Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 144 (20.6.1930)
- Date
- 1930-06-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. m "^ST7 DIE NEOT WE£T 7?rr Seile f Frisiersalon ^lllllUIWIIIWlIHHIIIilllliUlll.lilllIHHHHIIIIIIHIIIIH Harren* u* Damen* II., Klalfte Pfarrgatt« 14 vis'ä-vis C*f6 Budisbaum [ «rtiklaiiiie Bedienung, pefnlidt Mttber, mlfitfife Prelle. mmmm Genossenschaften ausgeschlossen, bezw. in solche nicht aufgenommen wurden, in den Verband aufzunehmen. AlleMem Verbände angeschlossenen Genossenschaften wurden angewiesen, Deklassierte als Mitglieder aufzunehmen. Der Zentralverband der Kooperativen, der die Verteilung von Produkten in der ganzen Sowjetunion kontrolliert, hat eine Verordnung erlassen, der gemäß auch Wahlrechtslose als Mitglieder in die staatlichen Lebensmittel-Kooperativen aufgenommen werden. Jedos Mitglied dieser Kooperativen erhält Lebensmittel zu Staatspreisen. Die Wahlrechtslosen werden aber sogenannte Defizitartikel, z. B. Brot, Butter, Zucker und Seife, mit höheren als den Staats preisen bezahlen müssen. 15.000 jüdische Studenten in den ukrainischen Hochschulen. Moskau, 16. Juni. (J. T. A.) Die offizielle Statistik teilt mit, daß an den ukrainischen Hochschulen und technischen Anstalten gegenwärtig 14.468 Juden, d. s. 25 Prozent der allgemeinen Studentenzahl, studieren. 200.000 arbeitsfähige ukrainische Juden beschäftigungslos. Moskau, 16. Juni. (J. T. A.) Die Presse teilt mit, daß gegenwärtig 200.000 arbeitsfähige Juden in der Ukraine, meist Deklassierte, im Alter von 15 bis 50 Jahren ohne jede Aussicht auf Beschäftigung sind. „Emess" beschuldigt die jüdischen Kommunisten in der Ukraine, daß sie die von der Sowjetregierung gegebenen Möglichkeiten für Zuführung der deklassierten jüdischen Jugend zur Produktion ungenutzt lassen. Ein Jude Verkehrsminister der Sowjetunion. Moskau, 16. Juni. (J. T. A.) Der jüdische Kommunist Moisei Ruch imo witsch, der Sohn eines Schmieds, wurde zum Volkskommissar für das Verkehrs- und Eisenbahnwesen der Sowjetunion gewählt. Er ist neben dem Landwirtschaftskommissar Jakowlew der zweite Jude im Kabinett der Sowjetunion und ist 41 Jahre alt. Bis jetzt bekleidete er den Posten eines Vizepräsidenten des Obersten Wdrtschaftsrates. Seit 1915 gehört er der Kommunistischen Partei an und bekleidete seit der Revolution verschiedene hohe militärische und industrielle Posten. Tagung der spagnolischen Welt-Konföderation in Belgrad. Belgrad, 16. Juni. Auf Einladung der sephardischen Organisation in Belgrad fand vor kurzem hier die IL Tagung der sephardischen Welt-Konföderation (Balkan-Konferenz) statt, der außer den sephardischen Führern Jugoslawiens Delegationen aus Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Italien, Frankreich, Aegypten und dem Orient beiwohnten. Zu Präsidenten wurden Lazar Avjamowitoh (B,eJjgrad) und Picciotto (Aegypten), zu Vizepräsidenten Pineas, David Florentin und A. M. Altarac, zum Ehrensekretär Dr. Braco Poljokan gewählt. Oberrabbiner Dr. Ovadia (Paris) forderte, die Organisation der sephardischen Juden solle sich auch an dem allgemeinen jüdischen Aufbauwerke beteiligen. Folgende Referate wurden erstattet: M. D. Picciotto: „Die Lage der Sephardim in Palästina"; Großrabbiner von Jugoslawien Dr. Isaac Alcalay: „Die materielle, soziale und kulturelle Lage der Sephardim (mit statistischen Belegen über die ökonomische Lage verschiedener sephardischer Gemeinden)"; David Pyjade,: „Die Arbeit der Sephardim in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft"; Frau Mosa Soka J o s if : „Zionismus und Jewish Agency"; Frau Jelena de Ma jo: „Die sephardische Frau"; Benjamin Pinto: „Die sephardische Jugend"; Dr. Rafael Margulis: „Ueber Maßnahmen zur Stärkung der gegenseitigen Beziehungen zwischen den Balkan-Sephardim und den Sephardim aus anderen Ländern". Das Referat des Großrabbiners Dr. Alcalay zeichnete sich durch eine tiefe Kenntnis der Lage der verschiedenen Gemeinschaften der Sephardim aus und fand viel Beifäll. Picciottos Ausführungen über eine angebliche Zurücksetzung des sephardischen Elementes innerhalb des Palästina werk es erregten Widersprueh. Mehrere Redner führten daraufhin unter großem Beifall der Konferenz aus: Sephardim und Aschkenasim sind ein Körper und eine Seele, Teile einer einzigen, jüdischen Nation. Es besteht aber die dringende Notwendigkeit, die sephardischen Massen für allgemein jüdische Ziele zu erziehen. Separatistische Tendenzen sind zu verurteilen, Konflikte mit den Aschkenasim und der Zionistischen Exekutive müssen vermieden werden. Der griechische Delegierte David Florentin brachte eine scharfe Protestresolution gegen die Suspendiernng der Einwanderung nach Palästina ein. in der diese Maßnahme als eine Verletzung der Balfour-Deklaration durch Großbritannien bezeichnet wird. Als einige Delegierte glaubten, die Verantwortung iüi diese scharfe Resolution nicht übernehmen zu können, erhob sich der Großrabbiner von Jugoslawien Dr. Isaac Alkalay und trat in eindrucksvollen Ausführungen für die Annahme der Resolution ein. Daraufhin wurde diese unter starkem Beifäll einhellig zum Beschluß erhoben. Unter Absingen der Hätikwah ging die Konferenz auseinander. Polnische Behörden annullieren die Zuwendungen jüdischer Gemeinden für die zionistischen Fonds. Warschau, 14. Juni. (J. T. A.) Verschiedene Woiwodschaften haben die Zuwendungen jüdischer Gemeinden in den Jahresbudgets für Keren Ha jessod, Keren Kajemeth und Hechaluz gestrichen und die Auszahlung der Gelder u n t e r sa gt. Der jüdische Nationalrat Polens richtete ein Schreiben an den Kultusminister, in welchem darauf hingewiesen wird, daß die polnische Regierung mehrmals ostentativ ihre Sympathien für den Zionismus und den Aufbau des Jüdischen Nationalheims bekundet hat und daß die Streichung der Positionen für das Palästina-Werk in den Budgets" der Gemeinden in diametralean Widerspruch zu diesen Bekundungen der Regierung steht. Die Palästina-Session der Mandatskommission beendet. Ein Gesamtbericht an den Völkerbund wird ausgearbeitet. Genf, 14. Juni. Die Mandatskommission ging nach Beendigung der Prüfung der Ereignisse in Palästina in den Monaten August und September 1929 zur Diskussion des Jahresberichtes der Mandatarmacht für das Gesamtjahr 1929 betreffend die Verwaltung in Palästina und Transjordanien über. Seitens der britischen Regierung waren der Generalsekretär des Oberkommissariats in Palästina, Herr Luke, und Herr Clauson vom Colonial Office anwesend. Die Verteter der Mandatarmacht gaben der Kommission ergänzende Mitteilungen über die Bodenverhältnisse, das Rechtssystem, die gleiche Behandlung in wirtschaftlicher Hinsicht, die Arbeiten am Bau des Hafens in Haifa, die Tote Meer-Konzession, den Handel und die Wirtschaftlage in Palästina und Transjördanien, die Verhältnisse Im Unterrichtswesen, in der öffentlichen Gesundheit, in den Finanzen, im Handel mit Rauschgiften usw. Die Kommission schritt sodann an die A u s a r b e itung eines Berichts über die Ergebnisse ihrer außerordentlichen. Session an den Rat des Völkerbundes. [ M o de r n e HocMrepenzbehandlung Im Wiener phyelkotherap. Institut Wien, IX., Spital?, la, Tel. A.29-1-39 von 9—2 und 4-6 Uhr. Die Araber und der Völkerbund Demagogisch und unversöhnlich. Der Großmufti von Jerusalem, als der Vorsitzende des Obersten Moslemitischen RatS, hat dem Generalsekretär des Völkerbundes ein Memorandum zur Weiterleitung an den Völkerbundsrat durch den Vertreter des Syrisch-Palästinensischen Komitees, El Djabri, überreichen lassen. In dem 30. Mai 1930, datierten Memorandum erklärt der Mufti, daß die Situation in Palästina abnormal sei, sowie „dem gesunden Menschenverstand und der Gerechtigkeit" zuwider ist. Die in Palästina geschaffene Lage stehe in Widerspruch mit den von den kriegführenden Mächten verkündeten Prinzipien, mit den von Großbritannien und seinen Alliierten den Arabern gegebenen Versprechungen, sowie mit Artikel 22 des Völkerbundspaktes. Der Text deö Palästina-Mandates, erklärt der Mufti, ist nicht das Werk des Völkerbundes, sondern er enthält eine Verpflichtung, die die englische Regierung gegenüber dem Völkerbund eingegangen ist und die aus diesem Grunde als eine internationale Verpflichtung angesehen wird. Das Palästina-Mandat ist ohne jede juristische Grundlage und basiert lediglich auf dem Willen eines „allmächtigen Mitgliedes des Völkerbundes". Die Depossedierung eines Volkes zwecks Einwanderung von Juden und Erwerbs von Boden für Juden sei geeignet, in einem Lande, in dem der Stern des Friedens aufgegangen ist, einen Herd der Unruhe zu schaffen. Palästina ist ebenso arabisch, wie England englischist. Die Judaisierung dieses Landes, das ein Heiligtum des Islams und eine heilige Stätte des Christentums ist. ist ebenso schwierig, wie es z. B. „dieGermanisierung Großbritanniens" sein würde. Die jüdische Einwanderung ist beseelt von einem religiösen Geiste, der sich in nichts von dem Geist der Kreuzzüge im Mittelalter, die der Menschheit unsagbare Leiden gebracht haben, unterscheidet. Dieser Geist hat zum Ziele, den Platz des einstigen Tempels Salomo, der heute das dritte Heiligtum des Islams ist, wieder in Besitz zu nehmen. Die Klagemauer, das höchste Ziel der zionistischen Invasion, ist unbe* streitbares Eigentum der Moslems. Wir protestieren gegen jeden Versuch, den seit der Türkenzeit bestehen- ^AUBrnHac^ THSMTrfl 11 HJLL'Wl 1 J_*1C nmo. \mMBL m^ssrn «rr.mirTtw-i-nr4r.Tr-j Fi ii im den Status quo abzuändern. Bei aller Achtung vor der Ehrlichkeit der Mitglieder der Klagemauerkommission halten wir es für unsere Pflicht, zu erklären, daß dieser Kommission keinerlei Urteil in dieser Angelegenheit zusteht, da die ganze Sache nicht der Kompetenz und der Autorität des Völkerbundes unterliegt. Nichtsdestoweniger, heißt es zum Schluß des Memorandums, wünschen wir, mit allen nichtarabischen Elementen in Palästina in voller Harmonie zu leben, unter den Auspizien einer repräsentativen demokratischen Regierung, an der alle Palästinenser, arabische und jüdische, im Verhältnis zu ihrer Zahl teilnehmen sollen. * Die arabische Delegation nach Palästina zurückgekehrt J e r u s a 1 e m, 12. Juni. (J. T. A.) Die Rückkehr der arabischen Delegation aus London, der mit einer gewissen Besprgnis entgegengesehen wurde, verlief ruhig. Etwa zwei- bis dreitausend Araber waren aus den Jerusalem benachbarten Dörfern gemäß einer Einladung der Exekutive nach Jerusalem gekommen, um die Delegation zu begrüßen. Seitens der Polizei waren entsprechende Vorkehrungen getroffen worden. Jamal Husseini; der Sekretär der Delegation, war ebenfalls nach Jerusalem zurückgekehrt, während Auni Bey in Genf blieb und der Jerusalemer Bürgermeister Nashashibi sich zur Kur nach Karlsbad begeben hat. Das deutsche Judentum in der Statistik. Zahlenmäßiger Rückgang. — Verdrängung ans wichtigen Wirtschaftsgebieten. — Wenig Ehen, wenig Kinder, hohe Sterblichkeit. Im Rahmen seines von der Berliner Zionistischen Vereinigung veranstalteten Vortragszklus sprach Doktor Siegfried Kanowitz über „Das deutsche Judentum im Spiegel der Statistik". Er stützte sich dabei auf die Üntersuchungsergebnissc von Theilhaber, Koralnik, Birnbaum und Kaleko. Einleitend stellte er den Satz auf, daß die Zahlen das Schwinden der jüdi* sehen Substanz beweisen und daß man als ein« zige wirksame Abwehr den Zonen des Verfalls solche des Aufbaues entgegensetzen müsse. So erhalte Palästina auch von dieser Seite her Bedeutung. In den Achtziger jähren hat eine Auf wärtsent» Wicklung des. deutschen Judentums eingesetzt. Aus den Ostprovinzen ging ein Strom nach deni Westen,; gleichzei* tig kam die Einwanderung aus dem Osten, von der Klein* Stadt ging der Zug in die Großstadt. Zugleich wurden die wirtschaftlichen Positionen besetzt,, die man bis zum Kriege besaß. Bestimmte Berufe gerieten unter j ü d u sehen Einfluß. Heute erfolgt der Abbau dieses Ein* flusses teils durch Verdrängung, teils deshalb, weil diese Berufe heute an Bedeutung verloren haben. Hier liegt ein spezifisches jüdisches Wirtschafts Problem vor. Trotzdem sind die Keime des Unterganges frühzeitig vorhanden gewesen. Ohne die Zuwanderung aus den Ostländern wäre ein rapider Verfall eingetreten. Von 1910 bis 1925 sank die Zahl der deutschen Juden von 615.000 auf 564-000! In etwa 50 Jahren wird allein Berlin zirka 75.000 Juden verloren haben, wenn kein Zuzug erfolgt. Von 1871 bis 1925 sank der pro* zentuale Anteil der Juden an der deutschen Bevölkerung von 1,2 auf 0,9 Prozent. In den Großstädten mit über 100.000 Einwohnern sind zwei Drittel, in Orten mit unter 10.000 Einwohnern nur 17 Prozent der Juden wohnhaft. ' Wochen-Kalender Juni 1930 IVO . mn Siwan 5690 20 Freitag 24—D Sabbateingang 7.45 21 Samstag 25-np Sabbatausgang 9.50 ywm* rbm mwen ,*p nto 22 Sonntag 20-13 23 Montag 27-t3 24 Dienstag 2lhn3 25 Mittwoch 29-B3 28 Donnerstag so-* ttrm v*r\ »a k