Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 144 (20.6.1930)
- Date
- 1930-06-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711762--1898-2715147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seife« DIE NfeUE WELT •Ii ABBAZIA LAURANA Orth od. kösch. Pension WEISS neu eröffnet Erstklassige Küche Mäßige Preise Auf Wunsch Prospekte Bad Gleichenberg— IttO Streng orthodox npn PENSION viua FRANZENSBURG neu renoviert, eb 10. Juni eröffnet! Erstkl. Vollpension S 7.50—S 9 pro Tag BBMBBBBBBBHBBHBBBBBHHBH KOMET-FRUCHTER 80 Prozent der zeugungsfähigen Jahrgänge sind in Berlin konzentriert, stehen aber unter dem Einflüsse der Weltstädte. Die Großstadt erzeugt nun E n t j u d u n g, Ehelosigkeit und Geburtenbeschränkung, Taufe und Mischehe. Während die berufliche Glie* derung in. den östlichen . Kleinstädten noch halbwegs bodenständig war, änderte sich dies durch das Ab* strömen aus Posen - Westpreußen. Insgesamt sind 250.000 Juden von dort fortgegangen, davon 10 0.0 0 0 nach Berlin. Aber auch manche größeren Gemeinden hatten schwere Verluste. Die Juden werden aus ihren Positionen in Finanz, Industrie und Großhandel verdrängt, da die Zeit der individuellen Kapitalisten vom anonymen Kapitalismus abgelöst wird. Besonders typisch hiefür ist der Verlust des Metallgroßhandels für das deutsche Judentum. Der Jude unterliegt im Kampfe mit. Gemein« Wirtschaft und Volkskapital. Dabei nahm der Anteil der Juden an Handel und Verkehr bis 1925 noch zu. Die Versuchung, einer gefährdeten Gruppe zu entfliehen, steigert sich dadurch natürlich. Aber auch der Versuch einer Produktivierung führt zur Assimilation, da das deutsche Judentum auf den Stil des Kleinbürgertums zugeschnitten ist. Der Jude wird also zwischen Kapital und Arbeit zerr ie b e'n, er wird einerseits vom Kapital heute nicht mehr aufgenommen, anderseits bezahlt er die Aufnahme in die Arbeiterschaft sehr teuer. Die Anteilsteigerung an Handel und Verkehr be* deutet nicht ein Steigen der Selbständigen, sondern nur der jüdischen Angestelltenschaft. Der vermittelnde und verwaltende Charakter des: deutschen Juden-' tums; hat sich noch stärker ausgeprägt. ' Die jüdischen Eheschließungen sind spar* lieh. Ein Viertel der Juden heiratet nicht, ein Viertel bleibt kinderlos verheiratet, ein Viertel hat ein Kind, nur ein Viertel hat mehr als ein Kind. Die Spät ehe ist typisch bei Juden. Etwa''16 Prozent der Jüdinn e n bleiben unverheiratet. Die Kurve der Geburten ist dauernd gesunken. 1875 bis 1880 betrug die Ziffer 31 pro 1000, 1906 nur 16 pro 1000 (selbst Frankreich hatte 19 bis 21 pro 1000). 1925 hatte das preußische Judentum nur 11 pro 1000 Geburten (1910 noch 14 pro 1000). Notwendig wären zur Arterhaltung mindestens 14,3 pro 1000. Berlin hatte trotz seiner jungen Jahrgänge"*pro Jahr ein B e v öl-kerü ng's defizit von 1500 jüdischen S e e 1 e'n. Hier: dürfte die Geburtenziffer nur 5 bis 6 pro 1000 betragen. (Palästina hat dagegen 35 pro 1000 bei den Juden!) Auch die jüdische Sterblichkeit beginnt zu steigen, weil die U eb e r a 11 e f u rig. ungünstig wirkt. Einige Zeit hindurch' lag sie sehr günstig. 1920 bis 1927 wurden in Preußen 40.000 Juden geboren und 45.676 starben. Auf jede jüdische Ehe kommen anderthalb Kinder. Koralnik schlägt als Abhilfemaßnahme eine Senkung der Sterblichkeit durch Sanierung des Ostjudenquartiers bei uns vor. Die Taufe spielt heute keine große Rolle, mehr der Aus« tritt (zu den Dissidenten). Nur ein Viertel der Kinder aus den Mischehen bleiben Juden. Ein Viertel aller jüdischen Eheschließungen waren Mischehen. (20.000 in den letzten 16 Jahren.) 1929 kamen auf 2780 rein jüdische Ehen 1500 Mischehen. Die verschiedenen bevölkerungspolitischen Vorschläge, die man alldem gegenüber machte, haben nur begrenzte Bedeutung. Die Wichtigkeit von Wanderung und Ansiedlung erlangt da* her auch unter diesem Gesichtspunkt erhöhtes ^Gewicht. Henry Morgenthau will von , Juden nichts wissen. Henry Morgenthau und Griechenland. Saloniki, 13. Juni. (J. T. A.) Henry Morgenthau, der einstige amerikanische Botschafter in Konstautinopel und spätere Präsident der Völker b u u d sk omm is s i 0 n zur Unterbringung der griechischen Flüchtlinge, hat soeben zusammen mit dem Ministerpräsidenten' Venizelos eine Inspektionsreise durch Mazedonien und Thrazien absolviert. Er wurde überall mit großer Ehre empfangen, Die Stadt Saloniki und fünf andere Städte ernannten ihn zu ihrem Ehrenbürgermeister und benannten Straßen nach ihm. Der Jude Henry Morgenthau ist zur Jahrhundertfeier der Befreiung Griechenlands nach Athen gefahren, um dein griechischen Volke zu huldigen. Dieser für die Freiheit Griechenlands so begeisterte Mann, hat keinen Sinn für die Freiheit des eigenen Volkes. Er gehört zu den ärgsten Feinden des jüdischen Nationalheimes in Palästina. Die jüdische Welt ist eine verrückte Welt! * Zum Aufenthalte Mergenthaus in Athen wird uns geschrieben: Der gewesene Botschafter Amerikas in der Türkei vor dem Krieg, Henry Morgenthau, ist auf das Judentum unversöhnlich böse. Seitdem er sich als führendes Mitglied der amerikani sehen Untersuchungskommission in seinem Bericht über die Lage der Juden in Polen so unsterblich blamiert hat, kann er die einmütige ablehnende Haltung der jüdischen und auch eines großen Teiles der nichtjüdischen amerikanischen öffentlichen Meinung nicht vergessen, er kann nicht verzeihen, daß seine den tatsächlichen Verhältnissen entgegengesetzten Be richte in der schärfsten Weise zurückgewiesen wurden. Seitdem besteht zwischen Henry Morgenthau und den jüdischen Organisationen der Welt eine wie es scheint unüberbrückbare Kluft. Wiederholt hat man Morgenthau vorgehalten, daß die amerikanische Re gierung durch seine Ernennung zum Botschafter von Konstantinopel nicht nur seine persönlichen Fähigkeiten honoriert hat, sondern auch das Judentum in seiner Gesamtheit ehren wollte. Auch er selbst hat damals bei jeder Gelegenheit sein Juden tum hervorgekehrt und unterstrichen. Allerdings, er konnte mit der Entwicklung der Zeit nicht Schritt halten, er . ist ein überzeugter Assimi laut und läßt das die jüdische Gemeinschaft auch überall, wo ihm hiezü Gelegenheit geboten wird, in nicht immer vornehmer Weise fühlen. Dafür genießt das Hellenentum den Vorzug seiner opferwilligen Hilfsbereitschaft, und als der Konflikt zwischen der geschlagenen Türkei und Griechenland durch den Austausch nationaler Volksmassen zwischen der Türkei und Griechenland liquidiert wurde, war es in allererster Reihe Henry Morgenthau, der sich mit seinem ganzen Wissen und Kön nen, seinem ungeheuren Einfluß, finanziell und moralisch, auf die Seite Griechenlands gestellt hat, das es auch niemals verabsäumt, Henry Morgenthau als den Retter des griechischen Volkes zu feiern und zu ehren. Diesem Henry Morgenthau gelten auch all die Ehrungen, die ihm jetzt in der gesamten griechischen Presse als Ehrengast der Regierung aus Anlaß der Hundertjahrfeier der Unabhängigkeit; Griechenlands zfcteil werden. Die furchtbare wirtsdiaftliche Lage der Juden in Griechenland und besonders in Sa 10n i k i ist allgemein bekannt und dürfte auch Henry Morgenthau nicht verborgen geblieben sein. Als Morgenthau mit seiner Gattin der Stadt Saloniki die Ehre seines Besuches, erwies, war es nur natürlich, daß das Präsidium der jüdischen Gemeinide, der größten und ältesten Griechenlands, an die Gäste die Einladung ergehen ließ, auch, die jüdische Gemeinde und ihre Anstalten der. Auszeichnung eines Besuches zu "würdigen. Die Antwort war niederschmetternd schroff. Henry Morgenthau und Gattin ließen sagen, daß, sie. für derlei Besuche keine Zeit übrig haben. Das Präsidium der jüdischen Gemeinde hat sich dieses Verhaltens Mergenthaus offenbar sehr geschämt, denn es ließ Herrn Mergenthau sagen, daß die jüdischen Anstalten durchaus nicht etwa auf Spenden reflektieren, sondern gestanden ganz offen ein, daß die Juden von Saloniki es als eine Prestigesache ansehen, daß angesehene Gäste der griechischen Regierung öffentlich ihre Zugehörigkeit zum Judentum bekunden. Auch dieses Argument übte keine Wirkung auf den unerbittlichen Morgenthau aus. Das Vorgehen des Gemeindepräsiddums von Saloniki war bis zu diesem Zeitpunkte noch verständlich. Was aber die Führer der Saloniker Judengemeinde hierauf unternahmen, kann von niemandem gebilligt werden, der auf jüdische Selbstachtung, sondern auch der jüdischen Gemeinseihaft Gewicht legt. Das Kultuspräsidium ersuchte nämlich eine Anzahl angesehener Griechen, auf-Henry Morgenthau einzuwirken, daß er von seinen jüdischen Ronnationalen während seiner Anwesenheit Notiz nehme. Aber Morgenthau blieb auch jetzt hart und mied jede Berührung mit dem offiziellen Judentum von Saloniki, Daß dieses Vorgehen eines bei den Griechen so angesehenen Juden nicht geeignet ist, das moralische Gewicht der Juden Griechenlands zu erhöhen, ist natürlich. Henry Morgenthau hat sich auch diesmal als ein waschechter Vertreter des Assimüantentums erwiesen und muß danach beurteilt werden. Nf. m ........................<..............».....».......> Velksbibliothek Zion M, KlitM Möhr.figata« 8 _ veranstaltet am Donnerstag, den 19. Juni ein Gartenfest im Kasino Zögcrnlfx, XIX., Döblinger Hauptstraße 76 (Haltestelle Ga) bei schlechter Witterung im StrauB-Saale dortselbst / Tanz Tombola / Juxpost / Ballonschlacht u. v. a. Belustigungen / Beginn 6 h / Ende nach 12 h Katten erhältlich r Bibliothek, Zionistische» Landes- , komitee,!.. KSrntnerstraße 28 und Buchhandlung Rath, 2; Ii., Taborstraße 20a ,. Illlllllllllllllllllllllllllllll Personalnachricht. Das Büro der von Herrn David Nebenzahl geleiteten City-Filiale der Lebensversicherungsgesellschaft „Phönix , der Vertragsanstalt des Jüdischen Nationalfonds, befindet sich jetzt: J„ Bäckerstraße 9, Telephon R-23-003. Sämtliche Arten der Lebens* und Schadensversicherungen, auch Renten- und Pensidnsversicherungen, werden zu günstigen Bedingungen abgeschlossen. Herren und Damen finden —- auch im Nebenberuf — außerordentliche Verdienstmöglichkeiten; E AUS PALÄSTINA. Der Außenhandel von Palästina im Februar 1930. Im Februar 1930 betrug der Import 540.906 Pfund gegenüber 477.833 Pfund im Februar 1929. Der hauptsächliche Zuwachs bestand in Heizmaterialien für Bauzwecke und für Orangenkisten, Baueisen, Automobilen und Webwaren. . Der Export betrug 253.009 Pfund gegenüber 167.657 Pfund. Der Haupiiuwachs bestand in Orangen, Seife und Mais. Der Reexport betrug 23.520 Pfund gegenüber 9070 Pfund im Februar vorigen Jahres. Der größte Teil des Reexportes ging nach Aegypten. Umlauf von Münzen in Palästina. Das „Commercial Bulletin" der Regierung teilt mit, daß im Monat März 1930 sich in Palästina Münzen im Betrage von 2,197.664 Pfund im Umsatz befanden, davon eine Viertelmillion Pfund in Metallmünzen, das übrige in Papiergeld. Von den Metallmünzen sind am meisten in Gebrauch die Münzen von 5 und 50 Mil, jede von ihnen in einer Anzahl von über 2 Millionen. Von Papiergeld ist besonders iu Gebrauch das Ein-Pfund-Stück. Von Noten über 100 Pfund gibt es im Lande nur 216 Stück. Stetiger Rückgang der Lebensmittelpreise. Das offizielle Handelsbulletin der Palästina- : Regierung berichtet von einem stetigen Rückgang des Lebensmittelindexes. Nach diesem Index betrug der Durchschnitt im Jänner 1930 68,7 Prozent, im Februar 65,5 Prozent und ging im März auf 62,5 Prozent zurück. (ZikoJ Die Arbeitslage in den Städten. In Jerusalem. Die Baubewegung in Jerusalem nimmt immer größeren Umfang an. In einigen Zweigen macht sich ein Mangel an Facharbeitern bemerkbar. Auch alle nichtgelernten Arbeiter sind beschäftigt. Im Zentrum der neuen Stadt und auch iu den jüdischen Wohnvierteln wird viel gebaut. Letztens organisieren sich Gruppen zu je 10 Personen, von denen jeder 400 Ellen Boden besitzt, und schreiten an die Errichtung von Wohnhäusern in einem neuen Viertel heran. In Haifa. In Haifa sollen in den Monaten April- Juni verschiedene Bauarbeiten eingeleitet werden, die 405 neue Arbeiter aufnehmen können. Diese Arbeiten werden 4 bis 9 Monate dauern. Außerdem wird in diesem Sommer die Errichtung der ersten 200 Häuser im Haifaer Arbeiterviertel eingeleitet werden. Diese Arbeiten werden 150 Personen im Laufe von 8 bis 10 Monaten beschäftigen. 90 Prozent der Ernte im Emek von Ratten aufgefressen. Jerusalem, 13. Juni. (J. T. A.) Die jüdischen Siedlungen des Tales Esdraelon wurden in den letzten Tagen von einer katastrophalen Ratteninvasion heimgesucht. Die Ratten vernichteten 9 0 Prozent der Feldernte, die in diesetm Jahre eine außergewöhnlich gute war. Der Schaden ist ungeheuer, am schwersten litten die Kolonien N a h a 1 a 1 und A f u 1 e h. Die vom Landwirtschaftsdepartement der Regierung gegen die Plage angewandten Methoden haben sich als unwirksam erwiesen; die Behörden wollten nicht den jüdischen Kolonisten die Anwendung radikaler Rattenvertilgungsmaßnahmen erlauben, da sie befürchteten, daß die Brunnen, aus denen einige Araber ihren Bedarf an Trinkwasser decken, infiziert werden' könnten. Die Zionistische Exekutive glaubt, daß es notwendig sein wird, den betroffenen Kolonien des Emek 3 0.0 0 0 Pfund zu bewilligen, damit sie sich von den Folgen dieser letzten Heimsuchung erholen. Der dritte Teil dieser Summe wurde bereits überwiesen. Hebron infolge des Auszuges der Juden ruiniert, Jerusalem, 13. Juni. (J. T. A.) Eine Abordnung des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) begab sich nach Hebron, um die Meldungen über Entweihungder Grabsteine der jüdischen Opfer der Massakers vom August 19 29 auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen. Bei dieser Gelegenheit wurde der Abordnung seitens der britischen Behörden in Hebron sowie auch seitens prominenter Araber mitgeteilt, daß die Stadt Hebron infolge des Auszuges der