Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 146 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711764--1917-2715168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 35 Groschen V.b.b BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—, Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljahrig Kc. 15.—; Jugoslawien rrioriatllch Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlieh Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20. Italien Monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—: Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße Telephon: A25-2-82 ~ Erscheint jeden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 4. Juli 1930 Nr. 146 Sturmiage in Deutschland Antisemitische Hochflut. — Die deutschen Zionisten stehen abseits. — Der Kampf mit untauglichem Mittel.; Die Juden Deutschlands sind iu eine Situation geraten, welche an die Lage erinnert, in welcher sich die Juden Osteuropas vor dem Kriege befunden haben und teilweise noch befinden. Der Anti semitismus ist ein das öffentliche Leben beherr sehendes System geworden. Während er früher auf gewisse politische Parteien beschränkt war, auf Parlaments- und Versammlungsreden, Zeitungsartikel und pseudowissenschaftliche Bücher und Flugschriften, lebt er jetzt in Gerichtshöfen, Schulen, dort, wo das Schicksal des Reiches entschieden, wo die Moral und Denkart des deutschen Bürgers bestimmt wird. Weite Kreise empfinden es als Bürgerpflicht, das Judentum zu verachten, zu hassen, zu bekämpfen, und zwar unter allen Bedingungen, auch unter Preisgabe der Grundsätze der Zivilisation. Nicht der Mensch von der Straße und.aus der Schenke, der akademisch Graduierte brüllt sein: „Schlagt die Juden! Juda verrecke!" . Die großen Wahlsiege, die. die. radau-antisemitiflchen.v Nälionalsozialisten bei den Landtags¬ und Gemeindewahlen errungen haben, bezeugen die große Kraft und Verbreitung des antisemitischen; Gedankens in Deutschland. Ein ganz verworrenes Programm, vielfach kindisch, und nichts weniger als hochwertige Führer treten als Träger einer. Bewegung in die Erscheinung, und Hunderttausende Wähler im hochzivilisierten Deutschland nehmen keinen Anstoß an dieser offensichtlichen Minderwertigkeit und geben willig ihre Stimmen her. Der Antisemitismus ist der. Magnet. Wer da glaubt, daß die Nationalsozialisten den Antisemitismus machen, gerät in fälsche Rechnung. Der Antisemitismus ist da und er macht den Nationalsozialismus. Die antisemitische Agitation hat Formen angenommen, welche die Judenschaft in Deutschland zur Gegenwehr nötigt. Wer führt diesen Kampf und wie wird er geführt? Diedeutschen Zionisten stehen abseits! War es doch immer für den deutschen Zionismus charakteristisch, daß er von jeder innigen Fühlungnahme mit dem jüdischen Menschen im Lande, seinem Schicksal und seinen Leiden als Bürger des Deutschen:Reiches Abstand genommen hat. Der deutsche Unempfindlich wacht das In d^a Tropen Ist es allgemein bekannt, daß nacf\ einem Dampfbad die höchsteAußentemperatur als angenehm Kühl empfunden wird. * . Die Dampfbäder im DIANABAD an der Marlen brücke entsprechen den höchsten^nforderungen moderner Hygiene bei größtem Komfort und mäßigen Preisen, i Zionismus hat sich immer mehr und mehr und bewußt auf die Behandlung des palästinensischen Aufbauproblems in theoretischer tind praktischer Hinsicht konzentriert,. auf die Beschaffung von Geldmitteln für den Aufbau, auf die Erörterung der im neuen jüdischen Palästina auftauchenden Fragen kultureller und sozialer Natur. Es ist bezeichnend, daß in der zionistischen Presse Deutschlands Auseinandersetzungen dieser Art Spalten füllen, daß viele Seiten einer Zeitungsnummer literarischen Erscaeinungen und Diskussionen gewidmet sind, während wichtige Vorgänge im Leben der Juden in Dei.tschland und anderen Ländern in vier Kleindruekzeilen erledigt oder ganz übergangen werden Lvti der deutsche Zionismus in dieser Einstellung dr Ii praktischen Aufbauwerke auf viulen Gebieten große Dienste ciwiesen hat, sei 7ubestritten. Aber es steht fest, dffi diese Entwicklung dem Geiste des Zionismus widerspricht. Der Zionismus kann sich nicht auf den Aufbau des Landes beschränken. Er verliert sonst den Sinn. Zionismus ist Wie der a u f r i c htung des jüdischen Volkes. Der Aufbau des jüdischen Palästina ist das wichtigste Mittel für die Wiederaufrichtung (1©S Volkes» aber doch nur e i n Mittel. Zionismus;, als Bewegung zur Wiederaufrichtung des jMisi^fhi Vqllfces müfi mii!deiii' ^hid^a^ällel? 'Jfötyft; wo sie alM leiben', üh* trennbar, organisch verbunden sein. Wo das jüdische Volk in Not ist, muß der Zionist zur Stelle sein. Wer das jüdische Volk führen will, muß zur Stelle sein, wenn es in Gefahr ist. Der Zionist muß den Kampf gegen den Antisemitismus führen, in der einzig wirksamen Art, in nationaler, in zionistischer Art, auf der Grundlage des jüdischen Volkstums, von Volk zu Volk, nicht D.uldung, sondern Volksrecht fordernd. Der deutsche Zionismus hat sich gegen diesen Grundsatz versündigt. Er hat die Führung des Kämpfes gegen die Judenfeinde anderen Parteien, nicht jüdischen oder jüdisch-assimilatorischen, überlassen. Die Judenschaft Deutschlands in höchster moralischer und politischer Not, und der deutsche Zionismus steht abseits. Er überläßt die jüdische Verteidigung jenen, die wohl guten Willen, aber nicht die Eignung haben, den assimilatorisch eingestellten Juden. Der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" führt jetzt den Kampf gegen den überhandnehmenden, »gewalttätigen Antisemitismus in Deutschland. Er , gibt sich redlich Mühe1 und scheut vor keiner Anstrengung , zurück. Er hat seine vielen Ortsgruppen mobilisiert, läßt unermüdlich Klagen bei Gericht einreichen, ist überall zur Stelle. Aber seine fieberhafte Arbeit muß, wenn man von' einigen gegen Antisemiten erflbssene Gerichtsurteile und Erlässe absieht, resultatlos bleiben, ist nicht geeignet, wesentliche Teile des deutschen Volkes in seiner Denkart Juden gegenüber günstig M beeinflussen. Statt sich auf den Kampf für das gleiche volle Recht d es j ü di sehen .S.taatsbürgers in Deutschland festzulegen, ver-< quiekt der Zentralverein, weil er eben assimilatorisch ist, den Kampf um das Staatsbürger^* recht mit dem ewig aussichtslosen Kampf um die1 deutschnationale Anerkennung, um die Anerkennung der in Deutschland lebenden Juden als vollwertige Nationaldeutsch Der Zentralverein verbindet die Forderung nach gleicher Behandlung durch Gerichte, die Schule, nach vollem Schutz durch alle Behörden, kurz, nach vollem Genüsse aller staatsbürgerlichen Rechte, er verbindet diese klare einleuchtende Forderung mit der Forderung, den jüdischen Gelehrten Einstein, den jüdischen Schauspieler Reinhardt, die Romandichter Schnitzler und Wassermann, den Psychologen Freud, den Journalisten Georg Bernhard usw. als berufene geistige Führer und Repräsentanten der deutschen Nation anzuerkennen. Er macht die Forderung nach klarem Recht dadurch unwirksam, daß er sie mit Ansprüchen verknüpft, denen die überwiegende Majorität der deutschen Nation, auch der nichtantisemitische Teil der deutschen Nation, ablehnend gegenübersteht, Eier national eingestellte Jude Wird; nie in diesen fehler verfallen. „Deslia^Js£ seiif Abteeitsstebei* inDeutschland doppelt zu beklagen! " ' # Das vom deutschen Zionismus ausgehende Bestreben, die zionistische Bewegung auf Erfüllung materieller, kultureller und sozialer Aufgaben des Palästinaaufbaues zu beschränken, hat leider da und dort Anklang gefunden. Sehr zum Schaden des Zionismus und der Judenschaft. Gewisse Vorgänge im tschechoslowakischen Zionismus und der letzte österreichische Parteitag haben gezeigt, daß auch hier die Neigung zur Ablehnung nationalpolitischer Gegenwartsarbeit und zur Einschränkung der zionistischen Arbeit auf technische und kulturelle Arbeit in Palästina um sich gegriffen hat. Auch hier ist man geneigt, den Kampf um das jüdische Recht fremden Parteien zu überlassen, das heißt preiszugeben. Es ist zionistische Pflicht, gegen diese Strömungen anzukämpfen. Das traurige Beispiel, das der deutsche Zionismus gerade jetzt bietet, redet eine eindringliche Sprache. r. st. Zi'omstenkongreß Dezember 1930. Das Aktionskomitee tagt im August. London, 28. Juni. (J. T. A.) Die Zionistische Ejceku« tive beschloß, den XVII. Zionistenkongreß noch vor Dezember des Jahres 1930 abzuhalten. Am 24. August tritt das Aktionskomitee in Berlin zu einer Tagung zusammen, in der das genaue Datum und der Tagungsort des Kongresses bestimmt werden sollen. Um die Klagemauer. Die Klagemauerkommission in Jerusalem* — Die Juden lehnen die Beteiligung des Universifätsrekfors Magnes ab« — Die Araber unterwerfen sidi der Kommission nicht* t Sie sprechen den Juden das Recht zu beten ab« —■ Krawalle unter Leitung des Mufti« Die au« den Herreu EUel :L o e.fg r e u, Charles. Barde und Van Kern p e n bestehende Klagem a u e r k o m ni i s s i o n .weilt bereits in": Jerusalem, Sie wurde auf dem Bahnhof von dem Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive Palästina« Colonel Frederik K i s c h, von Rabbi U z i e 1 im Namen des Rabbinats sowie von Dr. David Yellin, Elias-h und ßlau, die die jüdi- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet;sehe Sache vor der Kommission. o f f i z i e 11 vertreten werden,; begrüßt. Araber waren bei Ankunft der Kommission auf .dem Bahnhof nicht anwesend. Die Juden sind vor der Kommission einheitlich vertreten. Es'besteht ein Kontakt mit dem vom französischen öberrabbiner Israel Levi geleiteten Europäischen Rabbinischen Verband. Die rabbinischen Räte in der ganzen Welt wurden ersucht, sich vor der Kommission vertreten zu lassen. Dr. David Y e U i n wird die j Udisch e Gemein8chaf t Palästinas