Die Gespräche betrafen hauptsächlich Fragen der Arbeit. Die Gastgeber führten ihre Gäste durch die Straßen des Städtchens, zeigten dessen Institutionen, Gärten usw. und berichteten über die Industrie der Perl« muttergegenstände und die große Zahl der dabei be« schäftigten gelernten Arbeiter. Beim Abschied wurden die jüdischen Gäste eingeladen, mit ihren Familien die Sommermonate in den Gärten von Beth Djala zu ver« bringen. (Ziko.) Die Juden in der Buchara. Aussterben des Judentums. — Hebräisch verboten. Der Moskauer Korrespondent der Jüdischen TelegraphensAgentur, der der Eröffnung der Turksib* (Turkestan—Sibirien«) Eisenbahn beigewohnt und bei dieser Gelegenheit einen Teil der mittelasiatischen Länder besucht hat, machte auch eine Reise durch Bu« c h a r a und traf mit den verschiedenen Kreisen der dor* tigen Judenheit zusammen. Ueber das Leben dieses iso« Herten jüdischen Stammes hat er die folgenden Informa« tionen gesammelt: Die jüdische .Bevölkerung in Buchara hat sich seit Beginn der Sowjetherrschaft in diesem Lande auf unge* fähr die Hälfte vermindert. In Alt«Buchara, wo unter der Herrschaft des. Emir 8000 jüdische Seelen lebten, befinden sich gegenwärtig nicht mehr als etwa 2000 jüdische Seelen. In dem ganzen Rayon Saraar« kand, wo eine große Bevölkerung von Bucharajuden existierte, zählt man heute nicht mehr als 15.000 Juden; im Kreis Taschkent zählt man nicht mehr als 3000 Juden. In ganz Buchara leben heute etwa 4 5.000 Juden. Die Sowjetregierung hat alle unter der Herrschaft des Emirs in Geltung gewesenen rechtlichen Be» schränkungen gegen die Juden abgeschafft. Früher mußten die Juden an Stelle eines Gurtes einen Strick tragen, es waren ihnen besondere Stadtviertel zur Wohnung angewiesen, das Reiten war ihnen verboten. Die jüdische Bevölkerung freut sich über die ihr zuteil gewordenen politischen und menschlichen Freiheiten, sie leidet aber ungeheuer unter der schlechten Wirtschaftslage, die für sie als handeltreibenden Bevölke« rungsteil unter der Sowjetherrschaft eingetreten ist. Die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung in Buchara setzte sich früher aus wohlhabenden, zum Teil sogar sehr reichen Kaufleuten zusammen. Seitdem die Sowjetregierung den privaten Handel verboten hat, blieben die Juden ohne Existenzmöglichkeit. Die vermögenden Juden wanderten insgeheim nach Persien und Afghanistan aus, in Buchara blieben die ärmeren Elemente zurück. Der Durch« schnittsverdienst einer jüdischen Familie in Buchara be* trägt im Monat 40 Rubel1. Sehr viele Familien verfügen nicht einmal über dieses äußerste Existenzminimum; die Beschäftigungen, denen sie obliegen, Schneider« und Kürschnerhandwerk, Seidenweberei u. ä., sind sehr wenig ertragreich. Führer der Judenheit von Buchara ersuchten den J.*T.«A.«Vertreter, die jüdischen Hilfsorganisationen in Europa und Amerika auf die Notlage der Bucharajuden aufmerksam zu machen, damit endlich etwas zur Linde* rung der verzweifelten Wirtschaftslage der Buchara juden getan wird. Der größte Teil dieser Juden zählt zu den Deklassierten. Die Sowjetregie« rung stellte ihnen zwar Boden zur Verfügung und verhilft ihnen dazu, sich in Produktionsgenossenschaften zu« sammenzutun. Aber das jüdische Element ist an Land« arbeit noch nicht gewöhnt, es fehlen Instrukteure, auch fehlt es an Maschinen für die Produktions« genossenschaften. Würde ihnen agronomische Beratung zur Verfügung stehen, so könnten sie auf dem ihnen überwiesenen Boden Baumwolle und Getreide bauen. In Buchara existieren bereits über 30 landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften mit insgesamt mehr als 2000 Mitgliedern, unter ihnen 45 jüdische Familien, die na,ch der Revolution aus der Ukraine und aus Weißrußland nach Buchara gekommen sind. Lieber 4000 jüdische Klein« handwerker sind in Produktionsgenossenschaften orgapi« siert. Es fehlt nicht an Rohstoffen, aber an Maschinen. Der J.*T.*A.*Vertreter konnte feststellen, daß das religiöse Leben unter den Juden Bucharas unter der