Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 146 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 ßi i >m »i yml DIE NEUE WELT Nr. 146 WIE N VII.. KAISERSTRASSE 123 IX.. ALSERSTRASSE© FERNSPRECHER B-38.0-43 (Knesseth Israel), Herr Blau die Orthodoxie (Agudas Jisröel) vertreten. Herr Eliash wird das jüdische Bewfcismaterial präsentieren. Dr. Magnes, der an Stelle des erkrankten Doktor Cyrns Adler das jüdische Beweismaterial hatte präsentieren sollen, wird vor der Kommission nicht erscheinen, da sich der Waad Leumi (Jüdische Nationalrat) energisch gegen jede Zusammenarbeit mit dem Rektor der hebräischen Universität Magnes verwahrt hatte. Magnes, der Inspirator des Brltli Schalom, wird von der Jhdenschaft Palästinas als Verräter an der jüdischen Sache gtewertet. Am 25. Juni hielt die Kommission ihre erste öffentliche Sitzung ab. In dieser Sitzung unterbreitete die jüdisöhe Vertreterschaft ein Memorandum, m welchem die enge Verknüpfung der Juden mit der Klagemauer seit der Zeit der Zerstörung des Tempels, von dem die Mauer den westlichen Teil bildete, bis auf den heutigen Tag aufgezeigt wird. Dr, Mordeehai Eliash hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache an die Kommission in englischer 3prache, die .dann für'die. mos/jemitisohe Vertreterechäft ins Arabische übersetzt wurde.' Neben Dr. Eliash erschienen „als jüdische Vertreter Colonel F. H. Kisch, Rabbi Meir Berlin, I. Ben Zwi, Dr. David Yellin und Rabbi Blau». Unter der arabischen Vertraterschaft ber merkte man eiae^Reilie prominenter moslemitischer Anwälte aus Damaskus, die weiße Turbans trugen, und eine Anzahl mosl'emitischer Führer aus Palästina.' Dr.. Eliash trat mit scharfen Argumenten der Behauptung der Mosl.emi.ten entgegen, daß den J u d e n keinerlei Rechte an der Mau,cr zustehen. Er wies darauf hin, daß in dem Weißbuch der britischen Regierung betreffend ,die Klagenmuer die M.auer 'als jüdisches Ji e i 1 i.g.t .um, anerkannt,wird und daß. diejüdi-* sehe Beziehung zur Mauer bis in das M i t t e 1 p 11 e;r, und vielleicht noch weiter zurückreicht. Der Groumüfti hat das Weißbuch akzeptiert und sogar dessen Unparteilichkeit gerühmt. Dr. Eliash' forderte die Durchführung des Inhalts des Weißbuches und erklärte, die Mauer sei ein Heiligtum, das zwei Religionen wertvoll ist, und .es sollten bei einem. Heiligtum Konflikte vermieden werden. Er warf die Frage auf, ob die Mauer wirklich es moslemi tisch es . Wakf (Kiroheneigentum) ist, und richtete an die Kommission das dringende Ersuchen, nicht allein die augenblicklich bestehenden, sondern auch einstige Rechte und . Verhältnisse, in Erwägung zu ziehen. Gemäß Artikel, 13 des .Pal4Lstin.aman.dat8 ist derfr qie Zutritt zu den heftigen Stätten, die freie AndachJsüfyung an demselben sowie die Wahrung der bestehenden Rechte garantiert. Dr. Eliash zitierte Aeußerungen, autoritativer britischer , und jüdischer Autoritäten, die. die Behauptung, die Juden begtea Absichten bezüglich der m a s 1 e m i, t i s c b e n Heiligtümer Palästinas, entschieden zurückweisen. Er appellierte an die Kommissäre, die hier das Gewissen der Menschheit f repräsentieren, bei der Beurteilung der jüdischen Rechte an der Klagemauer einen höheren Standard gelten zu lassen. Er geigte Photographien aus früheren Jahren, aus denen zii ersehen ist, daß Stühle und Wandschirme gewöhnlich, ohne, daß sich ..jemand da einzumischen pflegte, an der Mauer benützt wurden. Nach dor jüdischen Tradition, erklärte er weiter, ist die göttliche Gegenwart nie von der Mauer gewic h e n; die Steine dieser Mauer sind durch die Küsse vieler Generationen jüdischer , Andächtiger' geglättet worden. Die "Juden, schloß Dr. Eliash, wqllen das materielle raoslemitischo Eigentumsrecht an der Mauer nicht'in Frage stellen, aber sie fordern Achtung der Rechte jüdischer Andächtiger an der Mauer und sie appellieren aii. die .Kommission, das seit uralter Zeit in Geltung stehende Recht der Juden, an der Klageniauer mit Würde und Anstand zu beten, hochzuhalten und zu bekräftigen. Der Vorsitzende Loefgrengab. der Genugtuung der Kommission Ausdruck, ein so interessantes Memorandum über die Klagemauerfrage von der jüdischen Vertreterschaft erhalten zu haben, und erklärte, die Kommission werde die für den Nachmittag angesagte Sitzung nicht abhalteni um sich dem Studium des Memorandums widmen zu können. LoeFgren stellte noch fest, daß die Juden materielle Eigentumsrechte an der Klagemauer nicht b e- «nspruchen, und erklärte, absolute materielle Eigentumsgesetze seien für heilige Statten, über weldic die wildesten Schlachten ausgefochten wurden, überhaupt nicht anwendbar.. Der Vorsitzende fordarte die mosleniitisehe Vertreteeschaft auf. das moslemitisehe Eigentumsrecht auf die die Mauer umgebenden Gebäude und die Mauer selbst nachzuweisen. Er forderte die jüdische Vertreterschaft auf, darzulegen, ob die an der Mauer vollzogene Andacht eine individuelle oder ein Gemeinderitoal ist, welcher Unterschied zwischen dem Gottesdienst an der Mauer und demjenigen an den Synagogen besteht, ob die beim Gottesdienst benützten Zubehöre für den Gottesdienst unbedingt notwendig seien oder nur der persönlichen Annehmlichkeit der Andächtigen dienen sollen; schließlich sei darzulegen, welche Instanz die Gottesdienste an der Mauer arrangiert. £ljash behielt sich vor, auf alle gestellten Fragen des näheren einzugehen und erklärte, schon heute* dafi die Juden, obwohl sie die materiellen Eigentumsrechte. der Moslemiten an der Mauer nicht in Frage zu stellen beabsichtigen, dennoch der Meinung sind, daß ein solches materielles Eigentumsrecht den Eigentümer nicht be- > rechtigt, an der Mauer b a u 1 i c h e V e r ä n d e r ü n g e n vorzunehmen oder Neubauten zu errichten. Dr. JSliash überreichte eine Liste des Rabbinisohen K6-' mitees zur Wahrung der Rechte der religiösen Juden auf die heiligen Stätten, dessen Präsident der Grand Rabbin von Frankreidi Israel Levi ist, und erklärte an der Hand von Photographien jene hebräischen Inschriften auf den Monolithen der Klagernauer, die vor Ankunft der Kommission in Jerusalem zu nächtlicher Stunde von Arabern weggewischt wurden. Er bestritt entschieden die Behauptung der Moslemiten, daß die andächtigen Juden an der Klagemauer in der Vergangenheit nicht laut zu beten pflegten, sondern an der Matter, nur schweigend verharrten; er zeigte Photographien aus der Vergangenheit vor, auf denen .dichtgedrängte Mengen von Juden vor der Mauer zu sehen sind, und erklärte, daß die Andacht einer so großen Menge niemals. s.djwHgend vor sich gehen könne. An Hand., '-Weiterer P/hotögr&plitieli ' wies er häch;'daß immer' ^Wandschirme und Sitzgelegenheiten vor der Mauer angebracht gewesen waren. Dr. Eliash verlas V.um! Schluß ' Berichte des Kolel (alte orthodoxe jüdische Gemeinde von Jerusalem) sowie alte Urkunden und Quittungen, aus denen zu ersehen war, daß die Juden den Arabern Geldsummen auszahlten für die Entfernung des Kehriohts in der Umgebung der Mauer, für Repa- Die, die die, die gut soupieren, Beste! Würze haben wollen, Wissen, daß sie, sich: nicht, irren, HubefsEssig nehmen sollen. patüreh.an der Mauer selbst sowie für die Reparierüng der Öänke ,yör der Ma'uer,ferner, für die V e r s o.r g u'n g d e r B e t ,e:n,d,en, m i;t W, a s.g, e,r zum äpüieh;,de,r Hände vor dem. .Gebeteusw.'; „ ,.• ,.<..,.,«,..,,.. ., .„ . , , s< Als Vertreter der Araber erklärte Auiii Bey, die mosleniitisehe Welt habe das Bestreben, die Kommission bei ihrer Arbeit zu unterstützen} die mosleniitisehe Vertretung sei aber nicht berechtigt, schon im voraus sich mit dem zukünftigen Verdikt der Kommission einverstanden zu erklären. ' ■■■■ * In der zweiten Sitzung der Klagemauerkpmmission kamen - die niosleniitiskjhe^Sachy^ltpr.zu .Wort».vA uni Bey A bd ul Hat! i, einer der Sekretäre des-.Mos,lemiti-. sehen Obersteh Rates, führte aus, die Moslemiten seien dio Eigentümer der Kl a g c'm ä u c r. und ihrer Umgebung, somit Hege es'den Juden ob, das-Vorhandensein, irgend welcher jüdisch er-Rechte auf tfio. Klugem au.er nachzuweisen. So. lange ein. solcher Beweis nicht, vorliegt, beharren die Moslciniten auf ihrer Ansicht, daß den Juden nur das; Recht zusteht, ebenso wie alle,, anderen Nichtiuoslimsi die Passage vor der ■ Mauer als Durchgangsort zu beniitzen. Auni Bey schlug vor, daß die Juden zuerst der. 'Kominission alles Material, das sie zur Bekräftigung ihrer Ansprüche besitzen, vorlegen; Woraufhin sieh die Araber zu diesem Material äußern "Würden.;l 'Jamal e'l H u s s ot n i. ebehfulls Sekretär dös Moslem itisöhen Obersten Rates,-erklärte, er wisse nichts davon, daß jüdische Inschriften an der Klagemäner weg g'o wi seht wurden. Dio Moslems, sagte er, haben keine reguläre 'Andachtsstätte und versammeln sich überall uud jederzeit zum Gebot. Er deutete an, daß sich am'letzten'Sabbattag eine außergewöhnlich große Zahl von Juden an der Klagemauer versammelt hatte, weil die jüdischen Behörden wußten, daß die Kommission den Klagemauerbezirk besuchen werde, und es darum galt, eine De m oti s t r n t i o n zu veranstalte n. Dr. Eliash, der jüdische Vertreter, erwiderte darauf, die Ansammlung einer großen Zahl von Juden an der Klagernauer sei nichts Ungewöhnliches; an jedem Sabbattäg und Neumbndstag (Rosoh Chodesch) weilen Juden in großer Zahl an der Klagemauer., Der Vorsitzende der Kommission, Herr Loefgren, bemerkte, die Kommission habe, als sie am Sonnabend den Klagemauerbezirk besuchte, nichts Außergewöhnliches dort wahrgenommen. * Die lärmende Z i k h r - Z e r e in o n i e der Moslemiien, die erst n ach d e n A u g u »tun r u h e n eingeführt wurde und monatelang die A n dacht der Juden vor der Mauer störto (bekanntlich haben englische Beamte vor der Shaw-Kommission ausgesagt, daß die Ziklir-Zeromonie hauptsächlich dazu eingeführt wurde., um die jüdi$cheu Andächtigen zu stören), wurde in den letzten Tagen intensiviert, um — wie mau glaubt , — gegenüber den Mitgliedern der Klägern au er komm Ission die Heiligkeit der Mauer für die Moslems dar?, u tun. Die Zahwieh-Moschee in der Nachbarschaft der Klagemauer, in der die Zikhr-Zeremonie jetzt vollführt wird, wurde in den letzten Tagen von großen Gruppen auswärtiger moalemitisch er Führer, die in Jerusalem Gäste des Großmufti sind, besucht. Der Mufti selbst hat in Gesellschaft einer größeren Zahl mdslemitischer Würdenträger die Zahwieh-Moschee besucht. Dabei wurde die Zeremonie so lärmend exekutiert, daß die betenden Jaden ihre eigenen Worte nicht hörten. Das palästinensische Oberrabbinat hat der Regierung einen formellen Protest gegen die Wiedereinführung der Zikhr-Zeremonie, die bekanntlich kurze Zelt durch die Regierun? verboten war, unterbreitet. I Die mosleniitisehe Jugend „zum heiligen Kriege bereit". Jerusalem, 26. Juni. Die mpslemitische Jugendvereinigung in Aegypten hat an die Internationale Klagemauerkommission ein Telegramm gerichtet, in welchem sie erklärt, sie sei, gleich den Moslemiten in der ganzen Welt, bereit zum heiligen Kriege, um ihr kostbares Heiligtum gegen alle Angriffe zu verteidigen. Die arabische Zeitung „AI Hayat" teilt mit, Bevollmächtigte aus Aegypten, dem Libanon und Syrien werden nach Jerusalem kommen, um die arabische Sache vor der Kommission zu vertreten. Aus Aegypten ist zu dem gleidien Zwecke der bekannte Gelehrte des Islam Ahmed Zäki eingetroffen. Aus Damaskus traf Emir Said el Jazairi ein, um vor der Kommission die Interessen der marokkanischen Moslems, die in der Naöhbarschaft der Klagemauer leben, zu vertreten. Jazairi ist ein Enkel des marokkanischen Häuptlings Abdul Kadir. Sowjetarbeit in Palästina — ohne Juden; nur mit Arabern. London, 30. Juni. Einer Meldung der „Times" zufolge veröffentlicht die S o w j e t p r e s s e die Richtlinien des neu von 'de* kommunistischen Internationale herausgegebenen Programms Über die künftige rev o l u t i o n ä r e P b 1 i t i k i h P a 1 ä s t i n a. Die Palästinensische Kommunistische Partei (P. K. P.) müsse, SP heißt es darin, einer allgemeinen Arabisier.nng unterzogen werden und die Kampagne .gegen den w e i D e n T e.r r o r organisieren. Das Zentralkomitee der P. K,'P., so wird weiter belichtet, hat Ende- Mai in. .-Palästina» anscheinende in. H oä f «i':v.einej KpnfeftfiRz abgehalten, bei der 27•'Delegierteanwesend waren."'Die Konlerenz beschloß, sich in Zukunft auf die arabischen Bauernniaseen zu stützen. Einige Delegierte widersprachen dieser A r a b i s i e r u n g, aber die Konferenz war der Ansicht, daß „A r a b i s i e r u n g plus Bolschewisierung" das beste Mittel sei, eine kämpferische: Sektion der dritten Internationale aufzubauen. Weiter wurde mitgeteilt, daß die revolutionären .Kräfte Palästinns bereits mobilisiert werden und die b ä u e i^ Ii ch e n Pa r t e i g e n os s e n bereits zu arbeiten begonnen haben. Proteste gegen das RückJkelu'verbot für Jabotinsky. .....London, 2£. Juni.; Das ^ekutiykpniitpe ,dervW e,.liu n i o n der Ziohisten-Revisionisten hat aus Anlaß der Einreiseyerweigerung füT Herrn Jabotinsky folgende Erklärung publiziert: „Das Exekutivkomitee der Weltunion der Zionisten:Revisaionisten' sieht in der Verweigerung der Einreisebewilligung für Herrn Jabotinsky nach Palästina mehr als eine bloße -Ungerechtigkeit seitens der palästinensischen Regierung. In dem Falle, wo es sich um einen Mann mit Jnbotinskys Vergangenheit und Leistungen handelt, muß dies als Ausdruck der zynischesten U ndankbar'keit betrachtet weiden. Deshalb bedarf das Vorgehen der palästinensischen Regierung keiner besonderen Kommentare und kann getrost der öffentlichen Verurteilung überlassen werden." * Der soeben abgehaltene Parteitag der Z i o n i s t e n Oesterreichs hat eine Resolution gefaßt, in welcher gegen die SclUkanierung Jabotinsky'« energischer Protest erhoben wird. Der Jüdische Nationalrat (Waad Leumi) fordert Einreiseerlaubnis für Jabotinsky. J e r u s a 1 e m, 29. Juni. Der Waad Leumi forderte in einem Schreiben den High Commissioner Sir John Charicellor auf, das gegen den Führer der Revisionisten Wladimir Jakotinsky ausgesprochene Verbot der Wiedereinreise nach Palästina zurückzuziehen. — Der Distriktskommissar von Jaffa bat sich geweigert, die Erlaubnis zur Abhaltung einer Protest« Versammlung gegen die Fernhaltung Jabotinsky« vom Lande zu erteilen. Auch die Tote-Meer-Konzession in Frage? London, 24. Juni, Colonel Howard Bury richtete im Unterhaus au den Außenminister Henderson die Frage, ob er irgendeine weitere Mitteilung von der französischen Regieruug im Zusammenhang mit der Tote- Meer-Konzession habe und ob vielleicht die Frage bezüglich der französischen Konzessionsansprüche dem