Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 147 (11.7.1930)
- Date
- 1930-07-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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rfctig % ~~wr8**w rnnrnwevr Nf. ur Maalkha«« EXCELSIOR Inhaber RKMAftD MIR2O0 f., Atfterta««* S Tel. R-23-4-90 Columbia- Modell 100 DAS BESTE Iii dem billigsten PrftJt« 20. und 12 Mmatsralti i 111.80 von Abstammung, Rasse und Religion zu gemeinsamer Arbeit für das Wohl Rumäniens. Dieser Appell wäre dabin zu deuten, daß der König eine Verbrüderung zwischen allen seinen Völkern anstrebe uud eine solche Politik befürworte, die diese Verbrüderung möglich mache. Den offiziellen Mitteilungen der jüdischen Presse Rumäniens ist zu entnehmen, daß der König die D e p utation des jüdischen Parlamentsklubs sympathisch aufgenommen und mit Interesse deren Memorandum angehört habe. In diesem Memorandum wird neben der Huldigung für den König auch die Lage der Juden dargestellt und darauf verwiesen, daß die Juden Rumäniens den antisemitischen Angriffen schutzlos preisgegeben sind, während auf die Exzcdenten das Gesetz nicht angewendet wird. Und die Antwort Carols? : Er versicherte der Delegation, daß er die antisemitischen Exzesse nicht dulden werde: „Laßt mir Zeit, im Lande Ordnung zu machen!" 1 In welchem Sinne diese Worte des Königs aufzufassen sind,, wird schön die nächste Zeit lehren. Man weiß, daß die Autorität des Königs sehr, groß ist. Man weiß auch, daß er Ordnung machen kann, wenn er den Willen dazu hat. — Die Juden Rumäniens blicken voll Hoffnung auf König Carol. Zur Zeit ist es noch nicht klar, ob er diese Hoffnung erfüllen oder enttäuschen wird. * Cuzisten brennen ein von jaden bewohntes Städtchen' nieder. — 128 Häuser vollkommen vernichtet, 2000 jüdische Seelen obdachlos. Marmaros Sziget, 7. Juli. Die ununterbrochene Reihe terroristischer Akte, die die Anhänger des antisemitischen' Abgeordneten C u z a in alleii Teilen Ä11- und Neu-Rumäniens seit mehreren Wochen gegen die jüdische Bevölkerung verüben, wurde in der Nacht zum 5. Juli durch eine grauenvolle Tat übergipfelt. Eine Gruppe Cuzisten drang in das transsylvanische Städtchen B o r s c h a, das bereits vor einigen Wochen Schauplatz terroristischer Pogromversuche war, die aber durch die jüdische Einwohnerschaft abgewehrt wurden, ein und legte an mehreren Steilen F e'u e r an. Bei der herrschenden Hitze und Trockenheit griff das Feuer rasch um sich, so. daß nach wenigen Stunden fast das ganze Städtchen ein einziges Flammenmeer bildete. 128 ausschließlich von jüdischen Familien bewohnte Häuser brannten bis auf den Grund nieder, mehr als 2000 jttdische Seelen sind obdachlos und der äußersten Not preisgegeben, da aus den Wohnungen und den Läden nichts in Sicherheit gebracht werden konnte. Das Elend und die Panik unter der jüdischen Bevölkerung von Borscha sind unbeschreiblich. In Marmaros Sziget bildete sich sofort ein Hilfskomitee, welches sich telegraphisch an das europäische Büro des American Joint Distribution Committee in Berlin sowie an das Berliner Büro der American Joint Reconstruction Foundation mit der Bitte wandte, sofort einen Betrag zur Linderung der dringendsten Not zur Verfügung zu stellen. Anhaltender antisemitischer Terror in der Südbukowina« Czernowitz, 5. Juli. (J. T. A.) Seit mehreren Tagen stehen die Städte Kimpolung und Vama und mehrere andere Orte der Südbukowina unter schwerem Terror der Cuzisten, die unter Anführung des berüchtigten. Agitators aus Borscha, D n i 1 a, unablässig jüdische Bürger mißhandeln und jüdisches Hab .und Gut zerstören. Dnila, d,cr Advokat Saghin ünd der Lehrer Berciu bearbeiteten tagelang durch Fingschriften und Hetzreden die Bauernschaft der Südbukowina, der sie das Vermögen der Juden als Freigut versprachen. Nachts wurden in Warna die jüdischen :IIäuser mit roten Hakenkreuzen bemalt, dann zogen etwa 1000 Bauern unter den Rufen „Tod den Juden!" durch die Stadt. Auf ein gegebenes Signal stürzten sich die Demonstranten auf die mit Hakenkreuzen bemalten jüdischen Häuser, schlugen sämtliche Fenster ein und nahmen andere Zerstörungen vor. Der Kaufmann Mühlrad, dessen Wohnung vollkommen zerstört wurde, wurde fürchterlich mißhandelt. Am nächsten Tage zogen etwa -3G00 Bauern aus Warna nach Kimpolung, wo die jüdischen Geschäfte, gesperrt und die. Kaufläden :;ve|barrikndiert';Warö;n. Präfekt P a c u r a r, ü>. dbr die^^is^niiten^^iir. Muhe. mahnte, wurde ergriffen, zu Boden geworfen und mit Fußtritten b c d a c h t*... Msr,y_Po.Uzeip.rjif ekt . Cobilajaschi wurde durch Steinwürie §c.bwer. am.;.Kopfe verwundet, die Gattin CobilansMis wurde bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. Erst als Militär aus Suczawd, eintraf, kehrte die Ruhe ein. •: ■ •. '< . ': (■ •. >■ ■ , ■ : Der Judenschaft der. Südbukowina. bemächtigte sich eine, schwere Panik, um samehj.als man den Bauern einredet, daß, wenn man das . Vermögen der Juden beschlagnahmt und unter die echten Rumänen verteilt, die Wirtschaftskrise behoben sein und man kein Auslands« kapital mehr benötigeri wiM Öabef'leteen die' Juden der Südbukowina in sehr 3 bescheidenen Verhältnissen und haben unter der Wirtsctafts- und Finanzkrise schwer zu leiden. " ' ' " Die Regierung „greift ein'V Indem sie einen pflichtgetreuen Polizeipräfekten seines Amtes enthebt. Bukarest, 6. Juli. (J. T.;lA.) Da9 Innenministerium ordnete strenge Mafinahmen gegen alle jene an, die die antisemitischen Demonstrationen und^Exzesse in Warna und Kimpolung verschuldet haben.- Unterstäätssekretär A n g h e 1 e s c ü ordnete1 telegraphisch die E n thebung des Polizeicfrefs von Kimpolung Max Adler Irmi Wollmann Wtitm. tU Stkwtit, ßienn* empfehlen sieft als Verlobte SMi btiondtter An*<ri§«f an, weil er die höheren Behörden von den Vorfällen in Warna und Kimpolung nicht verständigt hat. Der Unterstaatssekretäx gab Auftrag, die Anführer der Demonstranten festzunehmen und dem Gerichte zu überstellen. Das Innenministerium teilt mit, daß ein Teil der antisemitischen Agitatoren in Warna und Kimpolung bereits verhaftet wurde; es würden die strengsten* Maßnahmen gegen die Schuldigen ergriffen. Czernowitz, ,?• Juli. (J. T. A.) In der Bukowina weiß man noch nichts von der Verhaftung der Anfüh^r bei den Exzessen in der Südbukowina, dagegen äußerst sich das „Czernowitzer Morgenblatt" zu der Amtsenthebung des Polizeipräfekten von Kimpolung wi» folgt: „Polizeiprüfekt C ö b i 1 a n s c h i hat seine Pflicht erfüllt und,sich als Hüter der öffentlichen Ordnung geradezu heroisch benommen. Rücksichtslos und unerschrocken ging er gegen die Exzedenten vor und hat sich redlich bemüht, die Ruhe in der Stadt und im Bezirke aufrechtzuerhalten. Er wurde dabei von den cuzistischen Rowdies mißhandelt. Das soll nun der Lohn seiner heroischen Pflichterfüllung sein? Das wird die Bevölkerung kaum verstehen." Die Niederbrennung von Borscha. — Das Unglück größer als anfangs angenommen. Bukarest, 6. Juli. Es stellt sich heraus, daß die Zerstörungen im jüdischen Städtchen Borscha (Siebenbürgen) durch Cuzisten viel größer sind, als anfangs berichtet. Vom Brande vernichtet wurden 250 Häuser und l Synagogen, die Zahl der Obdachlösen beträgt 5600. Auch drei K i r c h e n, die. sich in den von Juden bewohnten Stadtvierteln befandenV fielen den Flammen zum Opfer. Die siebenbürgische Zeitung „Braschoj Lapok" führt die Brandstiftung auf die antisemitische Hetzpropaganda des berüchtigten Agitators Danila zurück,, der bekanntlich vor einigen Tagen verhetzte Bauerntrnpps gegen die Städte Warna und K i rop ol u n g in .der Südbukowina geführt hat. Von dort kehrte er mit seinem Stabe, unter dem sich der Ge i s t Ii che und ein Le h r e r von Borscha befinden, nach Borscha zurück und begann die jüdische Bevölkerung dieser Stadt stark zu terrorisieren. Die Zeitung stellt fest., daß'Danila und seine Leute die Stadt an vielen Stellen in Brand gesteckt haben und äußert tiefe Besorgnisse für die Zukunft im Hinblick darauf, daß einem solchen gefährlichen''Individuum wie Dariila erlaubt wird, seine "Hetztätigkeit weiter zu betreiben. 1 Die Behörden in Bukarest beobachten hinsichtlich' der Ursache und der Urheber des Brandes in Borscha Stillschweigen und lassen durchblicken, daß der Brand vielleicht nicht gelegt wurde, sondern durch „N a c h 1 ä s s i g k ei t" entstanden ist. Die Berichte der häuptstädtischen Presse lauten aber dahin, daß der Brand von den Cuzisten gelegt worden ist. Bukarest, 6. Juli, Seitens des Innenministeriums und des Ministerpräsidiuins werden die Mitteikingen, daß der Brand in. Borscha durch antisemitische Agitatoren gelegt worden wäre, dementiert. Der verhaftete antisemitische Agitator Konstantin Danila überschwänglich, tausendmal lieber will ich dort mit den Toten sein als bei den drei Ancicky. Ich werde mich dort wie neugeboren fühlen.". •*, Und so bekam denn der Vojkowitzer Friedhof einen neuen Totengräber, der Mendl und den Auswärtigen blind ergeben war. Und Isaacek wurde'ein vorbildlicher Toten* gräber. Er pflegte die ihm anvertrauten Grüber wie eine Mutter ihre Kinder. Niemals noch hatten die Rasenflächen so gegrünt, selbst auf den ältesten und verfallensten Gräbern, als unter Isaaceks Totehgräberära. Mandls Augen leuchteten vor Freude, so oft er auf den Fried* hof kam. Und wieder begann für Mendl eine neue Arbeit. In Vojkowitz befand sich seit undenklichen Zeiten eins Judenschule, die zum größten Teil von den Kindern der „Auswärtigen" besucht wurde. In normalen Zeiten fanden die Kinder der Auswärtigen trotz aller gegenseitigen Ge* hässigkeiten bei Unwetter eine Zufluchtsstätte in den Häuslichkeiten der Vojkowitzer. Als aber dann zwischen beiden Lagern ganz offen und rücksichtslos der Kampf ausbrach, erfuhren die Kinder der Auswärtigen versohle» dene Zurücksetzungen und mußten selbst im größten Um wetter nach Hause gehen. Nach längerer Ueberlegung und sorgsamer Erwägung aller Umstände entschloß sich Mendl, in seinem Wohngebäude für die Kinder der Aus« wärtigen eine neue Schule zu gründen. Er suchte den Königgrätzer Rabbiner auf, hielt mit ihm Rat und einige Wochen später kam nach Kozojedy ein blutjunger „Bocher" gepilgert, eigens aus dem fernsten Polen herbei« geholt. Er hieß Koperl und war kaum etwas mehr als zwanzig Jahre alt, war schlank und hochgewachsen und schön wie ein Mägdlein. Er war ungemein schüchtern und scheu und konnte nicht ein Wort Tschechisch. Für Schulräumlichkeiten wir leicht gesorgt. Mendl räumte eines der geräumigen,.außer Gebrauch stehenden Zimmer in seinem Hause., liej^.es sauber herrichten und weißen, brachte aus KöniggrätZ' einö Schültafel Und die Schule stand bereit. Mit einem Schläge wurden alle Kinder der Auswärtigen der Vojkowitzer'Schule untreu, obwohl manche nach Kozojed' weiter zu gehen hatten als nach Vojkowitz, dafür aber hatten die Eltern der Kinder die Gewißheit, daß diesen bei'eintretendem Unwetter in Mendels Hause gut Unterkunft bereitet sei. ' Das hätten die Vojkowitzer nicht für möglich ge« halten, daß die „Auswärtigen" so radikal vorgehen würden. Das Ereignis brachte sie ganz aus der Fassung. Es war kein Wunder. Von den vierzig Schulkindern hatten sie mehr als die Hälfte verloren und der Schulgelder« entgang traf empfindlich ihre Taschen. Sie suchten nun an den Auswärtigen ihr Mütchen zu kühlen. Gleich am nächsten Samstag nach Beginn des Schulbctriebes in Ko» zojed provozierten Lichtenstern und die Vojkowitzer im Tempel einen lärmenden Streit mit den Auswärtigen. Es war nur der Besonnenheit Mendig und einiger älterer Männer von den Auswärtigen zu danken, daß es nicht zu ernsteren Ausbreitungen kam. Mitten in dem so un« liebsam unterbrochenen Gottesdienst verließen die Aua» wartigen bis auf den letzten Mann den Tempel, um ihn hie wieder zu betreten. Wenn sie schon in Kozojed ihre eigene Schule und ihren Bocher hatten, warum konnten sie nicht auch ihren eigenen Tempel haben? Gedacht, getan. Wahrend dieser Woche fuhr Mendl eigens wieder nach Königgrätz und brachte von dem dortigen Rabbiner eine altertümliche Thora. Der Kozojeder Tischler verfertigte für die Thora einen hübschen Schrank und der Schrank mit: Thora wurde an die Stirnwand des Schuisimmers gestellt; Vor den Schrank wurde ein Tisch gestellt, der mit einem schweren Familientischtuch bedeckt wurde, und so war der Tempel fertig. Ah Wochentagen diente das Zimmer als Schule, am Samstag und an den Feiertagen als Tem« pel. Als am darauffolgenden Samstag im neuen Kozo* jeder Tempel der Gottesdienst begonnen hatte, war dieser so voll wie. niemals vorher, nicht einmal an den höchsten Feiertagen, der Tempel in Vjkowitz. Es kamen nicht nur alle Männer der Auswärtigen, auch alle Damen waren bis auf die letzte gekommen. Alle schwammen in Freude und Bewunderung, wie schön doch der junge pol« nische Bocher beten könne, und den Damen gefiel es wie« der ganz: besonders, wie schön es sei, daß sie jetzt so allein unter sich seien, und wie die Vojkowi|«er Damen über die Auswärtigen immer die Nasen gerümpft hatten . . . So wurden denn die Auswärtigen von den Vojko« witzern ganz unabhängig. Sie nannten alles ihr eigen. Aerger erging es den Vojkowitzern. Denen handelte es sich nicht mehr nur darum, sich den verhaßten Feinden zu unterwerfen, hier galt es, die eigene Existenz zu retten. Es war klar, daß man ohne die Auswärtigen die Schule und den Tempel nicht langer würde erhalten können, Dazu kam noch, daß unter den Vojkowitzern selber eine Spaltung entstand. Besonders dem Lichtenstern warfen sie vor, daß er die Auswärtigen aus Vojkowitz vertrie* ben habe, er solle nun die Schule und den Tempel selber erhalten. Nur er allein werde die Schuld tragen, wenn die Vojkowitzer um Schule und Tempel kommen, dann werden sie, die Vojkowitzer, in den Tempel nach Kozojed geben können und . die Kinder werde man auch nach Kozojedy in die Schule schicken müssen. Es sei jetzt schon schwierig genug, die nötige Anzahl von Männern am Samstag zusammenzutreiben. Viele der Auswärtigen gingen am Samstag in den Kozojeder Tempel, am Vojko« witzer Tempel vorbei, aber lieber hatten sie sich die