Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1930-07-04 · Heft 146 (4.7.1930) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 146 (4.7.1930)
Date
1930-07-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2711613-2711736-2711764--1922-2715173
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 »ß*" m mm mir a«.*«««, . Vf. 146 tn«istei stelle dieser großen Stadt nominiert. Richter SSabbath ist ein Bruder des beianatei Mitglied*» des amerikanischen Kongresses Adolf Sabbath und erfreut sich ganz besonders als Kfceaefceidtngsfichter außerordentlicher Popularität. In den 16 Jahren seiner richterlichen Funktion hat er nicht weniger als 35.000 Ehescheidungen durchgeführt und in 2100 Fallen die Versöhnung zwischen den hei ihm erschienenen Ehepaaren herbeigeführt. Chikago, das bekanntlich sehr viele Nationalitäten beherbergt, schätzt Richter Sabbath auch deshalb, Keil er aufler Englisch auch die deutsche, böhmische, polnische, russische und jiddische Sprache vollkommen beherrscht. Riditer Sabbath, der heute im 60. Lebensjahre steht, ist als l$jähriger Knabe aus Böhmen in Amerika eingewandert. Seit 188? gehört er dem Richterstande an. DieLebensversicherangsfOesell* schaff „Phönix" hat heute ihre 47. ordentliche Generalversammlung abgehalten. Im Jahre 1929 sind neue Lebensversicherungen Uber ein Kapital von S 614,4 63.0 4 2.— abgeschieden worden. Der V e r a i c h e r u n g s b e s t a n d hat Ende 1929 S 2.190,756.720.— betragen und bis 30. Juni 1930 die Ziffer von 2 4 5 0 M i 11 i o n e n S c h i 11 i h g erreicht, das ist dem Goldwerte nacb mehr als das Siebenfache des Y oi r k r i e g « b, e « * a n" cl e s. Die Prämieneinnahme bat *n der Lebensversicherung im Jahre 1939 S 104,572.994,20 betragen. An Versicherte und deren Hinterbliebene wurden S 3 0,56 4.4 51.9 4 ausbezahlt, die technischen Reserven haben sich um S 56,362,158.95, das ist auf S 372,335.255,01 erhöht. Die gesamten Garantiemittel der Geselle schaft haben zu Ende des Jahres 1929 den Betrag von S 2 9 7,612.17 7.4 3 erreicht. Der Immobil 1 i e n b e s i t z der Gesellschaft im Gesamtwerte von S 56i 198.398,48 besteht aus 80 Realitäten in Oesterreich, in der Tschechoslowakischen Republik, im Deutschen Reiche, in Belgien» Frankreich, Italien, Ungarn, Jugoslawient Polen und Bulgarien. Der W e r t p a p i e r b P 3 i t z, der sich zum überwiegenden Teile au« internationalen Anlagewerten zusammensetzt, beträgt Schilling .1 4 9,6 6 6.4 3 6,8 5. Die erteilten Hypothekardarlehen haben sich auf S l7;578,324ltP wd die Pplizzenr darjehen auf S 18,163.145.31 erhöht, Die in- und aus^ ländiachen Versipherungsftnstalten, 4n denen der Phönix durch Aktienbesitz un4 Rückversicherung beteiligt ist, weisen Ende 1929 einen Versicherung!^, bestand Von mehr als 1 Milliarde Willing ans. Für künftige Pensipnsanwartschaften und Wohlfahrtsfonds von Angestellten sind Reserven von rund S l.OOO.QOQ.^- zurückgestellt, t>er Phönix hat unter Aufrechthajtung , der bestehenden, freundschaftlichen Terbindiing mit der MUricHener Rücfcversicherungs-Gesellschaft in München jfürjslich den Kreis «einer Rückversicherer durch Abschluß neuer Vereinbarungen mit der Cqüipagnie d-A4surajices Generale« in Pajjia.mjt der Legal and General Assurances. Society in London und mit der Prudential Assur a n c e Co m p a ny in L 0 .d p n erweitert und überdies, mit der Metropolitan Life Iii« sprance Company in S ew York ein Abkommen über die Einführung der in den Ver» einigten Staaten von Amerika zu weiter Veybrej» tung gelangten Gruppenvereichejrung industrieller, gewerblicher und kaufmännischer Betriebe fn einer Anzahl europäischer Staaten ge» troffen. Aus dem Uebersohufl der Jahre«* rechnung im Betrage von S 7 0 6.4 3 4.0 3 werden S 340.000.— zur Ausschüttung einer Dividende von 8V>% (wie im Vorjahre) nach dem voll eingezahlten Aktienkapital von S 4,000.000.^ verwendet und S 180,000,— der Kapitalsreaerve zugeführt, die aiöb hiedurch auf S 2,180.000,— erhöht. E Die //Wedifetaeftig* Brand* schadet*"' und *J*nm" AUg«* meint auf Gegenseitigkeit veröffentlicht ihren Jahresbericht pro 1929. Die Vergrößerung des Gesehäft«« umfanges übertrifft die des vergangenen Jahres. Die Prämien- und Zinseneinnahme betrug S 13,812.943,--*, hat eich also gegenüber dem Vorjahre um S 3,094,372,—• vermehrt. Die Auszahlungen an Versicherte erreichten S 4,014.840.—-. Der Versicherung*- bestand in der Lebensversicherungs-Abteilung beträgt S 174,237.780.—. Als Reingewinn werden S 23,272.15 ausgewiesen, Die Gewährleletungainittel erhöhten sieh um S 6,842.817.— und erreichen pro Ende 1929 den Betrag von 8 J7,6ia,8if.-.. In der 105. ordentlichen Generalversammlung vom 2.0. Juni J93Q wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des Direkfionarates, Komm.- Rat Franz Breitenecker, Rechtsanwalt Dr. Anton Holubüwsky und Generalkonsul Dr. Franz Edler von Viyenot wieder- und Großindustrieller Philipp Schoeller neugewählt. E Die englischen freunde der Zi'onfomuf* Vernichtende Kritik an 4er wortbrüchigen Arbeiterregierung. Die hinterhältigen und von Mißwollen gegen den Zionismus erfüllten Ausfuhrungen des Vertreterp der englischen Regierung Dr. S h i e 1 s vor der Mandatskommission des Völkerbundes haben den Widerstand de? nichtjüdischen englischen Freunde der zionistischen Sache hervorgerufen. 8ie verurteilen vor allem die Heuchelei, mit welcher der Vertreter einer wortbrüchigen Regierung ans Werk geht. . Pns während des Krieges unter dem Vorsitz von Herbert Sidebotham in England begründete Pa- 1 ä 9 tina -Komitee veröffentlicht soeben eine Erklärung, in welcher an der Erklärung Dr. Shiels' vor der Mandatskommission in Genf, daß man den Juden nicht einen „S t a a t'\ «ondern nur ein »,H e i m" versprochen hat, scharfe Kritik geübt wird. Dr. Shiels' Erklärung, heißt es in dem Statement de« Britischen Palästina- Komitees, sagt den Araber n, sie möchten niemals Szenen wie diq vom August 1929 wiederholen. Welche Wirkung kann eine solche Aufforderung haben, nachdem die Untersuchungskommission die arabischen Führer von Tadel f reigespr ochenhat? (Jr. Shiels erklärte in Genf, daß die ,,d a u e r ud e £r i tjik" an Regierungsbeamten seitens jüdischer Führer unklug und unfair sei, Die jüdischen Führer aber, besonders Dr. Weizmann, haben, der britischen Regierung vertraut und mit ihr — zuweilen gegen ihre bessere Einsicht —• loyal zusammengearbeitet. Sie zogen sich deswegen Vorwürfe aus der Mitte ihres eigenen Volkes, besonders der Juden in Amerika, zu, indem man ihnen vorwarf, zuviel Vertrauen gehegt zu haben', die Position dieser Führer ist infolgedessen innerhalb der internationalen zionistischen Kreise eine unsichere geworden, In dem Statement des Britischen Palästina-Komitee heißt es dann weiter: Dr, Shiels hat in Genf gesagt, die Juden in der ganzen Welt sollten wissen, daß die Mandatarmacht es unternommen hat, eine jüdische Heimstätte, nipht aber einen jüdischen Staat in Palästina entwickeln zu helfen. Dr, Shiels hätte dps Adjektiv ,,N a t i p n a 1" vor das Wort j.He im" setzen spjjen; es darf Dr. Shiels nicht erlaubt Werden, solch? Auslassungen zu machen. Wir wissen, was das heißt: ein ,,HeimM, und wap das heißt: ein ..Staat"; ein „Nationalheim" ist ein schwerwiegender Ausdruck und muß etwas bedeuten, Es würde interessant sein, von Dr. Shiels die Definition des Nationalhefras zu hören, ohne daß er ejw,as w e g l ä ß t. Dr. Shiels' ßtatenjent in Genf ist der letzte in einpr Reihe Versuche der letzten britischen Regierungen!' eine auf Versöhnung der* Araber gerichtete Politik en verfolgen. Jeder dieser Versuche ist nicht alleinfehlgeschlagen, sondern er hat in Wirklichkeit den arapisch/en Widerr stand gestärkt, da der prientalische Geist zwischen Versö^hnungswinen und $chwache kaum zu unterscheiden versteht. Es ist sinnlos, zu erwarten, daß dieser letzte Veiv puph Shiels' erfolgreicher als die bisherigen Versuphe sein wirdt Die Araber widersetzen sich nicht der M er t h P cj e des Mandats, sondern dem Mandat selbst. Eine ernste Konsequenz dieser englischen Politik igt die, daß sich, die öffentliche Meinung der WeUjudepljeit gegen England zu kehren beginnt. Zahlreiche Juden, unseres Manderns und Zögerns müde, zweifeln an unserem guten Willen und beginnen zu fordern, daß das Mandat uns ah, gekommen und einer K ö r p e r & o h a f t tibepgebeW^wii'd, die es mit mehr . Energie durchführen würde. In ejnem vom Anfang an hoffnungslosen Vorsuch, unmögliche arabische Forderungen zu erfüllen, sind wir so weit gegangen, mächtigen und einflußreichen Strömungen in der Welt- Jjudenhei t entgegenzuwirken. Dr. Shiels' Statement ist' dazu angetan, diese Gegnerschaft noch zu erhöhen und in bewirken, daß die Andeutung, daß wir das Mandat abgeben sollten, zu einer hartnäckigen Forderung anschwellen könnte. Wenn wir uns aber entschließen, Palästina zu verlassen, werden wir keinen Freund in diesem Lande zurücklassen, wo wir angesichts der Nähe der Schlagader der Verbindungen unseres Imperiums Freunde sosehr nötighaben. Die Bestimmung des Mandats, daß zivile und religiöse Rechte aller Raseep und Glaubensbekenntnisse garantiert werden sollen, verbietet e« uns, den Juden repräsentative Institutionen ssu gewähren, die den Arabern verweigert werden. Aber ebensowenig dürfen wir den Arabern Institutionen bewilligen, die die Wirkung haben könnten, die Schaffung des jüdischen Nationa 1 heini8 ssu hemmen, Unser Ver- QesterrelcJdsehes CrediMnsWut für öffentliche Unternehmungen und Arbeiten. Die am 24. Juni 1950 abgehaltene 34, ordentliche Generalversammlung hat den Rechnungsabschluß pf0 1939 genehmigt und he* schlössen, eiue Dividende in der Höhe von S 3f?0 pre. Aktie aufszuscbUtten. Weiters wurde beschlossen, Mi Aktienkapital von S 6,950.000 auf 8 16,330.000 zu erhöhen, Dia neuen Aktien werden zur Gänze vom Bund gegen Einbringung einer entsprechenden Forderung gegen die Centwbank der deutschen Sparkassen b t, übernommen. Von den turnusmäßig ausscheidenden Verwaltungiraten wurden die Herren Dr. Faul Harn» meridtlag, Alfred i Heinsbeimer, Dr, Hermann Oppau, bell», felw Polla^Parnegg und Julius mwe«i b-m Verwaltungsrat wiedergewählt. E ' Absolventln päd. lnstitats 4er Stadt Wien mit großer erzieherischer Praxis, die die hebräische Sprache perfekt beherrscht, •ntflf lÜNltntt für die Sommermonate. Schntnachhilfe für Volks- und Mittelschulen, eventuell aufs Land. Zuschriften an E. W., IX., Türkenstraße 9, Studentenheim. sprechen wurde nicht allein den palästinensischen Juden, Sondern der Judenheit in der ganzen Welt gegeben. Es ist wichtig, daß die Nichtjuden in Palästina das Gefühl haben sollten, daß der Mandatar »in gleicher Weise und alitiv um ihr.Wohl besorgt ist", aber es ist nicht weniger wichtig, daß die Juden in der ganzen Welt das gleiche Gefühl haben. Her österreichische Zi'oni'stentag. Noch immer keine Lösung der Krise. Am 14., 15. und 26, Juni wurde in Wien der Del«?* giertentag der österreichischen Zionisten abgehalten. Er sollte die in der österreichischen Zionistischen Organisa* tion seit zirka drei Jahren herrschende innere Krise lösen. Der Delegiertentag hat, das sei vorweggenommen, die Lösung nicht gebracht. Er hat, bestenfalls, die Lösung Vorbereitet. Die Beratungen konzentrierten sich auf die von der Gruppe der demokratischen Zionisten eingebrachten grundsätzlichen Anträge. Nach einer Pause von zwei Jahren hat diese quantitativ und qualitativ wichtige Gruppe des österreichischen Zionismus Wieder am Parteitage teilgenommen. Sie hat nunmehr in klar formulierten Anträgen jene Fragen in den Mittel* punkt des Parteitages gestellt, welche seinerzeit dazu führten, daß die demokratisch#zionistischen Mandatare ihre Mandate niederlegten und der Verband es ablehnte, Weiterhin an der Verantwortung für die Leitung der Or* ganisation teilzunehmen. Die wesentlichsten dieser An* träge lauteten: Die Zionistische Organisation Oesterreichs ist eine auf dem nationalen Prinzipe beruhende politische Organisation. Sie führt eine n a t j q* nale aktiYe Politik, Ihre Mitglieder dürfen einer anderen politischen Organisation weder an« gehören, noch, irgend welche Dienste ppliti* scher Art leisten. Ein Verstoß gegen diesen Grund* satz bedingt das Ausscheiden aus der Organisation." „Die Politik in der Kultusgemeihde muß in Einklang mit dem zionistischen Ge* m c i n d e p r o g r a m m e auf die Schaffung der Volksgemeinde gerichtet sein. Der Kampf um das allgemeine, gleiche Wahlrecht aller jüdischen Männer und Frauen ist eine der wesentlichen Vorbedingungen. Eine Subventipnspoütik, welche der Erlangung materieller Unterstützung irgendwelcher Institutionen zuliebe den Kampf für die Durchsetzung des nationalen, demokratischen Pro* gramms preisgibt, ist abzulehnen. Der Kampf für die Demokratisierung des Wahlrechtes ist sofort auf zu« nehmen und unter Anwendung aller parlamentarischen Mittel, insbesondere des Mittels der Budgetverweige» rpng zu führen." „Der Delegiertentag setzt sich aus Mitgliedern zusammen, welche in allgemeinen Wahlen gewählt werden, Das Recht einzelner Gruppen auf Entsendung besonderer Delegierter entfä 111." Jn Vertretung der Antrüge führte der Sprecher der demokratischen Zionisten, Oberbaurat Robert Stricker aus, daß uftter dem Einflüsse des Gedankens der Erwe> terung der Jewish Agenoy durch NiphtzJipmstgn in der österreichischen Organisation ein pplitischer Verfalls* prpzpß eingesetzt hat, Der Gedanke vorn kämpfenden Zipnismusr welcher die Judenschaft ganz, erfassen und nach innen und außen hin national führen und vertreten will, ist vom Gedanken des ausschließlichen Geld? sammejzjenismus verdrängt worden, Qas Gefühl für die so notwendige und mit dem Zionismus untrennbar ver« bundene natipnal*politi$che Erziehungsarbeit igt verloren gegangen und mit ihm die Stärke und. Geschlossenheit der Qrgsnisatipn. Zionisten haben sich mit dem Ge* danken vertraut gemacht, die politische Führung und Ver* tretung der Judenscbaft in öffentlichen Vertretungskör* pern assimilatorischen und ant tzipnis t i* sehen Personen zu überlassen! und die sktive zipnjstix sehe Arbeit auf Geldsammlungen und gewisse kulturelle Versuche zu beschränken. Die Preisgabe der nationalen Gegenwattsarbeit hat selbst auf dem beschränkten Ge< biet« nur Mißerfolge gezeitigt, dafür die Organisation heruntergebracht und des Einflusses auf die jüdischen Massen beraubt. Si« hat schließlich zur Verletzung dar Ragein dar politischen Anständigkeit und Kfinhoit geführt. In der Zionistischen Organisation Oestarraiehs, welche laut ihrem Statut eine pq 1 i t ia c h* ist, befinden sich in großer Zahl, such in leitenden SteU lungen, Personen, welche gleichzeitig in anderen politischen Organisationen eingeschrieben sind, vor allem in der sosisldemokratischen Partei Oesterreich«, welche In Jüdische? Hinsicht MsimiUterisoh, »ntiilenistisch und vielfach judeafeindlieh

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.